{"id":11163,"date":"2005-02-09T14:32:47","date_gmt":"2005-02-09T14:32:47","guid":{"rendered":".\/?p=11163"},"modified":"2005-02-09T14:32:47","modified_gmt":"2005-02-09T14:32:47","slug":"11163","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/02\/11163\/","title":{"rendered":"Keine Umsetzung der Prozessvereinbarung! Abbruch der laufenden \r\n      Verhandlungen!"},"content":{"rendered":"<p>  Offener Brief von verdi-Mitgliedern aus Leipzig\/Nordsachsen zu den   aktuellen Verhandlungen &#252;ber den &quot;Tarifvertrag f&#252;r den &#246;ffentlichen   Dienst&quot; (TV&#246;D)<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  An alle Mitglieder der Bundestarifkommission<br \/>( nachrichl. bereits   erhalten: Dr. Karin Eulenberger &#8211; Leipzig, Ralf Zeidler Leipzig,   Katharina M&#246;nch &amp;#x96 Jena)<br \/>an das ver.di Tarifsekretariates   z.Hd. Kurt Martin<br \/>an die Mitglieder des ver.di Bundesvorstandes<br \/>an   Frank Bsirske<\/p>\n<p>Leipzig, den 4.1.2005<\/p>\n<p><b><span><\/b>Liebe   Kolleginnen und Kollegen, <\/span><b><br \/><\/b><br \/>als ver.di-Mitglieder   verschiedener Bereiche aus Leipzig\/Nordsachsen haben wir uns zu dem neu   verhandelten &quot;Tarifvertrag f&#252;r den &#246;ffentlichen Dienst&quot; (TV&#246;D)   informiert und beraten.<\/p>\n<p>Dabei sind wir zu der &#220;berzeugung   gelangt, dass eine Umsetzung dieses Tarifvertrages sofort gestoppt   werden muss. Die Abschaffung des Fl&#228;chentarifvertrages BAT\/BMT-G\/MTArb   darf keine Bundestarifkommission allein entscheiden! Zuerst m&#252;ssen alle   Gewerkschaftsmitglieder &#252;ber die neuen Regelungen aufgekl&#228;rt werden und   dann abstimmen.<\/p>\n<p>Das &quot;Verhandlungsergebnis&quot; bringt keine   Verbesserung, sondern Verschlechterungen insbesondere f&#252;r alle Familien   mit Kindern, geringer Verdienende, &#228;ltere Besch&#228;ftigte. Ist das sozial   und solidarisch? F&#252;r die Verbesserung der Lebensbedingungen, Lohn und   Arbeitszeit sind wir mit unseren KollegInnen in unserer Gewerkschaft   organisiert. Eine Verschlechterung ist kein Ziel gewerkschaftlichen   Handelns. Im Gegenteil: Dadurch werden die Massenaustritte noch   beschleunigt und keine neuen Mitglieder gewonnen. Unsere Gewerkschaft   wird so existentiell bedroht.<\/p>\n<p>Um welche Verschlechterungen geht   es konkret:<\/p>\n<p><i><span><\/i>1. Streichung aller Sozialzuschl&#228;ge <\/span><br \/> Die Ortszuschl&#228;ge in der heutigen Form werden aufgel&#246;st. Alle   Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten unabh&#228;ngig von ihrem   Familienstand einen Zuschlag. Dabei werden jedem Besch&#228;ftigten pauschal   0,66 Kinder zugerechnet, egal ob mit oder ohne Kinder. Besch&#228;ftigte mit   Kindern werden weniger Geld zum Leben haben.<\/p>\n<p><i><span><\/i>2.   Wegfall bisheriger Lebensaltersstufen und Bew&#228;hrungsaufstiege <\/span><i><br \/><\/i> Lebensalter bedeutet Lebenserfahrung &amp;#x96 dies wurde durch bisheriges   Tarifrecht ber&#252;cksichtigt. Jetzt sollen nur noch 6 Stufen des   finanziellen Aufstiegs gelten, wobei ab Stufe 3 auch noch individuell   bestimmt. Die neuen Eingruppierungsrichtlinien stehen noch nicht einmal   fest. Klar ist nur: neu eingestellte ArbeitnehmerInnen verdienen bis auf   einzelne Ausnahmen weniger. Die angeblich neue Einheitlichkeit des   Tarifrechts wird zu einer Spaltung der Belegschaft f&#252;hren.<\/p>\n<p><i><span><\/i> 3. Einf&#252;hrung von leistungsbezogenen Entgeltbestandteilen <\/span><i><br \/><\/i> Wird in einer Tarifrunde Lohnerh&#246;hung erk&#228;mpft, so soll diese nur zum Teil   ausgezahlt werden. Der Rest bleibt in der Verf&#252;gung des Arbeitgebers,   der &quot;leistungsbezogen&quot; verteilt. Aus der freien Wirtschaft ist bekannt,   leistungsbezogene Entgelte sind immer subjektiv und arbeitgeberbestimmt.   Sie f&#252;hren zu ungerechten, zweifelhaften Lohnverteilungen. Die   ArbeitnehmerInnen verlieren die Kontrolle &#252;ber ihr Einkommen.<br \/><i><span><\/i><br \/> 4. Einf&#252;hrung von Tabellenspreizungen und eines Niedriglohnsektors <\/span><i><br \/><\/i> Gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit, das hei&#223;t, die sofortige Angleichung von Ost   an West wird auch in dieser Tarifrunde nicht erf&#252;llt. Im Gegenteil: Mit   der Einf&#252;hrung von Tabellenspreizungen kann der &#246;ffentliche Arbeitgeber   regional von den Tarifl&#246;hnen nach unten abweichen. Die Gefahr besteht,   dass im &#214;ffentlichen Dienst bald &#252;berall weniger Einkommen als heute   gezahlt wird. Der Lohn wird so nicht auf das bisherige Niveau des   Westens angehoben, sondern auf das niedrigere des Ostens abgesenkt.   Weiterhin soll ein neuer Niedriglohnsektor im Schnitt 300 Euro unter der   bisherigen Untergrenze eingef&#252;hrt werden. Damit verlieren die am   wenigsten Verdienenden am meisten.<br \/><i><span><\/i><br \/>5. Abschaffung   des K&#252;ndigungsschutzes <\/span><i><br \/><\/i>Der K&#252;ndigungsschutz nach   15 Besch&#228;ftigungsjahren und zus&#228;tzlich f&#252;r Besch&#228;ftigte jenseits des 40.   Lebensjahres wurde gar nicht erst auf den Osten &#252;bertragen und soll   jetzt auch f&#252;r Neueinstellungen im &#246;ffentlichen Dienst im Westen   abgeschafft werden.<\/p>\n<p><i><span><\/i>6. Verl&#228;ngerung der Arbeitszeit <\/span><br \/> Bis zu 45 Stunden pro Woche und 12 Stunden am Tag sollen als Arbeitszeit   erlaubt sein. Die &#220;berstundenzuschl&#228;ge entfallen, der Ausgleichszeitraum   ist auf ein Jahr verl&#228;ngert. Die Folgen werden sein: erh&#246;hter Stress f&#252;r   ArbeitnehmerInnen und Abbau weiterer Arbeitspl&#228;tze. Au&#223;erdem w&#252;rden   damit die Arbeitszeitverl&#228;ngerungen f&#252;r ArbeitnehmerInnen der L&#228;nder und   BeamtInnen im Nachhinein akzeptiert.<br \/>Lohnabsenkung und   Flexibilisierung &#246;ffnen den &#214;ffentlichen Dienst der Konkurrenzlogik. Sie   setzen eine Abw&#228;rtsspirale der L&#246;hne auch in den schon privatisierten   Bereichen in Gang. Zus&#228;tzlich drohen mit der Zerst&#246;rung des   BAT\/BMT-G\/MTArb weitere Privatisierungen im &#214;ffentlichen Dienst. Damit   wird der Abbau &#246;ffentlicher Daseinsvorsorge weiter und schneller   vorangetrieben. Es kann jedoch nicht Aufgabe der Gewerkschaft sein,   Privatisierungen und Abbau &#246;ffentlicher Leistungen auf diese Weise zu   erm&#246;glichen und zu begleiten. Nur erfahrene und kampfstarke   Belegschaften bieten Schutz gegen weitere Privatisierungen.<\/p>\n<p><b><span><\/b> Liebe Kolleginnen und Kollegen, <\/span><b><br \/><\/b><br \/>die Neufassung des   Tarifvertrages im &#246;ffentlichen Dienst ist keine Verbesserung, sondern   die Zerst&#246;rung des einheitlichen Fl&#228;chentarifvertrages im &#246;ffentlichen   Dienst!<br \/>Es gibt keinerlei Anlass, f&#252;r diese Verschlechterungen dem   &#246;ffentlichen Arbeitgeber die Hand zu reichen und auch noch auf die   K&#252;ndigung der Entgeltvertr&#228;ge zu verzichten. Solange die   Entgelttarifvertr&#228;ge nicht gek&#252;ndigt sind, stehen die Besch&#228;ftigten der   L&#228;nder allein, die bereits durch die Streichung der Sonderzahlungen und   die Arbeitszeitverl&#228;ngerung angegriffen wurden. Ein Reallohnverlust   besteht f&#252;r die Besch&#228;ftigten des &#214;ffentlichen Dienstes ohnehin schon.   Deshalb bedeutet der Verzicht auf eine Lohnforderung eine   Verschlechterung f&#252;r alle.<br \/>Wir wissen, was wir mit dem jetzigen   BAT\/BMT-G\/MTArb haben!<br \/>Wir wissen, was wir verlieren!<\/p>\n<div align=\"left\">  <\/div>\n<div align=\"center\">\n<div align=\"left\">    <b><span>    <\/b>Deshalb fordern wir: <\/span>Stopp der Umsetzung derProzessvereinbarung! Abbruch der noch laufenden Verhandlungen!<\/p>\n<p>    Umfassende Aufkl&#228;rung und gewerkschaftliche Diskussion mitabschlie&#223;ender demokratischer Abstimmung aller Kolleginnen undKollegen!<\/p>\n<p>K&#252;ndigt die Entgelttarifvertr&#228;ge und mobilisiert dieBesch&#228;ftigten von Bund, L&#228;ndern und Kommunen gemeinsam f&#252;r eineVerbesserung der Einkommen und eine R&#252;cknahme aller bisherdurchgef&#252;hrten Verschlechterungen!<\/p>\n<p>So werden sich dieBesch&#228;ftigten wieder von ihrer Gewerkschaft vertreten f&#252;hlen. Nur sostoppen wir Massenaustritte und st&#228;rken unsere gewerkschaftlicheEinheit und Widerstandskraft!  <\/div>\n<p>  <\/div>\n<p><i><span><\/i>Mit kollegialen Gr&#252;ssen f&#252;r ein gemeinschaftliches gewerkschaftliches Engagement! <\/span><i><br \/><\/i><b><br \/><span><\/b>ErstunterzeichnerInnen: <\/span><\/p>\n<p><i><span><\/i> Bodo Alpert (FB VII, Vors. d. FG Feuerwehr Leipzig Nordsachsen) <\/span><i><br \/><span><\/i> Gerhard Avanzini (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Hans-J&#246;rg Barthel (FB II, Vors. d. PR Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i> Gunter Bichel (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Heike B&#246;hm (FB V, Hochschulgruppe Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Michael Borngr&#228;ber (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Jens Cornelius (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Thomas Dolnitzki (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Bernd Demut (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Hilmar Geiger (FB II, stellv. Vorsitzender d. PR Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i> Diana Heinze (FB II, Mitgl. der JAV d. Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i> Manuela Haubold (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Babett Jantke (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Fernando Joaquim (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Ilona Kahl (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Michael Kaufmann (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Matthias Kienzler (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Fritz K&#246;nig (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Gert Kutzschke (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Doris Langer (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Vieira Malua (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Cornelia Matzke (FB III, &#196;rztin) <\/span><i><br \/><span><\/i>Ingmar Meinike (FB V, Universit&#228;t Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Annett Mett (FB III, Mitgl. d. PR d. Landesklinik Hubertusburg) <\/span><i><br \/><span><\/i>Michael Miller (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Kathrin Mittmann (stellv. Vorsitzende d. JAV d. Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Diana Rasser (FB II, Ersatzmitgl. d. PR d. Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i> Ute Reinsdorf (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Andr&#233; Sachse (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Peter Schwartz (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Kathrin Stoever (FB III, Mitgl. d. PR d. Universit&#228;tsklinikum Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i> Frank T&#246;pfer (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Ramona Uhlemann (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Christoph W&#228;lz (FB V, Hochschulgruppe Uni Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i> Bernd Wiesner (FB II, Stadtreinigung Leipzig) <\/span><i><br \/><span><\/i>Sebastian Will (FB III, Vorsitzender d. PR d. Universit&#228;tsklinikums) <\/span><i><br \/><span><\/i> Karl-Heinz Zimmermann (FB II, Mitgl. d. GPR d. Stadt Leipzig) <\/span><\/p>\n<p><b><span><\/b> Kontakt: <\/span><a href=\"mailto:heikeboehm1@aol.com\">Heike B&#246;hm<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Offener Brief von verdi-Mitgliedern aus Leipzig\/Nordsachsen zu den<br \/>\n      aktuellen Verhandlungen &#252;ber den &quot;Tarifvertrag f&#252;r den &#246;ffentlichen<br \/>\n      Dienst&quot; (TV&#246;D)\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,18],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11163"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11163"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11163\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11163"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11163"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11163"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}