{"id":11332,"date":"2005-07-22T09:35:11","date_gmt":"2005-07-22T09:35:11","guid":{"rendered":".\/?p=11332"},"modified":"2005-07-22T09:35:11","modified_gmt":"2005-07-22T09:35:11","slug":"11332","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/07\/11332\/","title":{"rendered":"Tarifautonomie und Fl&auml;chentarife verteidigen"},"content":{"rendered":"<p>Der Fl&auml;chentarif &#x96; Schutz vor Lohnk&uuml;rzung und Arbeitszeitverl&auml;ngerung &#x96; soll abgeschafft werden<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer Fl&auml;chentarifvertrag ist eine der gr&ouml;&szlig;ten Errungenschaften der Gewerkschaftsbewegung. Im Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt sch&auml;tzte dieser den Einzelnen beim Verkauf seiner Ware Arbeitskraft. Die gro&szlig;en Fl&auml;chentarifvertrage der Metallindustrie und der BAT im &ouml;ffentlichen Dienst waren bisher Leitw&auml;hrung und Lokomotive f&uuml;r Lohnniveau und Arbeitszeit in der gesamten Gesellschaft. Damit soll es bald vorbei sein.<br \/> Im Kampf um immer h&ouml;here Profite wollen die Unternehmer eine massive Absenkung der L&ouml;hne und die unbezahlte Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit. Sie bauen darauf, dass die Angst vor Arbeitslosigkeit und die Drohung mit Produktionsverlagerung Belegschaften gef&uuml;gig macht.<br \/> Ihre Parteien FDP, CSU\/CDU, SPD und Gr&uuml;ne unterst&uuml;tzen sie dabei. Bei der Verk&uuml;ndigung der Agenda 2010 im M&auml;rz 2003 drohte Gerhard Schr&ouml;der mit einer &Auml;nderung des Tarifvertragsgesetzes, falls die Gewerkschaften nicht auf breiter Front &Ouml;ffnungsklauseln f&uuml;r betriebliche Abweichungen vom Fl&auml;chentarifvertrag zulassen. CDU\/CSU und FDP haben im Herbst 2003 Gesetzentw&uuml;rfe gegen die Tarifautonomie in den Bundestag eingebracht. Danach sollen in Zukunft die Betriebsr&auml;te Haustarifvertr&auml;ge unter dem Fl&auml;chentarifvertrag abschlie&szlig;en k&ouml;nnen. Die Gewerkschaft soll gar nicht mehr gefragt werden. Das einzige, was die Unternehmer vom Fl&auml;chentarifvertrag behalten wollen, ist die Friedenspflicht. Das bedeutet: Die Erpressbarkeit von Belegschaften ist grenzenlos.<br \/> Leider beteiligt sich auch die PDS aktiv daran, den Fl&auml;chentarifvertrag zu zerschlagen. Das SPD\/PDS-regierte Berlin ist mitten in der Tarifrunde des &ouml;ffentlichen Dienstes 2003 aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ausgetreten und hat seither einen Absenkungstarifvertrag nach dem anderen durchgesetzt.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Verbetrieblichte Tarifpolitik<\/span><\/p>\n<p> Nach dem Motto &#x92;wir machen jede Verschlechterung mit &#x96; Hauptsache, wir werden daran beteiligt&#x91; haben die Gewerkschaftsspitzen in den letzten Jahren von sich aus auf breiter Front die Verbetrieblichung der Tarifpolitik und die Zerst&ouml;rung des Fl&auml;chentarifvertrags mit organisiert. Hintergrund ist die ideologische Kapitulation in der Tarifpolitik. F&uuml;r Huber\/Peters, Bsirske und Co. ist die Tarifpolitik keine Macht- und Verteilungsfrage mehr, sondern eine Frage der Wettbewerbsf&auml;higkeit. Im Pforzheimer Abschluss der Metallindustrie vom Februar 2004 steht der &#x92;Erhalt und die Verbesserung der Wettbewerbsf&auml;higkeit&#x91; erstmals als Ziel in einem von der IG Metall unterschriebenen Fl&auml;chentarifvertrag. Den Unternehmern werden weitgehende &Ouml;ffnungsklauseln angeboten. Mit Hilfe derer kann dann der einzelne Unternehmer Tarifabweichungen erpressen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">H&auml;userkampf<\/span><\/p>\n<p> Auseinandersetzungen um L&ouml;hne und Arbeitszeiten werden infolge von &Ouml;ffnungsklauseln zu K&auml;mpfen einzelner Belegschaften. Daran hat offensichtlich auch die Gewerkschaftsb&uuml;rokratie ein Interesse. Tarifauseinandersetzungen, erst recht wenn es zu Streiks kam, hatten in der Vergangenheit immer einen allgemeinen Charakter. Es gab kollektive Diskussionen, belegschafts&uuml;bergreifende Solidarit&auml;t und gemeinsame Aktionen bis hin zu Streiks. Das schuf ein Bewusstsein &uuml;ber die St&auml;rke der Gewerkschaft. Die Gewerkschaftsspitze stand unter Beobachtung der gesamten Mitgliedschaft. Dies beinhaltete auch immer die Gefahr breiter Kritik und Ablehnung. Streiks, die in Gang kamen, konnten nicht so einfach von oben wieder abgew&uuml;rgt werden.<br \/> In den Tarifauseinandersetzungen im &ouml;ffentlichen Dienst 2002\/2003 und in der Tarifrunde bei Metall 2004 hat sich bei den Warnstreiks die enorme Kampfbereitschaft gezeigt. Wenn sich die angestaute Wut erst mal in einem Tarifstreik Luft machen w&uuml;rde, w&auml;re die gesamte Stillhaltepolitik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung schnell am Ende. Dies will die Gewerkschaftsf&uuml;hrung unter allen Umst&auml;nden vermeiden. Die Verbetrieblichung der Tarifpolitik ist daf&uuml;r aus ihrer Sicht ein geeignetes Mittel. Denn einzelne Belegschaften lassen sich leichter isolieren.<br \/> Diese von oben verordnete Verbetrieblichung und Vereinzelung muss von unten aufgebrochen werden. Belegschaften und Gewerkschaftsaktivisten m&uuml;ssen sich betriebs- und branchen&uuml;bergreifend vernetzen und den gemeinsamen Kampf organisieren. Diese Vernetzung muss mit dem Aufbau einer innergewerkschaftlichen Opposition verbunden werden.<\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">von Ursel Beck, Stuttgart<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Fl&auml;chentarif &#x96; Schutz vor Lohnk&uuml;rzung und Arbeitszeitverl&auml;ngerung &#x96; soll abgeschafft werden<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[173],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11332"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11332"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11332\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11332"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11332"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11332"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}