{"id":11213,"date":"2005-03-23T12:34:14","date_gmt":"2005-03-23T12:34:14","guid":{"rendered":".\/?p=11213"},"modified":"2005-03-23T12:34:14","modified_gmt":"2005-03-23T12:34:14","slug":"11213","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/03\/11213\/","title":{"rendered":"Steuerreform &#x96; gut f&uuml;r wen?"},"content":{"rendered":"<p>Unternehmenssteuern sinken &#x96; Investitionen auch<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;42 Prozent Spitzensteuersatz. Gut f&uuml;r die Menschen,&#x93; warb die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung in ihrer rund drei Millionen Euro teuren Kampagne zur Steuerreform 2005. &#x84;Gut f&uuml;r die Reichen und Superreichen,&#x93; m&uuml;sste es wohl eher hei&szlig;en.<br \/>  Doch dem nicht genug, beschlossen Regierung und Opposition beim &#x84;Jobgipfel&#x93;eine drastische Senkung der K&ouml;rperschafts,- Gewerbe- und Erbschaftssteuer.<br \/>  Lag der Spitzensteuersatz 1998 noch bei 53 Prozent, senkte Rot-Gr&uuml;n ihn erst auf 45 Prozent und 2005 auf 42 Prozent. Damit spart ein Einkommensmillion&auml;r &uuml;ber 100.000 Euro zus&auml;tzlich im Jahr. Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer hingegen hat nach Eichels Steuerreform gerade mal 1.700 Euro mehr in der Tasche als 1998. Das wird ihm an anderer Stelle durch Teuro, steigende Benzinpreise, Zahnersatz und Krankengeld wieder aus der Tasche gezogen. <br \/>  Der Staat nimmt durch die Steuerreform 2,5 Milliarden Euro weniger ein &#x96; in etwa das, was durch Hartz IV bei Erwerbslosen eingespart werden soll.<br \/>  Zus&auml;tzlich wird jetzt die K&ouml;rperschaftssteuer von 25 auf 19 Prozent gesenkt. Das entlastet Kapitalgesellschaften um drei Milliarden Euro (wobei viele Gro&szlig;konzerne durch Verlagerung von Tochterunternehmen ins Ausland und Abschreibungen nat&uuml;rlich schon lange fast gar keine Steuern zahlen). Hinzu kommen Steuererleichterungen f&uuml;r Unternehmer bei Erbschafts- und Gewerbesteuer.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Gewinne explodieren<\/span><\/p>\n<p>  Die Steuerquote, also das Verh&auml;ltnis der Steuerzahlungen am Bruttoinlandsprodukt, sinkt best&auml;ndig. Betrug der Anteil der Gewinn- und Verm&ouml;genssteuern in den siebziger Jahren noch 28 Prozent, so liegt er heute bei 14 Prozent. Der Anteil der Lohnsteuern hingegen erh&ouml;hte sich im selben Zeitraum von unter drei&szlig;ig Prozent auf 36 Prozent. W&auml;ren die Gewinn- und Verm&ouml;genssteuern noch auf dem Niveau der siebziger Jahre, h&auml;tte der Staat 70 Milliarden Euro mehr in der Kasse. Kein Wunder also, dass die Kassen leer sind!<br \/>  Die Ideologie dieser Steuerpolitik ist klar: Reiche sollen entlastet werden, damit sich &#x84;Leistung&#x93; und Investitionen wieder lohnen und das Wachstum steigt. Trotz Steuergeschenke f&uuml;r die Reichen geht das Wachstum jedoch zur&uuml;ck. W&auml;hrend Aktiengesellschaften in den letzten vier Jahren mehr als 60 Milliarden Euro an Steuergeschenken erhielten, sanken die Investitionen um 27 Milliarden. Die Gewinne stiegen im selben Zeitraum um 65 Milliarden.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Was will die WASG?<\/span><\/p>\n<p>  Die WASG stellt sich gegen die von allen etablierten Parteien betriebene Umverteilung von unten nach oben.<br \/>  Sie fordert die Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer, eine Reform der Erbschaftssteuer und eine gerechtere Einkommenssteuer. Warum soll man sich aber mit einem Spitzensteuersatz von 47 Prozent begn&uuml;gen? Bevor Rot-Gr&uuml;n an die Regierung kam, lag dieser bei 53 Prozent &#x96; 1957 sogar bei 63 Prozent.<br \/>  Die bisherige Steuerprogression endet bei einem Einkommen von 52.000 Euro. Ab diesen Bez&uuml;gen m&uuml;ssen auf 42 Prozent des Einkommens Steuern &#x96; der Spitzensteuer-satz &#x96; gezahlt werden. Diese Grenze der Steuerprogression muss abgeschafft werden. Wer viel hat, soll auch viel zahlen! Die Besteuerung von noch h&ouml;heren Einkommen muss drastisch &uuml;ber 47 Prozent liegen und weiter progressiv ansteigen.<br \/>  Dann w&auml;re auch genug Geld da, um das von der WASG geforderte &ouml;ffentliche Investitionsprogramm zu finanzieren ohne Kredite aufzunehmen.<br \/>  Eine progressive Erh&ouml;hung der Gewinnsteuern f&auml;llt jedoch nicht vom Himmel. Durch Massendemonstrationen und Streiks m&uuml;sste der n&ouml;tige Druck dazu aufgebaut werden.<br \/>  Die sogenannten Massenverbrauchssteuern wie beispielsweise Mehrwertsteuer und &Ouml;kosteuer m&uuml;ssen dagegen abgeschafft werden. Sie sind ungerecht, weil ein Sch&uuml;ler auf eine Ware genauso viel Steuern bezahlen muss wie ein Topmanager.<br \/>  Die WASG fordert au&szlig;erdem, dass international t&auml;tige Unternehmen m&ouml;glichst wenig M&ouml;glichkeiten zur Steuerhinterziehung haben sollen. Das ist gut. Betriebspr&uuml;fungen sollen deshalb verst&auml;rkt werden. Doch Betriebspr&uuml;fungen reichen nicht aus. <br \/>  Wirksamer als Stichproben bei Betrieben w&auml;re die vollst&auml;ndige Offenlegung der Gesch&auml;ftsb&uuml;cher und die Kontrolle durch die Belegschaften. Dies k&ouml;nnen erste Schritte sein, um Wirtschaftskriminalit&auml;t und Steuerhinterziehung einen Riegel vorzuschieben. Wenn aber Konzernchefs weiterhin ihre Konten ins Ausland verlegen und Bilanzen sch&ouml;nen, m&uuml;ssen Betriebe in &ouml;ffentliches Eigentum &uuml;berf&uuml;hrt werden.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Marcus Kourdji, Kassel<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmenssteuern sinken &#x96; Investitionen auch<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[170],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11213"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11213"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11213\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}