{"id":11209,"date":"2005-03-16T13:55:09","date_gmt":"2005-03-16T13:55:09","guid":{"rendered":".\/?p=11209"},"modified":"2005-03-16T13:55:09","modified_gmt":"2005-03-16T13:55:09","slug":"11209","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/03\/11209\/","title":{"rendered":"FP&Ouml;: Achtung &#x96; keine Entwarnung"},"content":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SLP (Schwesterorganisation der SAV in &Ouml;sterreich) zur aktuellen Krise der FP&Ouml; in &Ouml;sterreich<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSeit dem Regierungseintritt der FP&Ouml; 2000 schlittert sie von einer Krise in die N&auml;chste. Skandale, st&auml;ndiger Minister- und Vorsitzendenwechsel und Wahlniederlagen pr&auml;gen das Bild der FP&Ouml;. Seit dem Spitzenwert von 26,9 % bei den Nationalratswahlen 1999 scheint die FP&Ouml; ihren H&ouml;hepunkt &uuml;berschritten zu haben. Aber Vorsicht ist angesagt: auch wenn sich die FP&Ouml; zur Zeit selbst zu zerfleischen droht ist die Gefahr einer erfolgreichen rechtsextremen Partei nicht gebannt.<\/p>\n<p>  1.Die Probleme der FP&Ouml; liegen nicht in &#x84;internen Quersch&uuml;ssen&#x93; oder &#x84;destruktiven Elementen&#x93; (genauso wenig wie die Probleme der SP&Ouml; auf &#x84;mangelnde Kommunikation&#x93; zur&uuml;ckzuf&uuml;hren ist). Ursache ist vielmehr ihre Politik, die &#x96; im Gegensatz zu ihren Ank&uuml;ndigungen &#x96; voll zu Lasten von ArbeitnehmerInnen, Jugendlichen und sozial Schwachen geht.<\/p>\n<p>  2.Die jetzige Krise der FP&Ouml; hat ihre Wurzeln im zentralen Charakteristikum in der zentralen politischen Methode der Partei &#x96; im Populismus. In der Auseinandersetzung mit der FP&Ouml; ist diese in der Vergangenheit unterschiedlich charakterisiert worden: manche haben sie zur &#x84;ArbeiterInnenpartei&#x93; hochstilisiert, manche vor einer faschistischen FP&Ouml; gewarnt. Richtig ist, dass zu manchen Zeiten grosse Teile der ArbeiterInnenklasse die Mehrheit der ArbeiterInnen (im Gegensatz zu Angestellten) die FP&Ouml; gew&auml;hlt haben., rRichtig ist auch, dass die FP&Ouml; immer auch in unterschiedlicher Auspr&auml;gung als Sammelbecken f&uuml;r (Alt-)Nazis, neonazistische und faschistische Kr&auml;fte fungiertewar. Beides waren aber nicht die pr&auml;genden Element der Politik. Wir haben die FP&Ouml; ab 1986 (Haiders Macht&uuml;bernahme)schon damals als populistische rechtsextreme Partei definiert. Der Aufstieg der FP&Ouml; ist der populistischen Antwort der Haider-FP&Ouml; in den 80er und 90er Jahren war vor allem der auf die Privatisierungs- und Sozialabbau-Politik der SP&Ouml;\/&Ouml;VP-Regierung zu verdanken: Als &#x84;kantige&#x93; Opposition verband sie erfolgreich soziale T&ouml;ne mit ihren rechtsextremen, rassistischen und antigewerkschaftlichen Inhalten. Mit dem Eintreten in die Regierung und die Umsetzung ihrer tats&auml;chlichen Ziele (die im Gegensatz zu der populistisch angepriesenen Politik f&uuml;r &#x84;den kleinen Mann &#x93; steht) ist diese Grundlage f&uuml;r ihr populistisches Agieren weitgehendPolitik weggefallen. Die Versuche beides &#x96; Regierungspolitik und gleichzeitige populistische Kritik daran &#x96; gleichzeitig durchzuf&uuml;hren hat die FP&Ouml; v.a. unglaubw&uuml;rdig gemacht und ist Ursache der anhaltenden Krise.<\/p>\n<p>  3.Der jetzige Versuch, Ultrarechte wie Stadler oder M&ouml;lzer aus der Partei zu bekommen, ist sind keine inhaltliche Abkehr von rechtsextremer Ideologie. Unterschiedliche Zug&auml;nge gibt es zu verschiedenen EU-Fragen (T&uuml;rkei, Verfassung) &#x96; hier wird versucht eine einheitliche Linie durchzusetzen &#x96; aber es gibt nach wie vor keine Ber&uuml;hrungs&auml;ngste nach rechts-au&szlig;en.<\/p>\n<p>  4.W&auml;hrend man sich Stadler&#x92;s und M&ouml;lzer&#x92;s als &#x84;destruktive Elemente entledigen m&ouml;chte, ist der Umgang mit Strache vorsichtiger. Dieser wird als &#x84;schlecht beraten&#x93; dargestellt. Grund ist, dass er eine wichtige Landesorganisation zumindest teilweise repr&auml;sentiert und ein Bruch mit Strache die FP&Ouml; in Wien f&uuml;hrungs- und orientierungslos in den Wahlkampf gehen k&ouml;nnte. Strache seinerseits hat sich noch nicht endg&uuml;ltig entschieden, auf welche Seite er sich stellt &#x96; wissend, dass seine Karrierechancen in einer ultra-rechten Abspaltung begrenzt w&auml;ren.<\/p>\n<p>  5.Verst&auml;rkt wird die Krise der FP&Ouml; durch die &#x96; ebenfalls aus der populistischen Methode resultierende &#x96; personelle Schw&auml;che. Der H&ouml;heflug der Partei unter populistischen Vorzeichen wurde auf organisatorischer Ebene zu keinem Zeitpunkt nachvollzogen: W&auml;hrend zwischen 1986 und 1999 &uuml;ber 1 Million W&auml;hler gewonnen wurden, kamen es zu einem Mitgliederzuwachs von lediglich 10.000 Personen. Dieses Strukturproblem wurde seit dem Regierungseintritt fast t&auml;glich an der Spitze sichtbar: Die MinisterkandidatInnen m&uuml;ssen oft aus der f&uuml;nften oder sechsten Reihe bzw. von au&szlig;erhalb geholt werden &#x96; und haben nur kurze Haltbarkeit. W&auml;hrend in Knittelfeld noch von einem &#x84;Aufstand der Basis die Rede war, ist in den aktuellen Debatten die Partei&#x93;basis&#x93; meist nicht einmal mehr verbal existent. Regionale KandidatInnen und Strukturen l&ouml;sen sich teilweise auf. Mit dem Ergebnis, dass bei Regionalwahlen die FP&Ouml; nicht mehr &uuml;berall mit KandidatInnen\/Listen antreten kann.<\/p>\n<p>  6.Die weitere Zukunft der FP&Ouml; ist offen &#x96; ob Neugr&uuml;ndung, Abspaltung oder weiter wie bisher. Baldige Neuwahlen werden trotz einer permanenten Instabilit&auml;t der Regierung von beiden Koalitionspartnern nicht gew&uuml;nscht. F&uuml;r die Regierungsmannschaft der FP&Ouml; w&auml;ren Neuwahlen angesichts der Krise der Partei alles andere als positiv. Und die &Ouml;VP hat ein Koalitionspartner-Problem. Obwohl die &Ouml;VP bei vergangenen Wahlen die Hauptprofiteurin der FP&Ouml;-Krise war, zeigen u.a. die steirischen Landtagswahlen auch Grenzen f&uuml;r diese Entwicklung auf. Zur Zeit ist es unwahrscheinlich, dass die &Ouml;VP aus Nationalratswahlen als st&auml;rkste Kraft hervorginge. Eine neuerliche Koalition mit der FP&Ouml; ist fraglich, Gr&uuml;nen und SP&Ouml; m&uuml;ssten Zugest&auml;ndnisse gemacht werden. F&uuml;r die &Ouml;VP ist ein weiter &#x93;wurschteln&#x93; mit der jetzigen Koalition die momentan beste L&ouml;sung.<\/p>\n<p>  7.Die FP&Ouml; war in den 80er und 90er Jahren eine gef&auml;hrliche, aggressiv auftretende Partei, die gegen Frauen, ImmigrantInnen, &#x84;Sozialschmarotzer&#x93;, Gewerkschaften etc. gewettert hat. Seither hat keine wesentliche inhaltliche &Auml;nderung stattgefunden, die eine Koalition mit einer solchen Kraft rechtfertigen k&ouml;nnte. Die Gefahr des Rechtsextremismus ist aber mit der Krise der FP&Ouml; keineswegs gebannt. Die &Ouml;VP selbst ist nach rechts gegangen, was sich auch in einer gewissen Durchl&auml;ssigkeit zwischen den Parteien zeigt. Nach dem de facto &Uuml;bertritt von Grasser gibt es nun Ger&uuml;chte, dass auch FP&Ouml;-Gorbach einen solchen Schritt &uuml;berlegt. V.a. aber nehmen die sozialen Probleme, auf deren Grundlage rechtsextreme Parteien auf Stimmenfang gehen k&ouml;nnen, zu. Zwar haben Arbeitslosigkeit und Armut noch kein Ost-Deutsches Niveau erlangt, sind aber trotzdem von erschreckendem Ausma&szlig;. Solange es keine Kraft auf der Linken gibt, die sozialistische Antworten auf diese Probleme gibt, werden immer und immer wieder rechte und rechtsextreme Kr&auml;fte dieses Vakuum f&uuml;llen k&ouml;nnen. Ob als FP&Ouml;, FP&Ouml;-Neu oder unter einem anderen Namen, ob mit oder ohne Haider ist dabei zweitrangig. Auch eine Wiederkehr von Haider ist nicht ausgeschlossen (siehe Le Pen in Frankreich, der schon als &#x84;geschlagen&#x93; galt und dann wieder Wahlerfolge feiern konnte).<\/p>\n<p>  8.Eine neue Qualit&auml;t w&auml;re eine ultra-rechte Abspaltung um Stadler, M&auml;lzer etc. deren Potential M&ouml;lzer mit seiner EU-Vorzugstimmenkampagne ausgetestet hat. Diese k&ouml;nnte Sammelbecken f&uuml;r diverse faschistische und ultra-rechte Kr&auml;fte in &Ouml;sterreich werden (AFP, BFJ&#8230;.) und versuchen nach dem Vorbild der NPD in Deutschland eine revisionistische (dh die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosende), rassistische und teilweise militant auftretende (die NPD verfolgt das Konzept der &#x84;national befreiten Zonen&#x93; &#x96; Stadtviertel, aus denen ImmigrantInnen, Linke, GewerkschafterInnen hinausgedr&auml;ngt werden) Organisation aufzubauen. So gef&auml;hrlich die FP&Ouml; auch heute ist, eine solche neue Organisation w&uuml;rde eine zus&auml;tzliche &#x96; auch physische &#x96; Bedrohung darstellen (wenn sie auch noch nicht das selbe Potential h&auml;tte wie die NPD in Deutschland).<\/p>\n<p>  9.Die SP&Ouml; ist nicht in der Lage, dieses Vakuum zu f&uuml;llen. Die Wahlerfolge der letzten Jahre spiegeln keinen Linksruck und keine Widerbelebung der SP&Ouml; dar, sondern die Wahl des &#x84;kleineren &Uuml;bels&#x93;. Die Erfolge der KP&Ouml; in der Steiermark zeigen &#x96; trotz ihrer inhaltlichen und regionalen Beschr&auml;nkung &#x96; das Potential f&uuml;r eine linke Alternative auf.<\/p>\n<p>  10.Bei den kommenden Gemeinderatswahlen in Wien ist von der FP&Ouml; eine ausl&auml;nderInnenfeindliche Kampagne zu erwarten. Die momentane Strache-Kampagne ist daf&uuml;r nur ein Vorgeschmack. Die SP&Ouml; ist &#x96; nicht zuletzt aufgrund von Sozialabbau und selbstherrlichem Agieren der Rathausb&uuml;rokratie &#x96; dazu keine linke Alternative.<\/p>\n<p>  11.Die SLP hat es sich zum Ziel gesetzt, das bei den kommenden Wiener Gemeinderatswahlen eine sozialistische Alternative auf dem Stimmzettel stehen wird. Und das es eine offensive Kampagne gegen Privatisierungen, Sozialabbau und Rassismus gibt um auch dauerhaft eine sozialistische Kraft aufzubauen, die dem Rechtsextremismus das Wasser abgr&auml;bt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungnahme der SLP (Schwesterorganisation der SAV in &Ouml;sterreich) zur aktuellen Krise der FP&Ouml; in &Ouml;sterreich<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11209"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11209"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11209\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}