{"id":11294,"date":"2005-06-13T17:35:42","date_gmt":"2005-06-13T17:35:42","guid":{"rendered":".\/?p=11294"},"modified":"2005-06-13T17:35:42","modified_gmt":"2005-06-13T17:35:42","slug":"11294","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/06\/11294\/","title":{"rendered":"Repressalien gegen Streikaktivisten bei Eichbaum"},"content":{"rendered":"<p>Gewerkschaftlicher Vertrauensmann und Mitglied der Streikleitung Colin Johnson nach 19 Jahren T&auml;tigkeit fristlos gek&uuml;ndigt<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer Streik bei der Brauerei Eichbaum in Mannheim ist zwar schon seit einigen Monaten vorbei, der neue Tarifvertrag &#x96; in dem vereinbart wurde, dass es keine Ma&szlig;regelungen der am Streik Beteiligten geben w&uuml;rde &#x96; ist l&auml;ngst beschlossen, doch trotzdem zeigt sich die Gesch&auml;ftsleitung unf&auml;hig, normale Umgangsformen mit den Besch&auml;ftigten zu pflegen. Das bisher schlimmste Beispiel f&uuml;r die Absicht, die am erfolgreichen Streik Beteiligten nachtr&auml;glich zu bestrafen, ist die K&uuml;ndigung des Maschinenf&uuml;hrers Colin Johnson vor zwei Wochen. Die Gesch&auml;ftsleitung wirft Colin vor, w&auml;hrend eines Gespr&auml;chs mit einem Streikbrecher im letzten Monat diesen bedroht zu haben. Obwohl Colin den Vorwurf bestreitet, und sogar der Betroffene durch seine Worte sich nicht bedroht f&uuml;hlte, wurde Colin kurzerhand fristlos gek&uuml;ndigt und vom Werksgel&auml;nde eskortiert. Angesichts der Tatsachen, dass Colin seit 19 Jahren bei Eichbaum arbeitet und sich in diesem Zeitraum nichts zuschulden kommen lie&szlig;, und dass er nicht einmal die Gelegenheit bekam, seine Sicht der Ereignisse bez&uuml;glich seiner angeblichen &Auml;u&szlig;erungen gegen&uuml;ber dem Streikbrecher zu geben, bevor er vom Betriebsgel&auml;nde verwiesen wurde, liegt die Schlussfolgerung nahe, dass diese K&uuml;ndigungsma&szlig;nahme eine absolut &uuml;bertriebene und im h&ouml;chsten Ma&szlig;e ungerechte Reaktion war, und dass es in Wahrheit andere Motive gibt, warum die Gesch&auml;ftsleitung Colin loswerden m&ouml;chte. Es d&uuml;rften vielmehr seine T&auml;tigkeiten als gewerkschaftlicher Vertrauensmann und Mitglied der Streikleitung w&auml;hrend des vierw&ouml;chigen Streiks Anfang des Jahres gewesen sein, die ihn ins Visier seiner Vorgesetzten brachten. <br \/>  Zum G&uuml;tetermin erschien Colin am Vormittag des 13. Juni begleitet von zahlreichen KollegInnen und SympathisatInnen, die daf&uuml;r sorgten, dass im Sitzungssaal die Sitzpl&auml;tze nicht ausreichten. Neben zahlreichen Besch&auml;ftigten der Eichbaum-Brauerei waren auch einige Kollegen von Alstom Power vor Ort, um Solidarit&auml;t zu zeigen. Bereits wenige Tage nach der K&uuml;ndigung hatten Betriebs- und Personalr&auml;te zahlreicher Gro&szlig;betriebe wie Alstom, John Deere, Daimler-Chrysler, Nestl&eacute; und der Stadt Mannheim den Solidarit&auml;tsaufruf unterzeichnet. <br \/>  In der Verhandlung konnte Colins Anwalt aufzeigen, wie schwammig und unglaubw&uuml;rdig die Vorw&uuml;rfe sind &#x96; der genaue Wortlaut der angeblichen &Auml;u&szlig;erung ist nicht &uuml;berliefert, es ist nicht bekannt, wer als Denunziant fungiert hat (der angeblich Gesch&auml;digte nahm wie gesagt kein Ansto&szlig; an dem, was Colin ihm sagte), selbst die sinngem&auml;&szlig; wiedergegebenen &Auml;u&szlig;erung die seitens der Anklage Colin vorgeworfen wurde, ist nicht unbedingt als strafrechtlich relevant zu interpretieren. <br \/>  Es wurde deutlich, dass der Verdacht auf anderweitige Motive seitens der Gesch&auml;ftsleitung hier nahe liegt. Selbst deren Anwalt sagte, in einer Situation, wie sie nach dem Streik bei Eichbaum bestand, bestimmt mehrmals am Tag &Auml;u&szlig;erungen fallen, die bei strenger Auslegung als strafrechtlich relevant angesehen werden k&ouml;nnten, allerdings w&uuml;rden 99,999% von diesen nicht weiter verfolgt. Zu diesen 99,999% geh&ouml;rte etwa die Ank&uuml;ndigung eines Mitgliedes der Gesch&auml;ftsleitung, sie w&uuml;rden Colin Johnson &#x84;schon irgendwann drankriegen&#x93;. Angesichts dessen wird auch etwas klarer, warum ausgerechnet der Fall, in dem ein Mitarbeiter laut einem anonymen Denunzianten, der nicht am Gespr&auml;ch beteiligt war, irgendwas gesagt haben soll, wodurch er jemandem &#x84;ein empfindliches &Uuml;bel angedroht&#x93; h&auml;tte, obwohl der Gespr&auml;chspartner dies so nicht auffasste, dann die 0,001% der F&auml;lle ist, in denen es ein Nachspiel gibt. <br \/>  Obwohl es dem Anwalt der Gesch&auml;ftsleitung nicht einmal ansatzweise gelang, die K&uuml;ndigung als gerechtfertigt erscheinen zu lassen, lehnte dieser ein Einigungsangebot von Colins Verteidiger ab, wonach Colin eine Erkl&auml;rung abgeben w&uuml;rde, er habe nicht die Absicht gehabt, mit seinen &Auml;u&szlig;erungen jemanden zu drohen, er entschuldige sich, wenn es so verstanden worden sei, und verspreche, er w&uuml;rde auch in Zukunft keine Drohungen aussprechen. So wird es nun &#x96; voraussichtlich erst nach der Sommerpause, zum Prozess kommen. <br \/>  Bis dahin bleibt der Status quo leider bestehen, Colin hat sein Job nicht mehr und hat zus&auml;tzlich eine Sperre von der Arbeitsagentur aufgrund der K&uuml;ndigung. Des Weiteren ist zu bef&uuml;rchten, dass weitere Repressalien gegen&uuml;ber denjenigen, die am Streik beteiligt waren, bevorstehen k&ouml;nnten. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Se&aacute;n McGinley, Mannheim <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <br \/>  Die Gewerkschaft NGG hat ein Spendenkonto er&ouml;ffnet, um Colin zu helfen, die Zeit zu &uuml;berbr&uuml;cken, bis er sein Job wieder hat: <\/p>\n<p>  Gewerkschaft NGG &#x84;Solidarit&auml;tskonto &#x96; Stichwort &#x84;Colin&#x93; <br \/>  Kontonummer: 1296693501 <br \/>  BLZ: 670 101 11 (SEB Bank)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewerkschaftlicher Vertrauensmann und Mitglied der Streikleitung Colin Johnson nach 19 Jahren T&auml;tigkeit fristlos gek&uuml;ndigt<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11294"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11294"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11294\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11294"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11294"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11294"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}