{"id":11140,"date":"2005-01-20T17:53:14","date_gmt":"2005-01-20T17:53:14","guid":{"rendered":".\/?p=11140"},"modified":"2005-01-20T17:53:14","modified_gmt":"2005-01-20T17:53:14","slug":"11140","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/01\/11140\/","title":{"rendered":"Sri Lanka &#8211; Das Leben nach dem Tsunami"},"content":{"rendered":"<p>Ein grausames Bild der Verw&uuml;stung nimmt langsam Gestalt an und l&auml;&szlig;t uns nicht los.<\/p>\n<p>  <i>Bericht von Siritunga Jayasuriya, Generalsekret&auml;r der United Socialist Party (cwi in Sri Lanka)<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nVor dem Hintergrund der 40.000 gemeldeten Toten in Sri Lanka hat die United Socialist Party auch bei den eigenen Kr&auml;ften gro&szlig;e Verluste erlitten. Auf der Sitzung des Vorstands am letzten Samstag wurde gemeldet, dass obwohl keine Mitglieder der Partei ihr Leben verloren, mindestens 86 Unterst&uuml;tzerInnen der USP beim Tsunami ums Leben kamen.<\/p>\n<p>  Am st&auml;rksten betroffen war der &ouml;stliche Teil der Insel, die gr&ouml;&szlig;te Stadt dort, Pottuvil, erlebt die schlimmste Katastrophe seit Menschengedenken. Fast 2000 H&auml;user wurden restlos hinweggefegt. Die S&uuml;dwestk&uuml;ste wurde bis zu 30 Minuten sp&auml;ter getroffen. Angesichts der modernen Kommunikationsmittel und des wissenschaftlichen Fortschrittes h&auml;tte die ganze Katastrophe und die vielen Todesopfer durch eine einfache Warnung und eine Evakuierung der Region vermieden werden k&ouml;nnen. Aber die b&uuml;rokratische Pfuscherei und der fehlende Einsatz der Wissenschaft f&uuml;r das Gemeinwohl haben daf&uuml;r gesorgt, dass eine Katastrophe von gigantischen Ausma&szlig;en, durch die Vers&auml;umnisse des Kapitalismus verschlimmert, sich ereignen mu&szlig;te.<\/p>\n<p>  Besonderen Dank geb&uuml;hrt den aufopferungsvollen und heroischen GenossInnen der United Socialist Party in Pottuvil. Bereits wenige Stunden nach der Katastrophe handelten sie um Menschen in den Tr&uuml;mmern und dem Sumpf, die das Tsunmai hinterlassen hatten, vor dem Tod zu retten.<\/p>\n<p>  Die USP in Pottuvil retteten 120 Familien vor dem Tod in dem sie auf eine durch die Flut geschaffene Insel gingen, w&auml;hrend die einzige Br&uuml;cke durch das Wasser<br \/>  abgeschnitten wurde. Unter der Leitung des Genossen Abdul Jabbar, bauten sie schnell notd&uuml;rftige Katamarane um auf die andere Seite zu gelangen. Sie brachten Essen und Wasser f&uuml;r die vielen Kinder, Frauen und &auml;ltere Menschen, die dort festsa&szlig;en und retteten sie so vor dem Verhungern. Nur durch diesen Einsatz der USP wurden die Regierungsorganisationen die an den Hilfseins&auml;tzen beteiligt waren, dazu gezwungen, auch in diese Gegenden zu gehen, um Hilfe zu leisten.<\/p>\n<p>  Der gr&ouml;&szlig;te Teil des Ostens von Sri Lanka ist historisch gesehen ein sehr armes und vernachl&auml;ssigtes Gebiet gewesen. Die Bev&ouml;lkerung besteht gr&ouml;&szlig;tenteils aus Tamilisch-sprachigen Muslimen. W&auml;hrend des Krieges der letzten 20 Jahren wurden diese Menschen weder vom S&uuml;den akzeptiert, weil sie Tamilisch sprechen, noch vom Norden, weil sie Muslime sind. Obwohl das Tsunmai erst mit einer Verz&ouml;gerung von 30-40 Minuten den S&uuml;den und Westen traf, war es dort so zerst&ouml;rerisch wie sonst &uuml;berall. Weil die S&uuml;dk&uuml;ste, angefangen s&uuml;dlich von Colombo (Morotuwa) bis nach Hambantota, wo auch das nationale Tierschutzgebiet in Yala liegt, das Tourismusgebiet ist, waren viele &auml;rmere Menschen an eben diesen K&uuml;sten des Indischen Ozeans, um zu versuchen, sich vom Tourismus ein Lebensunterhalt zu verdienen. Nach der Katastrophe ist es Mode geworden, zu sagen, die Menschen h&auml;tten gewu&szlig;t da&szlig; sie sich in der Gefahrenzone befinden, weniger als 100 Meter vom Wasser entfernt. Aber was sollten sie sonst tun? Sie werden gezwungen ihr Leben zu riskieren und nah am Meer zu wohnen, entweder um vom Fischfang zu leben oder weil sie handgemachte Andenken wie traditionelle Masken und &auml;hnliches an Touristen verkaufen. Die Zerst&ouml;rung ist unvorstellbar. Mittelgro&szlig;e Boote, die zum Fischen verwendet wurden, wurden auf die Stra&szlig;e geschleudert. H&auml;user in denen Menschen wohnten wurden in Tr&uuml;mmerhaufen verwandelt. Der Anblick von Kinderspielzeug, Kleidung und B&uuml;cher, die in der Luft h&auml;ngen, an B&auml;umen oder im Geb&uuml;sch zerstreut, ist allgegenw&auml;rtig.<\/p>\n<p>  Der nun ber&uuml;chtigte Ungl&uuml;ckszug &#x93;Samudra Devi&#x94; (&#x93;K&ouml;nigin der Meere&#x94;) begann seine Fahrt von Colombo nach Matara an diesem schicksalhaften Tag ohne jede Warnung. Es war sogar so, dass der Lokf&uuml;hrer w&auml;hrend der Fahrt bereitwillig damit einverstanden war, dass Menschen, die bereits betroffen wurden, und auf der Flucht waren, in den Zug einsteigen durften. Aber als der Zug sich Akurala in der N&auml;he von Hikkaduwa n&auml;herte, traf eine riesige Welle den Zug aus dem Nichts, und schleuderte den Zug mitsamt 12 Waggons und den Schienen hundert Meter weit. Mindestens 95% der 2000 Reisenden kamen ums Leben. Viele Passagiere versuchten mit ihren Handys Hilfe zu holen, doch ohne Erfolg.<\/p>\n<p>  Die Regierungskr&auml;fte wie Polizei und Medizinische Versorgung brauchten volle 24 Stunden um den Ungl&uuml;cksort zu erreichen. Wenn eine schnellere Rettung aus der Luft gekommen w&auml;re, h&auml;tten viele Menschenleben gerettet werden k&ouml;nnen. Es wird behauptet, da&szlig; die Verz&ouml;gerung beabsichtigt war, weil die Polizei und andere &ouml;rtliche Gr&ouml;&szlig;en damit besch&auml;ftigt waren, sich durch pl&uuml;ndern und Raub von den Opfern zu bereichern. Die Regierung verabschiedete dann ein Beschlu&szlig;, wonach alle Leichen aus dem Zug verbrannt werden sollten.<br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Zerst&ouml;rung und Diskriminierung im S&uuml;den<\/span><\/p>\n<p>  Die USP hat sich besonders angestrengt um betroffene Gebiete im Norden zu besuchen, zusammen mit einer Gruppe von anderen Linken, NGOs und der Presse. Die USP begab sich nach Mullathivu um sich ein Bildvon der Zerst&ouml;rung zu machen, die die Flutwelle f&uuml;r die ohnehin schon unter dem Krieg leidende Tamilische Bev&ouml;lkerung gebracht hatte.<\/p>\n<p>  Es mu&szlig; betont werden da&szlig; dies nicht der erste Besuch der USP in dieser Region seit der Waffenruhe war. Die USP hatte sich Glaubw&uuml;rdigkeit erarbeitet als eine politische Partei f&uuml;r alle arbeitenden Menschen in dem sie auch in dieser Region bei den letzten Wahlen mit einem sozialistischen Programm angetreten ist.<\/p>\n<p>  Die Besuchsdelegation ging zun&auml;chst nach Jaffna und wurde von der politischen F&uuml;hrung der LTTE (Liberation Tamil Tigers of Eelam) empfangen. Bei der Tamil <br \/>  Rehabilitation Organisation (TRO) hatten wir solidarische Diskussionen um uns &uuml;ber das Ausma&szlig; der Zerst&ouml;rung zu informieren und auch &uuml;ber die Diskriminierung bez&uuml;glich der Versorgung mit Hilfsg&uuml;tern auf der n&ouml;rdlichen Halbinsel. Um diesen durch Krieg gebeutelten Menschen noch Salz in die Wunde zu streuen, wird die Entscheidung der Regierung, die Armee mit der Leitung der Hilfscamps zu beauftragen, als Affront gegen die Tamilische Bev&ouml;lkerung empfunden.<\/p>\n<p>  Unsere Delegation hatte keine M&uuml;he, Zugang zu den bisherigen Kriegsgebieten zu bekommen. Die Tamilischen Beh&ouml;rden, die f&uuml;r den Norden zust&auml;ndig sind, hinderten uns nicht dabei, unsere Arbeit zur Hilfe der Menschen zu machen. Die schwierigste Reise war die in den Dschungeln von Mullathivu, die als Hochburg der LTTE gelten, wobei gesagt werden mu&szlig;, dass die Menschen im allgemeinen und die LTTE im besonderen durch die Flutwelle gro&szlig;e Verluste erlitten haben. Die ganze Stadt Mullathivu, ehemals die wohlhabendste Fischereistadt des Nordens, wurde v&ouml;llig hinweggefegt. Alle Geb&auml;uden, Schulen, und H&auml;user sind im Meer gelandet. Es gibt kein Anzeichen der Besiedelung an dem Ort den man Mullathivu nannte. Das Ausma&szlig; der Zerst&ouml;rungskraft des Tsunami kann man anhand der abgeknickten B&auml;ume sehen, die fr&uuml;her 10 Meter hoch waren.<\/p>\n<p>  W&auml;hrend die Flutwelle den Sinhalesichen, Tamilischen und Muslimischen &#8222;arbeiteten Armen&#8220;, die vorher &#8222;gl&uuml;cklich&#8220; an den K&uuml;sten des Indischen Ozeans lebten, Tod und Zerst&ouml;rung gebracht hat, versuchen die Reichen und die Elite, ihre eigene Krise mittels des Tsunami zu l&ouml;sen.<\/p>\n<p>  Die Regierung Sri Lankas war am Rande eines finanziellen Abgrundes. Sie hatten nur noch f&uuml;r drei Wochen genug Devisen, um Au&szlig;enhandel zu betreiben.<br \/>  Die Regierung hatte kein Geld, um die versprochenen Lohnerh&ouml;hungen im &ouml;ffentlichen Dienst zu bezahlen. Die Zahlung der Zinsen auf Schulden in H&ouml;he von $55 Millionen standen an, und schwebten &uuml;ber die K&ouml;pfe der Regierung von Chandrika Kumarasinga. Die Flutwelle hat sich im Nachhinein als Segen f&uuml;r diese SLFP-gef&uuml;hrte, v&ouml;lkische, JVP-infizierte Regierung erwiesen.<\/p>\n<p>  Obwohl die internationalen Medien vom schnellen Wideraufbau reden, ist nichts konkretes angefangen worden. Die eigentliche Hilfe f&uuml;r die Betroffenen ist vor Ort noch nicht sichtbar. Die ausl&auml;ndischen Gelder und medizinische Hilfe die kommen, werden von JVP- und SLFP-Leuten in ihre eigenen Gebiete umgeleitet, um ihren Einflu&szlig; dort zu vergr&ouml;&szlig;ern. Aber die Erleichterung auf den Finanzm&auml;rkten ist so stark da&szlig; die schwache W&auml;hrung Sri Lankas, die dramatisch gefallen war, sich in der letzten Woche um 20% gegen&uuml;ber dem britischen Pfund und um 10% gegen&uuml;ber dem US-Dollar erholt hat, aufgrund des massiven Zuflusses der ausl&auml;ndischen Hilfsmittel.<\/p>\n<p>  Diese kapitalistische Regierung, gest&auml;rkt durch die Flutwelle, hat bereits mit versteckten Kriegsspielen angefangen. W&auml;hrend es alleine schon schlimm genug ist, die Armee mit der Leitung der Hilfscamps zu beauftragen, ist die Einladung an die Amerikanische, Britische und Indische Armeen, unter dem Deckmantel der Katastrophenhilfe nach Sri Lanka zu kommen, nichts anderes als eine indirekte Kriegserkl&auml;rung gegen alle Sinhalesischen, Tamilischen und Muslimischen Menschen.<\/p>\n<p>  Dieses schwache, kapitalistische Regime Sri Lankas befindet sich auf einem gef&auml;hrlichen und selbstzerst&ouml;rerischen Kurs, unf&auml;hig die fundamentalen Probleme der Bev&ouml;lkerung wie Armut, Krankheit, Mangel an guten und sicheren Wohnungen oder Arbeitslosigkeit zu l&ouml;sen. Historisch und aktuelle verl&auml;&szlig;t es sich auf die imperialistischen Kr&auml;fte um an ihrer Stelle zu handeln.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">In dieser kritischen Phase der Geschichte Sri Lankas sagt und fordert die United Socialist Party:<\/span><\/p>\n<p>  * Nein zu den fremden (Amerikanischen, Britischen und Indischen) Armeen die im Namen der Katastrophenhilfe im Land sind.<br \/>  * Die Fluthilfe, die das Ergebnis der Opferbereitschaft von arbeitenden Menschen weltweit ist, sollte direkt und so schnell wie m&ouml;glich an die Betroffenen gehen.<br \/>  * Die Kontrolle &uuml;ber den Wiederaufbau und die Verteilung sollte sollten in den H&auml;nden von demokratisch gew&auml;hlten Komittees der betroffenen Bev&ouml;lkerung und der Gewerkschaften sein.<br \/>  * Sch&auml;mt euch, kriegshungrige Kapitalistenklasse Sri Lankas! Sowohl die oppositionelle UNP als auch die regierende UPFA, die die Kriegsbem&uuml;hungen der Regierung unterst&uuml;tzen! Wir fordern vom Parlament die Streichung des aktuellen Verteidigungshaushaltes und die Umleitung der daf&uuml;r vorgesehen Gelder f&uuml;r den Wiederaufbau. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Nationale Konferenz<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Wir fordern da&szlig; die gesamte Linke und die Gewerkschaften in Sri Lanka sich der Lage gewachsen zeigen und den vom Tsunami Betroffenen helfen. Dies kann nur gemacht werden, in dem die Arbeiterklasse, FischerInnen, LandarbeiterInnen und sonstige vom Tsunami Betroffenen an einer nationalen Konferenz der arbeitenden Menschen Sri Lankas beteiligt werden.<\/p>\n<p>  Diese Konferenz sollte die Fragen der demokratischen Verteilung der Hilfsmittel und der Hilfeleistung f&uuml;r die Menschen diskutieren. Es sollte auch die gef&auml;hrlichen Entwicklungstrends der imperialistischen Interessen in Sri Lankas diskutieren, und Ma&szlig;nahmen ergreifen, um eine Katastrophe zu verhindern, die noch schlimmer w&auml;re als die Flutwelle.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">&Uuml;bersetzung: Sean McGinley<\/span><br style=\"font-style: italic;\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein grausames Bild der Verw&uuml;stung nimmt langsam Gestalt an und l&auml;&szlig;t uns nicht los.<\/p>\n<p> <i>Bericht von Siritunga Jayasuriya, Generalsekret&auml;r der United Socialist Party (cwi in Sri Lanka)<\/i><\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11140"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11140\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}