{"id":11276,"date":"2005-05-23T15:19:40","date_gmt":"2005-05-23T15:19:40","guid":{"rendered":".\/?p=11276"},"modified":"2005-05-23T15:19:40","modified_gmt":"2005-05-23T15:19:40","slug":"11276","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/05\/11276\/","title":{"rendered":"&#x84;Das war f&uuml;r Hartz IV und Agenda 2010, Herr Schr&ouml;der&#x93;"},"content":{"rendered":"<p>NRW-Wahl: SPD kollabiert \/ Achtungserfolg f&uuml;r WASG \/ PDS hat fertig \/ Nazis weit hinter den eigenen Zielen \/ Vorgezogene Bundestagswahlen und Krise der SPD<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer 22. Mai 2005 zeigt einen neuen H&ouml;hepunkt in dem fast schon beispiellosen Niedergang der SPD auf. Mit 37,1 Prozent der Stimmen verlieren die Sozialdemokraten nicht nur 5,7 Prozentpunkte, sondern sie fallen auf das schlechteste Landtagswahlergebnis in NRW seit 50 Jahren zur&uuml;ck und werden nach fast 40 Jahren Regierung in die Opposition gehen. Nach ersten Analysen hat die SPD vor allem bei den Arbeitern (minus 13 Prozentpunkte) und den Erwerbslosen (minus 14 Prozentpunkte) verloren. <br \/>  Damit hast sich das wiederholt, was zuvor schon bei den Landtagswahlen in Niedersachsen, Hessen, Bayern, Saarland, Bremen, Schleswig-Holstein sowie bei der Europawahl zu sehen war: Gerade die ArbeiterInnen und die Erwerbslosen erteilen der SPD die verdiente Quittung f&uuml;r eine Sozialraub- und Umverteilungspolitik zugunsten der Reichen, der Banken und Konzerne, wie es sie in der Geschichte der Bundesrepublik so noch nicht gegeben hat. <br \/>  Mit dem Verlust von Nordrhein-Westfalen hat die SPD &#x96; nach Hessen und dem Saarland &#x96; ein weiteres und zugleich das wichtigste &#x84;Stammland&#x93; verloren, zugleich wurde die letzte rot-gr&uuml;ne Koalition auf Landesebene abgew&auml;hlt. <\/p>\n<p>  Auch wenn in vielen Medien von einem &#x84;erfreulich starken Anstieg der Wahlbeteiligung&#x93; die Rede war, so ist die Wahlbeteiligung zwar tats&auml;chlich von 56,7 Prozent auf 63,0 Prozent angestiegen, dennoch bleibt festzuhalten, das noch nicht einmal Zweidrittel der Wahlberechtigten zur Wahl gegangen sind &#x96; und von diesen stimmten rund 91.000 (1,1 Prozent) &#x84;ung&uuml;ltig&#x93;. Davon, dass das Vertrauen der Menschen in den b&uuml;rgerlichen Parlamentarismus und in die etablierten Parteien gestiegen sei, kann also keine Rede sein. Auch die von manchen Meinungsforschern herbeigeredete &#x84;Aufholjagd&#x93; des SPD-Ministerpr&auml;sidenten Steinbr&uuml;ck gegen den CDU-Spitzenkandidaten R&uuml;ttgers hat nur in der Phantasie der Demoskopen stattgefunden. <\/p>\n<p>  Gescheitert ist auch der Versuch von SPD-Chef M&uuml;ntefering, mit einer rein verbalen angeblichen &#x84;Kapitalismuskritik&#x93;, die diese Selbstbezeichnung noch nicht einmal im Ansatz verdient, kurz vor der Wahl von der realen Politik der Bundesregierung abzulenken und das &#x84;Ruder herumzurei&szlig;en&#x93;. <br \/>  In einem Privatsender wurde am Wahlabend ein junger Passant nach seiner Meinung zum Wahlausgang gefragt: &#x84;Das war die Quittung f&uuml;r Hartz IV, Agenda 2010 und die ganzen anderen Sauereien&#x93;, war die Antwort. Verloren haben auch FDP (minus 3,7 Prozentpunkte) und die Gr&uuml;nen (minus 0,9 Prozentpunkte) und kommen jeweils auf 6,2 Prozent, wobei die FDP knapp 1.000 Stimmen vor den Gr&uuml;nen liegt. Die CDU legte 7,9 Prozentpunkte zu und kam auf 44,8 Prozent. <br \/>  CDU und FDP werden gemeinsam die neue Landesregierung bilden und die bisherige Politik zu Lasten der Masse der Menschen und zum Wohle der Reichen und Konzerne fortsetzen, in einigen Bereichen noch eine Spur h&auml;rter. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">WASG &#x96; Achtungserfolg <\/span><\/p>\n<p>  Bei ihrer erstmaligen Kandidatur bei einer Wahl konnte die &#x84;Partei Arbeit &amp; soziale Gerechtigkeit &#x96; Die Wahlalternative&#x93; (WASG) nur vier Monate nach ihrer Gr&uuml;ndung als Partei trotz schwieriger Ausgangs- und Rahmenbedienungen einen Achtungserfolg erringen. Aus dem Stand heraus gewann die WASG 181.886 W&auml;hlerinnen und W&auml;hler, was einem Stimmenanteil von 2,2 Prozent entspricht. <br \/>  Zu den schwierigen Bedienungen geh&ouml;rte nicht nur eine nur vereinzelt unterbrochene Medienblockade, der niedrige Bekanntheitsgrad des Namens WASG als Bezeichnung der wesentlich gel&auml;ufigeren &#x84;neuen Linkspartei&#x93; sowie die lange ablehnende Haltung des WASG-Bundesvorstandes zum Wahlantritt in NRW, sondern auch die sehr geringen finanziellen Mittel f&uuml;r den Wahlkampf sowie die teilweise sehr sp&auml;te Bereitstellung des Wahlkampfmaterials, welches auch nicht immer optimal ausgefallen ist. <br \/>  Der Achtungserfolg der WASG ist ein Ergebnis des engagierten Einsatzes der Aktivistinnen und Aktivisten an der Basis, des Einsatzes auf der Stra&szlig;e, in den Stadtteilen, vor den Betrieben. Hier konnten viele Menschen damit bekannt gemacht werden, da&szlig; am 22. Mai eine Alternative zum neoliberalen Einheitsbrei auf dem Stimmzettel steht. <br \/>  Mitglieder der SAV haben als aktive Wahlk&auml;mpferInnen und Kandidatinnen und Kandidaten der WASG diesen Wahlkampf offensiv auf der Stra&szlig;e gef&uuml;hrt und ihm eine k&auml;mpferische Note verliehen. <br \/>  Interessant ist bei der Analyse des WASG-Ergebnisses, das die gr&ouml;&szlig;te Gruppe der WASG-W&auml;hlerInnen (60.000) von den Nichtw&auml;hlerInnen von der letzten Landtagswahl kommen, rund 50.000 WASG-W&auml;hlerInnen haben bei der Landtagswahl 2000 noch der SPD ihre Stimme gegeben (Quelle: Wahlanalyse von Infratest-dimap, laut WDR). <\/p>\n<p>  Die WASG konnte in allen Wahlkreisen ausnahmslos deutlich an der PDS vorbeiziehen. Dies ist um so beachtlicher, als das dies auch in jenen St&auml;dten wie K&ouml;ln, Oberhausen, D&uuml;sseldorf, Duisburg, Wuppertal oder Aachen der Fall war, wo die PDS schon in der zweiten Wahlperiode teilweise in Fraktionsst&auml;rke im Kommunalparlament vertreten ist. Dazu kommt, dass die WASG gerade einmal ein Drittel des Wahlkampfetats der PDS zur Verf&uuml;gung hatte. Die PDS selber erhielt 72.982 Stimmen und verlor damit rund 7.000 W&auml;hlerInnen; ihr Stimmenanteil ging von 1,1 Prozent auf 0,9 Prozent zur&uuml;ck &#x96; und das trotz eines enormen finanziellen und organisatorischen Aufwandes und massiver Unterst&uuml;tzung der Bundespartei. Nachdem die PDS schon im Februar bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein von 1,4 Prozent auf 0,8 Prozent faktisch halbiert wurde, hat das NRW-Ergebnis nun best&auml;tigt, was schon l&auml;nger sichtbar war: Nach 15 Jahren ist das &#x84;Projekt Westaufbau&#x93; der PDS gescheitert. Der PDS ist es nicht gelungen, sich im Westen bei den ArbeitnehmerInnen, den Erwerbslosen und der Jugend zu verankern. <\/p>\n<p>  Die neofaschistischen Parteien konnten ihren Stimmenanteil von 1,1 Prozent auf 1,7 Prozent erh&ouml;hen, blieben aber weit hinter ihren Zielen zur&uuml;ck. 73.959 Stimmen, was einem Anteil von 0,9 Prozent entspricht (2000: 2.357 Stimmen und 0,03 Prozent, wobei die NPD 2000 nur in einigen ganz wenigen Wahlkreisen angetreten ist) erhielt die NPD und die &#x84;Republikaner&#x93; gingen von 83.296 Stimmen und 1,1 Prozent auf 67.282 Stimmen und 0,8 Prozent zur&uuml;ck. Damit konnte die NPD zwar die REP knapp &uuml;berfl&uuml;geln, schaffte aber nicht die f&uuml;r die Wahlkampfkostenerstattung notwendige &Uuml;berwindung der Ein-Prozent-Marke. Erste Reaktionen gerade im Bereich der militanten braunen &#x84;Kameradschaften&#x93; zeigen, das sich die insbesondere seit den Niederlagen in Schleswig-Holstein, am 1. Mai in Leipzig und am 8. Mai in Berlin verst&auml;rkenden internen Auseinandersetzungen weiter zuspitzen werden. Ein Grund zur Entwarnung ist das freilich nicht, wie ansteigende Mitgliederzahlen und zunehmende Gewalttaten der Faschisten zeigen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Tiefe SPD-Krise <\/span><\/p>\n<p>  Mit dem Ausgang der NRW-Wahl hat sich die tiefe Krise der SPD dramatisch versch&auml;rft. Die SPD-F&uuml;hrung musste bereits knapp zwei Stunden nach der Schlie&szlig;ung der Wahllokale verk&uuml;nden, die f&uuml;r Herbst 2006 anstehenden Bundestagswahlen um ein Jahr vorverlegen zu wollen. Angesichts des beispiellosen Niedergangs der SPD und aktueller Umfragewerte von etwa 28 Prozent f&uuml;r die Schr&ouml;der-Partei scheint diese Absicht zun&auml;chst wie ein geplanter Selbstmord auszusehen. Tats&auml;chlich aber ist die Krise der SPD so tief, das man keinen anderen Ausweg mehr sieht. Die Ablehnung der Sozialraubpolitik Schr&ouml;ders durch die &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit der Menschen ist un&uuml;bersehbar und gerade nach dem Debakel in NRW scheint dies die einzige M&ouml;glichkeit, die SPD noch zusammenzuhalten und den linken Parteifl&uuml;gel mit der Keule &#x84;Wahlkampfdisziplin&#x93; weiter ruhig zu halten. <br \/>  Aufschlu&szlig;reich sind auch die ersten Reaktionen von Vertretern der Unternehmer, etwa von Ludwig Georg Braun, dem Pr&auml;sidenten des &#x84;Deutschen Industrie- und Handelskammertages&#x93;, der die Entscheidung f&uuml;r vorgezogene Neuwahlen als &#x84;konsequent&#x93; bezeichnete. In der &#x84;Berliner Zeitung&#x93; sagte er: &#8222;Deutschland kann sich qu&auml;lende Diskussionen bis Ende n&auml;chsten Jahres nicht leisten.&#8220; Scheinbar br&ouml;ckelt das Vertrauen der Unternehmer, dass Schr&ouml;der die Politik in ihrem Interesse wird weiter durchsetzen k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">WASG vor Herausforderungen <\/span><\/p>\n<p>  Wenn, und danach sieht alles aus, im Herbst die vorgezogenen Bundestagswahlen stattfinden, so ist dies eine schwere Herausforderung f&uuml;r die WASG. Der Aufbau der WASG mu&szlig; jetzt noch energischer vorangetrieben und die Erfahrungen und Lehren aus der NRW-Wahl gezogen werden. <br \/>  Die WASG konnte einen Achtungserfolg erringen, der ausbauf&auml;hig ist, denn das Potential wurde nicht ann&auml;hernd ausgesch&ouml;pft. Die Menschen suchen keinen brav-biederen Sch&ouml;nheitschirurgen der an der Politik der Herrschenden da und dort kleinere Korrekturen vollzieht &#x96; die Menschen suchen eine konsequente, glaubw&uuml;rdige Alternative zu den Parteien und der Politik der Banken und Konzerne. Notwendig ist eine k&auml;mpferische und offensive Partei f&uuml;r Besch&auml;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen, die deutliche Antworten auf die Kapitalismusdebatte und damit auf Massenarbeitslosigkeit und Sozialkahlschlag gibt. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von J&ouml;rg Fischer, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>NRW-Wahl: SPD kollabiert \/ Achtungserfolg f&uuml;r WASG \/ PDS hat fertig \/ Nazis weit hinter den eigenen Zielen \/ Vorgezogene Bundestagswahlen und Krise der SPD<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11276"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11276"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11276\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}