{"id":11177,"date":"2005-02-21T17:40:29","date_gmt":"2005-02-21T17:40:29","guid":{"rendered":".\/?p=11177"},"modified":"2005-02-21T17:40:29","modified_gmt":"2005-02-21T17:40:29","slug":"11177","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/02\/11177\/","title":{"rendered":"Welche Rolle spielt die AUB?"},"content":{"rendered":"<p>Im Zuge des Arbeitskampfes bei Opel Bochum, sind einige der Streikaktivisten in die Organisation AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabh&auml;ngiger Betriebsangeh&ouml;riger) eingetreten. Was verbirgt sich dahinter?<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;<\/span><b>Gelbe Gewerkschaften<\/b>&#x93; <\/p>\n<p>  Ihren Ursprung hat die AUB beim Siemens- Konzern (Quelle: IGM-Bayern). Beim M&uuml;nchener Elekro-Multi gibt es eine lange Geschichte von patriarchaler Sozialpartnerschaft. Soll hei&szlig;en: Die Unternehmensleitung hatte sich zum Ziel gesetzt, den Aufbau von k&auml;mpferischen Gewerkschaften im Betrieb zu verhindern. Dies verfolgte sie mit einer zweigleisigen Strategie. Einerseits wurden von Oben soziale Zugest&auml;ndnisse an die Besch&auml;ftigten gemacht, zum anderen wurden &#x84;alternative Arbeitnehmervertreter&#x93; gef&ouml;rdert. Die Geschichte der Arbeiterbewegung ist voll von solchen Beispielen. All diesen Organisationen ist gemein, dass ihr politischer Ansatz der ist, dass kein grunds&auml;tzlicher Gegensatz zwischen Unternehmer- und Arbeitnehmerinteressen gemacht wird. Die klassische Formel ist:<span style=\"font-style: italic;\">&#x93;Was gut ist f&uuml;r den Chef, ist auch gut f&uuml;r die Mitarbeiter.&#x93;<\/span> Weil die Farbe Rot die traditionelle Farbe der Arbeiterbewegung ist, wurden im 19. Jahrhundert als Gegensatz zu den sozialdemokratischen\/sozialistischen Gewerkschaften die arbeitgebernahen als gelbe, gegnerische Organisationen betrachtet. Ihr Einfluss blieb in den meisten L&auml;ndern &auml;u&szlig;erst beschr&auml;nkt Die AUB steht mit ihrem Programm g&auml;nzlich in dieser Tradition. <\/p>\n<p>  &#x84;<b>Ideologiefrei&#x93;<\/b> <\/p>\n<p>  Mitte der siebziger Jahre begannen bessergestellte Angestellte in der Siemens-Filiale Erlangen damit, die AUB aufzubauen. Im Gegensatz zur IG Metall sah sich die AUB als <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;ideologiefrei&#x93;<\/span>, das hei&szlig;t sie identifiziert sich mit den Interessen der Chefs. Kein Wunder, dass die Organisation vom Konzern geh&auml;tschelt und get&auml;tschelt wurde. Als Belohnung f&uuml;r treue Dienste wurde ein AUB-Betriebsratsvorsitzender 1978 zum leitenden Angestellten bef&ouml;rdert. Der heutige Bundesvorsitzende Wilhelm Schelsky macht keinen Hehl daraus, dass seine Organisation auch von Unternehmern finanziell unterst&uuml;tzt wird. Schelsky selber ist an mehreren Unternehmen beteiligt und arbeitete gar als Unternehmensberater f&uuml;r den Siemens-Konzern! Demenstprechend liest sich auch das Programm der AUB, als Abklatsch wohlvertrauter neoliberaler Phrasen. Da wird die <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Funktion&auml;rsherrschaft und Fremdbestimmung&#x93;<\/span> der Gewerkschaften kritisiert, die keine Ahnung haben von der betrieblichen Realit&auml;t. Zu kurze Arbeitszeiten f&uuml;hren angeblich zu Firmeninsolvenzen und <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;massiver Abwanderung deutscher Arbeitspl&auml;tze<\/span>&#x93; (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.aub.de\/\"><u><font color=\"#000080\">www.aub.de<\/font><\/u><\/a>). Wie BDA, BDI und fast alle Parteien fordert auch die AUB &#x84;betriebliche B&uuml;ndnisse f&uuml;r Arbeit&#x93;, die gesetzlich den Tarifvertr&auml;gen gleichgestellt werden sollen. Die vollst&auml;ndige Zerst&ouml;rung des -eh schon sehr l&ouml;chrigen- Fl&auml;chentarifsystems und damit verbundene Lohnsenkungen w&auml;ren die Folge. Fazit: Die AUB ist eine arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindliche Organisation, deren Politik in Theorie und Praxis dazu f&uuml;hrt, dass die Interessen der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten verraten und verkauft werden. <\/p>\n<p>  <b>DGB und AUB<\/b> <\/p>\n<p>  Die Gewerkschaften kritisieren die AUB zu Recht als Spalter und bek&auml;mpfen sie. F&uuml;r das Erstarken offen gelber Gewerkschaften und der wieder zunehmenden Tendenz hin zu Berufsverb&auml;nden (z.B. Pilotenvereinigung, Lokomotivf&uuml;hrergewerkschaft etc.), die scheinbar besser die Interessen bestimmter Arbeitnehmergruppen vertreten, tr&auml;gt allerdings die F&uuml;hrung der Gewerkschaften die Verantwortung. Vieles f&uuml;r das die IG Metall die AUB kritisiert, macht sie selber mit: Betriebliche B&uuml;ndnisse bei Siemens, Opel, VW, usw. f&uuml;hren dazu, dass massive Lohnk&uuml;rzungen und Arbeitszeitverl&auml;ngerungen .durchkommen. Vor diesem Hintergrund muss man die Entwicklung bei Opel in Bochum sehen. <\/p>\n<p>  <b>Streik bei Opel<\/b><\/p>\n<p>  Die SAV hat aktiv den Streik der Opel-KollegInnen vom Oktober letzten Jahres unterst&uuml;tzt. Wie viele der aktiven KollegInnen halten wir das Vorgehen der IG Metall f&uuml;r Streikbruch und haben dieses &ouml;ffentlich kritisiert. Einzelne aktive KollegInnen, davon zwei, die auch in die WASG eingetreten waren, sahen sich von der IG Metall nicht mehr vertreten und sind in die AUB eingetreten. Wir halten den Eintritt der beiden Kollegen in die AUB f&uuml;r einen politischen Fehler und haben diese, statt sie zu verteufeln und auszugrenzen, versucht davon zu &uuml;berzeugen, dass ihr Schritt falsch ist. Trotz ihres Fehlers bleiben diese Kollegen f&uuml;r uns Kollegen, die ohne die katastrophale Politik der IG Metall-F&uuml;hrung niemals in die AUB getrieben worden w&auml;ren. Im Bezug auf diese Kollegen ist aus unserer Sicht eine inhaltliche Auseinandersetzung und nicht Ausgrenzung angesagt. F&uuml;hrt man diese, wird man feststellen, dass die Positionen der Kollegen wenig mit den AUB-Positionen zu tun haben. <\/p>\n<p>  <b>Opposition in Gewerkschaften aufbauen<\/b> <\/p>\n<p>  Wir werden diese KollegInnen wie alle anderen Basisgewerkschafter davon zu &uuml;berzeugen suchen, in der Gerwerkschaft zu bleiben. Wir d&uuml;rfen die IG Metall, verdi und die anderen DGB-Gewerkschaften nicht den abgehobenen B&uuml;rokraten wie Sommer und Co &uuml;berlassen! Jeder Austritt schw&auml;cht die Arbeiterbewegung und wird es den Unternehmern noch leichter machen mit Entlassungen und Lohnraub durch zu kommen. Wir treten daf&uuml;r ein innerhalb der Gewerkschaften, die kritischen KollegInnen zusammen zu bringen. Es muss eine politische und personelle Alternative zur Gewerkschaftsf&uuml;hrung aufgebaut und so die Gewerkschaftsbewegung von unten erneuert werden. Deshalb beteiligen sich SAV-Mitglieder am Aufbau des &#x84;Netzwerks f&uuml;r eine demokratische und k&auml;mpferische verdi&#x93; sowie der &#x84;Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken&#x93;. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Torsten Sting, IG-Metall-Mitglied aus Rostock<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge des Arbeitskampfes bei Opel Bochum, sind einige der Streikaktivisten in die Organisation AUB (Arbeitsgemeinschaft Unabh&auml;ngiger Betriebsangeh&ouml;riger) eingetreten. Was verbirgt sich dahinter?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11177"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11177"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11177\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11177"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11177"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11177"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}