{"id":11302,"date":"2005-06-27T20:57:44","date_gmt":"2005-06-27T20:57:44","guid":{"rendered":".\/?p=11302"},"modified":"2005-06-27T20:57:44","modified_gmt":"2005-06-27T20:57:44","slug":"11302","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/06\/11302\/","title":{"rendered":"Ausstieg aus dem Ausstieg"},"content":{"rendered":"<p>  Rot-gr&#252;ne Kapitulation vor der Atomlobby erm&#246;glicht l&#228;ngere   AKW-Laufzeiten<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Bilanz nach sieben Jahren SPD\/Gr&#252;ne-Bundesregierung k&#246;nnte   verheerender nicht sein: Sozialkahlschlag wie nie zuvor, Kriegseins&#228;tze   in aller Welt und Rekordarbeitslosigkeit.<br \/>Da verweist Rot-Gr&#252;n nur   allzu gerne auf den angeblich von ihnen gesicherten Ausstieg aus der   Atomenergie. Vor kurzem ist das Atomkraftwerk Obrigheim abgeschaltet   worden, was Umweltminister Trittin von den Gr&#252;nen als gro&#223;en Erfolg   verkaufte. Doch die Zeichen stehen auf einen baldigen Ausstieg aus dem   Ausstieg.<br \/>Die Atomlobby ist selbstbewusst wie nie, denn eine   CDU-gef&#252;hrte Bundesregierung w&#252;rde&#160; nach ihrem wahrscheinlichen Wahlsieg   den Ausstieg sofort zur&#252;cknehmen &#8211; damit die Energiekonzerne weiterhin   ungehindert Profite machen k&#246;nnen.<br \/>Demgegen&#252;ber werden SPD und   Gr&#252;ne in diesem Wahlkampf behaupten, dass der von ihnen beschlossene   Atomausstieg nur durch sie verteidigt werden k&#246;nnte.<\/p>\n<p><b><span>Bestandschutz<\/span><br \/><\/b><br \/>&quot;Der   Ausstieg aus der Atomenergie, eines der zentralen Projekte von Rot-Gr&#252;n,   hat gar nicht stattgefunden. Denn die Vereinbarung mit der   Stromwirtschaft vom Juni 2000 war in Wahrheit ein Bestandschutz f&#252;r die   laufenden Atomwerke&quot; (Tagesspiegel vom 12. Juni).<br \/>Die   Kernenergie hat nach wie vor einen Anteil von 30 Prozent an der   Stromerzeugung in Deutschland. Schr&#246;der, Fischer und Trittin hatten nie   ein Interesse daran, sich mit den Bossen der Stromunternehmen ernsthaft   anzulegen. Statt eines sofortigen Ausstiegs (was auf Grund gewaltiger   &#220;berkapazit&#228;ten technisch ohne weiteres m&#246;glich gewesen w&#228;re) ging   Rot-Gr&#252;n einen faulen Kompromiss mit der Atomindustrie ein: Ein Ausstieg   sollte erst nach drei Jahrzehnten erfolgen.<br \/>W&#228;hrenddessen lie&#223;en   Bundesregierung und rot-gr&#252;ne Landersregierungen Castor-Transporte mit   Polizeigewalt durchsetzen, wobei ein Demonstrant sogar zu Tode kam. Erst   jetzt, wo ihnen die Felle davon schwimmen, taucht jemand wie die gr&#252;ne   Spitzenpolitikerin von NRW, B&#228;rbel H&#246;hn, wieder bei Protesten wie in   Ahaus auf &#8211; und wird entsprechend ablehnend empfangen.<br \/>Um den   Leuten Sand in die Augen zu streuen, haben SPD und Gr&#252;ne die Abschaltung   v&#246;llig veralteter und ohnehin unprofitabler AKW wie Stade und j&#252;ngst   Obrigheim als Erfolge verkauft.<\/p>\n<p><b><span>&quot;Sachzw&#228;nge&quot;<\/span><br \/><\/b><br \/>Viele   w&#228;hlten Kohl 1998 ab, weil sie von einem Schr&#246;der\/Fischer-Kabinett einen   Ausstieg aus der Atomenergie erhofften. Und tats&#228;chlich war ein Ausstieg   urspr&#252;nglich ein Hauptziel der Gr&#252;nen. Auch die SPD beschloss im Sommer   1986 auf dem N&#252;rnberger Parteitag einen Atomausstieg in zehn Jahren.   Dass aus all dem nichts wurde, liegt daran, dass diese Parteien sich dem   Kapitalismus und seinen &quot;Sachzw&#228;ngen&quot; unterworfen haben. Ein Ausstieg   kann nur gegen den Willen der Herren in den Chefetagen durchgesetzt   werden, auf Kosten ihrer Profite.<br \/>Es geht um viel Geld &#8211; f&#252;r wenig   Gro&#223;unternehmen. Auf die Frage, warum es trotz liberalisiertem   Strommarkt zu keinen Preissenkungen kommt, antwortete Hans-Peter   Schwintowski vom Institut f&#252;r Energie- und Wettbewerbsrecht an der   Humboldt-Universit&#228;t zurecht: &quot;Mit Eon, RWE, Vattenfall und EnBW gibt es   nur vier gro&#223;e Versorger. Das ist kein freier Wettbewerb, das ist ein   Oligopol.&quot;<br \/>Mit ihr als Kanzlerin w&#228;re &quot;es den Energie-Erzeugern   &#252;berlassen, die Kernkraftwerke so lange zu betreiben, wie das technisch   m&#246;glich ist&quot;, so Angela Merkel. Ein Milliardengeschenk: W&#252;rden RWE und   Eon etwa ihre 13 AKW k&#252;nftig 45 statt der unter Trittin vereinbarten 32   Jahre am Netz lassen, hie&#223;e das f&#252;r diese Konzerne 3,4 beziehungsweise   4,6 Milliarden Euro zus&#228;tzlich, sch&#228;tzt die Investmentbank Sal.   Oppenheim. Au&#223;erdem k&#246;nnten Investitionen in den Bau neuer Kraftwerke im   Volumen von zehn Milliarden &quot;gespart&quot; werden.<\/p>\n<p><b><span>Sofortige   Abschaltung durchsetzen!<\/span><br \/><\/b><br \/>Damit die AKW uns nicht   weiter als tickende Zeitbomben bedrohen und nicht weiter gef&#228;hrlicher   Atomm&#252;ll produziert wird, ist ein sofortiger Ausstieg n&#246;tig und m&#246;glich.<br \/>Zu   den direkten Profitinteressen der Atomkonzerne kommen noch die   milit&#228;rischen Ziele des deutschen Kapitals. Atomwaffen beziehungsweise   die Option auf eine weitere nukleare Aufr&#252;stung &#8211; das ist ein   angestrebtes Nebenprodukt der Energieversorgung mit Atomstrom. Zwar   besitzen weltweit nur 31 von 191 UN-Mitgliedsstaaten Atomkraftwerke. Es   ist aber kein Zufall, dass alle f&#252;hrenden imperialistischen Staaten als   auch alle &quot;Schwellenl&#228;nder&quot;, die &#246;konomisch und milit&#228;risch   international Ambitionen haben, darunter sind.<br \/>Alle Atomkraftwerke   m&#252;ssen sofort stillgelegt werden. Die R&#252;stungspolitik muss gestoppt   werden. Dabei ist es unabdingbar, f&#252;r alle dort Besch&#228;ftigten   vollwertige Ersatzarbeitspl&#228;tze zu schaffen. Es gilt, in regenerative   Energien &#246;ffentlich zu investieren und alle M&#246;glichkeiten zur   Energieeinsparung auszusch&#246;pfen. Die gesamte Energiewirtschaft geh&#246;rt in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt, unter der demokratischen Kontrolle und   Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung.<br \/><i><br \/><span>von Marcus   Hesse, Aachen<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Rot-gr&#252;ne Kapitulation vor der Atomlobby erm&#246;glicht l&#228;ngere<br \/>\n      AKW-Laufzeiten\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[114,119],"tags":[172],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11302"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11302"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11302\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11302"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11302"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11302"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}