{"id":11129,"date":"2005-01-10T10:02:10","date_gmt":"2005-01-10T10:02:10","guid":{"rendered":".\/?p=11129"},"modified":"2005-01-10T10:02:10","modified_gmt":"2005-01-10T10:02:10","slug":"11129","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/01\/11129\/","title":{"rendered":"&#x84;Politisch und moralisch entgleist&#x93;"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann verhindert werden, dass die WASG den Weg von SPD und Gr&uuml;nen geht?<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;Als neue und wirklich demokratische Partei will die WASG auf keinen Fall die Fehler der politisch wie moralisch entgleisten und autorit&auml;ren Schr&ouml;der-SPD, Merkel-CDU oder Fischer-Gr&uuml;nen wiederholen&#x93;, hie&szlig; es in der Begr&uuml;ndung eines Antrags zur Bundesdelegiertenkonferenz der WASG im November. Die CDU war immer eine der Hauptparteien der Unternehmer. Der Niedergang von SPD und Gr&uuml;nen wirft dagegen mehr Fragen auf: Wie kann eine solche Anpassung an die neoliberalen &#x84;Sachzw&auml;nge&#x93; ausgeschlossen werden?<br \/>  Warum hat sich die SPD von einer Partei, die Millionen von ArbeiterInnen jahrzehntelang als ihre Partei betrachtet haben, zu einer Partei entwickelt, die selbst massive K&uuml;rzungspakete durchsetzt? Die Ursache besteht darin, dass die SPD die Seiten gewechselt hat. <br \/>  Inspiriert von Marx und aufgebaut von Bebel, Liebknecht und Hunderttausenden von AktivistInnen trat sie an, um die Lage der arbeitenden Klasse grundlegend zu ver&auml;ndern und eine sozialistische Gesellschaft zu erk&auml;mpfen. <br \/>  Mit dem Aufstieg der Arbeiterbewegung und Zugest&auml;ndnissen, die die Kapitalisten an sie machen mussten, entwickelte sich vor allem bei besser gestellten Teilen der Arbeiterklasse die Hoffnung, den Kapitalismus schleichend, Schritt f&uuml;r Schritt, &uuml;berwinden zu k&ouml;nnen. Eine Schicht von Abgeordneten &#x96; ohne jegliche Di&auml;ten konnten es sich nur materiell abgesicherte Leute leisten, ins Parlament einzuziehen &#x96; und sp&auml;ter von Partei-&nbsp; und Gewerkschaftsfunktion&auml;ren entwickelte sich, die diese Vorstellung in der Partei ausdr&uuml;ckten. Sie konnten es sich mit &uuml;ppiger werdenden Geh&auml;ltern im Gegensatz zu ihrer Basis bequem im Kapitalismus einrichten. <br \/>  Diese sich daraus entwickelnde B&uuml;rokratie ver&auml;nderte den Charakter der SPD. Revolution&auml;r-sozialistische Inhalte wurden zu Gunsten von reformistischen, dem Kapitalismus untergeordneten, und heute neoliberalen Zielen aufgegeben. Die Partei wurde verkn&ouml;chert und entdemokratisiert. <br \/>  Die SPD des zwanzigsten Jahrhunderts war bis zum Ende der 80er Jahre von der Auseinandersetzung und dem Kampf zwischen Arbeiterbasis und der verb&uuml;rgerlichten F&uuml;hrung gepr&auml;gt. Heute vertritt die SPD nicht mehr im Ansatz die Interessen von Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen, sondern die des Kapitals. <br \/>  F&uuml;r einen erfolgreichen Widerstand gegen diesen programmatischen Niedergang und die b&uuml;rokratische Erstickung der Partei w&auml;re ein starker marxistischer Fl&uuml;gel innerhalb der Partei n&ouml;tig gewesen, der die Auseinandersetzung f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische Arbeiterpartei gef&uuml;hrt h&auml;tte mit dem Ziel, eine sozialistische Gesellschaft zu erreichen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Gr&uuml;ne im Zeitraffer<\/span><\/p>\n<p>  Bei den Gr&uuml;nen ging die Entwicklung deutlich schneller. Die als Umwelt- und Friedenspartei gegr&uuml;ndeten Gr&uuml;nen wurden 1999 im NATO-Krieg gegen Serbien zur Kriegspartei, nun verkaufen sie Panzer an die T&uuml;rkei und den Ausstieg aus der Atomenergie haben sie auf den Sanktnimmerleinstag verschoben. Heute sind die Gr&uuml;nen die Partei der Besserverdiener. <br \/>  Grund f&uuml;r die rasante Degenerierung der Gr&uuml;nen ist die Tatsache, dass sie &#x96; im Gegensatz zur SPD &#x96; nie einen Klassenstandpunkt vertreten haben und keine Wurzeln in der Arbeiterklasse, zum Beispiel durch die Gewerkschaften, schlagen konnten. Von daher stand einer Anpassung der Gr&uuml;nen an die Profitlogik weit weniger entgegen: Weder Programm noch soziale Basis gaben genug her f&uuml;r den Widerstand gegen die kapitalistische Misere.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Schlussfolgerungen<\/span><\/p>\n<p>  Doch genau das ist die Lehre aus der Entwicklung von SPD und Gr&uuml;nen: Will die WASG Politik gegen die Interessen der Reichen und Unternehmer machen, muss sie Klarheit &uuml;ber zwei Dinge haben. Erstens: Was ist das Ziel der Partei? Zweitens: Auf welcher Seite steht sie? <br \/>  Das erfordert, dass die WASG als minimale Basis festh&auml;lt, dass sie und alle ihre VertreterInnen zum Beispiel in Parlamenten jede Form von K&uuml;rzungen zu Lasten der Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen, Privatisierungen oder Entlassungen grundlegend ablehnt. Sie kann sich deshalb auch an keinerlei Regierungen beteiligen, bei denen Parteien im Spiel sind, die Kahlschlag und K&uuml;rzungen mitverantworten. Das w&auml;re die minimalste Aussage, sich konsequent auf die Seite der Masse der Bev&ouml;lkerung, der Arbeiterklasse, zu stellen. <br \/>  Vor dem Hintergrund der Krise des Kapitalismus und den Angriffen von Regierung und Unternehmern wird eine solche Positionierung die WASG zwingen, sich auf Mobilisierungen der arbeitenden Bev&ouml;lkerung zu st&uuml;tzen und mit der kapitalistischen Sachzwanglogik zu brechen. Das macht eine grundlegende Alternative n&ouml;tig. SAV-Mitglieder in der WASG setzen sich deshalb f&uuml;r eine k&auml;mpferische, demokratische und sozialistische Ausrichtung der WASG ein.<br \/>  Denn solche programmatischen Aussagen m&uuml;ssen auch gegen den Druck zum Beispiel der b&uuml;rgerlichen Medien, der Einbindungsversuche in den Parlamenten und so weiter verteidigt werden. Das geht nur, wenn eine starke, in der arbeitenden Bev&ouml;lkerung verankerte Basis der WASG dem entgegensteht und entgegentritt. Damit aus der heutigen WASG mit 6.000 Mitgliedern eine kampagnef&auml;hige, k&auml;mpferische und lebendige Partei mit deutlich mehr aktiven Mitgliedern wird, ist es n&ouml;tig, die AktivistInnen aus betrieblichen K&auml;mpfen wie beispielsweise die Kollegen von Opel Bochum und aus sozialen Bewegungen f&uuml;r die WASG zu gewinnen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Demokratie<\/span><\/p>\n<p>  Diese Ausrichtung auf neue AktivistInnen und ein Programm, das sich klar gegen die kapitalistischen Sachzw&auml;nge richtet, muss sich auch in der Struktur der neuen Partei widerspiegeln. <br \/>  Strukturen sind kein Selbstzweck, sondern sind ein Mittel, um Ziele und Programm einer Organisation durchzusetzen. Um eine neue Partei im Interesse von Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen aufzubauen, die anders ist als die etablierten Parteien, muss die WASG alle aktiven Mitglieder in die Diskussionen &uuml;ber Programm und Struktur einbeziehen. <br \/>  Alle Funktionstr&auml;gerInnen m&uuml;ssen jederzeit w&auml;hl- und abw&auml;hlbar und au&szlig;erdem der Mitgliedschaft gegen&uuml;ber rechenschaftspflichtig sein. W&uuml;rden hauptamtliche Funktionstr&auml;ger und Abgeordnete au&szlig;erdem nicht mehr als ein durchschnittlicher Facharbeiter verdienen, k&ouml;nnte vermieden werden, dass sie Interessen entwickeln, die nicht denen der Mitgliedschaft an der Basis entsprechen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Lucy Redler, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann verhindert werden, dass die WASG den Weg von SPD und Gr&uuml;nen geht?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[30],"tags":[167],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11129"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11129"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11129\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}