{"id":11190,"date":"2005-03-03T16:12:28","date_gmt":"2005-03-03T16:12:28","guid":{"rendered":".\/?p=11190"},"modified":"2005-03-03T16:12:28","modified_gmt":"2005-03-03T16:12:28","slug":"11190","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/03\/11190\/","title":{"rendered":"Keine Untergrenze bei der Zumutbarkeit"},"content":{"rendered":"<p>Hartz IV macht Zwangsprostitution m&ouml;glich<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nALG-II-Empf&auml;ngerInnen k&ouml;nnen zu jeder zumutbaren Arbeit gezwungen werden, was seit Hartz IV jeder legalen T&auml;tigkeit entspricht. Da Prostitution seit 2002 legalisiert wurde, bestehen f&uuml;r die Agenturen f&uuml;r Arbeit juristisch keinerlei Hinderungsgr&uuml;nde mehr, in diesen Bereich zu vermitteln.<br \/>  So berichtet die britische Tageszeitung Daily Telegraph vom Fall einer 25-j&auml;hrigen Arbeitslosen, die sich bereit erkl&auml;rt hatte, nachts in einer Bar zu arbeiten. Sie erhielt daraufhin Post vom Arbeitsamt, dass ein Arbeitgeber an ihrem Profil interessiert sei und sie ihn anrufen solle. Als sie ihn anrief, wurde klar, dass es sich um ein Bordell handelte. Daraufhin wollte sie rechtliche Schritte gegen das Arbeitsamt einleiten. Sie musste jedoch feststellen, dass das Angebot des Bordells durch das Arbeitsamt nicht gegen das Gesetz versto&szlig;en hatte.<br \/>  Die vom Telegraph und auch von der &ouml;sterreichischen Zeitung Der Standard interviewte Hamburger Fachanw&auml;ltin f&uuml;r Familien- und Sozialrecht Mechthild Garweg berichtet von F&auml;llen, in denen Frauen, die in Call-Centern gearbeitet hatten, sich bei Sex-Hotlines bewerben sollten.<br \/>  In Gotha sei eine 23-j&auml;hrige Frau dazu aufgefordert worden, zu einem Bewerbungsgespr&auml;ch f&uuml;r einen Job als &#x84;Nacktmodell&#x93; zu gehen. Sex-Unternehmer h&auml;tten au&szlig;erdem das Recht, ihre &#x84;Stellenangebote&#x93; ganz regul&auml;r &uuml;ber die Arbeitsagenturen zu verbreiten. Agenturen, die sich weigerten, liefen Gefahr, auf Schadensersatz verklagt zu werden. &#x84;Sie sind schon jetzt bereit, Frauen in Jobs zu vermitteln, die mit sexuellen Dienstleistungen zu tun haben, aber nicht als Prostitution gelten,&#x93; so Garweg.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Keine Ausnahme bei Bordellen<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Zwar gibt es im Prostitutionsgesetz einen Paragrafen, der es verbietet, Frauen zum Sex zu zwingen, dieser gilt Garweg zufolge aber nur f&uuml;r Zuh&auml;lter. &#x84;Niemand wird zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen, wenn er das nicht will,&#x93; widerspricht Ulrich Waschki, Sprecher der N&uuml;rnberger Bundesagentur f&uuml;r Arbeit, gegen&uuml;ber dem Standard. Das verstehe sich doch von selbst, schlie&szlig;lich gebe es so etwas wie einen &#x84;gesellschaftlichen Grundkonsens&#x93;.<br \/>  Doch die Hamburger DGB-Sprecherin Claudia Falk muss einr&auml;umen: <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Es gibt tats&auml;chlich keine Untergrenze bei der Zumutbarkeit, da hat es der Gesetzgeber vers&auml;umt, Normen zu schaffen.&#x93;<\/span><br \/>  Die Regierung hatte zwar dar&uuml;ber nachgedacht, bei Bordellen eine Ausnahme bez&uuml;glich der Zumutbarkeit zu machen, war dann aber zu dem Schluss gekommen, dass es zu schwierig sei, diese von Bars zu unterscheiden. Falk geht aber davon aus, dass die Arbeitsagenturen an ihrer Selbstverpflichtungserkl&auml;rung festhalten, nicht in den Bereich Prostitution zu vermitteln.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Grenzfall Tabledance<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Diese Direktive gelte f&uuml;r &#x84;Gastronomie und Tabledance&#x93; allerdings nicht. Dort bef&uuml;rchtet Falk eine Grauzone: <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Es wird Grenzf&auml;lle geben. So die Kellnerin, die im kurzen R&ouml;ckchen hinterm Bordelltresen stehen soll, oder die T&auml;nzerin, die in ein Tabledance-Lokal vermittelt wird.&#x93;<\/span><br \/>  Bei Grenzf&auml;llen wollen die Arbeitsagenturen &#x84;kulant&#x93; sein, so Bundesagentur-Sprecher Waschki. Falls sich beispielsweise eine Frau bei der Arbeit in einer Tabledance-Bar unfreiwillig betatschen lassen m&uuml;sse, k&ouml;nne sie den Job niederlegen, ohne dass sie Leistungsk&uuml;rzungen bef&uuml;rchten m&uuml;sse. Im Einzelfall m&uuml;sse man schon die Zumutbarkeit pr&uuml;fen: &#x84;Wenn jemand im B&uuml;ro gemobbt wird, schauen wir uns das ja auch an.&#x93;<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Zwei Jahre Legalisierung<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Das Ziel der Bundesregierung bei der Legalisierung von Prostitution war eigentlich, die Rechtlosigkeit von Prostituierten zu beenden und ihnen Sozialversicherungen zu erm&ouml;glichen.<br \/>  Diese Ziele wurden aber keineswegs erreicht: Laut einem Spiegel-Bericht vom 5. Februar gibt es bundesweit h&ouml;chstens ein Dutzend Arbeitsvertr&auml;ge. Den meisten Frauen waren die Abz&uuml;ge zu hoch, weil sie sowieso schon gezwungen sind, gro&szlig;e Teile ihrer Einnahmen an Zuh&auml;lter abzugeben. Dar&uuml;ber hinaus m&uuml;ssen sie bef&uuml;rchten, f&uuml;r bis zu zehn Jahre r&uuml;ckwirkend Steuern zahlen zu m&uuml;ssen und so finanziell ruiniert zu werden.<br \/>  Was wirklich n&ouml;tig w&auml;re, ist praktische Hilfe, wie zum Beispiel das Ausstiegsprogramm, das eine Mitarbeiterin der Gesundheitsbeh&ouml;rde in Esslingen aufbaute. Dort wurde Frauen der doppelte Sozialhilfesatz ausgezahlt, sie wurden betreut und umgeschult. Durch Hartz IV wird das jetzt nicht mehr m&ouml;glich sein.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Julia Rossi, Hamburg <\/span> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hartz IV macht Zwangsprostitution m&ouml;glich<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[32],"tags":[169],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11190"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11190"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11190\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}