{"id":11315,"date":"2005-06-26T10:14:19","date_gmt":"2005-06-26T08:14:19","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11315"},"modified":"2012-06-25T20:29:32","modified_gmt":"2012-06-25T18:29:32","slug":"11315","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/06\/11315\/","title":{"rendered":"Europa im Aufruhr &#8211;  eine sozialistische Analyse"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme des CWI zur Krise der Europ&auml;ischen Union<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie vernichtende Ablehnung der vorgeschlagen EU-Verfassung in Frankreich und in den Niederlanden hat den Effekt eines ausbrechenden politischen Vulkans gehabt. Es hat bereits dazu gef&uuml;hrt, dass das Schicksal des Euro in Frage gestellt wird; die herrschenden Klassen Europas distanzieren sich vom &#8222;EU-Projekt&#8220; mit einem in zunehmendem Ma&szlig;e nationalistischen Profil; es haben gro&szlig;e Zusammenst&ouml;&szlig;e zwischen den herrschenden Klassen von Britannien und Frankreich stattgefunden; und die franz&ouml;sische Regierung ist mit Ersch&uuml;tterungen in der ArbeiterInnenklasse konfrontiert. <\/p>\n<p>Die Ablehnung der Verfassung kann zu einem Dominoeffekt f&uuml;hren, der das &uuml;berleben des Euro und der EWU (Europ&auml;ische W&auml;hrungsunion), die weitere Vergr&ouml;&szlig;erung der EU und das gesamte EU-&#8222;Projekt&#8220; der europ&auml;ischen Integration bedroht. Das starke NEIN in diesen zwei Gr&uuml;ndungsstaaten der EU macht sogar sehr schwierig, in einer &#8222;Kerngruppe&#8220; die Situation zu beruhigen. Im Gegenteil &#8211; die vollen Auswirkungen in ganz Europa und international werden erst k&uuml;nftig deutlich werden. <\/p>\n<p>Diese Abstimmungen stellen die gr&ouml;&szlig;te Niederlage f&uuml;r das EU-&#8222;Projekt&#8220;&#x91; seit der Errichtung der Europ&auml;ischen Union dar. Sie waren auch eine deutliche Ablehnung der neo-liberalen Politik und des politischen Establishments. Kapitalistische PolitikerInnen in der ganzen EU sind in Folge der Abstimmungen der Menschen in Frankreich und den Niederlanden demoralisiert und desorientiert. <\/p>\n<p>Die Konsequenzen dieser Niederlage spiegelten sich auch im &#x96; l&auml;nger als &uuml;blichen &#x96; Editorial der britischen Financial Times &#8222;Krisenzeit in Europa&#8220; wieder, indem d&uuml;ster kommentiert wurde: &#8222;zwei Wochen nachdem die Franzosen die europ&auml;ische Verfassung abgelehnt haben, ist die politische F&uuml;hrung Europas verwirrt&#8220; (Montag 13. Juni). WDR &#x96; der &ouml;ffentliche Westdeutsche Rundfunk folgerte: &#8222;Es ist wie wenn man auf der Titanic ist. Das Schiff sinkt, aber das Orchester spielt weiter.&#8220;(06\/6\/\/05). <\/p>\n<p>Das ist nur mehr ein schwacher Abklatsch von jenem &uuml;bersch&auml;umenden Optimismus, mit dem die Europ&auml;ische &#8222;F&uuml;hrung&#8220; die vorgeschlagene Verfassung vorstellte. Einer seine HauptautorInnen, der ehemalige franz&ouml;sische Pr&auml;sident, Valery Giscard Estaing, erkl&auml;rte seinen Mit-EntwerferInnen: &#8222;Das ist, es was Sie tun m&uuml;ssen, wenn Sie wollen, dass die Leute Statuen auf Pferder&uuml;cken in jenen D&ouml;rfern errichten, aus denen Sie kommen&#8220;. <\/p>\n<p>Anstatt ihnen Statuen zu errichten haben die Menschen in Frankreich und den Niederlande dar&uuml;ber abgestimmt, diese Anf&uuml;hrerInnen ihre Koffer packen zu schicken. Jacques Delors, als er Pr&auml;sident der Europ&auml;ischen Kommission war, argumentierte, dass die EU wie ein Fahrrad ist: Entweder man radelt nach vorne, oder man f&auml;llt herunter. Die politische Elite Europas ist nun &#8222;heruntergefallen&#8220;. Die Frage ist &#x96; k&ouml;nnen sie sich wieder in den Sattel schwingen? <\/p>\n<p>Gegenw&auml;rtig ist die Verfassung de facto tot und begraben. Trotzdem hat der Aufruhr der Franz&ouml;sInnen und Niederl&auml;nderInnen einige kapitalistische PolitikerInnen nicht daran gehindert, damit zu drohen, den Prozess wieder zu beleben &#8211; wenn nicht sofort dann in der Zukunft. Wie es ein EU-Beamter formulierte: &#8222;wir werden eine Sprache haben, die die Verfassung in den K&uuml;hlschrank legt, aber nicht ins Leichenschauhaus&#8220;. Es ist fast unglaublich, aber der franz&ouml;sischer Pr&auml;sident, Chirac, dr&auml;ngte andere L&auml;nder mit den geplanten Referenden fortzufahren. Dieser Rat wurde von anderen europ&auml;ischen Anf&uuml;hrerInen, wie Gro&szlig;britanniens Tony Blair, zur&uuml;ckgewiesen. Er versteht zumindest, dass jeder m&ouml;glicher Versuch, mit Referenden in anderen L&auml;ndern fortzufahren, eine Ablehnung durch eine noch breitere Mehrheiten als die franz&ouml;sischen und niederl&auml;ndischen Resultate provozieren w&uuml;rde. <\/p>\n<p>In D&auml;nemark f&uuml;hrte die starke NEIN-Stimmung aus Frankreich und den Niederlanden dazu, dass eine urspr&uuml;ngliche JA-Mehrheit in den Umfragen innerhalb weniger der Tage nach den Abstimmungen zu einer NEIN-Mehrheit wurde. Sogar in Luxemburg hat die Unterst&uuml;tzung f&uuml;r das NEIN-Lager zugenommen. Eine Wiederholung der Abstimmungen in Frankreich oder in den Niederlanden k&ouml;nnte der Ausl&ouml;ser f&uuml;r Massenproteste der ArbeiterInnenklasse auf den Strassen sein. <\/p>\n<p>Die meisten kapitalistischen KommentatorInnen und b&uuml;rgerlichen PolitikerInnen erwarteten eine NEIN-Stimme in diesen Referenden. Dennoch sind die herrschenden Klassen und ihre Repr&auml;sentantInnen durch die Gr&ouml;&szlig;e der NEN-Mehrheiten und die Klassenpolarisierung, die das wiederspiegelt, ersch&uuml;ttert. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Eine Abstimmung zwischen jenen, die viel haben und jenen, die nichts haben<\/p>\n<p>In beiden Referenden kamen die NEIN-Stimmen v.a. von jenen, die nicht viel haben. Die JA-Stimmen hingegen kamen v.a. aus dem Lager der Wohlhabenden. Ein franz&ouml;sischer Lehrer, der im britischen Guardian zitiert wurde, fasste die Haltung der franz&ouml;sischen ArbeiterInnen folgenderma&szlig;en zusammen: &#8222;Wir stimmen mit NEIN. Es ist eine Verfassung f&uuml;r die Bourgeoisie, f&uuml;r Multinationale, f&uuml;r Chefs. Es geht nur um die Wirtschaft, Konkurrenz, Profite, den Markt und Kapitalismus, sind wir gegen alles das; wir sind KommunistInnen. Es gibt keinen Fortschritt f&uuml;r ArbeiterInnen. Die meisten ArbeiterInnen m&ouml;chten &acirc;&#x80;&#x9A;Schei&szlig;e&#x91; sagen, und ihnen den Mittelfinger zeigen. Wir haben genug davon, JA zu den PolitikerInnen zu sagen.&#8220; (Guardian 28\/5\/05). <\/p>\n<p>Die franz&ouml;sische und niederl&auml;ndische Regierung haben sich gr&uuml;ndlich verrechnet. Beide haben nicht verstanden, dass das Referendum als Volksabstimmung &uuml;ber Neo-Liberalismus, den Markt und die gegen die ArbeiterInnenklasse gerichtete Politik, die beide Regierungen eingef&uuml;hrt haben, gesehen w&uuml;rde. Die regierende Elite untersch&auml;tzte die &uuml;berw&auml;ltigend Opposition, die es zu Privatisierung, zu den Budgetk&uuml;rzungen und zur Arbeitsflexibilit&auml;t, die w&auml;hrend der 90er Jahre eingef&uuml;hrt wurden, gibt. In Frankreich waren die zunehmenden K&auml;mpfe durch die ArbeiterInnenklasse im Februar und M&auml;rz ebenfalls ein wichtiger Faktor, der der NEIN-Kampagne weiteren Schwung gab, <\/p>\n<p>Die Niederlage de vorgeschlagenen Verfassung war auch eine massive Ablehnung des verhassten angels&auml;chsischen Wirtschaftsmodells, das von Blair und Bush so vehement verteidigt wird. Als Reaktion auf die Krise dr&auml;ngte der US-Finanzminister John Snow die europ&auml;ischen Regierungen die &#8222;Reformen&#8220; f&uuml;r den freien Marktes weiter durchzudr&uuml;cken. Er hat sie auch dazu aufgefordert, keine &#8222;antikapitalistische Rhetorik (mehr zu verwenden) oder US-Investition zu riskieren&#8220;. Obgleich Blair die britische Wahl gewann, indem er an die Furcht vor der R&uuml;ckkehr der Tories appellierte, wurde der &#8222;Blairismus&#8220;&#x91; (die strikte Unterst&uuml;tzung f&uuml;r das &#8222;angels&auml;chsische&#8220; neo-liberale Wirtschaftsmodell) von den franz&ouml;sischen und niederl&auml;ndischen W&auml;hlerInnen zur&uuml;ckgewiesen. Ironischerweise war es Blair, der als erstes Chirac riet, ein Referendum &uuml;ber die Verfassung durchzuf&uuml;hren. <\/p>\n<p>Nach dieser Niederlage ist die herrschende Klasse trotzdem fest entschlossen, weiter neo-liberale Politik, wie Privatisierungen und Budgetk&uuml;rzungen, durchzuf&uuml;hren. Die neue Regierung in Frankreich hat das klar gemacht. Chirac hat versucht, eine Trennlinie zwischen seinem &#8222;Sozialmodell&#8220; und dem Programm von Blair und dem britischen Finanzminister, Gordon Brown, zu ziehen. Der einzige Unterschied zwischen der Politik dieser kapitalistischen F&uuml;hrer ist, das Chirac den Neo-Liberalismus von Blair favorisiert, aber in Zeitlupe &#x96; quasi einen Tod in tausend Schnitten. Die britische Financial Times betonte, dass die neo-liberale Politik fortgesetzt werden m&uuml;sse. In ihrem Leitartikel &#8222;Krisenzeit in Europa&#8220; argumentierte sie auch, dass die &#8222;EU-Anf&uuml;hrerInnen nicht von den &ouml;konomische Reformen abkommen d&uuml;rften&#8220; und dass die &#8222;europ&auml;ischen Anf&uuml;hrerInnen sich darauf festlegen m&uuml;ssen, bei den &ouml;konomischer Reformen Fortschritte zu erzielen&#8220;. <\/p>\n<p>Diese Politik wird die KapitalistInnen in gr&ouml;&szlig;ere Zusammenst&ouml;sse mit der ArbeiterInnenklasse bringen und ist ein Rezept f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere soziale Explosionen. Diese Politik des Kapitalismus wirft die Notwendigkeit f&uuml;r eine klare sozialistische Alternative als den einzigen Weg um neo-liberaler kapitalistischer Politik zu verhindern, auf. <\/p>\n<p>Es haben auch noch andere Faktoren eine Rolle f&uuml;r die NEIN-Stimmen gespielt. Das schloss die Unsicherheit, die Ungewissheit und das Entfremdung mit ein, die der moderne Kapitalismus heute f&uuml;r jene bedeutet, die durch ihn ausgebeutet werden. Die Furcht unter ArbeiterInnen, das die EU-Erweiterung nach Osteuropa zu einem Absenken der L&ouml;hne f&uuml;hren wird, wenn Unternehmen GastarbeiterInnen aus Osteuropa ausbeuten als Quelle f&uuml;r billige Arbeitskraft, war ein Element im politischen Bewusstsein einiger franz&ouml;sischer und niederl&auml;ndischer ArbeiterInnen. Sie f&uuml;rchten auch, dass Jobs in die neuen Mitgliedsstaaten verschoben werden. Diese Furcht entstand nicht in erster Linie aus beschr&auml;nkten nationalistischen oder rassistischen Gr&uuml;nden sondern mehr aus der Sorge heraus, das die EU-Erweiterung &#8222;zu fr&uuml;h, zu schnell&#8220; zu mit weiteren nachteiligen Konsequenzen f&uuml;r Jobs und Arbeitsbedingungen f&uuml;hrt und dass sie eine weitere Waffe der herrschenden Klasse ist. <\/p>\n<p>Die Trennung entlang von Klassenlinien die sich im Referendum wiedergespiegelt haben, wurden in Frankreich am offensichtlichsten, wo bei einer 70%igen Beteiligung entscheidende 56% mit NEIN stimmten. Gesch&auml;tzte 80% der ArbeiterInnen (im Gegensatz zu den Angestellten, Anm.) stimmten mit NEIN. Paris, mit seinen gro&szlig;en kleinb&uuml;rgerlichen &#8222;bohos&#8220; (b&uuml;rgerliche Bohemen) stimmte mit JA, gemeinsam mit den wohlhabenden St&auml;dten Lyon, Stra&szlig;burg und Bordeaux. Dagegen waren die St&auml;dte mit einer starken ArbeiterInnenklasse wie Marseille, Nizza und Lille. Dasselbe traf auch auf die Jugend zu, wo 59% der 18-24igj&auml;hrigen und der 25-34j&auml;hrigen mit NEIN stimmten <\/p>\n<p>Die selbe Polarisierung fand auch in den Niederlanden statt. In den &auml;rmeren Bezirken von Amsterdam waren die NEIN-Stimmen erdr&uuml;ckend. In Amsterdam Noord w&auml;hlte 73% mit NEIN. In Volewijck und Buiksloterham erreichten die NEIN-Stimmen massive 79%. Die Wahlbeteiligung war in den Niederlanden h&ouml;her als jene f&uuml;r die EU-Wahlen. Das hat auch das Argument, dass eine hohe Beteiligung einen JA-Sieg sichern w&uuml;rde, zerschlagen. <\/p>\n<p>Es gab eine &uuml;berw&auml;ltigende Ablehnung in Frankreich, wie auch in den Niederlanden, obwohl die herrschende Klasse und ihre Institutionen alles versuchte, um eine JA-Stimme zu gewinnen. Das Referendum stellt folglich eine entscheidende Ablehnung der politischen Elite in Europa dar. Jede denkbare Drohung und jedes denkbare Argument wurden vom Establishment verwendet. Romano Prodi drohte, dass eine NEIN-Stimme zum &#8222;Zusammenbruch Europas&#8220; f&uuml;hren w&uuml;rde. <\/p>\n<p>In Frankreich haben die drei gr&ouml;&szlig;ten politischen Parteien, die Medien und internationale politische F&uuml;hrer vergebens f&uuml;r die JA-Kampagne mobilisiert. Alle wichtigen europ&auml;ischen F&uuml;hrer wurden von Chirac einbezogen. Schr&ouml;der, der deutsche Kanzler, der wahrscheinlich bei den Wahlen im Herbst geschlagen wird, hat gemeinsam mit anderen Repr&auml;sentantInnen des europ&auml;ischen Kapitalismus Frankreich besucht und f&uuml;r das JA-Lager gesprochen. Die einzige Ausnahme dabei war Blair, dessen Dienste bei dieser Gelegenheit nicht angefordert wurden. <\/p>\n<p>In den Niederlanden wo erstmals seit 200 Jahren ein Referendum abgehalten wurde, haben alle wichtigen politischen Parteien, einschlie&szlig;lich der niederl&auml;ndischen sozialdemokratischen Partei (PvdA), der Gewerkschaften, der Medien und aller Institutionen des Kapitalismus f&uuml;r eine JA-Stimme argumentiert &#x96; nur um dann durch eine massive 62% (NEIN) zu 38% (JA), besiegt zu werden, eine Mehrheit, die noch gr&ouml;&szlig;er war als in Frankreich. Die radikale niederl&auml;ndische Sozialistische Partei war die einzige gr&ouml;&szlig;ere Partei, die f&uuml;r eine NEIN-Stimme argumentierte. Die VVD (Volkspartei f&uuml;r Freiheit und Demokratie), eine Partei in der rechten Koalitionsregierung (Christ-Demokraten, VVD und D66) war verantwortlich f&uuml;r eine Fernsehausstrahlung f&uuml;r eine JA-Stimme, die das Konzentrationslager Auschwitz zeigte &#x96; um zu warnen, dass wenn die NEIN-Stimmen siegen w&uuml;rden, die Todeslager die Konsequenz sein w&uuml;rden! Sie wurden gezwungen, diese Werbung schlie&szlig;lich zur&uuml;ckzuziehen. <\/p>\n<p>In beiden L&auml;ndern ist eine Zunahme von K&auml;mpfen jetzt wahrscheinlich. In den Niederlanden haben sich nach dem Referendum 15.000 Gemeindebedienstete am einer Demonstration an jenem Tag beteiligt an dem sie streikten &#x96; als Teil ihrer Kampagne f&uuml;r h&ouml;here L&ouml;hne. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrerInnen hatten nur 10.000 erwartet. Verhandlungen zwischen Regierung und der Gewerkschaften f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Dienst &uuml;ber L&ouml;hne und Arbeitsbedingungen stehen auf der Kippe und mehr Streiks sind m&ouml;glich. Sogar die Polizei &uuml;berlegt Streiks bez&uuml;glich L&ouml;hnen und Arbeitsbedingungen. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Frankreich &#x96; das Ende der 5. Republik?<\/p>\n<p>Der Aufruhr gegen die EU-Verfassung hat die Tiefe der Krise deutlich gemacht, welcher sich die franz&ouml;sische herrschende Klasse gegen&uuml;ber sieht. Ein Analyst, Dominique de Montvallon, hat richtigerweise gefolgert: &#8222;das Land ist jetzt in solch einem Zustand der Paralyse, der Sorge und des Zornes, dass man direkt an Mai 1968 denkt&#8220;. Ein Soziologe, G&Atilde;&copy;rad Mermet, erkl&auml;rte der franz&ouml;sischen Tageszeitung, &#8222;Le Parisien&#8220;&#x91;, dass die W&auml;hlerInnenschaft &#8222;null Vertrauen&#8220; in die PolitikerInnen hatte. Er &uuml;bertrieb vielleicht ein wenig, f&uuml;hrte aber seine Warnungen fort &#8222;Die Dinge werden sich radikalisieren. Es gibt eine reale Gefahr der Explosion: wir sind in einer vor-revolution&auml;ren Situation &#8222;. <\/p>\n<p>Nach der Niederlage beim Referendum war auch Jean-Pierre Raffarin als franz&ouml;sischer Premierminister Geschichte und wurde durch den aristokratischen Dominique de Villepin ersetzt, den Bernadette Chirac (die Frau von Jasques) einmal mit dem r&ouml;mischen Kaiser Nero verglichen hatte, als er ihrem Ehemann 1997 zu vorgezogenen Wahlen riet was dann zu einer f&uuml;nf j&auml;hrigen Regierung von Josp&Atilde;&shy;ns Sozialistischer Partei f&uuml;hrte. Villepins Erh&ouml;hung zum Premierminister entsprich eher dem Neuordnen der St&uuml;hle auf der Titanic als einem ernsten Versuch, sich mit der Krise zu besch&auml;ftigen, der sich der franz&ouml;sische Kapitalismus gegen&uuml;bersieht. <\/p>\n<p>Villepin hatte nach seiner Ernennung eine Zustimmung von blo&szlig; 41%. Das ist der niedrigste Wert irgendeines Premierministers in mehr als 20 Jahre und das nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt! Nach dem Referendum brachen Chiracs eigene Popularit&auml;tswerte auf 26% ein. Sogar innerhalb seiner eigenen Partei UMP ist seine Popularit&auml;t auf 50% abgest&uuml;rzt. <\/p>\n<p>Es hat massive Erosion in der Glaubw&uuml;rdigkeit aller b&uuml;rgerlicher Institutionen und der wichtigsten politischen Parteien, die in der Krise sind, gegeben. Viele Franz&ouml;sInnen haben das Gef&uuml;hl, das Land sei in den F&auml;ngen eines &#8222;demokratischen Defizits&#8220;. Die Ernennung des aristokratischen Villepin zum Premierminister, der niemals in irgendeine Funktion gew&auml;hlt wurde, veranschaulicht den bonapartistische und pr&auml;sidentenzentrierte Charakter der bestehenden f&uuml;nften Republik &#8211; die von DeGaulle 1958 errichtet wurde. <\/p>\n<p>&#8222;Die f&uuml;nfte Republik ist au&szlig;er Atem&#8220; erkl&auml;rt Fran&Atilde;&sect;ois Bayrou, F&uuml;hrer der Partei des kapitalistischen Zentrums, der UDF. Jean-Treber Ayrault, parlamentarischer F&uuml;hrer der Sozialistischen Partei argumentierten: &#8222;Das ist das Ende eines politischen Zyklus&#x91;. Es gibt Parallelen zum Tod der Vierten Republik &#8220; <\/p>\n<p>Villepins neue Regierung hat zuerst versucht, sich ein weicheres Image zu geben und hat versprochen, dass die Verteidigung des &#8222;Sozialmodells&#8220; Priorit&auml;t ist. Er hat 100.000 neue Jobs als Haushaltshilfen und Kinderbetreuung versprochen sowie 4.5 Milliarden Euro f&uuml;r Arbeitsmarktpolitik. Aber diese Ma&szlig;nahmen werden k&uuml;nftige Versuche, mehr &#8222;Flexibilit&auml;t&#8220; im Arbeitsmarkt einzuf&uuml;hren nicht verhindern. Die Regierung hat auch festgestellt, dass sie mit ihren Privatisierungspl&auml;nen fortfahren wird und dass die &ouml;ffentlichen Ausgaben eingefroren bleiben. Das ist ein Rezept f&uuml;r massiven Zusammenst&ouml;sse zwischen den Klassen in Frankreich. <\/p>\n<p>Trotz seiner Bem&uuml;hungen, ein anderes Bild zu pr&auml;sentieren denken 60% der W&auml;hlerInnen, dass die Regierung Villepins nichts Neues bedeutet. Der Sieg des NEIN-Lagers beim Referendum hat das Selbstvertrauen der ArbeiterInnenklasse massiv gesteigert, die jetzt einer grundlegend geschw&auml;chten Regierung gegen&uuml;bersteht. Die Streiks und die Proteste der MetallarbeiterInnen innerhalb weniger Tage nach dem Referendum, zeigen an, dass es wahrscheinlich ist, das Streiks und Masseproteste zunehmen werden. In einer Meinungsumfrage meinten 70%, dass soziale K&auml;mpfe und Konflikte jetzt wahrscheinlich in den kommenden Monate zunehmen werden. <\/p>\n<p>Der Zusammenbruch von Chiracs Regierung, und vielleicht sogar der Strukturen der 5. Republik, ist eine m&ouml;gliche Perspektive die eine der Konsequenzen des politischen Vulkanes sein kann, der am 29. Mai ausgebrochen ist. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Krise des europ&auml;ischen Kapitalismus<\/p>\n<p>Die Ereignisse, die auf die Ablehnung der vorgeschlagenen Verfassung gefolgt sind, sind nicht zuf&auml;llig oder vor&uuml;bergehend. Sie zeigen die qualitative Ver&auml;nderung an, der sich nicht nur die franz&ouml;sischen und niederl&auml;ndischen KapitalistInnen sondern die gesamte herrschende Klasse in Europa gegen&uuml;ber sieht. Die gegenw&auml;rtige Krise ist eine Best&auml;tigung der Analyse des Komitees f&uuml;r eine ArbeiterInneninternationale (CWI) dass die europ&auml;ischen kapitalistischen Klassen nicht in der Lage sind, Europa zu vereinigen um die &#8222;vereinigten kapitalistischen Staaten von Europa&#8220; zu erreichten, wovon sogar einige MarxistInnen au&szlig;erhalb der Reihen des CWI glaubten, dass es m&ouml;glich w&auml;re. <\/p>\n<p>Das EU-&#8222;Projekt&#8220; f&uuml;r gr&ouml;&szlig;ere wirtschaftliche und politische Integration hat seine Wurzeln im Druck der auf den europ&auml;ischen KapitalistInnen durch die Konkurrenz des US-Imperialismus und seit kurzem auch Chinas lastet. Dieses dr&auml;ngte sie in Richtung verst&auml;rkter Zusammenarbeit und f&uuml;hrte zu Illusionen, das dies ein politisch vereinigtes Europa ergeben w&uuml;rde. Diese Tendenz, zusammen mit dem Prozess der Globalisierung der Wirtschaft und dem Wachstum multinationaler und transnationaler Konzerne, hat veranschaulichte, wie die Produktivkr&auml;fte &uuml;ber die Grenzen des Nationalstaates und bis zu einem gewissen Grad sogar &uuml;ber die Kontinente hinausgewachsen sind. Die gro&szlig;en Firmen schauen in zunehmendem Ma&szlig;e in Richtung Weltmarkt anstatt nur auf ihre nationalen oder regionalen M&auml;rkte. <\/p>\n<p>Jedoch hat dieser Prozess seine Grenzen und st&ouml;&szlig;t an die un&uuml;berwindlichen Barrieren der unterschiedlichen Nationalstaaten und die nationalstaatlichen Interessen der KapitalistInnen. Nach dem Referendum r&uuml;ckten diese Faktoren wieder nach vorne und haben das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessen deutlich gemacht. Manche dachten, der Prozess der EU-Integration und der EWU h&auml;tten den Punkt des &#8222;Abhebens&#8220; f&uuml;r ein einheitliches kapitalistisches Europa bedeutet. <\/p>\n<p>Das CWI hat w&auml;hrend der gesamten Zeit argumentiert, dass das nicht der Fall war. Unsere Analyse erkl&auml;rte, dass, obgleich der Prozess der Integration der EU weit gegangen war, weiter als sogar wir urspr&uuml;nglich annahmen, an einem bestimmten Punkt, das ein R&uuml;ckzug stattfinden w&uuml;rde. Dieses w&uuml;rde zu erneuerten nationalen Widerspr&uuml;chen und Konflikten zwischen den verschiedenen nationalen Staaten f&uuml;hren. Dieser Prozess der Auseinanderentwicklung w&uuml;rde sich im Falle einer ernsten Wirtschaftskrise bzw. einer Rezession weiter verst&auml;rken. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Das Ende des Euro?<\/p>\n<p>Die Einf&uuml;hrung der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion und des Euro war ein politisches und &ouml;konomisches Gl&uuml;cksspiel durch die KapitalistInnen, das auch gegen Widerstand aus den eigenen Reihen w&auml;hrend der triumphalistischen Welle, die dem Fall der Berliner Mauer folgte, durchgef&uuml;hrt wurde. Urspr&uuml;nglich war die Deutsche Bundesbank gegen die Einf&uuml;hrung des Euro, wurde aber gezwungen, ihn angesichts des politischen Drucks der kapitalistischen PolitikerInnen anzunehmen, die seine Einf&uuml;hrung st&uuml;tzten. Der Stabilit&auml;tspakt wurde als &#8222;Sicherheitsnetz&#8220; eingef&uuml;hrt, um zu verhindern, das Regierungen bei &#8222;ausschweifende Ausgaben&#8220; Zuflucht nehmen k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>Die ganze Idee des Euro war allerdings an eine Situation anhaltenden Wachstums der europ&auml;ischen Wirtschaft gekoppelt, ohne in Betracht zu ziehen, was im Falle einer Verlangsamung des Wachstums, einer Stagnation oder Rezession geschehen w&uuml;rde. Die Stimmung, die sich in den Referenden und den j&uuml;ngsten K&auml;mpfen der ArbeiterInnenklasse ausgedr&uuml;ckt hat, spiegelt auch die Entt&auml;uschung dar&uuml;ber wieder, dass sich Wirtschaftswachstum, Jobs oder h&ouml;herer Lebensstandard, die mit der Einf&uuml;hrung des Euro versprochen wurden, nicht verwirklicht haben. <\/p>\n<p>Die herrschenden Klassen haben versucht, eine Wirtschaftsunion zu schaffen w&auml;hrend eine politische Union nicht vorhanden war. Wie wir schon damals aufzeigten, hat das schon in der Vergangenheit nie funktioniert. Ohne eine politische Union kann die Errichtung eines einheitlichen Nationalstaates, einer Wirtschaftsunion oder einer einheitlichen W&auml;hrung auf Dauer nicht &uuml;berleben. <\/p>\n<p>Als das &#8222;Projekt&#8220; einmal auf Schiene war, ignorierten die KapitalistInnen die Lehren der Geschichte. Jetzt, im Angesicht der heutiger Krise, warnen Zeitungen wie die britische Financial Times mit Versp&auml;tung das solche Widerspr&uuml;che nicht auf Dauer ausgeglichen werden k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>In einem Artikel, der ernsthaft die Zukunftschancen des Euro hinterfragt, unterstrich Wolfgang Munchau: &#8222;alle W&auml;hrungsunionen gro&szlig;er Staaten, die nicht zu einer politischen Union gef&uuml;hrt haben, sind schlie&szlig;lich zusammengebrochen. Die W&auml;hrungsunion von 1861-1920 zerbrach teils wegen eines Mangels an Steuerdisziplin unter seinen Mitgliedern &#8211; Italien, Frankreich, Belgien, die Schweiz und Griechenland. Eine W&auml;hrungsunion die 1873 zwischen Schweden &#8211; das damals auch Norwegen mit einschloss &#8211; und D&auml;nemark geschlossen wurde, zerfiel, als sich die politischen Umst&auml;nde &auml;nderten. Im Gegensatz dazu war der Deutsche Zollverein, die Zollunion des 19. Jahrhunderts die sich zu einer W&auml;hrungsunion entwickelte, erfolgreich, eben wegen der politischen Vereinigung des Landes 1871.&#8220; (FT, 08\/06\/05). <\/p>\n<p>Es gibt einen betr&auml;chtlichen Unterschied zwischen einem Bundesstaat, wie den USA, die Gelder an die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten relativ einfach auf der Grundlage von Vereinbarungen verteilen kann und andererseits der EU. Die Verteilung der Ressourcen oder Gelder kann in einem Europa, das aus unterschiedlichen Nationalstaaten besteht, nicht in der gleichen Weise erfolgen, wie der gegenw&auml;rtige Kampf um das EU-Budget deutlich macht. <\/p>\n<p>Die gegenw&auml;rtige EU-Krise macht deutlich, dass die W&auml;hrungsunion, anstatt auch zu einer politischen Union zu f&uuml;hren, zu einem politischen Bruch zwischen den Nationalstaaten gef&uuml;hrt hat. Das liegt u.a. hinter den gegenw&auml;rtigen Streitigkeiten &uuml;ber das EU-Budget, die ausgel&ouml;st wurden, als Chirac den &#8222;Briten-Rabatt&#8220; in Frage stellte. Das war allerdings vom Gesichtspunkt der franz&ouml;sischen herrschenden Klasse ein gef&auml;hrlicher Schachzug, da er es im Gegenzug Blair erlaubt hat, die ganze Frage der gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aufzuwerfen. Zur Zeit erh&auml;lt Frankreich &uuml;ber 20% der F&ouml;rderungen f&uuml;r Agrarbetriebe aus dem GAP, was eine rein politische Entscheidung ist, um die Unterst&uuml;tzung unter franz&ouml;sischen LandwirtInnen f&uuml;r die franz&ouml;sische Bourgeoisie und Chirac zu erhalten. <\/p>\n<p>Chirac versucht diese Themen zu benutzen, um von dem Klassencharakter des Ergebnisses des Referendums abzulenken und es in einen nationalistischen Konflikt um das EU-Budget zu verwandeln. Blair, der in den politischen Schuhen von Thatcher steckt, versucht ebenfalls, sich als nationalistischer Verteidiger Britanniens in der Frage des EU-Rabattes darzustellen. Der deutsche Kanzler, Gerhard Schr&ouml;der, unterst&uuml;tzt Chirac, w&auml;hrend seine Konkurrentin in den bevorstehenden Wahlen, Angela Merkel von der Christlich Demokratischen Union (CDU), dazu tendiert, Blair zu unterst&uuml;tzen. W&auml;hrend ein Kompromiss bez&uuml;glich des Budgets letztlich wahrscheinlich ist, veranschaulicht dieser Konflikt die neuen und wachsenden nationalen Spannungen und die Widerspr&uuml;che, die in den kommenden Monaten und Jahren auftauchen werden. <\/p>\n<p>Obwohl ein sofortiger Zusammenbruch des Euro oder der EU nicht die wahrscheinlichste Perspektive in der nahen Zukunft ist, werden die politischen und &ouml;konomischen Spannungen zwischen den Repr&auml;sentantInnen der verschiedenen herrschenden Klassen stark zunehmen. Der Interessenkonflikt dr&auml;ngt die europ&auml;ischen KapitalistInnen nun zur Einrichtung einer loseren Vereinigung der Nationalstaaten, was im Gegensatz zum dominierenden Trend der letzten Periode steht. <\/p>\n<p>Allerdings wird der Beginn einer tiefen &ouml;konomischen Rezession oder Krise oder eine internationale Finanzkrise diese Konflikte weiter versch&auml;rfen und k&ouml;nnte einen verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig schnellen Zusammenbruch des Euro bedeuten. Der Austritt Britanniens aus dem europ&auml;ischen Wechselkurssystem 1992, am &#8222;Schwarzen Mittwoch&#8220; zeigt, wie eine sich auseinander entwickelnde wirtschaftliche Situationen die kapitalistischen Klassen der verschiedenen Staaten zum Bruch mit einer W&auml;hrung oder einem W&auml;hrungsabkommen bringen kann. Obgleich es Unterschiede gibt und es sich nicht genau in der gleichen Weise wiederholen wird, ist es doch m&ouml;glich, dass der Euro zerbricht, wenn ein oder mehre L&auml;nder austreten oder sogar ausgeschlossen werden. <\/p>\n<p>Schon vor dem franz&ouml;sischen bzw. niederl&auml;ndischen Referenden wurde die Frage der Zukunft des Euro angesichts der verschiedenen Wachstum- und Inflationsraten unter den kapitalistischen StrategInnen diskutiert. Am 25. Mai bei einer privaten Besprechung zwischen dem deutschen Finanzminister Hans Eichel und Axel Weber, dem Pr&auml;sidenten der Bundesbank dr&uuml;ckte ein Vertreter von Morgan Stanley (einer Investmentbank), Joachim Fels, seine Sorge &uuml;ber die Zukunft des Euro aus. Wie die Financial Times berichtete hat sogar die extrem Pro-EU eingestellte Lobbyistengruppe &#8222;Zentrum f&uuml;r europ&auml;ische politische Studien&#8220; Anfang Juni eine Bericht ver&ouml;ffentlich, der die M&ouml;glichkeit eines Zusammenbruchs der Europ&auml;ischen W&auml;hrungsunion aufwarf. (8\/6\/05). <\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund der Referenden &uuml;ber die EU-Verfassung haben drei italienische Minister, Mitglieder der Lega Nord, die Wiedereinf&uuml;hrung der Lira gefordert. <\/p>\n<p>Dieses ist zum Teil auch ein Versuch, Romano Prodi, de-facto F&uuml;hrer des oppositionellen mitte-links B&uuml;ndnisses, l&#x91;Union, und ehemaliger Vorsitzender der Europ&auml;ischen Kommission in Verlegenheit zu bringen. Prodi hat Italien zu einem wie oft gesagt wird &#8222;zu hohem Preis&#8220; in die Eurozone gef&uuml;hrt. Berlusconi hat die Referenden in Frankreich und den Niederlande schamlos als de-facto Niederlage f&uuml;r Prodi dargestellt, obwohl die Regierung Berlusconis der vorgeschlagenen Verfassung im April im Parlament zugestimmt hatte. <\/p>\n<p>Allein die Tatsache, dass das Aufgeben des Euro f&uuml;r die Lira von einer regierenden Koalitionspartei diskutiert wurde, macht die Beschr&auml;nkungen deutlich, die der Euro den herrschenden Klassen in Italien und in andere L&auml;nder auferlegt. Es ist kein Zufall, dass die st&auml;rkste Opposition zum Euro aus den Niederlanden, Frankreich, Italien und Deutschland kommt &#x96; L&auml;nder, die entweder in einer wirtschaftlichen Stagnation (oder im Fall von Italien einer Rezession) stecken oder die unter einem hohen Level von Arbeitslosigkeit leiden. Der Euro, mit einem fixierten gemeinsamen Zinssatzes und Richtlinien f&uuml;r die Staatshaushalte, hat den deflationistischen Druck in diesen L&auml;ndern verst&auml;rkt. <\/p>\n<p>Innerhalb der EU hat der deutsche Kapitalismus seine Position gest&auml;rkt. Im letzten Jahr sind die Exporte um 4.9% gewachsen. Das bedeutete einen Anstieg um 9.9% der Exporten in andere L&auml;nder der Eurozone und um 7.2% in andere EU-L&auml;nder. Im Vergleich dazu stiegen die Exporte in den Rest der Welt nur um 0.9%. Die zunehmend dominierende &ouml;konomische Position des deutschen Imperialismus innerhalb der EU ist auf Kosten von L&auml;ndern wie Italien, f&uuml;r die das Probleme bedeutet. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Italien &#x96; der kranke Mann Europas<\/p>\n<p>Italien ist zur Zeit der &#8222;kranke Mann Europas.&#8220; Es ist auf dem Weg auf die Intensivstation &#x96; wenn es nicht bereits dort angekommen ist. Die Exporte sind in einer andauernden Abw&auml;rtsspirale. W&auml;hrend der ersten vier Monate des Jahres 2005, fielen sie im Vergleich zum vorhergehenden Quartal um 4.1%, welches seinerseits 4.5% unter dem vorhergehenden lag. Italien ist nun offiziell in einer Rezession. Mit einer offiziellen Arbeitslosigkeit von &uuml;ber 8% und einem aufgebl&auml;hten &ouml;ffentlichen Defizit ist es das erste Land das sich &#8222;Disziplin&auml;rma&szlig;nahmen&#8220; f&uuml;r den Bruch des Stabilit&auml;tspaktes gegen&uuml;bersieht. Italiens Staatsverschuldung steht bei 106% des BIP &#8211; weit &uuml;ber der Zielvorgabe der EU von 60%. <\/p>\n<p>Traditionsgem&auml;&szlig; hat Italien W&auml;hrungsabwertungen als Mittel verwendet eine wirtschaftliche Rezession in den Griff zu bekommen und so indirekt den Lebensstandards zu beschneiden. Dieser Ausweg ist der italienischen Regierung, die in der Zwangsjacke eines einheitlichen Zinssatzes des Euros steckt, zur Zeit versperrt. In diesem Sinn sind die EWU und der Euro wie der &#8222;Goldstandard&#8220; der Zwischenskriegsperiode. Dieser band die W&auml;hrungen der L&auml;nder an einen bestimmten Wechselkurs, selbst wenn er nicht mehr l&auml;nger eine ge&auml;nderte wirtschaftliche Lage reflektierte. Der &#8222;Goldstandard&#8220;&#x91; wirkte daher deflation&auml;r, behinderte Produktion und brach infolgedessen schlie&szlig;lich zusammen. Die Eurozone wird aus dem gleichen Grund das gleiche Schicksal ereilen. <\/p>\n<p>Schicksal des Euro in Verbindung mit der Weltwirtschaft <\/p>\n<p>Die kurz- bis mittelfristigen Perspektiven f&uuml;r den Euro sind untrennbar mit dem Weltwirtschaftswachstum und den Aussichten auf eine massive Verlangsamung oder eine Rezession zu sehen. Wie wir schon in anderem CWI-Material erkl&auml;rt haben &#8211; treibende Kraft um die Weltwirtschaft aus der Rezession zu halten liegt im fortgesetzten Konsum-Boom in den USA, der durch das exportorientierte Wachstum einer schnell expandierenden chinesischen Wirtschaft gest&uuml;tzt wurde. Aber beide Wirtschaftsmotoren erreichen nun die Grenzen st&auml;ndigen Wachstums. Auf Grund von Immobilienspekulationen und eines Investitionsbooms wurde die chinesische Wirtschaft &uuml;berhitzt. <\/p>\n<p>Das US Doppeldefizit (Haushaltsdefizit und negative Handelsbilanz) hat eine beispielslose H&ouml;he von beinahe 3 Billionen US$ erreicht &#x96; verglichen mit einem &uuml;berschuss von 360 Milliarden US$ 1980. Diese Entwicklung zeigt klar ihre Grenzen auf. Obwohl die US &ouml;konomie das Wachstum in der letzten Periode verlangsamt hat, wird sie trotzdem durch den Zustrom von Kapital aus China, Europa und Japan &uuml;ber Wasser gehalten. Das US Leistungsbilanzdefizit saugt beinahe 75% der Leistungsbilanz&uuml;bersch&uuml;sse von Deutschland, Japan, China und anderen asiatischen L&auml;ndern auf. Die massiven &uuml;bersch&uuml;sse der asiatischen KapitalistInnen str&ouml;men mehr in US-Staatsanleihen, als dass sie in die wirtschaftliche Weiterentwicklung der eigenen Region re-investiert werden. Der Preis daf&uuml;r waren steigende Arbeitslosigkeit und eine verst&auml;rkte Zunahme von Armut in den asiatischen L&auml;ndern. Ausl&ouml;ser f&uuml;r diese Investitionen in US-Anleihen war die massive Wirtschaftskrise 1997 in den asiatischen L&auml;ndern. Vor dieser Krise gab es auf Grund gewaltiger &uuml;berkapazit&auml;ten in der Produktion eine Absatzkrise, die der Weltmarkt nicht absorbieren konnte. <\/p>\n<p>Daher wollen die KapitalistInnen in Asien diese Erfahrung nicht wiederholen, die in einer Periode einer sich abzeichenden Krise zu einer weiteren Markt&uuml;berschwemmung f&uuml;hren w&uuml;rde. Trotz der sehr geringen Ertr&auml;ge aus US-Anleihen werden diese bevorzugt gekauft, die im Moment die &acirc;&#x80;&#x9A;schwarzen L&ouml;cher&#x91; des US-Defizits f&uuml;llen. Die herrschenden Klassen der Welt versuchen verzweifelt, so lange wie m&ouml;glich die US Wirtschaft abzust&uuml;tzen, um eine globale Rezession zu verhindern. Das wird ihnen jedoch nicht f&uuml;r immer gelingen. <\/p>\n<p>Eine schwerwiegende Reduktion des Zustroms ausl&auml;ndischen Kapitals in die USA wird vermutlich einen weiteren Verfall des Dollars ausl&ouml;sen &#x96; der wahrscheinlichste Ausl&ouml;ser f&uuml;r eine Weltwirtschaftsrezession. Der US-Imperialismus verlangt, dass China den Reminbi gegen&uuml;ber dem Dollar aufwertet. Die Kursst&uuml;tzung des Dollars durch den Reminbi bedroht US-Firmen wegen der g&uuml;nstigeren Dollarpreisimporte in die USA. Andererseits w&uuml;rde eine merkliche Aufwertung der chinesischen W&auml;hrung die Konkurrenzf&auml;higkeit Chinas im Verh&auml;ltnis zu seinen regionalen Nachbarn schw&auml;chen und w&uuml;rde ebenso deren US-Exportpreise in Dollar anheben. Das ist einer der Gr&uuml;nde weshalb China bisher dem Druck standgehalten hat. Diese darunterliegenden Widerspr&uuml;che erreichen mittlerweile einen kritischen Punkt. Sie werden weiter durch die Instabilit&auml;t der globalen Finanzm&auml;rkte und den steigenden &ouml;lpreis versch&auml;rft. Der Spekulationsboom der 1990er Jahre lie&szlig; die sehr undurchsichtigen &acirc;&#x80;&#x9A;Hedge Fonds&#x91; stark anwachsen. Diese sind Ausdruck f&uuml;r das Wachstum des spekulativen Finanzkapitals in der Weltwirtschaft, im Allgemeinen aber auch in Europa. Es besteht eine Tendenz der europ&auml;ischen &ouml;konomien in Richtung eines &#8222;Kupon-Schneider-Kapitalismus, mit einem Wachsen des Finanzkapitals auf Kosten des industriellen Kapitals. Dieser Prozess ist in Britannien am weitesten fortgeschritten und beginnt auch in den restlichen EU-&ouml;konomien zu greifen. <\/p>\n<p>Entsprechend j&uuml;ngster Berichte existieren international um die 8000 &acirc;&#x80;&#x98;Hedge Funds&#x91;. Sch&auml;tzungsweise bis zu 1600 dieser Fonds sind &uuml;berbewertet und k&ouml;nnten in den n&auml;chsten 2 Jahren zusammenbrechen. Solch ein Kollaps k&ouml;nnte eine weltweite Finanzkrise ausl&ouml;sen, &auml;hnlich wie sie schon 1998 durch den Crash des &acirc;&#x80;&#x9A;Long Term Capital Management&#x91; (LTCM) stattfand. Ein Zusammenbruch in diesem Ma&szlig;stab w&auml;re vergleichbar mit einer gro&szlig;en globalen Bankenkrise and k&ouml;nnte die Welt in eine tiefe Rezession st&uuml;rzen. <\/p>\n<p>Ein Konjunkturr&uuml;ckgang oder ein Absturz der Weltwirtschaft h&auml;tte massive R&uuml;ckwirkungen innerhalb der Eurozone. Insbesondere Deutschland w&uuml;rde von einer weiteren Verlangsamung oder einer Rezession der Weltwirtschaft schwer getroffen werden, wegen der zunehmende Abh&auml;ngigkeit von Exporten f&uuml;r das Wirtschaftswachstum und der Widerspr&uuml;che auf dem Inlandsmarkt. Der Beginn einer ernsthaften Rezession wird die M&ouml;glichkeit des Zusammenbruchs des Euros erneut aufwerfen. Solch eine Entwicklung wird die Tr&auml;ume der Analysten der europ&auml;ischen Kapitalisten zerschmettern, die den Euro als m&ouml;gliche f&uuml;hrende Weltwirtschaftsw&auml;hrung in Konkurrenz zum Dollar sehen. <\/p>\n<p>Indes muss es nicht notwendigerweise Italien oder eine der schw&auml;cheren &ouml;konomien der Eurozone sein, die den Zusammenbruch des Euro beschleunigen. Kommentatoren wie Wolfgang Munchau, Journalist der Financial Times, wies erst k&uuml;rzlich darauf hin, dass Frankreich oder Deutschland im Falle eines aufgeweichten Stabilit&auml;tspaktes und steigender Inflation m&ouml;glicherweise beschlie&szlig;en k&ouml;nnten, sie w&auml;ren au&szlig;erhalb der Eurozone mit Vorrang f&uuml;r Preisstabilit&auml;t besser dran. Sollten diese L&auml;nder den Euro aufgeben und zur&uuml;ck zu nationalen W&auml;hrungen gehen, w&uuml;rde ihre Schuldenr&uuml;ckzahlungen sinken. Ein Analyst der &acirc;&#x80;&#x9A;Deutsche Bank&#x91; warnte: &#8222;Der Druck, die Eurozone zu verlassen wird nicht von den schwachen, sondern von den starken Mitgliedern kommen.&#8220; <\/p>\n<p>Durch die sich in Deutschland dramatisch entwickelnde soziale, wirtschaftliche und politische Krise k&ouml;nnte der Druck f&uuml;r einen Euro-Ausstieg von der st&auml;rksten &ouml;konomie der Eurozone kommen. <\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold;\">Deutschland im politischen Aufruhr<\/span> <\/p>\n<p>Obwohl die Regierung der Sozialdemokratischen Partei (SPD) mit Kanzler Gerhard Schr&ouml;der am Beginn des Irak Kriegs versucht hat, sich mit ihrer Ablehnung in eine radikale Pose zu bringen, hat sie letztendlich eine neo-liberale Politik durchgezogen. <\/p>\n<p>Bei einer offiziellen Arbeitslosigkeit von &uuml;ber 11% &#8211; h&ouml;her als in Frankreich &#x96; wurde die ArbeiterInnenklasse mit zahlreichen schwerwiegenden Angriffen auf den Lebensstandard konfrontiert. Alleine in den letzten 12 Monaten wurden 300.000 Vollzeitarbeitspl&auml;tze vernichtet und durch so genannte &#8222;mini Jobs&#8220; ohne soziale Absicherung und zu schlechteren Konditionen und L&ouml;hnen ersetzt. <\/p>\n<p>Massenarbeitslosigkeit, Privatisierungen und der Sozialabbau haben den &#8222;sozialen Konsens&acirc;&#x80;&#x9D;, der seit 1945 und der langen Phase des Wirtschaftsaufschwungs nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland herrschte, ersch&uuml;ttert. Aber selbst das ist noch nicht genug f&uuml;r die herrschende Klasse in Deutschland. <\/p>\n<p>Aus Angst, dass der &#8222;linke Fl&uuml;gel&#8220; der SPD durch den Druck der ArbeiterInnenklasse an Entschlossenheit im Parlament gewinnen und das die weiter pro kapitalistische Politik unzuverl&auml;ssig machen k&ouml;nnte, setzte die herrschende Klasse jetzt auf Angela Merkel, die F&uuml;hrerin der CDU, und unterst&uuml;tzte vorgezogene Wahlen. <\/p>\n<p>Ganz wie es die &#8222;Financial Times Deutschland&#8220; herausstrich: &#8222;Wir versuchten durch die Linke zu reformieren, aber nun m&uuml;ssen wir zur&uuml;ck zu klassischen rechten Reformen. Das wird aber sozialen Widerstand hervorrufen, den wir seit Jahrzehnten nicht gesehen haben aber wir m&uuml;ssen uns darauf vorbereiten.&#8220; <\/p>\n<p>Das k&ouml;nnte sich aber als eine gr&ouml;&szlig;ere Fehlplanung der deutschen herrschenden Klasse herausstellen. Weiterer Sozialabbau und Angriffe durch eine CDU-Regierung wird sicher massiven Widerstand der ArbeiterInnenklasse mit sich bringen. Der Plan der herrschenden Klasse fu&szlig;t auf der Annahme, dass die Gewerkschaften eine starke Bewegung der ArbeiterInnenklasse unterdr&uuml;cken k&ouml;nnen, so wie es jetzt unter der SPD gef&uuml;hrten Koalition der Fall war. <\/p>\n<p>Wie auch immer, sie werden die Kontrolle unter einer CDU gef&uuml;hrten Regierung &uuml;ber die ArbeiterInnenklasse aber nicht behalten. Sogar in den letzten Wochen der Schr&ouml;der-Regierung setzten bereits einige Gruppen von ArbeiterInnen, wie die von Bosch-Siemens in Berlin, ermutigt durch die Schw&auml;che der Regierung auf Kampfma&szlig;nahmen gegen die K&uuml;rzungen. <\/p>\n<p>Deutschland sieht sich in einer gr&ouml;beren politischen und sozialen Krise. Auch wenn Schr&ouml;der nicht &uuml;ber die EU-Verfassung abstimmen lie&szlig;, k&ouml;nnen die Regionalwahlen in Nordrhein-Westfahlen als Vergleich mit Chiracs Schlappe beim Referendum herhalten. Zum ersten Mal seit 39 Jahren wurde die SPD in diesem Bundesland abgew&auml;hlt. <\/p>\n<p>Das leitete eine allgemeine gr&ouml;&szlig;ere politische Krise in der deutschen Gesellschaft ein, die 100.000e Menschen politisierte und breit politische diskutiert wird. Mitglieder der SAV (CWI-Sektion in Deutschland) berichteten von einer massiven Politisierungswelle innerhalb der deutschen Gesellschaft. Politik wird nun breit in Bussen, Stra&szlig;enbahnen und Mittagspausen am Arbeitsplatz diskutiert. <\/p>\n<p>Dem folgte ein verbaler Schwenk des SPD Vorsitzenden M&uuml;nteferings und anderer, die die Finanzspekulationen mit einer Heuschreckenplage verglichen. Die Angriffe auf das Finanzkapital widerspiegeln in letzter Konsequenz die Opposition zur Pro-Regierungspolitik der Regierung und dem beginnenden antikapitalistischen Bewusstsein innerhalb der deutschen Massen. <\/p>\n<p>Dem folgten jetzt noch Forderungen vom &#8222;linken Fl&uuml;gel&#8220; der SPD, die auch von manchen MinisterInnen aufgegriffen wurden, die L&ouml;hne zu erh&ouml;hen. Das ist im Blickwinkel des zunehmenden Kaufkraftverlusts der ArbeiterInnenklasse und den steigenden Dividenden f&uuml;r die Unternehmen zu sehen. 24 der gr&ouml;&szlig;ten Firmen am Aktienmarkt haben dieses Jahr ihre Dividenden und Auszahlungen an Aktion&auml;ren um 40% gesteigert. <\/p>\n<p>Die Forderungen nach einer &auml;nderung hier durch diese &#8222;linken&#8220; SPDler, widerspiegelt aber auch unterschiedliche Interessen der herrschenden Klasse. Teile des Kapitals sind selbst davon &uuml;berzeugt, dass die neo-liberale Politik schon zu weit gegangen ist und es eine &auml;nderung braucht. <\/p>\n<p>Der Kahlschlag im Lebensstandard ist einigen L&auml;ndern schon so weit, dass sich weite Teile der ArbeiterInnenklasse die von ihnen produzierten G&uuml;ter gar nicht mehr leisten kann. <\/p>\n<p>Deswegen sind schon Stimmen laut geworden, die eine R&uuml;ckkehr zur &#8222;keynesianistischen&#8220; Wirtschaftspolitik verlangen. Das kann hei&szlig;en, die Zinsen zu senken oder die Staatsausgaben zu erh&ouml;hen &#x96; eine weitere Lockerung der EU-Budget-Kriterien, als ein Mittel, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. <\/p>\n<p>Wie auch immer, solche Ma&szlig;nahmen werden die Inflation anheizen und neue Widerspr&uuml;che und Spannungen ans Tageslicht bringen. Aus diesem Grund stemmen sich die KapitalistInnen in ihrer Mehrheit gegen diese Ma&szlig;nahmen zum jetzigen Zeitpunkt. In Wirklich fordern sie von der ArbeiterInnenklasse noch mehr von demselben und damit eine Fortf&uuml;hrung der neo-liberalen Angriffe. Diese Politik kann in der n&auml;chsten Zeit ein wenig nationalistischer pr&auml;sentierte werden oder unter dem Motto &#8222;Sicherung des Sozialsystems&#8220; laufen. Und das wird den Boden f&uuml;r noch gr&ouml;&szlig;ere soziale Explosionen aufbereiten. <\/p>\n<p>Diese Entwicklungen in Frankreich, Italien und Deutschland sind essentiell f&uuml;r die ArbeiterInnenklasse und speziell f&uuml;r aktive SozialistInnen und MarxistInnen. Die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen die dort statt finden, machen sie zu Pr&uuml;f- und Meilensteinen f&uuml;r die ganz Europa. <\/p>\n<p>Die Wichtigkeit der Entwicklungen in Frankreich, Deutschland oder Italien f&uuml;r die ganze europ&auml;ische ArbeiterInnenklasse hei&szlig;t aber nicht, dass es nicht auch zu sozialen Explosionen in anderen wichtigen L&auml;ndern kommen kann. Wenn Italien schon auf der Intensivstation liegt, dann ist Portugal noch um ein Eck schlimmer dran. &#8222;Das Monster ist zur&uuml;ck&#8220; titelte eine portugiesische Tageszeitung als sie sich auf das Budgetdefizit bezog. Zur Zeit steht es bei satten 7% des BIP &#x96; das Limit im Stabilit&auml;tspakt sieht maximal 3% vor! &#8222;Drakonische Einsparungen&#8220; werden von Wirtschaftsfachleuten gefordert und enorme Angriffe werden gerade auf die 730.000 Staatsbediensteten vorbereitet. Die L&ouml;hne dieser Besch&auml;ftigungsgruppe machen alleine 15% des BIPs aus. Diese und noch weitere Angriffe werden einen gro&szlig;en Kampf zwischen der portugiesischen ArbeiterInnenklasse und herrschenden Klasse ausl&ouml;sen. <\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Aufgaben der ArbeiterInnenklasse ist der Aufbau einer starken politischen Alternative f&uuml;r die ArbeiterInnenklasse die gegen den Kapitalismus und f&uuml;r eine sozialistische Alternative k&auml;mpft. Das Fehlen einer solchen Partei war ein Bremsklotz bei der Entwicklung von K&auml;mpfen der ArbeiterInneklasse in den vergangen Jahren. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">Eine neue Partei &#x96; Deutsche ArbeiterInnen dr&auml;ngen nach links<\/p>\n<p>Die vor kurzem getroffene Entscheidung des ehemaligen SPD Vorsitzenden Oscar Lafontaine (einem Gegner von Schr&ouml;ders neoliberalem Programm der weitgehend als Linker gesehen wird), die SPD zu verlassen und ein B&uuml;ndnis mit der PDS und der neuen linken WASG (Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit) einzugehen, ist eine enorm wichtige Entwicklung. Diese Allianz ist von der F&uuml;hrung dieser beiden Parteien geschlossen worden. Leider hat die F&uuml;hrung der WASG die K&uuml;rzungen und gegen die ArbeiterInnenklasse gerichtete Politik der PDS in Berlin und anderen Regionen, wo sie sich in einer Regierungskoalition befindet, weder abgelehnt noch kritisiert. Dennoch kann ein Wahlerfolg dieses B&uuml;ndnisses, an dessen Spitze Lafontaine sitzt, ein erster Schritt hin zu einer Neuen Partei der deutschen ArbeiterInnenklasse sein. Obwohl das neue B&uuml;ndnis und die WASG keine fertigen ArbeiterInnenparteien mit einem klaren k&auml;mpferischen Programm darstellen, ist diese Entwicklung ein wichtiger Schritt nach vorne. Lafontaine hat &ouml;ffentlich erkl&auml;rt, dass er der WASG beitreten wird und diese Partei hat nun die M&ouml;glichkeit zu wachsen und sich zu entwickeln. <\/p>\n<p>Die Entscheidung dieses B&uuml;ndnis einzugehen hat bereits weite politische Diskussionen und Debatten ausgel&ouml;st. Einigen Berichten zufolge haben zweitausend Menschen eine Kundgebung gegen die Regierung in Chemnitz in Ostdeutschland besucht, nur um Lafontaine zu h&ouml;ren. Diese enthusiastische Veranstaltung war von Gewerkschaften, der PDS und der WASG organisiert worden. <\/p>\n<p>Diese Schritte hin zu einer neuen Partei bilden einen Kanal, der den deutschen ArbeiterInnen und Jugendlichen erlaubt, zu beginnen, sich politisch auszudr&uuml;cken und zu aktivieren. Das B&uuml;ndnis fungiert in Ans&auml;tzen bereits als eine Art Plattform in deren Rahmen ArbeiterInnen und AktivistInnen Programm und Aufgaben im Kampf gegen die neoliberalen Angriffe der herrschenden Klasse diskutieren k&ouml;nnen. Diese Entwicklungen sind ein wichtiger Schritt vorw&auml;rts. <\/p>\n<p>Die deutsche Sektion des CWI ist ein aktiver Teil dieses Prozesses und k&auml;mpft f&uuml;r sozialistische Ideen als Alternative zum Kapitalismus und daf&uuml;r, dass diese Partei eine Partei von ArbeiterInnen und Jugendlichen wird, die f&uuml;r deren Interessen k&auml;mpft. <\/p>\n<p>In den ersten Umfragen zeigt sich bereits, dass 8% bei Wahlen f&uuml;r diese neue Partei stimmen w&uuml;rden &#x96; mehr als die neoliberale FDP an Stimmen h&auml;lt und auf einem Level mit den Gr&uuml;nen. Laut einer fr&uuml;heren Umfrage h&auml;tten bereits 18% f&uuml;r das neue Linksb&uuml;ndnis gestimmt. Diese Entwicklungen haben bereits international Auswirkungen und k&ouml;nnen ein Ausl&ouml;ser daf&uuml;r sein, dass ArbeiterInnen in anderen L&auml;ndern die notwendigen politischen und praktischen Schlussfolgerungen &uuml;ber die Notwendigkeit des Aufbaus neuer Parteien ziehen. <\/p>\n<p>Wenn die neue linke Partei in Deutschland sich zu einer st&auml;rkeren sozialistische Kraft entwickelt, kann sie ein wichtiger Katalysator daf&uuml;r sein, dass ArbeiterInnen im &uuml;brigen Europa mit dem Aufbau neuer ArbeiterInnenparteien beginnen, die im Stande sind, den Kapitalismus herauszufordern und f&uuml;r Sozialismus zu k&auml;mpfen. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">EU Erweiterung kann gestoppt werden<\/p>\n<p>Die Krise der EU, ausgel&ouml;st durch die Revolte in Frankreich und den Niederlanden gegen die EU-Verfassung, wird in aller Wahrscheinlichkeit den Prozess der EU-Erweiterung abbremsen. Chirac hat bereits eine eigene EU-Konferenz vorgeschlagen, bei der entschieden werden soll, ob die Erweiterung wie geplant fortgesetzt wird. Der Aufruhr im Kern der EU und das Entleeren der Reserven der gr&ouml;&szlig;ten Wirtschaft, jener Deutschlands n&auml;mlich, macht es &auml;u&szlig;erst unwahrscheinlich, dass die T&uuml;rkei oder die Ukraine von der EU als vollwertige Mitglieder aufgenommen werden. Die bereits beigetretenen neuen EU-Staaten in Zentral- und Osteuropa haben nicht von der EU-Mitgliedschaft profitiert, anders als Spanien oder Irland nach deren Beitritt. Die osteurop&auml;ischen Mitgliedsstaaten sind eher Netto-Zahler als Bezieher. <\/p>\n<p>Der drohende Stop der EU-Erweiterung hat bereits am Balkan f&uuml;r Unruhe gesorgt; dort herrscht n&auml;mlich die Sorge, dass ein Beenden der Aussicht auf einen EU-Beitritt f&uuml;r diese Staaten die ethnischen und nationalen Konflikte in der Region wieder aufflammen lassen k&ouml;nnte &#x96; und diese Konflikte w&uuml;rden sich dann unvermeidbar auf das &uuml;brige Europa ausweiten. Diese Bedrohung wird versch&auml;rft durch das Wiederaufflammen des Konflikts im Kosovo. Diese ethnisch gemischte Region hat eine &uuml;berwiegend albanische Mehrheit, und rund 180.000 Serben (nur ein Drittel der Bev&ouml;lkerung vor dem Krieg 1999), die zum Gro&szlig;teil in eine Handvoll von Enklaven gedr&auml;ngt wurden. <\/p>\n<p>Die albanische Mehrheit dr&auml;ngt weiterhin auf volle formale Unabh&auml;ngigkeit von Serbien, eine Forderung, die der US-Imperialismus nun zu unterst&uuml;tzen geneigt ist. Ein derartiger Schritt w&uuml;rde unvermeidbar die Spannungen mit Serbien wieder versch&auml;rfen und die albanischen Bev&ouml;lkerungsgruppen in<br \/>   Mazedonien und Albanien nach Griechenland treiben. Es ist klar, dass die aktuelle Krise der EU Wiederhall jenseits der Grenzen ihrer Mitgliedsstaaten findet. Die &auml;ngste der ArbeiterInnen in Westeuropa vor der Bedrohung ihrer L&ouml;hne, Arbeitspl&auml;tze und Arbeitsbedingungen durch nachdr&auml;ngende ArbeiterInnen aus Osteuropa war ein Faktor in den letzten Referenden. Das ist auch ein wichtiges Thema f&uuml;r ArbeiterInnen in allen EU L&auml;ndern. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">ArbeiterInnen vereinigt euch &#x96; Einheit der ArbeiterInnenklasse und k&auml;mpferische Gewerkschaft aufbauen!<\/p>\n<p>Aktuellen Berichten zufolge arbeiten bis zu 500.000 polnische ArbeiterInnen legal au&szlig;erhalb von Polen. Die herrschende Klasse sieht MigrantInnen klar als billige Arbeitskr&auml;fte und als ein Instrument um L&ouml;hne zu dr&uuml;cken. Die Gewerkschaften in ganz Europa m&uuml;ssen dieses Thema energisch aufgreifen. Eine gro&szlig; angelegte Kampagne gegen Rassismus und f&uuml;r die Vereinigung aller ArbeiterInnen in Europa ist notwendig. Das m&uuml;sste mit einer offensiven Kampagne verbunden werden, um ArbeiterInnen in Osteuropa gewerkschaftlich zu organisieren &#x96; dann w&auml;re es m&ouml;glich die Hungerl&ouml;hne und die immensen Arbeitsstunden, die den ArbeiterInnen in Osteuropa aufgezwungen sind, zu bek&auml;mpfen. Eine derartige Kampagne m&uuml;sste Teil eines gr&ouml;&szlig;eren Kampfs f&uuml;r den Aufbau k&auml;mpferischer Gewerkschaften sein, um die Interessen aller ArbeiterInnen verteidigen zu k&ouml;nnen. MigrantInnen m&uuml;ssten volle demokratische und nationale Rechte erhalten, ihr Lohnniveau m&uuml;sste an jenes der ArbeiterInnen in den L&auml;ndern, in die sie einwandern, angeglichen werden. <\/p>\n<p>Es ist notwendig, dass die Gewerkschaften in allen EU L&auml;ndern Verbindungen aufbauen und gemeinsame K&auml;mpfe und Kampagnen f&uuml;r h&ouml;here L&ouml;hne und bessere Arbeitsbedingungen f&uuml;r ArbeiterInnen in der gesamten EU organisieren. Ein Teil davon muss auch sein, f&uuml;r angemessene Mindestl&ouml;hne f&uuml;r ArbeiterInnen in der gesamten EU zu k&auml;mpfen. Au&szlig;erdem m&uuml;ssen Verbindungen mit ArbeiterInnen in Osteuropa aufgebaut werden, um sich mit ihnen im Kampf gegen multinationale Konzerne und die herrschenden Klassen in Europa zusammenzuschlie&szlig;en. Das ist die einzige Art und Weise, wie Spaltungen &uuml;berwunden werden k&ouml;nnen und die ArbeiterInnenklasse vereinigt werden kann, um ein Anwachsen des Rassismus zu stoppen und zu verhindern, dass MigrantInnen durch die herrschende Klasse als billige Arbeitskr&auml;fte ben&uuml;tzt werden. <\/p>\n<p style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r ein sozialistisches Europa<\/p>\n<p>Diese noch nie da gewesene Krise der EU hat die Bourgeoisie des europ&auml;ischen Kontinents wieder in die Arme des Nationalismus und der Verteidigung ihrer nationalen Interessen getrieben und sie damit von einem internationalen Ansatz im L&ouml;sen ihrer Probleme wieder meilenweit entfernt. <\/p>\n<p>SozialistInnen und das CWI waren von Beginn an gegen die EU als Instrument des Kapitalismus und damit gegen die EU-Verfassung als ein weiterer neoliberaler Angriff gegen die europ&auml;ische ArbeiterInnenklasse. <\/p>\n<p>Allerdings hat unsere Ablehnung der EU und ihrer Institutionen nichts mit dem engstirnigen und eindimensionalen Nationalismus der herrschenden Klasse und der extremen Rechten gemeinsam. Die ArbeiterInnenklasse in Europa hat gemeinsame Interessen und wir stehen f&uuml;r die Verteidigung eines vereinten sozialistischen Europa auf freiwilliger demokratischer Basis. <\/p>\n<p>In einigen L&auml;ndern ist es der ArbeiterInnenklasse gelungen, durch Klassenkampf die neoliberale Offensive der Kapitalisten zu verlangsamen. <\/p>\n<p>1995 haben die franz&ouml;sischen ArbeiterInnen den Plan Jupp&Atilde;&copy;s gestoppt. In Italien konnte Berlusconi seine Pensionsreform nicht umsetzen. In Frankreich und Deutschland war es noch nicht m&ouml;glich die neoliberalen Angriffe in dem Ausma&szlig; umzusetzen wie die herrschende Klasse das gerne h&auml;tte. Es war ihnen nicht m&ouml;glich so weit zu gehen, wie Thatcher das in Britannien tun konnte. <\/p>\n<p>Dennoch konnten die KapitalistInnen ihre Offensive fortsetzen. Schuld daran ist die Unf&auml;higkeit der Gewerkschaftsf&uuml;hrung, effektiven Widerstand zu organisieren und eine sozialistische Alternative anzubieten. Es ist dringender denn je, f&uuml;r eine sozialistische Alternative zu EU und Neoliberalismus zu k&auml;mpfen. <\/p>\n<p>Es ist n&ouml;tig, dass ArbeiterInnen in ganz Europa untereinander Verbindungen aufbauen und ein Debatte &uuml;ber die Alternative zur kapitalistischen EU und ihrer Institutionen er&ouml;ffnen. Der Kapitalismus kann Europa nicht vereinen. Die ArbeiterInnenklasse muss sich &uuml;ber nationale Grenzen hinweg zusammenschlie&szlig;en um die Drohung des Neoliberalismus und des Kapitalismus zu bek&auml;mpfen. Die Alternative zur Krise der EU und zu den nationalen Konflikten, die der Kapitalismus schafft, ist ein Kampf f&uuml;r eine demokratische sozialistische Vereinigung Europas. Das ist die einzige Alternative zu den nationalen Spannungen, die nun in der EU auszubrechen drohen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme des CWI zur Krise der Europ&auml;ischen Union<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[79],"tags":[249],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11315"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11315"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11315\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11315"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11315"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11315"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}