{"id":11133,"date":"2005-01-11T10:25:54","date_gmt":"2005-01-11T10:25:54","guid":{"rendered":".\/?p=11133"},"modified":"2005-01-11T10:25:54","modified_gmt":"2005-01-11T10:25:54","slug":"11133","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/01\/11133\/","title":{"rendered":"Erfolglose Beschwichtigung per Spartentarif"},"content":{"rendered":"<p>Der in Leverkusen umk&auml;mpfte Tarifvertrag Nahverkehr ist f&uuml;r andere Besch&auml;ftigte bereits eine Verschlechterung<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Besch&auml;ftigten der Herweg Busbetriebe (HBB) im rheinischen Leverkusen k&auml;mpfen seit &uuml;ber einem Jahr um die Einf&uuml;hrung des Spartentarifvertrags Nahverkehr (TV-N). Das w&uuml;rde zwar eine Anhebung ihrer um etwa ein Drittel unter den Fl&auml;chentarifen BAT und BMT-G liegenden Hungerl&ouml;hne bedeuten, gegen&uuml;ber letzteren ist der TV-N aber schon um bis zu 15 Prozent abgesenkt. Die im Jahr 2001 in Nordrhein-Westfalen geschlossenen Spartentarifvertr&auml;ge des Nahverkehrs waren Vorreiter und sind typisches Beispiel der Politik des ver.di-Vorstands: die Arbeitgeber durch Verzicht zur M&auml;&szlig;igung bewegen zu wollen. <br \/>  Die ver.di-Oberen argumentieren stets mit dem &raquo;wachsenden Wettbewerbsdruck&laquo; auf die &ouml;ffentlichen Nahverkehrsbetriebe. Auch auf Betreiben der deutschen Regierung zustandegekommenes EU-Recht sieht ab 2008 die Ausschreibung derartiger Dienstleistungen vor, es sei denn, eine Direktvergabe w&uuml;rde die &ouml;ffentlichen Kassen nicht deutlich st&auml;rker belasten. Demnach sehen sich die &ouml;ffentlichen Betriebe privater Billigkonkurrenz ausgesetzt, die weit niedrigere L&ouml;hne zahlt. Die ver.di-Spitze hat sich auf diese Wettbewerbslogik eingelassen und reagiert mit R&uuml;ckzug: Durch das Absenken der Tarife im &ouml;ffentlichen Dienst auf das Niveau des Spartentarifvertrags versucht man, die privaten Unternehmen &raquo;einzufangen&laquo;. F&uuml;r die einst nach BAT \/ BMT-G entlohnten Bus- und Bahnfahrer in Nordrhein-Westfalen (NRW) bedeutete das nach Angaben des oppositionellen &raquo;Netzwerks f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di&laquo; Lohnverluste von durchschnittlich 250 Euro und den Wegfall von elf (!) freien Tagen. Inzwischen arbeiten ver.di zufolge von den 36 000 Nahverkehrsbesch&auml;ftigten in dem gr&ouml;&szlig;ten Bundesland nur noch rund 7 000 nach BAT \/ BMT-G. Etwa 28 000 werden nach dem schlechteren Spartentarif entlohnt, und circa 1 000 arbeiten zum Billigtarif des Verbands Nordrhein-Westf&auml;lischer Omnibusunternehmen (NWO), in dem sich 606 private, gr&ouml;&szlig;tenteils Klein- und Kleinstbetriebe zusammengeschlossen haben. Letztere hat der Lohnverzicht indes nicht motiviert, den f&uuml;r sie immer noch deutlich h&ouml;heren Spartentarif zu akzeptieren. Statt mit ver.di vereinbarte der Verband NWO mit der Phantomgewerkschaft G&Ouml;D einen Billigvertrag. F&uuml;r Alois Skrbina, Betriebsrat in Essen und aktiv im oppositionellen Netzwerk, keine &Uuml;berraschung: &raquo;Wo immer die Arbeitgeber die M&ouml;glichkeit haben einen schlechteren Tarifvertrag anzuwenden, tun sie das&laquo;, so Skrbina gegen&uuml;ber &lt;I&gt;junge Welt&lt;I&gt;. Der ver.di-F&uuml;hrung wirft er vor, mit ihrer Politik lediglich Lohnsenkungen bei den &ouml;ffentlichen Verkehrsbetrieben abzusegnen, ohne die Tarife in der Privatwirtschaft zu verbessern. <br \/>  Nach Argumentation der Gewerkschaftsspitze soll der Spartentarifvertrag, der nach Auskunft des zust&auml;ndigen Fachbereichsleiters im ver.di-Landesbezirk NRW, Horst Lohmann, bis 2009 in der Fl&auml;che durchgesetzt sein soll, weitere Privatisierungen und Ausgr&uuml;ndungen im Nahverkehr verhindern. Solange es aber die noch niedrigeren Tarife der Privatwirtschaft gibt, bleiben Fremdvergabe von Verkehrsleistungen und Privatisierung f&uuml;r die Kommunen attraktiv. Skrbina argumentiert gar, da&szlig; die erfolgten Tarifabsenkungen den direkten Verkauf &ouml;ffentlicher Nahverkehrsbetriebe &#x96; wie k&uuml;rzlich in Zwickau geschehen &#x96; durch Kostensenkung f&uuml;r private Investoren noch schmackhafter mache. Er fordert, da&szlig; zumindest die Spartentarife vom Gesetzgeber f&uuml;r allgemeinverbindlich erkl&auml;rt werden. Die notwendige Kampfkraft zur Durchsetzung entsprechender Forderungen sei im &ouml;ffentlichen Nahverkehr, einer Hochburg gewerkschaftlicher Organisation, durchaus vorhanden, meint Skrbina. &raquo;Dadurch, da&szlig; der Nahverkehr, die einstige Speerspitze der Tarifbewegung im &ouml;ffentlichen Dienst, von den anderen Bereichen abgetrennt wurde, hat ver.di insgesamt an Durchsetzungsf&auml;higkeit eingeb&uuml;&szlig;t&laquo;, sagt er. <br \/>  Trotz der nicht sonderlich positiven Erfahrung mit dem Spartentarif in Nordrhein-Westfalen h&auml;lt die Gewerkschaft auch in anderen Bundesl&auml;ndern an dieser &raquo;Strategie&laquo; fest. So wird beispielsweise in Berlin derzeit dar&uuml;ber verhandelt, auf wieviel Lohn die Besch&auml;ftigten der BVG zu verzichten haben. Wie ver.di-Fachsekret&auml;r Lothar Andres auf &lt;I&gt;jW&lt;I&gt;-Nachfrage best&auml;tigte, hat die Gewerkschaft hier bereits ihre Zustimmung zu Lohnk&uuml;rzungen in H&ouml;he von 25 Millionen Euro &#x96; rund zehn Prozent der bisherigen Geh&auml;lter &#x96; signalisiert. Man &raquo;erwarte&laquo; f&uuml;r diesen Fall aber, da&szlig; &ouml;ffentliche Ausschreibungen nur noch auf Grundlage des neuen Tarifs stattf&auml;nden, so der Gewerkschaftsfunktion&auml;r.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Daniel Behruzi, erschienen in der Jungen Welt am 11. Januar 2005<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der in Leverkusen umk&auml;mpfte Tarifvertrag Nahverkehr ist f&uuml;r andere Besch&auml;ftigte bereits eine Verschlechterung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11133"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11133"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11133\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}