{"id":11247,"date":"2005-04-28T16:57:13","date_gmt":"2005-04-28T16:57:13","guid":{"rendered":".\/?p=11247"},"modified":"2005-04-28T16:57:13","modified_gmt":"2005-04-28T16:57:13","slug":"11247","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/04\/11247\/","title":{"rendered":"Schreiben ohne etwas zu sagen"},"content":{"rendered":"<p>Der ehemalige NPDler Jan Zobel ver&ouml;ffentlicht sein Buch &#x84;Volk am Rand&#x93;<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nWenn jemand, der bei den B&ouml;sen war, die B&ouml;sen verl&auml;sst und zu den vermeintlich Guten wechselt, dann freuen sich die Guten. Das hat was vom biblischen &#x84;verlorenen Sohn&#x93;, der reuig nach Hause kehrt und vergebungsvoll in die v&auml;terlichen Arme aufgenommen wird. Und bei so viel Freude und R&uuml;hrung tr&uuml;bt sich schon mal der Blick f&uuml;r das Wesentliche. <br \/>  Im Verlag &#x84;edition ost&#x93; ist das Buch &#x84;Volk am Rand&#x93; des Ex-Nazis Jan Zobel erschienen. Der Titel erinnert an ein Lieblingsbuch alter Nazis, den Roman &#x84;Volk ohne Raum&#x93; von Hans Grimm, und der Untertitel &#x84;NPD: Personen, Politik und Perspektiven der Antidemokraten&#x93; verspricht mehr, als die 176 Seiten halten. Und dabei m&uuml;sste Zobel eigentlich die Naziszene gut kennen.<br \/>  1993 tritt er der NPD-Jugend &#x84;Junge Nationaldemokraten&#x93; (JN) und der NPD bei. Er baut den JN-Landesverband Hamburg auf und wird Landeschef. In der Folgezeit lernt Zobel Neonazis kennen, die heute in der F&uuml;hrungsriege der NPD und teilweise deren Landtagsabgeordnete in Sachsen sind. 1997 tritt er aus der NPD aus, wechselt nach D&uuml;sseldorf und ist dort unter anderem in rechtsextremen Projekten t&auml;tig &#x96; darunter einem der f&uuml;hrenden neonazistischen Musiklabels &#x84;RockNord&#x93;.<br \/>  Der Ausstieg aus der Naziszene erfolgte 2001 &uuml;ber das umstrittene &#x84;Hamlet-Projekt&#x93; des Filmemachers Christoph Schlingensief, der Nazis mittels Shakespeare &#x84;bekehren&#x93; wollte. Eigentlich kann und soll man von jemandem, der derart tief in der Naziszene war, in einem solchen Buch aussagekr&auml;ftige Aufdeckungen von Strukturen, Personen, Hinterm&auml;nnern und Arbeitsweisen nicht nur der NPD, sondern auch der nazistischen Musikszene, mit der gerade Jugendliche f&uuml;r die Szene geworben werden, erwarten. Doch das bleibt aus.<br \/>  So verwundert es auch nicht, das nach der Bucherscheinung in der Naziszene die gro&szlig;e Aufregung ausblieb. Weder in der NPD, noch in Diskussionsforen der &#x84;Freien Kameradschaften&#x93; wird es sonderlich zur Kenntnis genommen. Warum auch? Der heute 28-j&auml;hrige hat ein Buch geschrieben, das keinem seiner Ex-Kameraden wirklich weh tun d&uuml;rfte. Er beschreibt zwar an einigen Stellen Strukturen der Naziszene und Verbindungen und Zusammenarbeit in beziehungsweise mit dem b&uuml;rgerlichen Spektrum &#x96; aber in der Regel handelt es sich hierbei um Ausf&uuml;hrungen, die keinen Neuigkeitswert haben und bereits an anderen Stellen nachzulesen waren oder dokumentiert wurden. Also keine Spur von Einblicken oder gar Enth&uuml;llungen. Etwas Neues ist vielleicht der Umstand, dass es zwischen Zobel und dem s&auml;chsischen NPD-Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel wohl gr&ouml;&szlig;ere pers&ouml;nliche Differenzen gab. Zobels Einsch&auml;tzung von Apfel, dieser sei ein Mann ohne Freunde und Eigenschaften, daf&uuml;r aber ein m&auml;&szlig;ig intelligenter Ehrgeizling, mag richtig sein, ist aber auch nichts wirklich Neues.<br \/>  Interessant ist das Buch, wenn Zobel von sich selber schreibt. Wie er als Jugendlicher in die braune Szene gekommen ist und &#x96; hier fangen die Irritationen beim Lesen wirklich an &#x96; wenn er sich selbst wiederholt als &#x84;progressiven Nationalisten&#x93; beschreibt. Mit diesem Etikett schm&uuml;cken sich Vertreter der salonfaschistischen &#x84;Neuen Rechten&#x93;.<br \/>  Inakzeptabel wird es, wenn in einigen Textpassagen Thesen durchschimmern, die bei seinen ehemaligen Kameraden durchaus Beifall finden d&uuml;rften &#x96; wenn etwa Israel indirekt vorgeworfen wird, den Antisemitismus mitzusch&uuml;ren. Immerhin best&auml;tigt Zobel als Ehemaliger, dass es sich bei der NPD um eine neonazistische, antidemokratische Partei handelt.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von J&ouml;rg Fischer, NPD-Aussteiger und Autor von &#x84;Ganz rechts&#x93;<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der ehemalige NPDler Jan Zobel ver&ouml;ffentlicht sein Buch &#x84;Volk am Rand&#x93;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[171],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11247"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11247"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11247\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}