{"id":11144,"date":"2005-02-01T13:13:09","date_gmt":"2005-02-01T13:13:09","guid":{"rendered":".\/?p=11144"},"modified":"2005-02-01T13:13:09","modified_gmt":"2005-02-01T13:13:09","slug":"11144","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/02\/11144\/","title":{"rendered":"Neue Kriege sind in Vorbereitung"},"content":{"rendered":"<p>Die M?nchner ?Sicherheitskonferenz? am 12. Februar ist eine Kriegstagung<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSchon bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs warnte Bertolt Brecht den ?V&ouml;lkerkongress f&uuml;r den Frieden?: ?Der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller &Ouml;ffentlichkeit vorbereiten, nicht die H&auml;nde zerschlagen werden!?<br \/> Neue Kriege werden vorbereitet. Hier und heute. Und das &ouml;ffentlich: Am zweiten Februarwochenende tagen Repr&auml;sentanten von Milit&auml;r, Politik und R&uuml;stungslobby im M&uuml;nchner Nobelhotel Bayrischer Hof.<br \/> Neben den offiziellen NATO-Ratstagungen ist die allj&auml;hrliche M&uuml;nchner ?Sicherheitskonferenz? die weltweit gr&ouml;&szlig;te Milit&auml;rtagung. Hier werden Angriffskriege wie der NATO-Krieg 1999 gegen Jugoslawien geplant, hier tummeln sich alle ranghohen Vertreter des milit&auml;risch-industriellen Komplexes von Nordamerika und Westeuropa. Seit geraumer Zeit werden auch einzelne Regierungen und Unternehmer aus Osteuropa, Russland und dem Nahen Osten eingeladen.<br \/> Noch ist der US-Imperialismus die international dominierende &ouml;konomische und milit&auml;rische Macht. Im US-Budget stehen j&auml;hrlich 400 Milliarden US-Dollar bereit, alle EU-Staaten zusammen kommen nicht mal auf die H&auml;lfte dessen. Aber die Kapitalisten Westeuropas sitzen l&auml;ngst auf Kohlen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Aufr&uuml;stung in Europa<\/span><\/p>\n<p> Die neue EU-Verfassung ist in der Geschichte einmalig. Zum ersten Mal wird in einer Verfassung die Verpflichtung zur kontinuierlichen Aufr&uuml;stung festgeschrieben. Im November vergangenen Jahres wurde vereinbart, ?battlegroups? einzurichten ? schnell einsetzbare Kampfverb&auml;nde der EU von rund 1.500 Soldaten mit einer Reichweite von 6.000 Kilometern, die also weit au&szlig;erhalb des EU-Territoriums agieren sollen. Zuvor war bereits die Schaffung einer 60.000 Soldaten starken ?Schnellen Eingreiftruppe? beschlossen worden.<br \/> Neue Kriege brauchen neue Waffen. Um mit der US-Konkurrenz ann&auml;hernd Schritt zu halten, haben europ&auml;ische R&uuml;stungskonzerne unter F&uuml;hrung deutscher und franz&ouml;sischer Unternehmen nach dem Jugoslawien-Krieg 1999 ihre Kr&auml;fte geb&uuml;ndelt, und mit EADS einen gemeinsamen R&uuml;stungskonzern aus der Taufe gehoben.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Kapitalistische Krise<\/span><\/p>\n<p> An die Stelle des sogenannten Kalten Krieges trat keine &Auml;ra des Weltfriedens, sondern der Beginn einer neuen R&uuml;stungsspirale. Dazu zwingt die heutige Krise des kapitalistischen Systems. W&auml;hrend die Arbeiterklasse im eigenen Land weiter ausgepresst werden soll, gilt es gleichzeitig, die Profitkrise mit allen ? und damit auch mit milit&auml;rischen ? Mitteln zu &uuml;berwinden. Da die M&auml;rkte und Rohstoffe der Welt unter den imperialistischen Staaten weitgehend aufgeteilt sind, bedeutet das den Kampf um eine imperialistische Neuaufteilung.<br \/> Die R&uuml;stungsindustrie ist die einzige Branche, in der von den Auf- und Abschw&uuml;ngen der Marktwirtschaft weitgehend unbeeinflusst produziert wird; in der die Investitionen sogar steigen k&ouml;nnen, wenn es mit der ?Wirtschaft? bergab geht. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs konstatierte Rosa Luxemburg: ?In Gestalt der militaristischen Auftr&auml;ge des Staates wird die zu einer gewaltigen Gr&ouml;&szlig;e konzentrierte Kaufkraft (&#8230;) der Willk&uuml;r, den subjektiven Schwankungen der pers&ouml;nlichen Konsumtion entr&uuml;ckt und mit einem rhythmischem Wachstum begabt.?<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Zwischenimperialistische Konflikte<\/span><\/p>\n<p> Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Spannungen zwischen den imperialistischen Kr&auml;ften auf Grund des Ost-West-Gegensatzes im Zaum gehalten. Mit dem Zusammenbruch des Stalinismus zeigen sich die Konflikte innerhalb des kapitalistischen Lagers ? vor dem Hintergrund des fortgesetzten &ouml;konomischen Niedergangs ? immer deutlicher.<br \/> Die EU ist f&uuml;r die europ&auml;ischen Kapitalistenklassen ein Zweckb&uuml;ndnis. Der Wirtschaftsblock EU bietet deutschen oder franz&ouml;sischen Unternehmern gr&ouml;&szlig;ere Absatzm&auml;rkte. Der Milit&auml;rblock EU hilft den einzelnen europ&auml;ischen L&auml;ndern, die auf sich gestellt im Wettr&uuml;sten mit den USA schnell ins Hintertreffen geraten w&uuml;rden.<br \/> In den neunziger Jahren waren einige afrikanische L&auml;nder Schauplatz f&uuml;r Stellvertreterkriege zwischen den USA und gerade dem franz&ouml;sischen Imperialismus. Dann gingen die Regierungen Schr&ouml;der und Chirac im Irak-Krieg offener als zuvor auf Distanz zum Wei&szlig;en Haus (da f&uuml;r sie in diesem Krieg nicht viel zu holen war). Diese Auseinandersetzung um das ?alte? (Deutschland und Frankreich) und das ?neue Europa? (die L&auml;nder Osteuropas) setzte sich danach weiter fort. Die herrschende Klasse der USA signalisierte mehrfach, dass sie zum Beispiel den Balkan oder Polen dem deutschen Kapital nicht kampflos &uuml;berlassen will.<br \/> Unterschiedliche Interessen widerspiegeln auch die jeweiligen Verh&auml;ltnisse zu China. Auf dem europ&auml;isch-chinesischen Gipfeltreffen im Dezember 2004 in Den Haag dr&auml;ngte Deutschland, unterst&uuml;tzt von Frankreich, erfolgreich auf eine Absichtserkl&auml;rung, das nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 verh&auml;ngte Waffenembargo gegen China wieder aufzuheben. Demgegen&uuml;ber argumentieren die USA, dass damit die Stellung Taiwans als US-Verb&uuml;ndeten in der Region untergraben w&uuml;rde.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Konflikte innerhalb der EU<\/span><\/p>\n<p> Die EU ist alles andere als homogen. W&auml;hrend Frankreich auf Konfrontation mit den USA aus ist, sieht die herrschende Klasse Gro&szlig;britanniens nur in der Partnerschaft eine Perspektive. Dementsprechend setzt das franz&ouml;sische Kapital darauf, mit der EU einen starken, mit den USA und der NAFTA erfolgreich konkurrierenden Wirtschaftsblock aufzubauen, w&auml;hrend Gro&szlig;britannien f&uuml;r eine Politik des Freihandels eintritt. Das deutsche Establishment schwankte in der Vergangenheit zwischen diesen beiden Polen, hat sich mittlerweile aber klar auf die Seite Frankreichs geschlagen.<br \/> Die unterschiedlichen Positionen zeigten sich nicht nur im Vorfeld des Irak-Kriegs, sondern auch im Hinblick auf EADS. W&auml;hrend sich ein Gro&szlig;teil der europ&auml;ischen R&uuml;stungskonzerne zu EADS zusammentaten, spekuliert British Aerospace darauf, dass ihm als Juniorpartner der US-R&uuml;stungslobby gr&ouml;&szlig;ere Profite winken.<br \/> J&uuml;ngster Konfliktfall ist die Frage einer Mitgliedschaft der T&uuml;rkei in der EU.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Deutscher Imperialismus<\/span><\/p>\n<p> Parallel zu den Streitigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland auf der einen und Gro&szlig;britannien auf der anderen Seite vollziehen sich aber auch Konflikte um die F&uuml;hrungsrolle der EU innerhalb des deutsch-franz&ouml;sischen Lagers.<br \/> Nachdem die Bundesrepublik jahrzehntelang ein wirtschaftlicher Riese, jedoch ein milit&auml;rischer Zwerg war, strebt das deutsche Kapital heute eine f&uuml;hrende, eigenst&auml;ndige Rolle auf Weltebene an. Egon Bahr (SPD) plauderte in einem Interview mit der rechtsextremen Jungen Freiheit unl&auml;ngst: ?Wir m&uuml;ssen lernen, wieder eine normale Nation zu sein.? Das ist Begleitmusik f&uuml;r die Forderung nach einem festen Platz im UN-Sicherheitsrat.<br \/> In Deutschland werden f&uuml;r neue R&uuml;stungsprogramme in den n&auml;chsten zehn Jahren 150 Milliarden Euro veranschlagt. Mit dem Jugoslawien-Krieg 1999 und dem Afghanistan-Krieg 2001 war die BRD zum ersten Mal seit 1945 an Angriffskriegen beteiligt. Und das unter Rot-Gr&uuml;n. Seit dem Regierungsantritt von Schr&ouml;der\/Fischer 1998 verzehnfachte sich die Pr&auml;senz deutscher Soldaten im Ausland. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lobte SPD-Verteidigungsminister Struck: ?Sein zu-n&auml;chst beil&auml;ufiges Wort, Deutschland werde auch am Hindukusch verteidigt, wird jetzt zur neuen Dokrin der deutschen Streitkr&auml;fte? (27. April 2003). Die Bundeswehr wird in eine Interventionsarmee umgewandelt.<br \/> <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Ausblick<\/span><\/p>\n<p> Die Herrschenden von Deutschland und Frankreich schrecken davor zur&uuml;ck, mit dem US-Imperialismus auf v&ouml;llige Konfrontation zu gehen. Zum einen f&uuml;rchten sie Handelsbarrieren und wollen sich nicht den Zugang zu den USA als bedeutendem Absatzmarkt verbauen. Zum anderen kalkulieren sie, dass sie mit einer teilweisen Kollaboration mit der m&auml;chtigsten milt&auml;rischen Macht der Welt besser fahren, als wenn sie ausschlie&szlig;lich auf eigene Faust vorgehen w&uuml;rden.<br \/> Vor zwei Jahren, am 15. Februar 2003, fanden weltweit Massendemonstrationen gegen die drohende Bombardierung des Irak statt. Nie zuvor waren international an einem Tag mehr Menschen gemeinsam auf die Stra&szlig;e gegangen. Seitdem haben gerade auch in Deutschland immer mehr ArbeiterInnen und Jugendliche erkannt, dass wir an zwei Fronten k&auml;mpfen m&uuml;ssen: gegen Militarismus, aber auch gegen den sozialen Kahlschlag. Beides dient den Kapitalisten, die Krise dieses Systems auf Kosten der Arbeiterklasse auszutragen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">von Aron Amm, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die M?nchner ?Sicherheitskonferenz? am 12. 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