{"id":11316,"date":"2005-06-27T09:12:34","date_gmt":"2005-06-27T09:12:34","guid":{"rendered":".\/?p=11316"},"modified":"2005-06-27T09:12:34","modified_gmt":"2005-06-27T09:12:34","slug":"11316","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/06\/11316\/","title":{"rendered":"Studiengeb&uuml;hren gemeinsam abwehren"},"content":{"rendered":"<p>Auf die Ank&uuml;ndigung der neuen Nordrhein-Westf&auml;lischen Landesregierung, ab dem Sommersemester 2005 generelle Studiengeb&uuml;hren von 500 Euro pro Semester von den Studierenden zu verlangen, reagieren die Betroffenen mit Streiks und Protesten an mehreren Universit&auml;ten in NRW.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer Angriff auf die freie Hochschulbildung wurde lange vorbereitet: Es begann Ende der neunziger Jahre. Als die Unterfinanzierung der Hochschulen nicht mehr zu leugnen war und die Studierenden sich 1997 mit Bundesweiten Streiks und Protesten gegen die Zust&auml;nde im Bildungswesen wehrten, brachten Konservative &#8222;Experten&#8220; und Lobbyisten wie die Bertelsmann Stiftung Studiengeb&uuml;hren in die Diskussion. Angeblich um die finanzielle Ausstattung der Hochschulen zu verbessern. <br \/>  Die Studierendenproteste zogen sich durch das Wahljahr 1998 und veranlassten SPD und Gr&uuml;ne dazu ein Bundesweites Verbot von Studiengeb&uuml;hren f&uuml;r den Fall eines Rot-Gr&uuml;nen Wahlsiegs zu versprechen. <br \/>  Dieses Verbot von Studiengeb&uuml;hren lie&szlig; dann vier weitere Jahre auf sich warten. Erst im folgenden Bundestagswahlkampf erinnerten sich SPD und Gr&uuml;ne an ihr Versprechen und beschlossen ein Hochschulrahmengesetz das Geb&uuml;hren verbot. Allerdings nur f&uuml;r das Erststudium und nur f&uuml;r die Regelstudienzeit. <br \/>  In der Zwischenzeit waren die Landesregierungen nicht unt&auml;tig gewesen: Sie hatten sich &uuml;berlegt wie man Studierende zur Kasse bitten kann ohne dies als Studiengeb&uuml;hren zu bezeichnen: Da gab es Semesterbeitr&auml;ge, Verwaltungsgeb&uuml;hren, R&uuml;ckmeldegeb&uuml;hren und schlie&szlig;lich Geb&uuml;hren f&uuml;r &#8222;Langzeitstudenten&#8220; die als &#8222;Studienkonten&#8220; getarnt wurden. <br \/>  Im Februar dieses Jahres kippte das Bundesverfassungsgericht das bundesweite &#8222;Verbot&#8220; von Studiengeb&uuml;hren. Die Landesregierungen jubelten. Unabh&auml;ngig davon ob sie schwarz-gelb, schwarz-rot oder rot-gr&uuml;n gef&auml;rbt sind. Der Kampf um freie Bildung geht in eine neue Runde. <\/p>\n<p>  Wie immer wenn es um Angriffe auf die Rechte breiter Bev&ouml;lkerungsteile geht wurde versucht die Betroffenen zu spalten und gegen einander aus zu spielen: <br \/>  Geringverdiener gegen Studierende; Schnellstudierende gegen Langzeitstudenten. <br \/>  Wenn man den Bef&uuml;rwortern von Studiengeb&uuml;hren glauben darf, dann machen die Geb&uuml;hren praktisch jeden gl&uuml;cklich: Die Geringverdiener, weil sie nicht mehr mit ihren Steuern f&uuml;r das Kostenlose Studium des Chefarztsohnes aufkommen m&uuml;ssten. Und die Studenten, weil das Geld den Hochschulen zu gute k&auml;me und sie als Zahlende &#8222;Kunden&#8220; von den Unis in Zukunft Qualit&auml;t erwarten k&ouml;nnten. <\/p>\n<p>  Die gr&uuml;ndlich verdr&auml;ngte Realit&auml;t sieht anders aus: F&uuml;r Kinder aus sozial schwachen Familien wird die Aufnahme eines Studiums zus&auml;tzlich erschwert, denn wer neben dem Studium jobben muss, braucht l&auml;nger und wird durch Studiengeb&uuml;hren egal in welcher Variante besonders getroffen. Kinder von Besserverdienern werden sich auch Studiengeb&uuml;hren leisten k&ouml;nnen. Umso lieber als sie in Zukunft die Unis f&uuml;r sich alleine haben. <br \/>  Die Steuern f&uuml;r Geringverdiener wurden durch die Studiengeb&uuml;hren bis heute nicht gesenkt. Wie auch? Das Geld sollte ja den Hochschulen zu gute kommen. <br \/>  Aber die bekamen von dem Geld ebenfalls nichts. Im Gegenteil die Staatlichen Bildungshaushalte wurden wie gewohnt weiter zusammen gestrichen. <br \/>  Freuen durften sich andere: In dem Jahr, in dem die Rot-Gr&uuml;ne Regierung in Nordrhein-Westfalen &#8222;Langzeitstudiengeb&uuml;hren&#8220; einf&uuml;hrte &uuml;berwies sie im Zuge der Steuerreform 3,2 Milliarden Euro an die Konzerne in NRW. Was auch erkl&auml;rt, warum immer dann, wenn es um soziale Aufgaben des Staates geht gerade die Kassen leer sind. <\/p>\n<p>  Die Erhebung von f&uuml;nfhundert Euro Studiengeb&uuml;hren pro Semester ist nicht das Ende der Angriffe sondern erst der Anfang. In den folgenden Jahren wird es um h&ouml;here Geb&uuml;hren gehen. Aber es geht um mehr als 500 Euro: Es geht um die Privatisierung der Bildung. Und nicht nur der Bildung. <br \/>  Privatisierungen von &Ouml;ffentlichen G&uuml;tern finden in allen Bereichen statt. Bei Gesundheit, Alterssicherung, Kultur und Verkehr. Immer erleben wir die gleichen Angriffe. Immer mehr &Ouml;ffentliche Aufgaben werden dem Markt ge&ouml;ffnet um dem Kapital neue Anlagem&ouml;glichkeiten und Profitquellen zu er&ouml;ffnen. Die Opfer dieser Profitlogik sind die Besch&auml;ftigten und alle Menschen die diese G&uuml;ter ben&ouml;tigen. <\/p>\n<p>  Deshalb ist es n&ouml;tig und m&ouml;glich, dass die Betroffenen dieser Raubz&uuml;ge gemeinsam den Kampf f&uuml;r die Verteidigung ihrer Rechte f&uuml;hren. Da Studierendenstreiks keinen Wirtschaftlichen Druck entfalten besteht die Gefahr, dass die Bewegung an Dynamik verliert und der Widerstand verpufft wenn es nicht gelingt, die K&auml;mpfe der Studierenden und Sch&uuml;ler mit den K&auml;mpfen von Arbeitnehmern und Arbeitslosen <br \/>  zusammenzuf&uuml;hren. Als n&auml;chste Schritte sind deshalb gemeinsame Aktionen aller Opfer der Angriffe von Regierung und Konzernen erforderlich. In dieser Richtung sind bereits erste Schritte gemacht, wie die heutige Demonstration in K&ouml;ln zeigt zu der Asta und DGB gemeinsam aufriefen. Diesen Gemeinsamen Widerstand gilt es fort zu setzen und aus zu weiten um die Angriffe zur&uuml;ck zu schlagen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Philipp L&uuml;hrs, K&ouml;ln <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf die Ank&uuml;ndigung der neuen Nordrhein-Westf&auml;lischen Landesregierung, ab dem Sommersemester 2005 generelle Studiengeb&uuml;hren von 500 Euro pro Semester von den Studierenden zu verlangen, reagieren die Betroffenen mit Streiks und Protesten an mehreren Universit&auml;ten in NRW.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11316"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11316"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11316\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}