{"id":11207,"date":"2005-03-18T09:00:00","date_gmt":"2005-03-18T09:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=11207"},"modified":"2005-03-18T09:00:00","modified_gmt":"2005-03-18T09:00:00","slug":"11207","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/03\/11207\/","title":{"rendered":"&#x84;Wer im Stich l&auml;sst seinesgleichen&#8230;&#x93;"},"content":{"rendered":"<p>Am 18. M&auml;rz ist der &#x84;Tag der politischen Gefangenen&#x93;<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nErstmals wurde dieser Tag am 18. M&auml;rz 1923 auf Initiative der &#x84;Internationale Rote Hilfe&#x93; (IRH) begangen. Hintergrund war damals die gro&szlig;e Repressionswelle in vielen kapitalistischen Staaten gewesen, die in Folge der siegreichen sozialistischen Revolution in Russland gegen revolution&auml;re Linke w&uuml;tete. Zehntausende Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten usw. wurden damals ermordet oder eingekerkert, ihre Familien wurden verfolgt und litten meist unter gro&szlig;er Not. 1924 befanden sich allein in Deutschland 7.000 Linke in Gef&auml;ngnissen und 18.000 standen unter Anklage. Dieses versch&auml;rfte sich noch in den folgenden Jahren. 1932 schrieb die bekannte deutsche Kommunistin Clara Zetkin zum zehnj&auml;hrigen Bestehen der &#8222;Internationalen Roten Hilfe &#8220; (IRH): <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Das ganze kapitalistische Gef&auml;ngnisregime ist darauf angelegt die politischen Gefangenen k&ouml;rperlich und seelisch zu zerm&uuml;rben, Folterungen, Karzer, Einzelhaft, geistt&ouml;tende Arbeit, Schikanen wie Fernhaltung revolution&auml;rer Presse und Literatur, schlechte Kost usw. sind t&auml;gliche Erscheinungen.&#8220;<\/span> Eine auch heute g&auml;ngige Praxis gegen&uuml;ber politischen Gefangenen. <br \/>   <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Internationale Solidarit&auml;t in den 1920er Jahren<\/span> <\/p>\n<p>   Die Rote Hilfe Deutschland (RHD) &#8211; die auf ihrem H&ouml;hepunkt kurz vor der Machtergreifung der Hitlerfaschisten &uuml;ber eine Million Mitglieder hatte &#8211; f&uuml;hrte in den 1920er Jahren zahlreiche und umfangreiche Kampagnen durch: So gegen den wei&szlig;en Terror in Mussolinis Italien, den faschistisch regierten Balkanl&auml;ndern, Polen und dem Baltikum, gegen die Massaker an chinesischen Revolution&auml;ren und die Lynchjustiz an Afroamerikanern in den USA. Unterst&uuml;tzt wurden diese Kampagnen von bekannten Pers&ouml;nlichkeiten wie dem Physiknobelpreistr&auml;ger Albert Einstein, der Malerin K&auml;the Kollwitz oder den Schriftstellern Heinrich und Thomas Mann. Kurt Tucholsky geh&ouml;rte dem Vorstand der RHD an. Die gr&ouml;&szlig;te Kampagne der IRH mit Massencharakter hatte vor allem 1926 und 1927 die Kampagne f&uuml;r die Freilassung der Anarchisten Sacco und Vanzetti in den USA, die wegen eines nachweislich nicht begangenen Raubmordes hingerichtet wurden. Gest&uuml;tzt auf Sektionen in 71 L&auml;ndern mit 19 Millionen Mitgliedern sammelte die Internationale Rote Hilfe weltweit Millionen von Unterschriften und f&uuml;hrte riesige Kundgebungen und Demonstrationen durch. Am Tag ihrer Hinrichtung gingen weltweit Millionen auf die Stra&szlig;e oder beteiligten sich an Streiks. <br \/>   <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Geschichte des 18. M&auml;rz <\/span><\/p>\n<p>   Historisch nimmt der &#x84;Tag der politischen Gefangenen&#x93; vor allem Bezug auf die Pariser Kommune, die am 18. M&auml;rz 1871 in Paris begann. Damals &uuml;bernahm erstmals in der Geschichte das Proletariat die Macht. In Folge der blutigen Niederschlagung der Revolution wurden zehntausende Menschen ermordet, eingekerkert oder mussten fliehen. Deshalb wurde anf&auml;nglich der 18. M&auml;rz als &#8222;Tag der Pariser Kommune&#8220; begangen. Aber bereits vorher war der 18. M&auml;rz ein bedeutender Tag in der Geschichte der Arbeiterbewegung gewesen. An dem Tag gedachten seit der gescheiterten b&uuml;rgerlich-demokratischen Revolution 1848 in Deutschland Sozialisten und andere fortschrittliche Kreise den M&auml;rzgefallenen, die im Kampf f&uuml;r eine deutsche Republik, gegen die kaiserliche Armee ihr Leben lie&szlig;en. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Repression heute <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>   An der Lage der politischen Gefangenen hat sich im Laufe der Zeit nichts ge&auml;ndert. Auch heute werden weltweit unz&auml;hlige Menschen auf Grund ihrer politischen Anschauung verfolgt, in Gef&auml;ngnisse gesperrt, gefoltert und ermordet. Bekanntestes Beispiel ist das ehemalige Mitglied der Black Panther Party, Mumia Abu Jamal, der seit 1982 wegen eines nicht begangenen Mordes in einer Todeszelle der USA sitzt. Seit den Anschl&auml;gen vom 11. September nimmt die Repression gegen GewerkschafterInnen und linke Aktivisten auch in den sogenannten entwickelten L&auml;ndern Europas und Nordamerikas zu, demokratische Rechte werden immer mehr eingeschr&auml;nkt. So wird beispielsweise linken Aktivisten mittels Ein- und Ausreise-Verboten die Teilnahme an europaweiten Demonstrationen untersagt oder sie werden wegen ihrer politischen Aktivit&auml;t ins Gef&auml;ngnis geworfen. <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Internationale Solidarit&auml;t ist auch heute n&ouml;tig <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>   In den letzten Jahren sind viele Mitglieder unserer Internationalen, des CWI, verfolgt und in Gef&auml;ngnisse gesteckt worden, so in Nigeria, Israel und Kasachstan. Bekannteste Beispiele sind Clare Daly und der Parlamentsabgeordnete Joe Higgins unserer irischen Schwesterorganisation, die 2003 wegen der Teilnahme an Protesten gegen die Einf&uuml;hrung einer M&uuml;llsteuer eingesperrt wurden. Auch Mitglieder der SAV wurden verhaftet oder mit Gef&auml;ngnis bedroht, um sie unter anderem daran zu hindern, an den Demonstrationen in G&ouml;teborg und Genua teilzunehmen. Mitglieder der SAV wurden entlassen, weil sie wie Jens Fertsch einen Betriebsrat bei ETIB Bremen gr&uuml;nden wollten und aktuell wie Marc Treude als gewerkschaftlicher Vertrauensmann der IG BCE bei Cinram Aachen gegen die Entlassung von 350 KollegInnen Widerstand organisiert hatten. <\/p>\n<p>   Die Repression wird mit der fortschreitenden Krise des Kapitalismus und des Entstehens einer Massenbewegung, die immer mehr die Grenzen des Systems in Frage stellt und den Ausweg in einer sozialistischen Gesellschaft sucht, auch in den sogenannten entwickelten L&auml;ndern Europas und Nordamerikas weiter zunehmen. Wer selber schon von Repression betroffen war wird wissen, wie wichtig gerade die internationale Solidarit&auml;t ist. Wie es ist, wenn man allein im kasachischen Gef&auml;ngnis einem Polizeiverh&ouml;r ausgesetzt ist, wo einem offen Gewalt angedroht wird. Und wie es ist, wenn sich die Polizeib&uuml;ttel auf einmal &#x84;freundlich&#x93; zur&uuml;ckhalten, weil die Telefone hei&szlig; laufen und es aus vielen L&auml;ndern Proteste gegen die menschenunw&uuml;rdige Behandlung der politischen Gefangenen hagelt. Oder wie es ist, wenn Menschen Solidarit&auml;t &uuml;ben, indem sie in Briefen politischen Gefangenen Mut machen und zeigen, dass sie nicht alleine sind. Clara Zetkin schrieb dazu einst: &#8222;Die wichtigste Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die Gefangenen ist zweifellos die moralische. Sie m&uuml;ssen die Gewissheit haben, dass ihre Klassenbr&uuml;der sie nicht vergessen haben. Dieses Bewusstsein wird nicht nur ihr Schicksal erleichtern, sondern sie auch als ungebrochene revolution&auml;re K&auml;mpfer in die Reihen der Revolution zur&uuml;ckf&uuml;hren.&#x93; <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;Solidarit&auml;t ist die Z&auml;rtlichkeit der V&ouml;lker&#x93; (Che Guevara) <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>   Der 18. M&auml;rz als &#x84;Tag der politischen Gefangenen&#x93; kann nur darauf aufmerksam machen, dass es weltweit viele politische Gefangene gibt, die unsere Unterst&uuml;tzung brauchen. Enorm wichtig ist die t&auml;gliche Solidarit&auml;tsarbeit. Beteiligt euch an den Kampagnen des CWI und der SAV f&uuml;r die Freiheit politischer Gefangener und den Aufrufen zur Solidarit&auml;t mit linken und gewerkschaftlichen Aktivisten! Unterst&uuml;tzt aktuell den sozialistischen Stadtrat Marc Treude, der entlassen wurde, weil er gegen die Entlassung von 350 KollegInnen bei Cinram Aachen Widerstand organisiert hatte. <br \/>   <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Ronald Luther, Berlin <\/span><\/p>\n<p>   Aus Anlass des &#x84;Tages der politischen Gefangenen&#x93; hier das bekannte deutsche Arbeiterlied &#x84;Solidarit&auml;tslied&#x93;, dass Bertolt Brecht (Text) und Hanns Eisler (Musik) 1931 f&uuml;r den Arbeiterfilm &#8222;Kuhle Wampe&#8220; von Slatan Dudow (uraufgef&uuml;hrt in Berlin) verfassten: <\/p>\n<p>   <span style=\"font-weight: bold;\">Solidarit&auml;tslied <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>   Vorw&auml;rts und nicht vergessen,<br \/>   worin unsere St&auml;rke besteht!<br \/>   Beim Hungern und beim Essen,<br \/>   vorw&auml;rts und nie vergessen: die Solidarit&auml;t! <br \/>   Auf ihr V&ouml;lker dieser Erde,<br \/>   einigt euch in diesem Sinn,<br \/>   da&szlig; sie jetzt die eure werde,<br \/>   und die gro&szlig;e N&auml;hrerin. <\/p>\n<p>   Vorw&auml;rts und nicht vergessen&#8230; <br \/>   Schwarzer, Wei&szlig;er, Brauner, Gelber!<br \/>   Endet ihre Schl&auml;chterei!<br \/>   Reden erst die V&ouml;lker selber,<br \/>   werden sie schnell einig sein. <\/p>\n<p>   Vorw&auml;rts und nicht vergessen&#8230; <br \/>   Wollen wir es schnell erreichen,<br \/>   brauchen wir noch dich und dich.<br \/>   Wer im Stich l&auml;&szlig;t seinesgleichen,<br \/>   l&auml;&szlig;t ja nur sich selbst im Stich. <\/p>\n<p>   Vorw&auml;rts und nicht vergessen&#8230; <br \/>   Unsre Herrn, wer sie auch seien,<br \/>   sehen unsre Zwietracht gern,<br \/>   denn solang sie uns entzweien,<br \/>   bleiben sie doch unsre Herrn. <\/p>\n<p>   Vorw&auml;rts und nicht vergessen&#8230; <br \/>   Proletarier aller L&auml;nder,<br \/>   einigt euch und ihr seid frei.<br \/>   Eure gro&szlig;en Regimenter<br \/>   brechen jede Tyrannei! <\/p>\n<p>   Vorw&auml;rts und nicht vergessen<br \/>   und die Frage korekt gestellt<br \/>   beim Hungern und beim Essen:<br \/>   Wessen Morgen ist der Morgen?<br \/>   Wessen Welt ist die Welt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. 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