{"id":11176,"date":"2005-02-17T17:01:53","date_gmt":"2005-02-17T17:01:53","guid":{"rendered":".\/?p=11176"},"modified":"2005-02-17T17:01:53","modified_gmt":"2005-02-17T17:01:53","slug":"11176","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/02\/11176\/","title":{"rendered":"Seit 22 Tagen streiken die KollegInnen bei Eichbaum"},"content":{"rendered":"<p>Interview mit Georg Dohr, Betriebsratsvorsitzender*  bei Eichbaum Mannheim<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Wir haben uns ja letzte Woche schon gesprochen, inzwischen ist der Streik 22 Tage alt. Kannst du uns einen &Uuml;berblick &uuml;ber die wichtigsten Ereignisse der letzten Woche geben? <\/span><br \/> <span style=\"font-weight: bold;\"><\/span><br \/> <span style=\"font-weight: bold;\"><img style=\"width: 116px; height: 157px;\" alt=\"\" src=\"\/media\/2005\/Eichbaum2005-2-17.JPG\" align=\"left\"><\/span>I<span style=\"font-weight: bold;\"><\/span>ch denke, was ganz wichtig ist, ist das was gestern passiert ist. Da haben sich Vertreter der Kirchen eingeschaltet, haben Kontakt aufgenommen und sind gestern in den Betrieb reingegangen und haben mit der Gesch&auml;ftsleitung gesprochen. Und jetzt versprechen wir uns ein St&uuml;ck weit davon, dass es so gelingt, uns alle gemeinsam an einen Tisch zu bringen, das ist also erst mal eine ganz entscheidende Sache. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Du hast dich auch letzte Woche optimistisch dar&uuml;ber ge&auml;u&szlig;ert, da&szlig; sich relativ bald die Auswirkungen des Streiks bemerkbar machen w&uuml;rden in Sachen Produktionsausf&auml;lle. Allerdings hat mir ein Kollege vorhin berichtet, da&szlig; es nun doch so ist, da&szlig; in Bellheim Bier abgef&uuml;llt und als Eichbaum Bier verkauft wird. Wie sieht es also zur Zeit aus was die Auswirkungen des Streiks betrifft? <\/span><\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\"><\/span>&nbsp;Also wir haben jetzt Betriebsbegehungen gehabt, unter anderem mit der Berufsgenossenschaft, und wir stellen fest, da&szlig; drinnen Feder gelassen wurde, sage ich mal; man sieht am Zustand der Anlagen da&szlig; die qualifizierten Leute fehlen. Man sieht auch, da&szlig; die Lagerhallen leer sind. Es holpert im Anlagenlauf. <br \/> Es wurde auch die Information an uns herangetragen, da&szlig; an anderen Brauereistandorten f&uuml;r die Brauerei abgef&uuml;llt wurde, das ist richtig. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Ich habe den Eindruck bekommen, da&szlig; die KollegInnen gro&szlig;en Wert auf Unterst&uuml;tzung aus der Bev&ouml;lkerung legen ? es wurden z.B. Briefe an die Haushalte in Stadtteil verteilt um &uuml;ber den Streik zu informieren. Wie ist die Stimmung unter der Bev&ouml;lkerung bez&uuml;glich des Streiks? <\/span><\/p>\n<p> &nbsp;Das ist etwas was ganz hervorragend l&auml;uft, man kann wirklich sagen, die Menschen interessieren sich, und bei unserer letzten Demonstration durch die Innenstadt hat man festgestellt da&szlig; Leute am Rand stehen bleiben und unsere Flugbl&auml;tter aufmerksam studieren und R&uuml;ckfragen stellen. Wir haben viele Tage Infost&auml;nde gehabt in der Stadt und haben die Leute da informiert. Viele Menschen merken, da&szlig; das ein Thema ist, was eben nicht nur unsere Brauerei angeht, sondern da&szlig; viele Unternehmen Angriffe auf Arbeitnehmer und Arbeitnehmerrechte, Tarifvertragsstrukturen usw. starten. Die Menschen informieren sich also, stellen R&uuml;ckfragen, h&ouml;ren aufmerksam zu, und der Kreis der Solidarit&auml;t ist wirklich gro&szlig;, also wir haben hier jeden Morgen um 8:30 unsere Treffen hier am Werkstor, und da gibt es immer viele Solidarit&auml;tserkl&auml;rungen, ob das von Betriebsr&auml;ten sind oder von Organisationen, die sich auch schon im Detail auskennen, was hier passiert und informiert schon hier herkommen und sich solidarisch zeigen. Auch die Nachbarschaft hier, die immer den L&auml;rm und die Auseinandersetzungen mitkriegt, bleibt bei der Stange f&uuml;r uns, sie h&auml;ngen Transparente von den Balkons, wie man sehen kann ? das ist eine ganz tolle Sache, da&szlig; das l&auml;uft, und das st&auml;rkt uns nat&uuml;rlich enorm, auch psychologisch. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Du hast angesprochen da&szlig; nicht nur hier, sondern auch in anderen Betrieben Angriffe gefahren werden, gegen die Besch&auml;ftigten, die Rechte der Besch&auml;ftigten, gegen die Mitbestimmung usw. Es gab in der letzten Zeit vielfach ein Klima von Einsch&uuml;chterung, da&szlig; vieles kampflos hingenommen wurde, und richtige Arbeitsk&auml;mpfe vielfach nur gef&uuml;hrt wurden, wo Betriebsschlie&szlig;ungen und Arbeitsplatzabbau drohten, w&auml;hrend Lohneinbu&szlig;en und Verschlechterung von Bedingungen kampflos hingenommen wurden. Was sind f&uuml;r dich die Gr&uuml;nde warum die Belegschaft hier bereit ist, gegen Lohneinbu&szlig;en, Verschlechterung von Bedingungen und Angriffe auf die Rechte der Gewerkschaften und der Mitbestimmung zu streiken? <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> <img style=\"width: 201px; height: 151px;\" alt=\"\" src=\"\/media\/2005\/Eichbaum2005-2-17b.JPG\" align=\"right\">Ich denke das liegt daran, da&szlig; wir einerseits eine gute Aufkl&auml;rungsarbeit geleistet haben, und ich denke, da&szlig; die Leute die hier vor dem Tor stehen, nicht nur von Lohneinbu&szlig;en betroffen sind, sondern da&szlig; es um ein gr&ouml;&szlig;eres Konzept geht. <br \/> Es geht darum, diesen Konzern langfristig oder mittelfristig Tarifvertragsfrei zu machen, Mitbestimmungsrechte an den Rand zu dr&auml;ngen, Arbeitnehmerrechte abzubauen und so weiter. Also die Menschen die hier drau&szlig;en stehen sind auch bedroht von der Idee eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Betrieb zu schaffen, und in so fern geht auch eine Spaltung leider durch die Belegschaft, denn manche, die sich nicht dazu entschlossen haben, hier vor dem Werkstor f&uuml;r ihre Rechte einzustehen, sind nicht direkt bedroht von einigen Punkten die sich in den Forderungen der Gesch&auml;ftsleitung finden, zum Beispiel das Thema Zwei-Klassen-Gesellschaft ? da sind in erster Linie die gewerblichen Besch&auml;ftigten davon betroffen, und in sofern hat die Idee der Gesch&auml;ftsleitung, den Spaltkeil in die Belegschaft zu treiben, gezogen, bevor die Tarifauseinandersetzung &uuml;berhaupt begonnen hatte. Das haben die Leute erkannt, die jetzt hier drau&szlig;en stehen. Das sind sicherlich besondere Umst&auml;nde ? alles was man so aus der Wirtschaft kennt was St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck eingef&uuml;hrt oder genommen wird, an Arbeitnehmerrechten und so, kommt bei uns geballt auf ein Mal. Das geht parallel zum einen in den Tarifverhandlungen, da wird versucht, Schale f&uuml;r Schale System&auml;nderungen einzuf&uuml;hren, und parallel dazu eben im Betrieb wird versucht, &uuml;ber Betriebsvereinbarungen eine neue Front aufzubauen. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Letzte Woche hast du gesagt, die Besch&auml;ftigten und der Betriebsrat sind verhandlungsbereit, aber die Gesch&auml;ftsleitung weigert sich an den Verhandlungstisch zur&uuml;ckzukehren. Hat sich das jetzt ge&auml;ndert wo die Auswirkungen des Streiks sich bemerkbar machen? <\/span><\/p>\n<p> Ich finde es unglaublich und es ist f&uuml;r uns unertr&auml;glich, es wird von Tag zu Tag schwerer das hinzunehmen, wie immer wieder behauptet wird von Seiten der Gesch&auml;ftsleitung, es l&auml;ge an der Gewerkschaft. Sie spielen den Ball zur&uuml;ck, die Betriebsr&auml;te oder die Gewerkschaft w&auml;ren nicht verhandlungsbereit. Wir rufen und schreien das eigentlich t&auml;glich hier mit dem Megafon raus und verk&uuml;nden es gegen&uuml;ber der Presse ? wir sind 24 Stunden verhandlungsbereit, st&auml;ndig, jeden Tag, und umgekehrt kommt von Seiten der Gesch&auml;ftsleitung auch &uuml;ber die Presse das Signak ?Die sollen erst mal Wochen da drau&szlig;en stehen, wir r&uuml;cken kein Millimeter von unseren Forderungen ab? ? also f&uuml;r uns ist absolut eindeutig, auf welcher Seite die Verhandlungsbereitschaft fehlt. Ich biete das jetzt auch hiermit noch mal an. Wie gesagt, vielleicht gelingt den Kirchenvertretern das was noch nicht gelungen ist, n&auml;mlich beide Seiten an den Verhandlungstisch zur&uuml;ck zu bringen &#8211; wir haben auch ihnen gegen&uuml;ber gesagt, wir sind ab sofort jederzeit bereit, uns hinzusetzen und zu reden.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Das Interview f&uuml;hrte Se&aacute;n McGinley<br \/> <\/span>(*dient nur zur Kenntlichmachung der Person)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Georg Dohr, Betriebsratsvorsitzender*  bei Eichbaum Mannheim<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11176"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11176"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11176\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}