{"id":11347,"date":"2005-08-01T09:57:13","date_gmt":"2005-08-01T09:57:13","guid":{"rendered":".\/?p=11347"},"modified":"2005-08-01T09:57:13","modified_gmt":"2005-08-01T09:57:13","slug":"11347","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/08\/11347\/","title":{"rendered":"Kl&auml;glicher Naziaufmarsch"},"content":{"rendered":"<p>Nur unter massiven Polizeischutz konnten Nazis in Hamburg aufmarschieren.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nAm 30. Juli scheint &uuml;ber Hamburgs Bezirk Mitte der Ausnahmezustand verh&auml;ngt worden zu sein. Einheiten der Bundespolizei reisten bereits einen Tag vorher an. Ganze Stra&szlig;enz&uuml;ge sind abgesperrt. Der Verkehr staut sich in den Stra&szlig;en. Um die Route Burgstra&szlig;e bis Wandsbek ist eine Art Armee zusammen gezogen: Mehrere Wasserwerfer, R&auml;umpanzer, Hundertschaften schwer gepanzert mit Schildern und Schlagst&ouml;cken, die Umgebung wird von Streifenwagen und Zivilfahndern &uuml;berwacht. Der Grund f&uuml;r diesen Ausnahmezustand: Zirka 100 Neonazis, die von der Burgstra&szlig;e bis Wandsbek marschierten. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Wo du stehst kann kein Nazi stehen<\/span><\/p>\n<p>  Waren diese 100 Gestalten derartig gef&auml;hrlich? Gef&auml;hrlich waren sie nicht, aber gef&auml;hrdet. Am Hauptbahnhof hatten sich rund 1500 Menschen zu einer Gegendemonstration versammelt, um sich dem Naziaufmarsch in den Weg zu stellen. Auch in den betroffenen Stadtteilen regte sich Widerstand. Auf Initiative der Bezirksgruppe Mitte der WASG Hamburg wurde auch eine Gegendemonstration in Hamm organisiert. Ziel war gemeinsam mit den AnwohnerInnen des Bezirks gemeinsam gegen den Naziaufmarsch zu protestieren. Zuvor hatten wir Flugbl&auml;tter verteilt, Plakate aufgehangen und ein Treffen veranstaltet, um die Aktion bekannt zu machen. Tats&auml;chlich zogen rund 150 Menschen mit Transparent , Demowagen und lauten Sprechch&ouml;ren durch die Wohnviertel von Mitte, trotz sintflutartiger Regenf&auml;lle. Solch ein Protest war zwischen diesen H&auml;userw&auml;nden lange nicht zu sehen. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Antifaschismus ohne Antworten auf die soziale Frage ist hilflos<\/span><\/p>\n<p>  Die RednerInnen in Hamm betonten, dass Antifaschismus mehr bedeutet als den Neonazis nicht die Stra&szlig;e zu &uuml;berlassen. Es bedeutet genauso mit KollegInnen gemeinsam gegen Entlassungen und Lohnraub zu k&auml;mpfen- auch &uuml;ber L&auml;ndergrenzen hinweg. Oder gemeinsam mit sozialen Bewegungen anderer L&auml;nder gegen eine unsoziale Globalisierung anzugehen. Gemeinsamer Kampf f&uuml;r ein besseres Leben ist die beste Grundlage dem Rassismus den Boden zu entziehen. Wir d&uuml;rfen uns nicht wegen unserer Religion, unserem Geburtsort oder sexuellen Orientierung gegeneinander ausspielen lassen. Die Regierung verordnet Armut per Gesetz, nicht meine Mitsch&uuml;lerin aus Makedonien. Die Deutschen Bank entl&auml;sst KollegInnen, um ihre Profite zu sanieren, nicht mein Kollege aus der T&uuml;rkei. Deswegen d&uuml;rfen wir nicht zulassen, dass Rassisten diese Tatsachen verdrehen und MigrantInnen die Schuld f&uuml;r das Versagen dieses Wirtschaftssystems zuschieben. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Die aktuelle Krise: Gefahr und Chance<\/p>\n<p>  <\/span>Solange eine Polizeiarmee notwendig ist, um den Neonazis einen Marsch durch unsere Stadt zu erm&ouml;glichen, kann von einer &#x92; Rechtsverschiebung&#x91; unserer Gesellschaft nicht die Rede sein. Die Erfolge der Nazis dr&uuml;cken vor allem eins aus:<\/p>\n<p>  1. Dass die soziale Entwicklung viele Menschen von den b&uuml;rgerlichen Parteien und Institutionen entfremdet hat ( zeigt sich zum Beispiel an dem Heer von Nichtw&auml;hlern)<\/p>\n<p>  2. Dass bisher eine glaubw&uuml;rdige Alternative zu den etablierten Parteien gefehlt hat. Dieses politische Vakuum versuchen die Neonazis zu f&uuml;llen. Daf&uuml;r geben sie sich gern als &#x92;nationale, soziale Alternative zum neoliberalen Einheitsbrei&#x91;. <\/p>\n<p>  3. Dass gerade auch Vertreter der b&uuml;rgerlichen Parteien und Medien rassistisches Gedankengut verbreiten (beispielsweise Debatte &uuml;ber Auffanglager in Afrika). Die Nazis k&ouml;nnen sich dann als konsequente Vollstrecker dieser Ideen pr&auml;sentieren. <\/p>\n<p>  Die Erfolge der Nazis sind also weniger Ausdruck ihrer eigenen St&auml;rke. Vielmehr sind sie ein Ergebnis der sozialen und wirtschaftlichen Krise, als auch das Versagen der etablierten Parteien darauf eine befriedigende Antwort zu geben. Deswegen m&uuml;ssen wir eine glaubw&uuml;rdige Alternative aufbauen, die eine wirkliche Antwort hat auf die wirtschaftliche und soziale Krise. Die Initiative in Hamm ist ein konkretes Beispiel wie diese Aufbauarbeit aussehen kann. Mit dem Aufbau einer WASG Jugend hier in Hamburg werden wir bald ein weiteres Beispiel daf&uuml;r geben k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Eine letzte Frage<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Zum Schlu&szlig; bleibt noch eine Frage. Warum wurde am 30. Juli solch ein Aufwand betrieben, um die Freiheit von Menschen durchzusetzen, deren Vorbild der industriell organisierte Terror des dritten Reiches ist. Ist es gerechtfertigt f&uuml;r ca. 100 Neonazis eine Art Ausnahmezustand zu verh&auml;ngen? F&uuml;r den Hamburger Senat anscheinend schon. Noch ein Grund mehr eine politische Alternative aufzubauen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Andreas Schmidtke aus Hamburg<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur unter massiven Polizeischutz konnten Nazis in Hamburg aufmarschieren.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11347"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11347\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}