{"id":11338,"date":"2005-07-22T13:30:52","date_gmt":"2005-07-22T11:30:52","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11338"},"modified":"2012-05-25T15:21:23","modified_gmt":"2012-05-25T13:21:23","slug":"11338","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/07\/11338\/","title":{"rendered":"Krise im AFL-CIO"},"content":{"rendered":"<p>Dem US-Gewerkschaftsverband droht eine Spaltung<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Arbeiterbewegung unddie Gewerkschaften in den USA stecken in einer Krise. DerLebensstandard sinkt f&uuml;r die Mehrheit der Arbeitnehmer. Immermehr Arbeitspl&auml;tze sind unsicher. Millionen verlieren ihreKrankenversicherung. Betriebsrenten werden gek&uuml;rzt. In derPrivatwirtschaft sind nur 7,9 Prozent der Lohnabh&auml;ngigengewerkschaftlich organisiert, das niedrigste Niveau seit 1901.Insgesamt sind 12,5 Prozent aller Arbeitnehmer in den USAgewerkschaftlich organisiert, verglichen mit dem historischenH&ouml;hepunkt von 33 Prozent im Jahr 1954. <\/p>\n<p> Vor diesem Hintergrundh&auml;lt die AFL-CIO (Dachverband der US-Gewerkschaften) ihreNationalkonferenz in Chicago am 25. Juli ab. Dort besteht dieM&ouml;glichkeit einer Spaltung.<\/p>\n<p> Eine gro&szlig;e Debattefindet statt in der Gewerkschaftsf&uuml;hrung &uuml;ber die Frage,wie die Gewerkschaften aus dieser tiefen Krise herauskommen k&ouml;nnen.Die oppositionelle &#8222;Change to Win&#8220;-Koalition wurde im Juni vonAndy Stern ins Leben gerufen, dem Chef der SEIU (Gewerkschaft des&ouml;ffentlichen Dienstes), die gr&ouml;&szlig;te und am schnellstenwachsende Gewerkschaft in den USA. Zusammen mit der SEIU bilden dieTeamsters (LKW-Fahrer), United Food and Commercial Workers(Supermarktbesch&auml;ftigte), Laborers (Bauarbeiter), UNITE HERE(Restaurant-, Hotel-, und Textilarbeiter), und dieTischler-Gewerkschaft dieses B&uuml;ndnis.<\/p>\n<p> Die &#8222;Change toWin&#8220;-Koalition will die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder erh&ouml;hen,indem die Gewerkschaften die H&auml;lfte ihres Geldes f&uuml;rMitgliedergewinnung ausgeben sollen. Sie wollen auch eine Kampagnef&uuml;hren, um Wal-Mart-Arbeiter zu organisieren. Sie wollenkleinere Gewerkschaften zusammenschliessen. Aus den 60 Gewerkschaftendie jetzt existieren, sollen 15 bis 20 gro&szlig;e Gewerkschaftengemacht werden. <br \/> Und sie wollen noch mehrGeld an Politiker geben, aber nicht nur an die Demokraten, wie dieAFL-CIO es macht, sondern sie wollen die Freiheit haben, auch Geld anRepublikaner zu spenden &#8211; also an genau die b&uuml;rgerlichenParteien, die die W&uuml;nsche der Kapitalisten erf&uuml;llen und f&uuml;rdie Angriffe auf die Rechte und Sozialstandards der Arbeiterklasseverantwortlich sind. <\/p>\n<p> Die &#8222;Change toWin&#8220;-Koalition droht, die AFL-CIO zu verlassen und einen eigenenGewerkschaftsdachverband zu gr&uuml;nden, wenn ihre Forderungen nichterf&uuml;llt werden. Jetzt drohen die SEIU, Teamsters, United Foodand Comercial Workers und UNITE HERE die Nationalkonferenz zuboykottieren, wenn AFL-CIO Vorsitzender Sweeny nicht bereit ist,zur&uuml;ckzutreten.<\/p>\n<p> Der Ansto&szlig; f&uuml;rdiese potentielle Spaltung kommt allerdings nicht von der Basis derGewerkschaften, sondern dr&uuml;ckt die unterschiedlichen Positionenvon verschiedenen Teilen der Gewerkschaftsf&uuml;hrung &uuml;ber dieFrage, wie die Gewerkschaften aus der jetztigen Kriseherauskommenk&ouml;nnen, aus . <br \/> W&auml;hrend der Versuch,mehr Mitglieder f&uuml;r die Gewerkschaften zu gewinnen, begr&uuml;&szlig;twerden muss, muss auch klar gesagt werden, dass dieGewerkschaftsf&uuml;hrung aus eigenn&uuml;tzigen Gr&uuml;ndenhandelt. Sie sehen ihre eigene Existenz bedroht durch die immerkleiner werdende beitragzahlende Basis. Auch die F&uuml;hrung kleinererGewerkschaften hat Angst, ihre bequeme Stellen zu verlierenim Fall eines Zusammenschlusses mehrerer kleinerer Gewerkschaften.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Kann das Programm der&#8218;Change to Win&#8217; Koalition erfolgreich sein?<\/span><\/p>\n<p> Ein Vergleich zwischen demjetztigen AFL-CIO Vorsitzenden Sweeny und der &#8218;Change to Win&#8217;Koalition lohnt sich. Als Sweeny 1995 zum AFL-CIO Vorsitzendengew&auml;hlt wurde, hatte er ein &auml;hnliches Programm, wie heutedie &#8222;Change to Win&#8220;-Koalition. Er behauptete, er w&uuml;rde dieAFL-CIO radikal ver&auml;ndern. Damals war seine Hauptforderung &#8222;dieUnorganisierten organisieren&#8220;. In den letzten 10 Jahren unterSweeny wurde viel mehr Geld f&uuml;r die Mitgliedergewinnungausgegeben als vorher. Es wurde auch mehr Geld an die Demokratengespendet. Trotz allem gibt es heute weniger Gewerkschaftsmitgliederals vor 10 Jahren und der Lebensstandard der Lohnabh&auml;ngigensinkt weiter. Letzten Endes ist das Programm der &#8222;Change toWin&#8220;-Koalition nur eine noch aggressivere Version von dem wasSweeny in den letzten Jahre schon gemacht hat, ohne dass es beiSweeny zum Erfolg gef&uuml;hrt hat. Auch der Zusammenschluss derkleineren Gewerkschaften wird kein Fortschritt sein, wenn er nur zueiner gr&ouml;&szlig;eren B&uuml;rokratie f&uuml;hrt.<\/p>\n<p> Die Frage muss gestelltwerden: Wenn einfach mehr Geld ausgeben die Gewerkschaften nicht ausder Krise herausholt, was soll man stattdessen anders machen? Daseigentliche Problem der Gewerkschaften ist nicht Geldmangel. DieFrage &uuml;ber die man eher diskutieren sollte ist die Frage nachdem Programm und den Strategien der Gewerkschaften. <br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"><span style=\"font-weight: bold;\">Was w&auml;reeigentlich notwendig?<\/span><\/p>\n<p> Es sind ein Programm undeine Strategie n&ouml;tig, die erfolgreiche Abwehrk&auml;mpfeerm&ouml;glichen und durch Offensivk&auml;mpfe den Lebensstandard derArbeitnehmer deutlich erh&ouml;hen k&ouml;nnen. Weder Sweeny noch&#8222;Change to Win&#8220; fordert einen offensiven Kampf f&uuml;r h&ouml;hereL&ouml;hne. Stattdessen wollen sie neue Mitglieder gewinnen mitunkonkreten Forderungen wie &#8222;W&uuml;rde und eine Stimme amArbeitsplatz&#8220;.<\/p>\n<p> Doch durch erfolgreicheK&auml;mpfe k&ouml;nnten die Gewerkschaften den unorganisiertenArbeitnehmern klar machen, dass es sich zu k&auml;mpfen lohnt undwarum es daf&uuml;r notwendig ist, sich zu organisieren. Durcherfolgreiche Offensivk&auml;mpfe in den drei&szlig;iger Jahren sinddie Industriegewerkschaften in den USA entstanden. Diese K&auml;mpfesollten als Beispiel f&uuml;r erfolgreiches K&auml;mpfen undGewerkschaftsaufbau dienen.<\/p>\n<p> Die Gewerkschaften m&uuml;ssenauch die Profitlogik, angebliche &#8222;Sachzw&auml;nge&#8220; und denKapitalismus in Frage stellen und ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;rdie Demokratischen Partei beenden, denn diese ist eine durch unddurch kapitalistische Partei.<br \/> Die Gewerkschaften m&uuml;ssenanfangen die Interessen ihrer Mitglieder konsequent zu verteidigen,anstatt die Profitinteressen der Konzerne gegen ihre Mitgliederdurchzusetzen. Erst dann werden die Gewerkschaften eine starke Kraftwerden, die den Lebensstandard der Lohnabh&auml;ngigen in den USAerh&ouml;hen kann und eine starke Anziehungskraft entwickeln.<\/p>\n<p> Die Hoffnung aufk&auml;mpferische Gewerkschaften in den USA gibt es allerdings. Dochdiese k&auml;mpferische Richtung wird nicht von &#8222;Change to Win&#8220;kommen, sondern durch die wachsende Forderung der Lohnabh&auml;ngigenin den USA sich zu organisieren um die Angriffe von Oben abzuwehren.<br \/> <span style=\"font-style: italic;\"><br \/> von Katherine Quarles,Minneapolis (USA), Mitglied im Nationalkomitee von SocialistAlternative (Schwesterorganisation der SAV in den USA)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem US-Gewerkschaftsverband droht eine Spaltung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,42],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11338"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11338"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11338\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}