{"id":11312,"date":"2005-06-25T11:14:27","date_gmt":"2005-06-25T11:14:27","guid":{"rendered":".\/?p=11312"},"modified":"2005-06-25T11:14:27","modified_gmt":"2005-06-25T11:14:27","slug":"11312","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/06\/11312\/","title":{"rendered":"WASG Berlin beginnt mit eigenst&auml;ndigen Wahlkampf"},"content":{"rendered":"<p>Vom 18. bis 19. Juni 05 fand in Berlin der konstituierende 1. Landesparteitag der Wahlalternative &#8211; Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) statt. Auf ihm wurden wichtige Beschl&uuml;sse gefasst, die auch bundespolitische Auswirkung haben werden.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nBereits im Vorfeld des Landesparteitages gab es an der Basis der Berliner WASG viel Unmut &uuml;ber die Vorgehensweise des Bundesvorstandes und des Berliner Landesvorstandes der WASG hinsichtlich des geplanten Wahlb&uuml;ndnisses mit der <i>Partei des demokratischen Sozialismus (PDS)<\/i> zu den Bundestagswahlen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">PDS betreibt Sozialabbau <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Nicht ohne Grund: so ist die PDS seit 2001 gemeinsam mit der SPD in der Berliner Landesregierung vertreten. Die PDS unterst&uuml;tzte in den letzten Jahren unter anderem Erh&ouml;hungen der Geb&uuml;hren bei den KITA &#180;s, Lohnsenkungen im &Ouml;ffentlichen Dienst und viele K&uuml;rzungen im Sozialbereich. Berlin ist w&auml;hrend der Regierungszeit der PDS als erstes Bundesland aus dem Fl&auml;chentarifvertrag ausgestiegen, hat Erh&ouml;hungen der Fahrpreise im &Ouml;ffentlichen Nahverkehr gerade auch f&uuml;r sozial Schwache zugelassen, setzt die Hartz-Gesetze um und vieles mehr. Wegen dieser neoliberalen Politik sind viele Mitglieder der PDS in den letzten Monaten zur WASG &uuml;bergetreten. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Die Weichen sind gestellt <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Dementsprechend hitzig war dann auch die Diskussion auf dem Landesparteitag zur Frage des Zusammengehens mit der PDS. Kritisiert wurde dabei besonders auch die fehlende demokratische Einbeziehung der Mitgliedschaft in die Diskussion und die fehlende Transparenz. So erfuhren die meisten Mitglieder nur &uuml;ber Medienberichte von den aktuellen Ergebnissen der Verhandlungen des WASG-Bundesvorstandes mit der PDS-F&uuml;hrung. Entsprechend waren dann auch die Ergebnisse der aufgew&uuml;hlten Diskussion. <font face=\"Times New Roman, serif\">So beschloss eine Mehrheit von zwei Dritteln der anwesenden Mitglieder des Berliner Landesverbandes zwar, &#65533;die Zusammenarbeit mit der PDS auf Bundesebene zur Bundestagswahl 2005&#65533; zu akzeptieren. Allerdings wurde in dem Beschluss auch deutlich gemacht: &#65533;Nach den &ouml;ffentlichen Diskussionen und nicht&ouml;ffentlichen Verhandlungen der letzten Wochen besteht keine andere realistische M&ouml;glichkeit mehr, um eine Opposition gegen die herrschende neoliberale Politik im Bundestag deutlich zu machen. Erwartungen und Hoffnungen von gr&ouml;&szlig;eren Gruppen von W&auml;hlerinnen und B&uuml;rgern sind an dieses Projekt gekn&uuml;pft. Der LV lehnt die Art und Weise ab, wie diese Zusammenarbeit in Verhandlungen &raquo;auf h&ouml;chster Ebene&laquo; zustande kam. Herausgekommen ist eine Unterordnung der WASG unter die PDS. Die Politik der PDS &#8211; nicht nur in Berlin &#8211; ist uns ein Beleg f&uuml;r die notwendige Eigenst&auml;ndigkeit einer linken Wahlalternative &#8211; nicht nur in Berlin! Aus diesem Grund nehmen wir uns auch im Wahlkampf f&uuml;r ein gemeinsames Linksb&uuml;ndnis die Freiheit der Kritik an der unsozialen Politik des SPD-PDS-Senats. Um die Eigenst&auml;ndigkeit der Berliner WASG zu erhalten, um politisches Profil zu gewinnen und die Option f&uuml;r eine Kandidatur der Berliner WASG zur Abgeordnetenhauswahl 2006 offen zu halten, m&uuml;ssen wir schon jetzt &#65533; zur vorgezogenen Bundestagswahl &#65533; neoliberale und unsoziale Politik auf allen Ebenen kritisieren und bek&auml;mpfen: im Bund, auf L&auml;nderebene, in den Bezirken. Aus diesem Grund beauftragt der Landesparteitag den Landesvorstand und das zu bildende Wahlkampfteam mit der Erstellung von eigenem Wahlkampfmaterial, das die obigen Pr&auml;missen zum Ausdruck bringt&#8230;.&#65533; <\/font>Die Abstimmung machte deutlich, dass der Mehrheit der WASG-Mitglieder auch in Berlin inzwischen klar geworden war, dass die Weichen in Richtung Linksb&uuml;ndnis l&auml;ngst gestellt sind. Ein Teilnehmer des Landesparteitages fasste das gut zusammen: &#65533;Die W&uuml;rfel sind gefallen.&#65533; Allerdings wurde gleichzeitig dem Antrag zugestimmt, dass die WASG zu den Bundestagswahlen 2005 einen eigenst&auml;ndigen Wahlkampf f&uuml;hren wird. Auch der Antrag nach einem eigenst&auml;ndigen Antritt der WASG Berlin bei den Abgeordnetenhauswahlen 2006 ausdr&uuml;cklich auch als Herausforderung der Berliner PDS wurde durch eine Mehrheit von 60 gegen 45 Stimmen unterst&uuml;tzt. Ein WASG-Mitglied meinte dazu, dass die WASG mit der PDS ja keine Ehe, sondern eher eine Art Wohngemeinschaft eingehen w&uuml;rde. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Alter Landesvorstand abgew&auml;hlt <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Starke Kritik wurde aber auch an der bisherigen Arbeit des alten Landesvorstandes ge&uuml;bt. So gab es wenig Transparenz und demokratische Einbeziehung der Basis in die Diskussionen und Entscheidungsprozesse des Landesvorstandes. Initiativen, die von verschiedenen Bezirksgruppen ausgegangen und sogar von Landesmitgliederversammlungen beschlossen worden waren, waren regelm&auml;&szlig;ig blockiert worden. Bem&auml;ngelt wurde auch die recht unkritische Haltung des alten Landesvorstandes an einem Wahlb&uuml;ndnis mit der PDS. Die Quittung f&uuml;r diese Politik: der bisherige Landesvorstand wurde fast vollst&auml;ndig abgw&auml;hlt. Nur drei der bisherigen Landesvorstandsmitglieder wurden teilweise erst im 2. Wahlgang wiedergew&auml;hlt. Stattdessen wurde ein Landesvorstand gew&auml;hlt, der haupts&auml;chlich aus Mitgliedern besteht, die einer Kandidatur auf Liste der PDS kritisch gegen&uuml;ber gestanden hatten.<b> <\/b>Neu im Landesvorstand vertreten ist auch Hakan Dogonay, Migrant, Gewerkschaftsaktivist und Sozialist. Er bekam gerade wegen seiner k&auml;mpferischen Rede im ersten Wahlgang mit 51 % der Stimmen das zweitbeste Ergebnis bei den Wahlen zum erweiterten Landesvorstand. Zwei Sozialististen wurden auch in den bundesweiten L&auml;nderrat entsandt: Lucy Redler (Mitglied der SAV) und Stefan M&uuml;ller. Beide wurden auch deshalb gew&auml;hlt, weil sie deutlich machten, sich an die auf dem Landesparteitag gefassten Beschl&uuml;sse zu halten. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">PDS-Kritikerin Spitzenkandidatin der WASG Berlin <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Ein klares Ergebnis brachte auch die Wahl mittels Meinungsbild zur Spitzenkandidatur bei den Bundestagswahlen. So schl&auml;gt der Berliner Landesverband vor, Renate Herranen bei den h&ouml;chstwahrscheinlich bevorstehenden Verhandlungen mit der PDS als WASG-Spitzenkandidatin f&uuml;r Berlin aufzustellen. Renate Herranen hatte sich als scharfe Kritikerin der PDS-Politik gegen das Bundesvorstandsmitglied Christine Buchholz mit einer Mehrheit von 80 gegen&uuml;ber 58 Stimmen durchgesetzt. Christine Buchholz, f&uuml;hrendes Mitglied bei Linksruck, wurde auch deshalb nicht gew&auml;hlt, weil sie auf dem Landesparteitag gegen einen eigenst&auml;ndigen Wahlkampf der WASG Berlin bei den Bundestagswahlen und gegen einen eigenst&auml;ndigen Antritt der Berliner WASG bei den Abgeordnetenhauswahlen 2006 gestimmt hatte. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Kampagne gegen Arbeitsplatzabbau <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Positiv war auch, dass das Thema Arbeitsplatzabbau in Berlin auf dem Landesparteitag ebenfalls diskutiert worden war. So wurde die Unterst&uuml;tzung der KollegInnen des Werkes von Bosch-Siemens-Hausger&auml;te in Berlin-Spandau, das vor der Schlie&szlig;ung steht, bekr&auml;ftigt. Vor einem Ausspielen der KollegInnen untereinander &#8211; insbesondere gegen das Werk in Nauen bei Berlin &#8211; wurde gewarnt und f&uuml;r den gemeinsamen Kampf aller KollegInnen und Werke gegen jeden Arbeitsplatzabbau geworben. In dem Falle, dass Bosch-Siemens das Werk wirklich dicht machen wolle, soll &#65533;<font face=\"TimesNewRoman, serif\">f&uuml;r die Vergesellschaftung des Betriebes und Weiterf&uuml;hrung der Produktion auf &ouml;ffentlich-demokratischer kontrollierter Grundlage&#65533; eingetreten werden. <\/font>Den Bezirksgruppen wurde au&szlig;erdem vorgeschlagen, Kampagnen gegen Arbeitsplatzabbau durchzuf&uuml;hren. Scharf zur&uuml;ckgewiesen wurden hingegen die &Auml;u&szlig;erungen von Oskar Lafontaine in seiner Wahlkampfrede in Chemnitz am 15. Juni 2005gegen &#65533;Fremdarbeiter&#65533;, weil das &#65533;deutsche&#65533; und &#65533;ausl&auml;ndische&#65533; Arbeitnehmer gegeneinander ausspielen w&uuml;rde. Die WASG steht hingegen f&uuml;r den gemeinsamen Kampf von allen Arbeitnehmern, &#65533;gegen Sozial- und Lohndumping sowie f&uuml;r eine Angleichung der internationalen Sozialstandards nach oben und f&uuml;r Tarifl&ouml;hne in s&auml;mtlichen Wirtschaftsbereichen&#65533;. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Wie weiter? <\/span><\/p>\n<p>  Die Wahl des neuen Landesvorstandes hat die Situation im Berliner WASG-Landesverband gravierend ver&auml;ndert. Mit der Abwahl des bisherigen Landesvorstandes besteht die M&ouml;glichkeit, mit gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glicher Offenheit, Demokratie und Transparenz an die schnelle Umsetzung der auf dem Landesparteitag gefassten Beschl&uuml;sse zu gehen. Und Eile tut not: so hat der Wahlkampf bereits begonnen, L&ouml;hne werden wie die der Besch&auml;ftigten bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) gek&uuml;rzt und die Situation der Erwerbslosen verschlechtert sich durch Hartz IV weiter. Deshalb muss der Berliner Landesverband der WASG schnell Initiativen ergreifen und mit dem eigenst&auml;ndigen Wahlkampf beginnen. Dazu ist die Erstellung eines Wahlkampfkonzeptes durch den neuen Landesvorstand n&ouml;tig, dass auch eine L&ouml;sung der schlechten finanziellen Situation der WASG Berlin beinhalten muss. Das A und O ist und bleibt aber f&uuml;r die WASG: &#65533;Raus auf die Stra&szlig;e, mit den Leuten reden, neue Mitstreiter gewinnen und die Partei schnellstm&ouml;glich aufbauen!&#65533;.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Ronald Luther, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 18. bis 19. Juni 05 fand in Berlin der konstituierende 1. Landesparteitag der Wahlalternative &#8211; Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) statt. 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