{"id":11345,"date":"2005-07-30T14:21:18","date_gmt":"2005-07-30T14:21:18","guid":{"rendered":".\/?p=11345"},"modified":"2005-07-30T14:21:18","modified_gmt":"2005-07-30T14:21:18","slug":"11345","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/07\/11345\/","title":{"rendered":"Koalieren? Tolerieren? &#8211; Widerstand organisieren!"},"content":{"rendered":"<p>Soll die Linkspartei im Bundestag eine rot\/gr&uuml;ne Minderheitsregierung tolerieren? Beitrag der SAV zu den Vorschl&auml;gen von Linksruck und Heino Berg.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nMaggie Merkels CDU\/CSU verliert in Meinungsumfragen und die b&uuml;rgerlichen Medien haben pl&ouml;tzlich die M&ouml;glichkeit einer Regierungskoalition aus SPD, Gr&uuml;nen und Linkspartei entdeckt. Aussagen der SPD-Restlinken Ottmar Schreiner und Sigrid Skarpelis-Sperk, man d&uuml;rfe ein solches B&uuml;ndnis nicht ausschlie&szlig;en werden von Journalisten als &#x91;Streit&#x91; in der SPD interpretiert. Und auch in der WASG hat eine Debatte um die Frage begonnen, ob sich das B&uuml;ndnis aus Linkspartei\/PDS und WASG schon im Wahlkampf gegen jede M&ouml;glichkeit einer Regierungszusammenarbeit mit SPD und Gr&uuml;nen aussprechen oder dies unter bestimmten Bedingungen anbieten soll. Zu Wort gemeldet haben sich Christine Buchholz, Mitglied des WASG-Bundesvorstands und der Organisation Linksruck, und Heino Berg, Parteitagsdelegierter aus Bremen und einer der Mitorganisatoren des Linkentreffens vom 2. Juli 2005. <br \/> Einig sind sich beide darin, dass eine Regierungsbeteiligung nicht in Frage kommt, es aber ein an politische Bedingungen gekn&uuml;pftes Tolerierungsangebot geben soll. Eine solche Vorgehensweise diene dazu, in der &Ouml;ffentlichkeit nicht als &#x91;Steigb&uuml;gelhalter f&uuml;r die Konservativen&#x91; (Buchholz) zu erscheinen. Auch Heino Berg schreibt, man k&ouml;nne das Problem des Misstrauens in der Bev&ouml;lkerung nicht dadurch l&ouml;sen, dass <span style=\"font-style: italic;\">&#x91;sich die Linke auf eine inner- und\/oder au&szlig;erparlamentarische Protestrolle beschr&auml;nkt&#x91;<\/span>. Schlie&szlig;lich brauche man Parteien, <span style=\"font-style: italic;\">&#x91;die nicht nur bei Demonstrationen gegen Hartz IV und andere Sozialk&uuml;rzungen protestieren, sondern diese Forderungen dann auch in Parlamenten und Regierungen durchsetzen wollen.&#x91;  (die Texte von Christine Buchholz und Heino Berg finden sich im Anschluss an diesen Artikel)<\/span><\/p>\n<p> Es ist zweifelsfrei richtig, dass eine politische Partei immer ihren Willen und ihre Bereitschaft zur realen Ver&auml;nderung der Verh&auml;ltnisse dokumentieren muss und es ein Fehler ist, sich als ewige Oppositionskraft zu pr&auml;sentieren oder gar die Opposition zum Zweck der politischen Arbeit zu erheben. Dementsprechend sollte die grunds&auml;tzliche Bereitschaft zur &Uuml;bernahme der Regierungsgesch&auml;fte immer bejaht werden. Wie so oft kann man sich auch hier ein Beispiel an Lenin nehmen, der im Fr&uuml;hjahr 1917 &#x91; zu einem Zeitpunkt als seine bolschewistische Partei noch eine deutliche Minderheit in den Arbeiter- und Soldatenr&auml;ten darstellte &#x91; auf einer Versammlung verschiedener linker Kr&auml;fte der einzige war, der die Bereitschaft zur v&ouml;lligen Regierungs&uuml;bernahme erkl&auml;rte &#x91; und daf&uuml;r Gel&auml;chter erntete. <br \/> Genauso ist es richtig, dass Regierungsbeteiligung oder Tolerierung kein Selbstzweck ist. Beides ist nur gerechtfertigt, wenn dadurch Verschlechterungen f&uuml;r die Masse der Bev&ouml;lkerung verhindert und ein Politikwechsel eingeleitet werden k&ouml;nnen. <br \/> Daraus ergibt sich, dass die Linkspartei- und WASG-F&uuml;hrungen sicher &ouml;ffentlich erkl&auml;ren sollten, dass sie bereit sind sich an einer Regierung zu beteiligen, wenn diese eine Politik betreiben w&uuml;rde, die nicht den Interessen der Banken und Konzerne, sondern den Interessen der arbeitenden und erwerbslosen Bev&ouml;lkerung verpflichtet ist. Konkret w&uuml;rde das unter anderem die R&uuml;cknahme von Hartz IV und Agenda 2010 bedeuten. So kann die SPD politisch herausgefordert werden und k&ouml;nnen diejenigen W&auml;hlerInnen erreicht werden, die auch am 18. September SPD als vermeintlich &#x91;kleineres &Uuml;bel&#x91; w&auml;hlen werden, um Merkel zu verhindern. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">SPD nicht zu Politikwechsel bereit <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> Aber die Wahrheit ist konkret und nach Rosa Luxemburg und Ferdinand Lassalle ist die revolution&auml;rste Tat zu sagen, was diese ist. Und die Wahrheit ist: es gibt keine relevanten Teile des Funktion&auml;rsk&ouml;rpers oder der Gremien bei SPD und Gr&uuml;nen, die zu einem Politikwechsel bereit sind. Die Schreiners und Skarpelis-Sperks sind ohne Einfluss in der Sozialdemokratie, &auml;hnliche Figuren findet man bei den Gr&uuml;nen schon gar nicht mehr. Der Grund f&uuml;r diese Situation ist, dass die SPD ihre aktive Arbeiterbasis weitgehend verloren hat und es keine Kr&auml;fte mehr in der Partei gibt, die einen starken Druck von links unten auf die Parteif&uuml;hrung aus&uuml;ben k&ouml;nnten. Die pseudo-linken Spr&uuml;che und Forderungen nach einer Million&auml;rssteuer und &auml;hnlichem &auml;ndern daran nichts. Sie sind reine Wahltaktik, der verzweifelte Versuch zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Darin dr&uuml;ckt sich aus, dass die SPD in den neunziger Jahren ihren Charakter grundlegend ver&auml;ndert hat: von einer Partei mit einer aktiven Massenbasis in der Arbeiterklasse und vor allem unter GewerkschaftsaktivistInnen, die von einer b&uuml;rgerlichen, dem Kapitalismus verpflichteten F&uuml;hrung &#x91;besetzt&#x91; war, ist sie zu einer durch und durch b&uuml;rgerlichen Partei geworden, die zur Vorreiterin neoliberaler Politik in der Bundesrepublik mutierte. Daran &auml;ndert auch das B&uuml;ndnis der SPD mit den Gewerkschaftsf&uuml;hrungen und die Existenz einiger linker Mitglieder nichts. Ver&auml;nderungen in der SPD zur&uuml;ck zu einer Arbeiterpartei sind extrem unwahrscheinlich und k&ouml;nnten nur nach Verlust der Regierungsverantwortung und durch den Druck massiver Klassenk&auml;mpfe stattfinden. Aber selbst das ist unwahrscheinlich, weil durch die Entstehung der WASG und die Entwicklung zur Linkspartei eine Kraft entsteht, die zum Anziehungspunkt f&uuml;r AktivistInnen der kommenden K&auml;mpfe werden kann. Nur wenn diese Chance vertan wird, k&ouml;nnte die SPD noch einmal zu einem Orientierungspunkt f&uuml;r ArbeiterInnen werden. <\/p>\n<p> Wenn also Christine Buchholz ihre Bedingungen f&uuml;r ein Tolerierungsangebot aufz&auml;hlt &#x91; R&uuml;cknahme von Hartz IV, ein Zukunftsinvestitionsprogramm, Steuererh&ouml;hungen f&uuml;r Reiche und Unternehmen, Mindestlohn von 1500 Euro und Abbruch aller Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr &#x91; muss man kein Hellseher sein, um zu wissen, dass dies f&uuml;r die heutige SPD und auch f&uuml;r eine SPD, die von M&uuml;ntefering oder Beck statt Schr&ouml;der gef&uuml;hrt w&uuml;rde absolut unannehmbare Bedingungen sind. Nicht nachvollziehbar ist jedoch, dass Chrstine Buchholz und ihre Organisation Linksruck diese Bedingungen weder f&uuml;r ein Zusammengehen von WASG und PDS noch solche Bedingungen von der PDS f&uuml;r die Regierungskoalitionen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern fordern. &Uuml;berhaupt fasst Buchholz die PDS mit Samthandschuhen an. Ihre Sozialabbau betreibende Regierungspolitik in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hat f&uuml;r Buchholz nur die <span style=\"font-style: italic;\">&#x91;Glaubw&uuml;rdigkeit der PDS als soziale Kraft besch&auml;digt&#x91;<\/span>. Sie fordert nicht einmal einen Bruch mit dieser Politik und mit den Koalitionsregierungen in den beiden L&auml;ndern. <br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Regieren in Zeiten der Krise <\/span> <\/p>\n<p> Wenn SPD und Gr&uuml;ne die formulierten Bedingungen annehmen w&uuml;rden, g&auml;be es &uuml;brigens keinen Grund nur zu tolerieren und nicht gleich in eine Koalitionsregierung einzutreten. Denn die Bedingungen, insbesondere die Forderung nach Beendigung der neuen milit&auml;rischen Rolle des deutschen Imperialismus, w&uuml;rden einen Frontalangriff auf die Interessen der deutschen Kapitalisten darstellen und eine qualitative Zuspitzung der Klassenwiderspr&uuml;che nach sich ziehen. Eine Regierung, die ein solches Programm proklamiert, w&auml;re mit dem massiven Widerstand des Kapitals konfrontiert und st&uuml;nde schnell vor der Alternative zu kapitulieren oder die Arbeiterklasse f&uuml;r die Durchsetzung des Regierungsprogramms zu mobilisieren und den Klassenkampf selber zuzuspitzen. Eine solche Entwicklung w&uuml;rde viel weitergehende Fragen aufwerfen &#x91; unter anderem die Notwendigkeit eine Arbeiterregierung nicht auf den kapitalistischen Staatsapparat zu st&uuml;tzen, sondern alternative Machtstrukturen durch den Aufbau von neuen Selbstverwaltungsorganen der Arbeiterklasse (Komitees, R&auml;te) zu bilden. <\/p>\n<p> Es ist eine Sache darauf hinzuweisen, dass Linkspartei und WASG in der &Ouml;ffentlichkeit nicht als &#x91;Opposition aus Prinzip&#x91; erscheinen sollen. Eine andere Sache ist es, lange Papiere zu formulieren, die zum Ziel haben ein tats&auml;chliches Tolerierungsangebot an SPD und Gr&uuml;ne zu rechtfertigen. Dies ist ein Fehler, weil es erstens impliziert, es k&ouml;nne in der SPD zu Ver&auml;nderungen kommen, die eine Tolerierung m&ouml;glich machen und zweitens eine falsche Orientierung auf die parlamentarische Ebene beinhalten. Aufgabe von SozialistInnen ist es aber zu betonen, dass die Durchsetzung von Forderungen nur durch eine Steigerung und Zuspitzung von Massenmobilisierungen, Protesten und Streiks m&ouml;glich ist und nur die formale Durchsetzung sich dann im Parlament und in der Regierung vollzieht. Dies gilt umso mehr in der heutigen Zeit struktureller kapitalistischer Krise und eines gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisses, dass sich in den letzten zwanzig Jahren zuungunsten der Arbeiterklasse verschoben hat. In den siebziger Jahren mag die Drohung von Mobilisierungen der Arbeiterklasse dazu ausgereicht haben, dass eine SPD-gef&uuml;hrte Bundesregierung gewisse Reformen umgesetzt hat, heute reicht das nicht mehr. Das wiederum bedeutet nicht, dass eine linke Regierung nur unter revolution&auml;ren Bedingungen Verbesserungen im Interesse der Arbeiterklasse durchf&uuml;hren k&ouml;nnte, wie Christine Buchholz behauptet. Es bedeutet, dass sich das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis zugunsten der Arbeiterklasse verschieben muss und sich eine linke Regierung auf ein solches, durch Massenbewegungen und eine starke Selbstorganisation ver&auml;nderte, Kr&auml;fteverh&auml;ltnis st&uuml;tzen m&uuml;sste. Dabei w&auml;re sie selber in der Verantwortung sich an die Spitze von Bewegungen zu stellen. Ein lehrreiches Beispiel f&uuml;r eine solche sozialistische Regierungspolitik (zumindest auf kommunaler Ebene) ist der Stadtrat von Liverpool in den Jahren 1983 bis 1987, als er von der &ouml;rtlichen Labour Party gef&uuml;hrt wurde, in der die MarxistInnen von Militant (heute Socialist Party, Schwesterorganisation der SAV) die Mehrheit gewonnen hatten. Dieser setzte ein beeindruckendes Reformprogramm um, in dem er sich auf Demonstrationen und Streiks der Liverpooler Arbeiterklasse st&uuml;tzte. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Lafontaines und Gysis Perspektive <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> Leider verkennen die Bef&uuml;rworterInnen eines Tolerierungsangebots auch, dass sie damit &#x91; wahrscheinlich ungewollt &#x91; Oskar Lafontaine und Gregor Gysi Flankenschutz erteilen, wenn diese davon sprechen, dass 2009 eine Koalition mit der SPD im Bund m&ouml;glich ist und sogar die M&ouml;glichkeit einer gemeinsamen Partei mit der SPD er&ouml;rtern. Nat&uuml;rlich sehen auch Lafontaine und Gysi diese M&ouml;glichkeiten nur unter der Voraussetzung, dass sich die SPD &auml;ndert. Aber wie weit? Sicher nicht zu den Bedingungen von Christine Buchholz, sondern nur zur Vor-Agenda 2010-SPD, die auch schon eine Politik gegen die Interessen der Arbeiterklasse durchgef&uuml;hrt hat. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r eine neue Arbeiterpartei <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br style=\"font-weight: bold;\"> Die Wahrheit ist konkret: Die Frage von Tolerierung oder Koalition wird sich nur stellen, wenn CDU\/CSU und FDP keine Mehrheit zustande bekommen. Tolerierung einer Minderheitsregierung von SPD und Gr&uuml;nen w&uuml;rde bedeuten einen SPD-Kanzler zu w&auml;hlen und dem Haushaltsentwurf zuzustimmen, um die Arbeitsf&auml;higkeit einer Regierung zu gew&auml;hrleisten. Dieser basiert auf einem Regierungsprogramm, das vor der Kanzlerwahl erkl&auml;rt werden m&uuml;sste. Ist das geschehen k&ouml;nnte im Parlament jede weitere Entscheidung als Sachfrage behandelt werden. Der Haushaltsentwurf stellt aber die Weichen: weitere K&uuml;rzungspolitik oder Ausbau der Sozialleistungen und Investitionsprogramme. <br \/> Abstrakt betrachtet k&ouml;nnte man zu einer Tolerierung einer SPD\/Gr&uuml;nen-Regierung sogar bereit sein, wenn diese weniger Bedingungen erf&uuml;llen w&uuml;rde, als von Christine Buchholz aufgestellt. Aus Sicht der Arbeiterklasse w&auml;re es ausreichend &#x91; um eine thatcheristische Merkel-Regierung zu verhindern &#x91; erst einmal jegliche weitere Verschlechterungen zu stoppen und den Status Quo zu erhalten. Aber auch das widerspricht den Klasseninteressen der wirklich Herrschenden, denen sich SPD- und Gr&uuml;nen-F&uuml;hrung verpflichtet f&uuml;hlen. Die SPD beim Wort nehmen bedeutet nicht die abstrakte Kapitalismus-Kritik einzufordern, sondern anzuerkennen, dass sie eine Fortsetzung der Agenda-&#x91;Reformen&#x91; verspricht. Jegliche Orientierung auf eine Ver&auml;nderung der SPD streut Sand in die Augen der Arbeiterklasse und stellt in Frage, ob es tats&auml;chlich n&ouml;tig ist mit der WASG eine neue Partei aufzbauen. Dementsprechend f&uuml;hrt die Aussage, dass die Einheit der Linken auch diejenigen einbeziehen m&uuml;sse, die den Widerstand weiter in der SPD leisten wollen, leider eher zu Verwirrung, weil es die Frage gemeinsamer Aktionen mit der Frage einer gemeinsamen Organisation vermischt. Aktionseinheit mit SPD-Mitgliedern, die bereit sind gegen ihre eigene Partei zu k&auml;mpfen ist eine Sache &#x91; organisatorische Einheit eine andere. Wir brauchen eine neue Arbeiterpartei. Das setzt einen Bruch mit der SPD voraus. Dieser muss &uuml;brigens auch von den Gewerkschaften gefordert werden. Jede Andeutung, dass die SPD wieder auf einen arbeiterfreundlichen Kurs zu bringen ist, w&uuml;rde von der Gewerkschaftsf&uuml;hrung dazu benutzt werden, gegen einen Bruch mit der SPD und gegen eine Unterst&uuml;tzung von WASG und Linkspartei zu argumentieren. <\/p>\n<p> Deshalb sollte es kein formelles Tolerierungsangebot an die SPD geben, weil dieses Illusionen in der Ver&auml;nderbarkeit der SPD sch&uuml;rt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ein Tolerierungsangebot die Linkspartei\/PDS und WASG nur schw&auml;chen, weil es in Teilen der potenziellen W&auml;hlerInnen Misstrauen hervorrufen kann, ob da die n&auml;chste Partei ihre Anpassung vorbereitet. <br \/> Das hei&szlig;t nicht, dass Linkspartei und WASG nicht erkl&auml;ren sollten, dass sie bereit sind, eine Regierung zu stellen bzw. sich daran zu beteiligen, die Hartz IV und Agenda 2010 zur&uuml;cknimmt, die Steuern f&uuml;r Banken und Konzerne erh&ouml;ht, die Privatisierung der Bildung und des Gesundheitswesens beendet und keine imperialistische Kriegspolitik betreibt. Dann sollte erkl&auml;rt werden: Eine solche Politik ist mit den anderen Bundestagsparteien nicht m&ouml;glich. Deshalb liegt der Schwerpunkt unserer politischen T&auml;tigkeit in der F&ouml;rderung des Widerstands in den Betrieben, Nachbarschaften, Hochschulen und auf der Stra&szlig;e. Deshalb muss der Ansatz der WASG und die Debatte um eine neue Linke f&uuml;r den Aufbau einer neue starken Arbeiterpartei genutzt werden. <\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <\/span><br \/> <big><span style=\"font-weight: bold;\">Koalition mit der SPD, Opposition oder Mindestbedingungen f&uuml;r eine &#x91;Tolerierungspolitik&#x91;? <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <\/big>Zur Diskussion &uuml;ber die Regierungsfrage in der WASG &#8211; von Heino Berg<\/p>\n<p> Der Artikel von Christine Buchholz in der Zeitung &#x91;Linksruck&#x91; vom Juli 2005 hat wichtige politische Fragen aufgeworfen, die schon bald Millionen von potentiellen W&auml;hlern der &#x91;Linkspartei&#x91; im Wahlkampf stellen werden und auf die wir als WASG-Mitglieder in den Versammlungen und Infotischen eine klare Antwort geben m&uuml;ssen: Wenn die WASG auf den Listen der &#x91;Linkspartei.PDS&#x91; f&uuml;r einen grundlegenden Politikwechsel antritt: Welche Regierung ist daf&uuml;r m&ouml;glich und notwendig? <\/p>\n<p> Christine Buchholz formuliert die Ausgangslage nach den Umfrageergebnissen f&uuml;r die Kombination aus WASG und fr&uuml;herer PDS so: &#x91;Rein rechnerisch k&ouml;nnten SPD, Gr&uuml;ne und das &#x91;Linksb&uuml;ndnis&#x91; nach dem 18. September zusammen die Regierung stellen. Wie sollte sich die WASG in der Situation verhalten?&#x91; <\/p>\n<p> Nach einem Artikel im Bremer &#x91;Weserkurier&#x91; von heute &#x91;bahnt sich in der SPD ein heftiger streit &uuml;ber m&ouml;gliche Koalitionen nach der Neuwahl im Herbst an.&#x91; Der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft f&uuml;r Arbeitnehmerfragen, O. Schreiner dazu: &#x91;Jetzt schon Festlegungen zu irgendwelchen B&uuml;ndnissen zu treffen, sei es Schwarz-Rot oder Rot-Rot-Gr&uuml;n, w&auml;re v&ouml;llig verfehlt.&#x91; Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Sigrid Skarpelis-Sperk &auml;u&szlig;erte sich &auml;hnlich: &#x91;Sollten Union und FDP keine Mehrheit erzielen, wird man neben Schwarz-Rot auch Rot-Rot-Gr&uuml;n in Betracht ziehen.&#x91; <\/p>\n<p> Teile der SPD beginnen also schon jetzt mit Koalitionsangeboten an die Adresse der k&uuml;nftigen &#x91;Linkspartei&#x91;-Abgeordneten, zu denen ja im September auch f&uuml;hrende Mitglieder der WASG z&auml;hlen werden. Aber ist eine Koalition mit der SPD, die von Gysi, Lafontaine und Klaus Ernst bisher nur unter der F&uuml;hrung von Schr&ouml;der ausgeschlossen wurde, wirklich die einzige Alternative zu einer blo&szlig;en Protest- oder Verweigerungshaltung der Linken? <\/p>\n<p> Ich selbst hatte in mehreren Beitr&auml;gen in den Bundes- und Landesforen unserer Partei die gleiche Schl&uuml;sselfrage schon vor den NRW-Wahlen gestellt, als das erkl&auml;rte Wahlziel der WASG der Einzug in den D&uuml;sseldorfer Landtag war und als sich vergleichbare parlamentarische Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse zwischen dem schwarzgelben und dem rotgr&uuml;nen Lager abzeichneten. Damals hatte ich eine sehr &auml;hnliche politische Antwort vorgeschlagen, die Christine Buchholz jetzt im Namen des Linksruck-Netzwerks innerhalb der WASG zur Diskussion gestellt hat: Keine Koalition von WASG oder Linkspartei mit der SPD, sondern die Formulierung von Mindestforderungen gegen Sozialabbau und Agenda 2010, auf deren Grundlage eine rotgr&uuml;ne Minderheitsregierung durch die Abgeordneten von WASG und PDS\/Linkspartei gegen eine drohende schwarzgelbe oder schwarzrote Koalition toleriert werden k&ouml;nnte. <br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Der Tolerierungsvorschlag von &#x91;Linksruck&#x91; <\/span><\/p>\n<p> Christine Buchholz schreibt dazu in der Zeitung von &#x91;Linksruck&#x91;: <span style=\"font-style: italic;\">&#x91;Mindestbedingungen f&uuml;r politische Unterst&uuml;tzung benennen: Wir wollen einen Bruch mit der Politik des Sozialabbaus. Wir wollen einen gemeinsamen Kampf mit allen, die auch f&uuml;r diesen Bruch sind. Wenn also linke Sozialdemokraten die Linkspartei auffordern w&uuml;rden, die Million&auml;rssteuer und Nachbesserungen bei Harz IV zu unterst&uuml;tzen, wird es nicht reichen, zu entgegen, das dass &#x91;nicht glaubw&uuml;rdig&#x91; ist. Die Frage spitzt sich zu, wenn eine rot-gr&uuml;ne Minderheitenregierung auf die Stimmen des Linksb&uuml;ndnisses angewiesen ist.<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Wenn in dieser Situation das Linksb&uuml;ndnis sich einfach verweigert steht sie da als Steigb&uuml;gelhalter f&uuml;r die Konservativen, der gar kein Interesse an einer Politik gegen Sozialabbau haben. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Deshalb sollte die Linkspartei in die Offensive gehen und klipp und klar benennen, an welchen Punkten sie eine rot-gr&uuml;ne Minderheitenregierung unterst&uuml;tzen w&uuml;rde:<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">1. Sofortige R&uuml;cknahme der Verschlechterungen durch Hartz IV, Wiedereinf&uuml;hrung der Arbeitslosenhilfe ohne Zeitbeschr&auml;nkung<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">2. Ein &ouml;ffentliches Zukunftsinvestitionsprogramm, finanziert durch Wiedereinf&uuml;hrung von Verm&ouml;genssteuer, Erbschaftssteuer f&uuml;r gro&szlig;e Verm&ouml;gen und Anhebung der Spitzensteuers&auml;tze.<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">3. Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns in H&ouml;he von 1500 Euro.<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">4. Keine Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr, Kriegseins&auml;tze unter der Flagge der EU sowie keine Unterst&uuml;tzung von Kriegseins&auml;tzen der USA und anderer L&auml;nder im Irak und anderswo. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">So m&uuml;sste Rot-Gr&uuml;n Farbe bekennen, wie ernst sie es mit einer Linkswende meinen. Zugleich entspr&auml;chen wir dem Bed&uuml;rfnis nach Einheit im Kampf gegen Sozialabbau, statt nur als Verweigerer und Besserwisser dazustehen. Gleichzeitig zeigen wir nicht die Prinzipienlosigkeit, die Millionen von den Parteien gewohnt sind. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Wenn die SPD wirklich mit der Agenda 2010-Politik bricht &#x91; gut, dann k&ouml;nnen wir eine Debatte &uuml;ber die Umsetzung gegen den massiven Widerstand der Unternehmer f&uuml;hren. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Wenn nicht &#x91; dann ist das das Problem der SPD-F&uuml;hrung. Das &#x91;Linksb&uuml;ndnis&#x91; hat dann deutlich gemacht, dass die Verantwortung f&uuml;r eine konservative Regierung bei der SPD-F&uuml;hrung liegt, ohne die Hoffnungen derjenigen zu verraten, die ein Ende des Sozialabbaus wollen.&#x91; <\/span><br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Entlarvungspropaganda oder Zusammenarbeit mit der SPD-Linken? <\/span><\/p>\n<p> Bei der Beurteilung dieses Vorschlags sollten wir uns zun&auml;chst daran erinnern, was die Bev&ouml;lkerung eigentlich von linken Parteien erwartet: Die Menschen wollen nicht nur verbalen Protest und &#x91;besserwisserische&#x91; Anklagen gegen die neoliberale Politik, sondern sie brauchen wirkliche Ver&auml;nderungen in ihren Lebensbedingungen. Also nicht nur blo&szlig;e Aufkl&auml;rung dar&uuml;ber, da&szlig; die Politik der Sozialk&uuml;rzungen die Reichen reicher macht und die Armen &auml;mer, sondern praktische Regierungsma&szlig;nahmen in ihrem Interesse, etwa die R&uuml;cknahme von Hartz IV oder eine Politik, die Reallohnsteigerungen bzw. Arbeitszeitverk&uuml;rzungen f&ouml;rdert, anstatt die Massenkaufkraft weiter zu verringern und Massenentlassungen damit zu steigern. <\/p>\n<p> Wenn SPD und Gr&uuml;ne inzwischen unter dem kombinierten Druck der Protestbewegung, der katastrophalen Wahlniederlagen und der Entstehung einer starken linken (Wahl)Alternative nun pl&ouml;tzlich im Wahlkampf behaupten, sie seien ja zu Kurskorrekturen bereit, dann reicht es nicht aus, wie im NRW-Wahlkampf oder in der Kapitalismusdebatte die Glaubw&uuml;rdigkeit dieser Versprechungen in Frage zu stellen. Die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung zweifelt ohnehin daran. Deshalb rufen wir ja dazu auf, diesmal nicht die SPD als &#x91;kleineres &Uuml;bel&#x91; zu w&auml;hlen, sondern diejenigen Parteien unterst&uuml;tzen, die als unabh&auml;ngige linke Alternative diese Ank&uuml;ndigung von sozialen Kurskorrekturen erst erzwungen haben. <\/p>\n<p> Dabei sollten wir die SPD-Vertreter und Kandidaten beim Wort nehmen und mit der Bev&ouml;lkerung verlangen, da&szlig; der bisher nur verbalen Kritik an Ausw&uuml;chsen des Kapitalismus, an der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik sowie an Hartz IV praktische politische Konsequenzen in der Regierungspolitik folgen m&uuml;ssen. <\/p>\n<p> Wenn zum Beispiel O. Schreiner oder andere SPD-Linke im Wahlkampf die Auswirkungen von Hartz IV kritisieren, dann k&ouml;nnen wir ihnen vorschlagen, die Betroffenen zu gemeinsamen Versammlungen und Aktionen aufzurufen. Denn ohne die au&szlig;erparlamentarische Mobilisierung der Betroffenen &#8211; darauf weist auch Christine Buchholz mit Recht immer wieder hin &#8211; werden auch einige Dutzend Abgeordnete der Linkspartei im Bundestag auf verlorenem Posten stehen. Die jetzt viel beschworene Einheit der Linken, die f&uuml;r einen Erfolg gegen das neoliberale Kartell der Unternehmer und ihrer Parteien notwendig ist, darf ja keine exklusive Veranstaltung zwischen WASG und Linkspartei\/PDS bleiben, sondern mu&szlig; auch diejenigen Linken durch offene Diskussions- und Aktionsforen einbeziehen, die diesen Widerstand weiter in der SPD, in den Gewerkschaften, bei Attac oder in Tausenden von unabh&auml;ngigen Initiativen und Sozialb&uuml;ndnissen leisten wollen. <\/p>\n<p> Wenn nun O. Schreiner und andere Sozialdemokraten sagen, da&szlig; WASG und Linkspartei durch ihre Kandidatur nur zur Schw&auml;chung der SPD beitragen und dadurch entweder eine schwarzgelbe Bundesregierung, oder eine Gro&szlig;e Koalition beg&uuml;nstigen, dann k&ouml;nnen wir zun&auml;chst darauf hinweisen, da&szlig; sich ohne uns erneut Millionen von wahlberechtigten B&uuml;rgern enthalten w&uuml;rden. Wir &#x91; also besonders die WASG als neue politische Kraft &#8211; sorgen daf&uuml;r, da&szlig; diese Menschen wieder eine politische Stimme erhalten und ihr Gewicht auf der Waagschale der parlamentarischen und gesellschaftlichen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse zur Geltung bringen. Dazu geh&ouml;rt auch, da&szlig; unsere Abgeordneten gemeinsam mit sozialdemokratischen oder gr&uuml;nen Abgeordneten gegen alle weiteren Zumutungen des B&uuml;rgerblocks, also z.B. gegen die geplante Mehrwertsteuererh&ouml;hung, gegen den Abbau von Mitbestimmungsrechten oder gegen die Aushebelung von Tarifvertr&auml;gen stimmen und so dazu beitragen werden, eine Regierungs&uuml;bernahme oder &#x91;beteiligung von Union und FDP zu verhindern. Falls die SPD-F&uuml;hrung das Angebot der linken Abgeordneten (unter anderem des ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden Lafontaine), f&uuml;r die Abwehr der Unionsforderungen und f&uuml;r die Durchsetzung von sozialen Minimalforderungen mit einer rotgr&uuml;ne Minderheitsregierung zusammen zu arbeiten, ausschlagen und lieber mit der Union eine Gro&szlig;e Koalition bilden m&ouml;chte, dann mu&szlig; M&uuml;ntefering selbst daf&uuml;r die Verantwortung &uuml;bernehmen und kann dies nicht l&auml;nger den Linken in die Schuhe schieben. <\/p>\n<p> Wenn die SPD stattdessen die Oppositionsrolle vorzieht, m&uuml;sste sie gar nicht erst nicht beweisen, ob ihre Wahlkampfspr&uuml;che von Mindestlohn und Erhalt des K&uuml;ndigungsschutzes ernst gemeint waren. Die SPD-F&uuml;hrung w&uuml;rde es bei einer Flucht in die Opposition dann mit ein paar linken Spr&uuml;chen garniert Merkel, Stoiber und Westerwelle &uuml;berlassen, das in der Regierung zu vollenden, was Schr&ouml;der mit der Agenda 2010 auf den Weg gebracht hat. <\/p>\n<p> Aber auch eine Gro&szlig;e Koalition w&auml;re nat&uuml;rlich keine L&ouml;sung im Interesse der Arbeitnehmer oder gar ein &#x91;kleineres &Uuml;bel&#x91; gegen&uuml;ber einer schwarzgelben Regierung des sog. &#x91;B&uuml;rgerblocks&#x91;. In einer Koalition mit der Union werden sich M&uuml;ntefering und die Nachfolger Schr&ouml;ders darauf berufen, da&szlig; ihre konservativen Regierungs- und Koalitionspartner eine Fortsetzung und Versch&auml;rfung der neoliberalen Politik erzwinge, auf die sie ja schon vorher wegen der Mehrheiten im Bundesrat angeblich R&uuml;cksicht nehmen mussten. <\/p>\n<p> Wenn wir &#x91; &auml;hnlich wie im NRW-Wahlkampf &#x91; ank&uuml;ndigen w&uuml;rden, da&szlig; es uns gleichg&uuml;ltig ist, ob als indirekte Folge einer starken linken Fraktion im Bundestag eine schwarzgelbe oder gro&szlig;e Koalition nach den Bundestagswahlen an die Macht kommt, weil die SPD ebenso wie die anderen Parteien neoliberale Politik betrieben haben und weil sich die Abgeordneten der Linksparteien deshalb bei der Abstimmung &uuml;ber die Regierungsbildung enthalten werden, dann wird es Schr&ouml;der und Fischer unn&ouml;tig leicht gemacht, uns als &#x91;Steigb&uuml;gelhalter der Reaktion&#x91; (Buchholz) anzuklagen. <\/p>\n<p> Stattdessen sollten wir als Teil einer starken, linken Bewegung, die dann nicht mehr &#x91;nur&#x91; auf der Stra&szlig;e, sondern auch im Bundestag vertreten ist, in der Tat daf&uuml;r sorgen, da&szlig; die SPD-Abgeordneten und ihre Regierungsvertreter &#x91;Farbe bekennen&#x91; (Buchholz). Dies bedeutet, da&szlig; eine rotgr&uuml;ne Minderheitsregierung die Sozialk&uuml;rzungen endlich zur&uuml;cknehmen mu&szlig; &#x91; oder sich endg&uuml;ltig in einer Gro&szlig;en Koalition von jedem Anspruch auf Arbeitnehmerpolitik zu verabschiedet und dadurch eine offene Spaltung der Sozialdemokratie provoziert. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Zur Kritik am Tolerierungsvorschlag von Linksruck <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> W&auml;hrend Lafontaine, Gysi und Ernst in dutzenden Interviews bereits &ouml;ffentlich dar&uuml;ber spekulieren, ob und wann &#x91;die Linkspartei&#x91; eine Regierungskoalition mit der SPD eingehen k&ouml;nnte, besteht die eigentliche Frage darin, &#x91;an welchen Punkten (wir) eine rotgr&uuml;ne Minderheitsregierung unterst&uuml;tzen w&uuml;rden&#x91; (Buchholz), also f&uuml;r welche konkreten politischen Vorschl&auml;ge und Gesetzesinitiativen die Abgeordneten von PDS\/Linkspartei und WASG zu einer Zusammenarbeit mit einer rotgr&uuml;nen Minderheitsregierung bereit w&auml;ren. <\/p>\n<p> Deshalb bin ich zwar daf&uuml;r, einer rotgr&uuml;ne Minderheitsregierung &ouml;ffentlich und im Wahlkampf die Unterst&uuml;tzung der Abgeordneten von PDS und WASG f&uuml;r einen Gesetzentwurf zur vollst&auml;ndige R&uuml;cknahme von Hartz IV anzubieten &#x91; aber dieses Angebot gilt keineswegs f&uuml;r blo&szlig;e kosmetische Korrekturen in dem Sinne, wie es das Wahlprogramm der Linkspartei\/PDS mit der Forderung nach gleichen ALG II-S&auml;tzen in Ost und West oder mit aufgebesserten Zuverdienstm&ouml;glichkeiten vorsieht. Die Tolerierung einer rotgr&uuml;nen Minderheitsregierung mu&szlig; an genau die Forderungen gekn&uuml;pft werden, f&uuml;r die Hunderttausende von Menschen im letzten Jahr auf die Stra&szlig;e gegangen sind und auf die sich Oskar Lafontaine mit der Saarbr&uuml;cker Resolution verpflichtet hat, und nicht an Persilscheine, die nach ein paar Scheinzugest&auml;ndnissen durch M&uuml;ntefering dann eine direkte Regierungsbeteiligung von Lafontaine oder Gysi gestatten w&uuml;rde. <\/p>\n<p> Aber es gibt noch ein gro&szlig;es Problem, auf das Christine Buchholz in ihrem Beitrag nicht eingegangen ist und das gegen&uuml;ber ihrem Tolerierungsvorschlag gro&szlig;es Misstrauen hervorruft: Die PDS hat sich in den Landesregierungen von Berlin und Mecklenburg reibungslos an der Umsetzung von Sozialk&uuml;rzungen beteiligt. Die praktische Politik des Berliner SPD-PDS-Senats unter Wowereit unterscheidet sich in Nichts von der Politik der Gro&szlig;en Koalition in Bremen oder von jeder beliebigen anderen neoliberalen Landesregierung in unserer Republik. Solange die &#x91;Linkspartei.PDS&#x91; in Regierungen Sozialk&uuml;rzungen umsetzt und in ihrem Parteiprogramm die Aufgabe der eigenen Regierungsmitglieder ausdr&uuml;cklich darin sieht, die &#x91;extremen Haushaltsdefizite&#x91; als objektiven Handlungsrahmen (also &#x91;Sachzwang&#x91;) anzuerkennen, in dem man nun eine &#x91;Abw&auml;gung zwischen unterschiedlicher Interessen verschiedener sozialer Gruppen und Organisationen&#x91; (vgl. Parteiprogramm der PDS), wird jedes Tolerierungs- oder gar Koalitionsangebot dieser Partei an die Adresse von SPD und Gr&uuml;nen als Bereitschaft zur Mitarbeit an neoliberaler Politik verstanden und abgelehnt &#x91; und zwar unabh&auml;ngig davon, mit welchen Bedingungen es verkn&uuml;pft wird. <\/p>\n<p> Das Angebot, eine rotgr&uuml;ne Minderheitsregierung unter bestimmten Bedingungen als Alternative gegen die Macht&uuml;bernahme der Reaktion oder zu einer Gro&szlig;e Koalition von SPD und CDU kritisch zu unterst&uuml;tzen, ist also unvereinbar mit dem Verbleib der Linkspartei\/PDS in den Landesregierungen von Berlin und Mecklenburg &#x91; zumindest auf der bisher dort praktizierten neoliberalen Grundlage. <\/p>\n<p> Es ist nicht n&ouml;tig und es w&auml;re sogar falsch, von der Linkspartei\/PDS einen kampflosen R&uuml;ckzug ihrer Minister aus den Landesregierungen in Berlin und Mecklenburg zu verlangen. Stattdessen sollte die Linkspartei dort umgekehrt von der SPD einen Bruch mit der bisherigen Politik des Sozialabbaus und einen Kurswechsel f&uuml;r die oben beschriebenen Mindestforderungen einfordern und jede weitere Zusammenarbeit von einer Zustimmung abh&auml;ngig machen. Dann m&uuml;ssen Wowereit und Ringstorff die Entscheidung f&auml;llen und &ouml;ffentlich vertreten, ob sie eine Koalition mit der Linkspartei auf der Grundlage eines wirklichen Politikwechsels fortsetzen oder lieber in die Arme der Union fl&uuml;chten wollen. <\/p>\n<p> Ein an soziale Mindestforderungen gekn&uuml;pftes Tolerierungsangebot von Abgeordneten der Linkspartei w&auml;re vollkommen unglaubw&uuml;rdig, wenn diese gleichzeitig hinnehmen w&uuml;rden, da&szlig; in den Landesregierungen, in denen sie selbst Minister stellt, weiterhin Sozialk&uuml;rzungen durchgesetzt werden. <br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Linke Politik und die Regierungsfrage <\/span><\/p>\n<p> Das Problem des Misstrauens, das sowohl in der Bev&ouml;lkerung, als auch besonders unter den Mitgliedern linker Parteien nach jahrzehntelangen schlechten Erfahrungen mit den korrumpierenden Auswirkungen der N&auml;he oder gar Teilhabe an politischer Regierungsmacht in einer Gesellschaftsordnung verbreitet ist, in der die tats&auml;chliche wirtschaftliche Macht vom Kapital ausge&uuml;bt wird, kann nicht dadurch gel&ouml;st werden, da&szlig; sich die Linke auf eine inner- und\/oder au&szlig;erparlamentarische Protestrolle beschr&auml;nkt. <\/p>\n<p> Die Kritik daran, da&szlig; sowohl Lafontaine also auch Gysi in dem Augenblick aus der (Regierungs)Verantwortung geflohen sind, als die W&auml;hler ihnen die demokratische Legitimation f&uuml;r wirkliche Eingriffe in die Macht des Kapitals verschafft hatten, und als sie sich dabei auf die Mobilisierung der Betroffenen h&auml;tten st&uuml;tzen m&uuml;ssen, um die unvermeidliche Konfrontation durchzustehen, ist eines der Hauptprobleme, auf die jeder Wahlk&auml;mpfer der WASG an den Infost&auml;nden st&ouml;&szlig;t. Auch wenn die Leute dies h&auml;ufig am pers&ouml;nlichen Charakter von Lafontaine oder Gysi festmachen: In Wirklichkeit geht es dabei nicht um Charakter-, sondern um Grundprobleme linker Politik im und gegen den Kapitalismus, denen wir uns in der Diskussion &uuml;ber die Regierungsfrage stellen m&uuml;ssen. Denn f&uuml;r die Bev&ouml;lkerung sind linke Parteien und ihre Pr&auml;senz in Parlamenten kein Selbstzweck, sondern Mittel zur Durchsetzung ihrer sozialen Interessen gegen die wirtschaftlich M&auml;chtigen. Daf&uuml;r brauchen sie Parteien und Abgeordnete, die nicht nur bei Demonstrationen gegen Hartz IV und andere Sozialk&uuml;rzungen protestieren, sondern diese Forderungen dann auch in Parlamenten und Regierungen durchsetzen wollen. <span style=\"font-style: italic;\"><\/span><\/p>\n<p> <big><span style=\"font-weight: bold;\"><br \/> Eine linke Koalition?<span style=\"font-style: italic;\"><br \/> <\/span><\/span><\/big><span style=\"font-style: italic;\">von Christine Buchholz<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> Rot-Gr&uuml;n und das Linksb&uuml;ndnis stehen laut Umfragen knapp davor, nach dem 18. September eine Koalition bilden zu k&ouml;nnen. Sollten sie? <br \/> Laut aktuellen Wahlumfragen liegen CDU\/FPD mit 50 Prozent nur noch drei Prozentpunkte vor SPD, Gr&uuml;nen und dem &#x91;Linksb&uuml;ndnis&#x91;, die zusammen auf 47 Prozent kommen. Die CDU verliert und das &#x91;Linksb&uuml;ndnis&#x91; gewinnt dazu. <br \/> Rein rechnerisch k&ouml;nnten SPD, Gr&uuml;ne und das &#x91;Linksb&uuml;ndnis&#x91; nach dem 18. September zusammen die Regierung stellen. Wie sollte sich die WASG in der Situation verhalten? <br \/> Sie sollte drei Dinge tun: Gegen eine Regierungsbeteiligung argumentieren, inhaltliche Mindestbedingungen f&uuml;r eine Tolerierung nennen und Kr&auml;fte f&uuml;r soziale Politik au&szlig;erhalb des Parlaments sammeln. Zu den Punkten: <br \/> Gegen eine Regierungsbeteiligung: Keine Regierung wird linke Politik ausgehend vom Parlament durchsetzen k&ouml;nnen. Die Programmatik der Linkspartei und sogar die Positionen im SPD-Wahlmanifest widersprechen allem, was die deutschen und ausl&auml;ndischen Unternehmen wollen und die neoliberalen Medien propagieren. Sie werden alles tun, um die neue Regierung zu einem Kurswechsel zu zwingen oder aus dem Amt zu pressen. <br \/> Ihre M&ouml;glichkeiten sind vielf&auml;ltig: Hetzkampagnen in der Presse, ein Investitionsboykott, aufeinander abgestimmte Massenentlassungen und Standortverlagerungen, Spekulation gegen deutsche Staatsanleihen. Lafontaine selbst hat 1999 nach einer solchen Kampagne gegen ihn aufgegeben. Es gibt kein einziges historisches Beispiel, wo eine Regierung diesem Druck standgehalten h&auml;tte. <br \/> Auch die PDS-Regierungsbeteiligungen der PDS in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern best&auml;tigen diese Erfahrungen. Unter dem Druck des gro&szlig;en Partners SPD hat sie den Sozialabbau mitorganisiert und damit die Glaubw&uuml;rdigkeit der PDS als soziale Kraft dort besch&auml;digt. <br \/> Eine linke Regierung kann wirkliche Verbesserungen nur unter einer Bedingung durchsetzen: Wenn die Bosse wegen einer starken Bewegung von unten, Massendemonstrationen und Generalstreiks, f&uuml;rchten m&uuml;ssen, ihre Macht in den Betrieben zu verlieren. <br \/> Das w&auml;re die Situation bei einer sich zusammenbrauenden Revolution. So erfreulich die Proteste gegen Schr&ouml;der waren &#x91; an der Schwelle zur Revolution stehen wir in Deutschland nun nicht. <br \/> Mindestbedingungen f&uuml;r politische Unterst&uuml;tzung benennen:Wir wollen einen Bruch mit der Politik des Sozialabbaus. Wir wollen einen gemeinsamen Kampf mit allen, die auch f&uuml;r diesen Bruch sind. Wenn also linke Sozialdemokraten die Linkspartei auffordern w&uuml;rden, die Million&auml;rssteuer und Nachbesserungen bei Harz IV zu unterst&uuml;tzen, wird es nicht reichen, zu entgegen, das dass &#x91;nicht glaubw&uuml;rdig&#x91; ist. Die Frage spitzt sich zu, wenn eine rot-gr&uuml;ne Minderheitenregierung auf die Stimmen des Linksb&uuml;ndnisses angewiesen ist.<br \/> Wenn in dieser Situation das Linksb&uuml;ndnis sich einfach verweigert steht sie da als Steigb&uuml;gelhalter f&uuml;r die Konservativen, der gar kein Interesse an einer Politik gegen Sozialabbau haben. <br \/> Deshalb sollte die Linkspartei in die Offensive gehen und klipp und klar benennen, an welchen Punkten sie eine rot-gr&uuml;ne Minderheitenregierung unterst&uuml;tzen w&uuml;rde:<br \/> 1. Sofortige R&uuml;cknahme der Verschlechterungen durch Hartz IV, Wiedereinf&uuml;hrung der Arbeitslosenhilfe ohne Zeitbeschr&auml;nkung<br \/> 2. Ein &ouml;ffentliches Zukunftsinvestitionsprogramm, finanziert durch Wiedereinf&uuml;hrung von Verm&ouml;genssteuer, Erbschaftssteuer f&uuml;r gro&szlig;e Verm&ouml;gen und Anhebung der Spitzensteuers&auml;tze.<br \/> 3. Einf&uuml;hrung eines gesetzlichen Mindestlohns in H&ouml;he von 1500 Euro.<br \/> 4. Keine Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr, Kriegseins&auml;tze unter der Flagge der EU sowie keine Unterst&uuml;tzung von Kriegseins&auml;tzen der USA und anderer L&auml;nder im Irak und anderswo. <br \/> So m&uuml;sste Rot-Gr&uuml;n Farbe bekennen, wie ernst sie es mit einer Linkswende meinen. Zugleich entspr&auml;chen wir dem Bed&uuml;rfnis nach Einheit im Kampf gegen Sozialabbau, statt nur als Verweigerer und Besserwisser dazustehen. Gleichzeitig zeigen wir nicht die Prinzipienlosigkeit, die Millionen von den Parteien gewohnt sind. <br \/> Wenn die SPD wirklich mit der Agenda 2010-Politik bricht &#x91; gut, dann k&ouml;nnen wir eine Debatte &uuml;ber die Umsetzung gegen den massiven Widerstand der Unternehmer f&uuml;hren. <br \/> Wenn nicht &#x91; dann ist das das Problem der SPD-F&uuml;hrung. Das &#x91;Linksb&uuml;ndnis&#x91; hat dann deutlich gemacht, dass die Verantwortung f&uuml;r eine konservative Regierung bei der SPD-F&uuml;hrung liegt, ohne die Hoffnungen derjenigen zu verraten, die ein Ende des Sozialabbaus wollen. <br \/> Widerstand auf der Stra&szlig;e:Eines ist jetzt schon klar: Der Angriff auf den Sozialstaat wird weitergehen &#x91; ob durch Schwarz-Gelb, durch eine gro&szlig;e Koalition, durch die Landesregierungen jeglicher Couleur oder durch die Bosse in den Betrieben selbst. Schon jetzt diskutieren und planen Gewerkschafter und Studierendenvertretungen (fzs) f&uuml;r den Herbst einen &#x91;Kongress der au&szlig;erparlamentarischen Opposition&#x91;, auf dem die Perspektiven des Widerstands gegen weiteren Sozialabbau beraten werden sollen. <br \/> Der Aufbau dieses Widerstands ist unabh&auml;ngig vom Wahlausgang die zentrale Aufgabe der Linkspartei. Es gibt keine soziale Politik ohne die Bewegung zu organisieren, die diese soziale Politik auch durchsetzen kann. Das ist der wichtigste Grundsatz. Wir d&uuml;rfen ihn nie vergessen &#x91; auch nicht in der Hitze des Wahlkampfs.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soll die Linkspartei im Bundestag eine rot\/gr&uuml;ne Minderheitsregierung tolerieren? 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