{"id":11233,"date":"2005-04-28T10:54:07","date_gmt":"2005-04-28T10:54:07","guid":{"rendered":".\/?p=11233"},"modified":"2005-04-28T10:54:07","modified_gmt":"2005-04-28T10:54:07","slug":"11233","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/04\/11233\/","title":{"rendered":"Vom &#x84;Moving Day&#x93; zum Kampftag &#x96; die Entstehung des Ersten Mai"},"content":{"rendered":"<p>Der Erste Mai ist heute weltweit der Tag, den Arbeiterinnen und Arbeiter mit Demonstrationen und Versammlungen begehen, um f&uuml;r ihre Rechte zu k&auml;mpfen. Doch wie entstand er?<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;Moving Day&#x93; 1886 <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Der Erste Mai war in den USA lange Zeit der Tag, an dem Arbeitsvertr&auml;ge ausliefen und neu unterzeichnet wurden. Diesen so genannten &#x84;Moving Day&#x93; wollten die US-amerikanischen Gewerkschaften zu ihrem Aktionstag im Kampf um den Achtstundentag machen. <br \/>  F&uuml;r den 1.Mai 1886 riefen sie daher zu einem landesweiten Generalstreik auf, dem in allen gro&szlig;en Industriest&auml;dten der USA tausende ArbeiterInnen folgten. Zentrum der Proteste war Chicago, wo 40000 Menschen die Arbeit niederlegten. Dort dauerten die Arbeitsk&auml;mpfe bis zum 3.Mai an. Als es an diesem Tag zwischen Streikenden und Streikbrechern zu Auseinandersetzungen kam, er&ouml;ffnete die Polizei das Feuer auf demonstrierende Arbeiter und t&ouml;tete sechs von ihnen. <br \/>  Am Tag darauf protestierten Gewerkschafter gegen das Vorgehen der Polizei auf dem Chicagoer Haymarket, dem traditionellen Heumarkt von Chicago. Was an diesem 4. Mai wirklich geschah, liegt bis heute im Dunkeln. Die Kundgebung verlief bis zu ihrem Ende ohne Zwischenf&auml;lle, die meisten Teilnehmer waren bereits auf dem Heimweg, als eine Bombe einen Polizisten t&ouml;tete. Rasend vor Wut er&ouml;ffnete die Polizei das Feuer. Im Schusswechsel starben vier Arbeiter, 200 wurden verletzt, sieben Polizisten kamen ums Leben. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Klassenjustiz <\/span><\/p>\n<p>  In den folgenden Tagen gingen die staatlichen Beh&ouml;rden mit &auml;u&szlig;erster H&auml;rte gegen die Arbeiterbewegung in Chicago vor. Sie verhafteten sieben Organisatoren der Versammlung vom 4.Mai und verurteilten &#x96; trotz fraglicher Beweise und weltweiter Solidarit&auml;t &#x96; alle zum Tode. Zwei von ihnen wurden sp&auml;ter zu lebenslanger Haft begnadigt. <br \/>  In der Nacht vor der Hinrichtung der anderen fand einer von ihnen, der Zimmermann Louis Lingg, in seiner Zelle durch einen Kopfschuss den Tod. <br \/>  Die vier anderen, August Spies, Georg Engel, Adolph Fischer und Albert Richard Parsons, wurden am 11.November 1887 erh&auml;ngt. Man hatte sich nicht einmal die M&uuml;he gemacht den Tod Longgs vor deren Hinrichtung aufzukl&auml;ren. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Der Erste Mai wird Kampftag <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Im Juli 1889 trafen in Paris Sozialisten aus aller Welt zum &#x84;Internationalen Arbeiterkongre&szlig;&#x93;, zusammen. Dieser Kongress unter Leitung Friedrich Engels` gr&uuml;ndete die II. Sozialistische Internationale. In der letzten Sitzung am 20.Juli brachte der franz&ouml;sische Gewerkschafter Raymond Lavigne eine Resolution ein, nach der sich alle Parteien der II. Internationale allj&auml;hrlich an einem Aktionstag beteiligen sollten, um ihre Einheit weltweit zu dokumentieren. Um an die ermordeten Chicagoer Arbeiter zu erinnern sollte dieser am ersten Mai stattfinden. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Die ersten Maifeiern 1890 <\/span><\/p>\n<p>  Die ersten Maifeiern im Jahre 1890 waren auf Anhieb ein riesiger Erfolg. In 144 St&auml;dten der USA streikten Arbeiter f&uuml;r k&uuml;rzere Arbeitszeiten. An einer Demonstration in Br&uuml;ssel beteiligten sich &uuml;ber 15000 Menschen. Warschau z&auml;hlte 10000 Demonstranten und Lissabon 14000. <br \/>  Besonders in Deutschland, wo erst wenige Monate zuvor das &#x84;Sozialistengesetz&#x93; &#x96; welches die au&szlig;erparlamentarische Arbeit der SPD verbot &#x96; gefallen war, beteiligten sich Zehntausende an den Feierlichkeiten und K&auml;mpfen. In Berlin, Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Darmstadt, Frankfurt\/Main, Rostock, K&ouml;ln, M&uuml;nchen&#8230; traten 100000 Arbeiter in den Streik. <br \/>  In Hamburg waren die Klassenk&auml;mpfe am h&auml;rtesten. Dort streikten 20000 ArbeiterInnen, die Kapitalisten reagierten ihrerseits mit Aussperrungen. Nur wer sich schriftlich verpflichtete aus der Gewerkschaft auszutreten, sollte an seinen Arbeitsplatz zur&uuml;ckkehren d&uuml;rfen. Nach einer Welle von Protesten in ganz Deutschland mussten die Unternehmer jedoch diesen Plan zur&uuml;cknehmen und alle Aussperrungen bedingungslos abbrechen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Der 1. Mai heute <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Die Arbeiter 1890 k&auml;mpften um den Achtstundentag, f&uuml;r Lohnerh&ouml;hungen und die Verstaatlichung von Betrieben. Es war eine Zeit, in der die Gewerkschaften k&auml;mpften, sich f&uuml;r Besch&auml;ftigte einsetzten und daher wuchsen. <br \/>  Heute drohen die Unternehmer mit der 42-Sundenwoche, dem Ende des hart erk&auml;mpften Achtstundenarbeitstages. Sie verlangen unbezahlte Mehrarbeit, also Lohnverzicht. Privatisierung scheint &uuml;berall ein Zauberwort zu sein. <br \/>  Gr&uuml;nde zu k&auml;mpfen gibt es genug! Doch statt dessen erm&ouml;glicht der neue verdi-Vertrag auf &#x84;freiwilliger Basis&#x93; in der Telekommunikationsbranche die 48-Stunden-Woche (siehe Solidarit&auml;t vom April 2004). <br \/>  Die Gewerkschaftsspitze ist nicht bereit zu k&auml;mpfen, so verliert der DGB immer mehr Mitglieder. Wie unzufrieden die Gewerkschaftsbasis mit dieser Politik ist, zeigt die Demo von 100000 Menschen gegen Sozialabbau vom 1.11. 2003, den auch sie ma&szlig;geblich gegen die DGB-F&uuml;hrung organisiert hat. <br \/>  Wir brauchen eine starke k&auml;mpferische Linke in den Gewerkschaften, um die Gewerkschaften wieder zu Kampforganen der ArbeiterInnen zu machen! <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Steve K&uuml;hne, Dresden<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Erste Mai ist heute weltweit der Tag, den Arbeiterinnen und Arbeiter mit Demonstrationen und Versammlungen begehen, um f&uuml;r ihre Rechte zu k&auml;mpfen. 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