{"id":11344,"date":"2005-07-29T15:31:14","date_gmt":"2005-07-29T15:31:14","guid":{"rendered":".\/?p=11344"},"modified":"2005-07-29T15:31:14","modified_gmt":"2005-07-29T15:31:14","slug":"11344","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/07\/11344\/","title":{"rendered":"Ende eines jahrzehntelangen Kampfes?"},"content":{"rendered":"<p>Die IRA in Irland legt die Waffen nieder &#8211; folgt jetzt der Durchbruch im Friedensprozess?<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nAm 28. Juli ver&ouml;ffentlichte die Untergrundorganisation IRA eine seit langer Zeit mit Spannung erwartete Erkl&auml;rung, in dem sie ihre Mitglieder anwies, die Waffen niederzulegen und die politischen Ziele der IRA zuk&uuml;nftig ausschlie&szlig;lich mit friedlichen und politischen Mitteln zu verfolgen. Diese Erkl&auml;rung wurde von den Britischen, Irischen und US-Amerikanischen Regierungen begr&uuml;&szlig;t. Diese haben die Hoffnung, dass die Ank&uuml;ndigung der IRA nun endlich wieder Bewegung in den seit fast drei Jahren stockenden Friedensprozess kommt. Seit Oktober 2002 sind die vom Karfreitagsabkommen geschaffenen Autonomieinstitutionen &#8211; die Regionalversammlung und die dazugeh&ouml;rige Exekutive &#8211; suspendiert. Vor allem aus Sicht der Unionistischen Parteien (Diejenigen, die im Gegensatz zur IRA daf&uuml;r sind, dass Nordirland weiterhin zum Vereinigten K&ouml;nigreich geh&ouml;rt) waren ein endg&uuml;ltiges Ende aller IRA-Aktivit&auml;ten und eine Entwaffnung der Paramilit&auml;rs eine wichtige Vorraussetzung f&uuml;r die Wiederaufnahme von Gespr&auml;chen, die zur Wiedereinsetzung der Autonomieinstitutionen f&uuml;hren sollen. <br \/>  In ihrer Erkl&auml;rung k&uuml;ndigte die IRA an, ihre Waffen <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Gebrauchsunf&auml;hig machen, auf einer Art und Weise die das &ouml;ffentliche Vertrauen f&ouml;rdern wird, und zwar so bald wie m&ouml;glich.&#8220; <\/span>Dieses Vorhaben f&auml;llt hinter der Forderung der radikalsten (und gleichzeitig gr&ouml;&szlig;ten) unionistischen Partei, der DUP zur&uuml;ck, dessen Vorsitzender, der fundamentalistische Pfarrer Ian Paisely, forderte die IRA auf <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Asche &uuml;ber ihren Haupt zu streuen&#8220;<\/span> nach dem Motoo, wer &ouml;ffentlich s&uuml;ndige, m&uuml;sse auch &ouml;ffentlich Bu&szlig;e tun. Die Entwaffnung wird wohl abseits des &ouml;ffentlichen Blickfeldes im beisein unabh&auml;ngiger ZeugInnen stattfinden, eine Ver&ouml;ffentlichung von Fotos der Zerst&ouml;rung von IRA-Waffen, wie die DUP es w&uuml;nscht, wird es kaum geben. Deswegen ist offen, ob diese Erkl&auml;rung der IRA ausreichen wird, um die DUP dazu zu bewegen, mit Sinn F&eacute;in, der politischen Vertretung der IRA, zu verhandeln. Da diese beiden Parteien die jeweils gr&ouml;&szlig;ten der beiden Konfliktlager sind, wird eine Wiederaufnahme der Autonomieregierung nur durch eine Einigung zwischen Sinn F&eacute;in und der DUP m&ouml;glich sein, was die DUP eben bis jetzt mit Verweis auf die nach wie vor bestehende IRA strikt abgelehnt hat. <br \/>  Die historische Bedeutung die von vielen PolitikerInnen und KommentatorInnen dieser Erkl&auml;rung der IRA beigemessen wird, darf zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden. Die IRA (mit Ausnahme von Splittergruppen, die sich aus Protest gegen den Friedensprozess abgespalten haben) hat seit 1996 keine Anschl&auml;ge mehr ver&uuml;bt, und h&auml;lt seit Juli 1997 einen Waffenstillstand. Trotz aller M&auml;ngel des aktuellen Friedensprozesses ist es allen klar, auch der IRA-F&uuml;hrung, dass die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Menschen in Nordirland, keine R&uuml;ckkehr zu den Zust&auml;nden der 70er und 80er Jahren w&uuml;nschen, als es fast mehrmals w&ouml;chentlich Anschl&auml;ge und Morde gab. So fehlt der IRA der R&uuml;ckhalt und die soziale Basis f&uuml;r eine R&uuml;ckkehr zum bewaffneten Kampf. In dieser Hinsicht ist also die Ank&uuml;ndigung, ihre Ziele zuk&uuml;nftig nur mit friedlichen und politischen Mitteln verfolgen zu wollen, lediglich eine Anerkennung des Status Quo.<br \/>  Die IRA und andere Paramilit&auml;rs auf beiden Seiten haben dich in den letzten Jahren nicht mehr gegenseitig bek&auml;mpft, sondern sich darauf konzentriert, Machtbereiche in den jeweiligen Stadteilen und Regionen aufzubauen und zu konsolidieren. Dort kontrollierten sie Drogenhandel, Schmuggel von Alkohol, Zigaretten und gestohlenen Waren, Schutzgelderpressung und traten h&auml;ufig auch als &#8222;Ersatzpolizei&#8220; auf, in dem sie etwa Kleinkriminelle aus den Stadtteilen vertrieben. Es ist kaum anzunehmen, dass solche Aktivit&auml;ten nun ein Ende finden werden. Die formelle Ank&uuml;ndigung, den bewaffneten Kampf f&uuml;r ihre politischen Ziele zu beenden k&ouml;nnte aber f&uuml;r viele Menschen, die in von Paramilit&auml;rs kontrollierte Gegenden wohnen, die Frage nach der eigentlichen Rolle dieser Organisationen zuspitzen. Bereits in den Reaktionen auf den Mord von Robert McCartney Anfang des Jahres wurde deutlich, dass eine gewisse Schicht von Menschen anf&auml;ngt, die Rolle der Paramilit&auml;rs, die jahrzehntelang als Besch&uuml;tzer akzeptiert wurden, zu hinterfragen. <br \/>  Die Aussichten f&uuml;r den Friedensprozess werden sich durch diese Erkl&auml;rung ebenfalls nicht unbedingt bessern, zumindest nicht l&auml;ngerfristig. <br \/>  Auch in der Vergangenheit gab es schwerwiegende Probleme, die lange Zeit den Prozess aufhielten, und dann in einem &#8222;historischen Durchbruch&#8220; doch noch aus dem Weg ger&auml;umt zu werden &#8211; bis dann kurze Zeit sp&auml;ter das n&auml;chste Hindernis auftaucht. <br \/>  Der Friedensprozess ist dazu verurteilt, von einer Sackgasse in die n&auml;chste zu taumeln, so lange wie sie in den H&auml;nden von PolitikerInnen und Parteien ist, die ihre Existenzgrundlage in dem Fortbestand der Polarisierung der Gesellschaft entlang der Konfliktlinien zwischen Unionistischer und Nationalistischer (= diejenigen, die f&uuml;r einen Beitritt Nordirlands zur Irischen Republik sind) Bev&ouml;lkerung haben. <br \/>  Die Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV in Nordirland) tritt f&uuml;r den Aufbau einer neuen politischen Kraft ein, die ArbeiterInnen, Arbeitslose und Jugendliche unabh&auml;ngig von ihrem religi&ouml;sen oder nationalen Hintergrund zusammenbringt, um f&uuml;r ihre gemeinsamen Interessen zu k&auml;mpfen &#8211; gegen Arbeitsplatzabbau, Krankenhaus- und Schulschlie&szlig;ungen, gegen die geplante Einf&uuml;hrung von Wassergeb&uuml;hren ab 2006, gegen die Herrschaft der Paramilit&auml;rs in den Stadteilen und gegen jede Art von Hass, Gewalt und Diskriminierung gegen&uuml;ber Menschen mit anderen religi&ouml;sen, kulturellen und ethnischen Identit&auml;ten.<br \/>  Die sich verschlechternden Lebensbedingungen f&uuml;r die gesamte Arbeiterklasse Nordirlands und die Bestrebungen der Herrschenden, die Polarisierung und Spaltung der Arbeiterklasse voranzutreiben, auch um den Preis eskalierender Gewalt, sind Ausdr&uuml;cke der massiven M&auml;ngel und Widerspr&uuml;che des kapitalistischen Systems und die Unf&auml;higkeit der Repres&auml;ntanten dieses Systems, den Menschen in Nordirland einen dauerhaften Frieden und ein Menschenw&uuml;rdiges Leben zu bieten. Deswegen braucht der Kampf zur &Uuml;berwindung dieses Konfliktes auch eine Perspektive zur &Uuml;berwindung des kapitalistischen Systems, dass dem Konflikt letztendlich zugrunde liegt.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Se&aacute;n McGinley, Mannheim<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die IRA in Irland legt die Waffen nieder &#8211; folgt jetzt der Durchbruch im Friedensprozess?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11344"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11344"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11344\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11344"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11344"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11344"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}