{"id":11126,"date":"2005-01-01T14:17:03","date_gmt":"2005-01-01T14:17:03","guid":{"rendered":".\/?p=11126"},"modified":"2005-01-01T14:17:03","modified_gmt":"2005-01-01T14:17:03","slug":"11126","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2005\/01\/11126\/","title":{"rendered":"Katastrophe am Indischen Ozean"},"content":{"rendered":"<p>Globaler Kapitalismus Schuld am Ausma&szlig; der Trag&ouml;die<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nWer Zugang zu irgendwelchen Medien hat, ist schockiert und entsetzt &uuml;ber das, was an den K&uuml;sten des Indischen Ozeans am Morgen des 26. Dezember geschah. <br \/>  Auf der ganzen Welt kommt eine riesige Menge an Sympathie zum Ausdruck und die Sehnsucht, irgendwie zu helfen. Menschen f&uuml;hlen, dass etwas getan werden muss, nicht nur den Trauernden und den &Uuml;berlebenden zu helfen, sondern auch jede Wiederholung von Tod und Zerst&ouml;rung in so riesigem Ausma&szlig; zu verhindern. Sie fragen: &#x93;Warum gab es so viele Opfer? Warum keine Warnsysteme? Was ist die Zukunft f&uuml;r die Millionen Betroffenen? Wie k&ouml;nnen ihre Lebensbedingungen nicht nur wiederhergestellt, sondern drastisch verbessert werden?&#x94; In einer Sondersendung im Fernsehsender BBC am 29. Dezember beschrieb John Simpson die Weltregion als eine, in die Reiche (und wir w&uuml;rden sagen: auch nicht so Reiche) f&uuml;r den Urlaub kommen und die Armen eine gef&auml;hrdete Existenz haben &#x97; wenn es f&uuml;r sie gut l&auml;uft. <br \/>  Wie die Financial Times am 29. Dezember schrieb: &#x93;Die Zahl der ausl&auml;ndischen Urlauber, die von dem Tsunami erfasst wurden, den das Erdbeben vom Sonntag verursachte, sorgte daf&uuml;r, dass der Rest der Welt seine Aufmerksamkeit auf eine Katastrophe richtete, die laut Vereinten Nationen darin einmalig war, dass sie so ein gro&szlig;es Gebiet und so viele L&auml;nder umfasste.&#x94; Das steht in deutlichem Kontrast zu der d&uuml;rftigen Berichterstattung &uuml;ber die iranische Erdbebenkatastrophe vor genau einem Jahr &#x96; am 26. Dezember 2003 in Bam, als Zehntausende auch einen grausamen und pl&ouml;tzlichen Tod erlitten. <br \/>  Die Nachrichten und Bilder von der Massenzerst&ouml;rung am 26. Dezember 2004 waren schon zahlreich und &uuml;berw&auml;ltigend. Aber selbst mit der ausf&uuml;hrlichen Berichterstattung in den letzten paar Tagen konnten die Weltmedien nur einen Bruchteil der menschlichen Trag&ouml;die &uuml;bermitteln, die mit der gr&ouml;&szlig;ten &#x93;Naturkatastrophe&#x94; der &uuml;berlieferten Geschichte verbunden ist. &Uuml;ber 100.000, die zu den &auml;rmsten Menschen der Welt geh&ouml;ren, wurden getroffen und in einen schaurigen Tod gesp&uuml;lt. Die &#x93;Tsunamis&#x94;, die von einem Erdbeben der St&auml;rke 9 auf der Richterskala ausgel&ouml;st wurden, bewegten sich mit der Geschwindigkeit eines Flugzeugs &uuml;ber den riesigen Indischen Ozean. Sie brachten Chaos an die K&uuml;sten von mindestens zehn L&auml;ndern in Asien und sogar Afrika. <br \/>  Unter den Toten, Vermissten, Verletzten und Hinterbliebenen sind Tausende TouristInnen. Sie waren zu Tausenden aus Europa und von anderswo gekommen, um Zeit in einem &#x93;Himmel auf Erden&#x94; zu verbringen &#x97; den anscheinend friedlichen &#x93;Paradiesen&#x94; von Thailand, den Malediven, Sri Lanka. Am Morgen des 26. Dezember wurden sie binnen Minuten in eine regelrechte H&ouml;lle auf Erden geschleudert. Weder Dante in seiner Beschreibung des &#x93;Inferno&#x94; noch die Macher des Film &#x93;The Day after Tomorrow&#x94; haben schockierendere Horrorszenen erfinden k&ouml;nnen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Emporschnellende Opferzahlen <\/span><\/p>\n<p>  Die Opferzahlen f&uuml;r die Region verdoppelten sich an einem Tag &#x97; Dienstag, 28. Dezember &#x97; auf &uuml;ber 60.000. Am 29. Dezember waren es &uuml;ber 100.000. Bis zur H&auml;lfte der berichteten Opferzahlen sind aus Aceh auf der Insel Sumatra (siehe separates Interview) und 22.000 aus Sri Lanka. Tausende Tote gibt es in Thailand, Einheimische und auch mehr als 800 TouristInnen an dem idyllischen Strand von Khao Lak, der in dem ber&uuml;hmten Di-Caprio-Film vorkommt. Eine Warnung von Thailands Meteorologischer Abteilung, die eine Stunde bevor der Tsunami zuschlug wusste, was passierte, wurde zur&uuml;ckgehalten aus Angst den Tourismus zu ruinieren. (Von der Branche wird jetzt nicht viel &uuml;brig sein.) <br \/>  In Indien gibt es &uuml;ber 7.000 Tote auf dem Festland, besonders in Tamil Nadu. (Siehe k&uuml;nftigen getrennten Bericht) und volle 8.000 k&ouml;nnen get&ouml;tet worden sein, als der Tsunami die abgelegenen Andamanen- und Nicobaren-Inseln traf. Es ist bekannt, dass es Hunderte Opfer in Ostafrika und mehr in Malaysia, Birma, Bangladesch und den Malediven gab. <br \/>  Zweifellos wird die Gesamtsumme der direkt von den Wellen get&ouml;teten weiter steigen, wenn die &#x93;Leichenverwaltung&#x94;, wie das ein Fernsehreporter nannte, in den n&auml;chsten Tagen ihren H&ouml;hepunkt erreicht. Arme Fischer, ihre Familien, TouristInnen wurden oft unidentifiziert begraben, Hunderte ohne S&auml;rge und in Massengr&auml;bern, um krankheitserzeugende Verwesung in der tropischen Sonne zu vermeiden. Das Meer bringt t&auml;glich Hunderte weitere Leichen an die Str&auml;nde; viele wird der Ozean oder der Schlamm, der sie begraben hat, nie mehr hergeben. <br \/>  Bis zur H&auml;lfte aller Opfer sind Kinder &#x96; die nicht schwimmen konnten, zu schwach waren, sich an einem Baum oder einem Elternteil festzuhalten. Eltern weinen und suchen nach ihren Kindern; Kinder weinen und suchen nach ihren Eltern. <br \/>  Die ganze Verheerung geschah im Zeitraum von wenigen Stunden. Ihre &Uuml;berwindung wird aber die Arbeit von Jahrzehnten sein. Obendrein ist es klar, dass es eine Welle von Kritik an politischen &#x93;F&uuml;hrern&#x94; geben wird wegen v&ouml;llig unangemessener Reaktion auf die Katastrophe. Zu ihnen wird George Bush geh&ouml;ren trotz seines Aufrufs, dass eine Kerngruppe von L&auml;nder die Hilfe koordiniert und dass ein Fr&uuml;hwarnsystem im Indischen Ozean errichtet wird. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">&#x93;Naturkatastrophe&#x94; <\/span><\/p>\n<p>  Zwischen den Albtraumberichten von Tod und &Uuml;berleben leuchten immer neue Beispiele von menschlichem Heroismus und Selbstlosigkeit. Die Aktionen Einheimischer, die versuchten, wildfremde Menschen aus abgelegenen Gebieten zu retten, sind nicht vergessen. Die gezeigte menschliche Solidarit&auml;t war bewegend und begeisternd &#x96; in deutlichem Kontrast zur Jeder-ist-sich-selbst-der-N&auml;chste-Brutalit&auml;t der Gesellschaft, die wir unter dem Kapitalismus kennen. <br \/>  Unter den Berichten aus Aceh (Indonesien) und Sri Lanka gibt es auch F&auml;lle, dass jahrzehntelange Feinde in nationalen Befreiungsk&auml;mpfen ihre Feindschaft &uuml;berwinden und in Rettungs- und &Uuml;berlebensoperationen zusammenarbeiten. Hoffnungen werden gen&auml;hrt, dass eine &#x93;Natur&#x94;-Katastrophe Frieden bringen kann, den kapitalistische Regierungen jahrzehntelang nicht bringen konnten, aber sie werden nur Wirklichkeit werden, wenn die arbeitenden Menschen schaffen, gemeinsam zu handeln, um ihre Zukunft zu sichern. <br \/>  Die Opferzahlen der durch die unmittelbare Wirkung M&ouml;rderwellen Get&ouml;teten wird weiter korrigiert, aber laut Vereinten Nationen und anderen Hilfsagenturen wird erwartet, dass sie bei weitem &uuml;bertroffen werden wird von der der Opfer durch Krankheiten wie Typhus, Cholera, Hepatitis und Malaria, die einen langsamen und schmerzhaften Tod erleiden werden. Ein sehr gro&szlig;er Teil von ihnen werden ebenfalls Babys und junge Kinder sein. In den am schlimmsten betroffenen Regionen gibt es eine &#x93;verlorene Generation&#x94;, wie hinterbliebene Eltern in Tamil Nadu in ihre Schmerz klagen. <br \/>  Nat&uuml;rlich sind Menschen auf der ganzen Welt entsetzt und tief getroffen von den Bildern von Tod und Zerst&ouml;rung. Sie reagieren schon gro&szlig;z&uuml;gig auf Spendenappelle, um Medikamente, sauberes Wasser, Nahrung, Kleidung und Obdach bereitzustellen. Verst&auml;ndlicherweise ist die Frage auf den Lippen von Millionen: &#x93;Warum musste das passieren?&#x94; Viele werden vom Zorn Gottes oder des Ozeans selbst reden. Aber war das unermessliche Ausma&szlig; dieser menschlichen Leiden unvermeidlich? Wenn nicht, wer hat die Schuld? <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Vermeidbare Ergebnisse globaler kapitalistischer Ausbeutung und profitgetriebener Entwicklung <\/span><\/p>\n<p>  Selbst f&uuml;r europ&auml;ische L&auml;nder wie Schweden, wo der Tod von mehr als 2.000 EinwohnerInnen bef&uuml;rchtet wird, aber besonders f&uuml;r die am schlimmsten getroffenen L&auml;nder, ist diese Katastrophe 11. September im Quadrat. F&uuml;r die betroffenen L&auml;nder wird nichts mehr wie fr&uuml;her sein. Zahlreiche Fragen werden beantwortet werden m&uuml;ssen, besonders ob das Ausma&szlig; der menschlichen Leiden h&auml;tte vermieden werden k&ouml;nnen (siehe gesonderter Artikel). <br \/>  Chandrika Kumaratunga, Pr&auml;sidentin von Sri Lanka, erkl&auml;rte Journalisten am Tag, als die Welle zuschlug: &#x93;Wir waren nicht gut ausger&uuml;stet, um mit einer Katastrophe dieser Gr&ouml;&szlig;e fertig zu werden&#x94;. Jetzt gibt sie zu, dass die Regierung auch unvorbereitet ist, mit der anlaufenden massiven Hilfsoperation klarzukommen. L&auml;nder, in denen Erdbeben und Flutwellen immer drohen, sollten mit Fr&uuml;hwarnsystemen ausgestattet sein. Die Kosten sind minimal im Vergleich zu den Verlusten und Kosten der Rettung und Hilfe, die jetzt in gigantischem Ausma&szlig; n&ouml;tig ist. Selbst George Bush, der versucht, ein bisschen Glaubw&uuml;rdigkeit in der Region zu behalten, hat die Notwendigkeit f&uuml;r ein Fr&uuml;hwarnsystem im Indischen Ozean zugegeben. Aber wie Tony Blair bleibt er im Urlaub. In London gibt Au&szlig;enminister Jack Straw einfach Plattheiten von sich, dass man &#x93;Naturkr&auml;ften auf Gnade und Ungnade ausgeliefert ist&#x94; und schafft es nicht man, ein wirksames System zu schaffen, damit Angeh&ouml;rige Informationen &uuml;ber britische TouristInnen im Katastrophengebiet bekommen. <br \/>  Die Kapitalisten und Imperialisten, die versuchen, den arbeitenden und armen Menschen dieser L&auml;nder neoliberale, arbeiterfeindliche Politik aufzuzwingen, sollten einen Bruchteil ihrer aus den Menschen herausgepressten Gewinne zu deren Schutz verwenden. Tats&auml;chlich geben die USA gerade mal 0,14 % ihres Volkseinkommens f&uuml;r Auslandshilfe aus &#x96; ein geringerer Anteil als jede andere entwickelte Nation. <br \/>  Die Insel Diego Garcia, die so verwundbar wie viele andere Inseln im Indischen Ozean zu sein scheint, entkam ohne Verluste. Auf ihr gibt es einfach einen US-Luftwaffenst&uuml;tzpunkt, der direkt mit dem US-Pazifik-Kommando in Hawaii verbunden ist, das von dem Erdbeben wusste, Stunden bevor die Tsunamis die Inselk&uuml;sten traf. Selbst eine halbst&uuml;ndige Warnung gibt genug Zeit, sich vor der Welle in Sicherheit zu bringen. Wie ein Experte f&uuml;r Katastrophenforschung im Independent schrieb: &#x93;Vorsorge und praktische Aktion k&ouml;nnen den Unterschied zwischen einem Naturereignis und einer Naturkatastrophe ausmachen&#x94;. <br \/>  In Sri Lanka konnten Einheimische die Zeichen der herannahenden Welle aus dem Verhalten von V&ouml;geln verstehen und rannten in Sicherheit. Der Leiter einer Tauchergruppe vor der K&uuml;ste Thailands las die drohende Gefahr aus der pl&ouml;tzlichen Panik, die Fische zeigten, die &#x93;verr&uuml;ckt wurden&#x94;. Wie der Artikel von Jon Dale erkl&auml;rt, gibt es im Pazifik ein ausgekl&uuml;geltes Fr&uuml;hwarnsystem. Aber die gr&ouml;&szlig;te Macht der Erde liegt an der einen Seite des Pazifik und hat wichtige Basen in dem Gebiet, w&auml;hrend an der K&uuml;ste des Indischen Ozeans blo&szlig; viele arme L&auml;nder sind. <br \/>  Stephen King, von der HSBC [Hong Kong Shanghai Banking Corporation] schrieb: &#x93;Diejenigen scheinen die gr&ouml;&szlig;ten Verluste an Leben erlitten zu haben, die am &auml;rmsten sind. Das Bruttonationaleinkommen pro Kopf in Sri Lanka ist blo&szlig; 930 Dollar pro Jahr. In Indonesien ist es 810 Dollar pro Jahr. Und in Indien ist es blo&szlig; 530 Dollar pro Jahr. Im Unterschied kann der Durchschnittsamerikaner erwarten, von 37.610 Dollar pro Jahr zu leben&#x94;. (Independent, 29. Dezember). <br \/>  Welche Schlussfolgerungen ziehen die gro&szlig;en imperialistischen L&auml;nder und die Weltb&ouml;rsen aus der Katastrophe? Nach der Presse vom 30. Dezember zuckten diese kaum mit der Wimper, die L&auml;nder sind so arm. (Das BIP von Sri Lanka entspricht nur 5 % des US-R&uuml;stungshaushalt.) <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wirtschaftlicher Tsunami <\/span><\/p>\n<p>  Welche Schlussfolgerung ziehen MarxistInnen? Der wirtschaftliche Tsunami des globalen Kapitalismus und Imperialismus ist millionenmal m&ouml;rderischer als jedes Naturph&auml;nomen. Die unsichtbare Hand des Marktes steckt nicht nur hinter dem v&ouml;llig vermeidbaren Ausma&szlig; des Massakers, das die schlimmste Erdbebenkatastrophe der Welt angerichtet hat und hinter vielen anderen weniger bekannten. <br \/>  Es ist ein &#x93;System&#x94;, das den Erdball absucht nach billigen Arbeitskr&auml;ften und ausbeutbaren M&auml;rkten und bei diesem Prozess t&auml;glich Millionen verelendet. Es ist ein System, das Milliarden Dollar Profit aus der unbezahlten Arbeit der Arbeiterklasse herauspresst und Millionen Menschen ohne Arbeit auf den M&uuml;ll wirft und von manchen L&auml;ndern mehr als die gesamten Staatseinnahmen als Schuldzinsen verlangt. Es ist ein &#x93;System&#x94; anarchischer Entscheidungen, die sich auf die Leben Milliarden armer Menschen auswirken. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Kinder <\/span><\/p>\n<p>  Seine Vertreter weinen heute um die get&ouml;teten Unschuldigen von Sri Lanka und Tamil Nadu. Sie rufen nach Notma&szlig;nahmen, um Leben zu retten. Aber wie ein Brief an den Independent seine LeserInnen am 29. Dezember erinnert: &#x93;Laut Weltgesundheitsorganisation sterben jeden Tag fast 30.000 Kinder unter f&uuml;nf, wobei vermeidbare und heilbare Krankheiten verantwortlich f&uuml;r 70 Prozent (21.000) dieser Todesf&auml;lle sind&#x94;. Diese t&auml;gliche Opferzahl ist vermeidbar durch die Bereitstellung der grundlegendsten Lebensnotwendigkeiten, die der Kapitalismus zur&uuml;ckh&auml;lt. <br \/>  Die US-Regierung gibt mehr f&uuml;r Waffen aus als der Rest der Welt zusammengenommen. Ihr Etat f&uuml;r die Finanzierung der Besetzung des Irak durch die US-Armee wird sogar f&uuml;rs n&auml;chste Jahr vom Christian Science Monitor (ver&ouml;ffentlicht in Newsweek) auf 212-232 Milliarden Dollar &#x96; mehr als vier Milliarden Dollar pro Woche &#x96; gesch&auml;tzt! <br \/>  Vor der Invasion im Irak starben Hunderttausende Kinder wegen der Sanktionen. Dieses Jahr wurden Tausende weitere Leben von ZivilistInnen in Bombenangriffen und anderen Trag&ouml;dien get&ouml;tet, die eine direkte Folge der Politik der US-Regierung sind. Kein Wunder, dass Jan Egelund, der f&uuml;r die humanit&auml;ren Operationen der UN verantwortlich ist, die von der US-Regierung versprochenen 15 Millionen Dollar Hilfe als &#x93;knickrig&#x94; bezeichnete. Selbst der vergr&ouml;&szlig;erte Betrag von 35 Millionen ist nicht nur ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein bei der Rettung von Leben, sondern auch ein winziger Bruchteil des Reichtums der reichsten Kapitalisten der Welt. UNICEF k&auml;mpft darum, die Hilfe f&uuml;r 30.000 Menschen nach Sri Lanka zu schicken, wo mehr als eine Million obdachlos sind. <br \/>  Eine kleine Ablasszahlung durch eine Hilfslieferung zur Gewissensberuhigung wird langfristig nichts l&ouml;sen. Selbst kurzfristig erreicht ein gro&szlig;er Teil der geschickten Hilfe nicht die Bed&uuml;rftigsten. Kontrolle &uuml;ber die Verteilung sollte in den H&auml;nden gew&auml;hlter Komitees von arbeitenden und armen Menschen auf &ouml;rtlicher, regionaler und landesweiter Grundlage sein. <br \/>  Man sehe sich die Verz&ouml;gerung an, bis Hilfe Aceh erreicht, wo mehr als 40.000 Tote berichtet werden, weil die indonesische Regierung und Armee den Zugang blockieren. Es ist eine Schande, dass die Armee von Sri Lanka laut tamilischen Quellen den Transport von Notversorgungsg&uuml;tern blockiert hat, die von TamilInnen im Ausland in den kriegsverw&uuml;steten Norden der Insel geschickt wurden. <br \/>  Im armen Tamil Nadu k&ouml;nnen wir eine Wiederholung dessen erwarten, was der Journalist Peter Popham &#x93;gekonnte Man&ouml;ver &ouml;rtlicher politischer Parteien und Politiker, um sicherzustellen, dass sie einen m&ouml;glichst gro&szlig;en Teil vom Kuchen abkriegen&#x94;, nennt. Zweifellos wird mehr Hilfe an Opfer der Katastrophe mit besseren Beziehungen als an Familien der untersten Kaste und &#x93;Dalits&#x94; gehen, denen selbst die Mittel genommen sind, sich den Lebensunterhalt zu verdienen. (Siehe separaten Artikel) <br \/>  Das CWI sagt: keine Diskriminierung bei der Verteilung von Hilfe auf der Grundlage von Nationalit&auml;t, Religion, politischer Zugeh&ouml;rigkeit oder Kaste. <br \/>  Wir sagen auch: Es sollte maximale demokratische Kontrolle &uuml;ber alle Hilfs- und Notprogramme durch gew&auml;hlte Komitees der ArbeiterInnen und armen Menschen in jedem Gebiet und landesweit geben. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">ArbeiterInnen und ihre Organisationen sind der Schl&uuml;ssel zum &Uuml;berleben <\/span><\/p>\n<p>  Die Arbeiterklasse ist die einzige Kraft, die dazu mobilisieren kann, sich mit den wirklichen Krisen zu befassen, die sich aus der kapitalistischen Herrschaft vor Ort und international ergeben. Zuerst, unmittelbar nach der Tsunami-Katastrophe, sollten die organisierten ArbeiterInnen die Hauptkraft f&uuml;r die Kontrolle &uuml;ber Rettungs- und Wiederaufbauoperationen sein, sie sollten das Tempo vorgeben, indem sie demokratische Kontrolle &uuml;ber Rettungsarbeit und Wiederaufbau aus&uuml;ben und die Entscheidungen nicht in den H&auml;nden der Beh&ouml;rden und selbsts&uuml;chtigen, korrupten B&uuml;rokraten lassen. In Sri Lanka m&uuml;ssen die Gewerkschaften und linken Parteien ein Ende der Kriegsvorbereitungen fordern und dass alle Gelder, die f&uuml;r Waffen bereitgestellt wurden, in die Hilfs- und Wiederaufbauprogramme gehen. <br \/>  Diese Programme sollen eine massive Geldspritze des Staates und der imperialistischen L&auml;nder, die die Wirtschaften von S&uuml;dasien und Afrika wei&szlig;geblutet haben, umfassen. <br \/>  Streichung der Auslandsschulden, nicht blo&szlig; Zahlungsaufschub. Das ganze &#x93;System&#x94; muss ge&auml;ndert werden. <br \/>  SozialistInnen k&auml;mpfen f&uuml;r die v&ouml;llige Umgestaltung der Gesellschaft durch einen Kampf gegen alle Formen von Privatisierung und Deregulierung und f&uuml;r eine Regierung, die &ouml;ffentliches Eigentum an allen f&uuml;hrenden Industrien, dem Grund und Boden und den Banken einf&uuml;hren wird, um die Produktion demokratisch zu planen und zu kontrollieren gem&auml;&szlig; den Bed&uuml;rfnissen und nicht f&uuml;r Profit und unter der demokratischen Kontrolle und Verwaltung der Arbeiterklasse. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Die Zukunft von Sri Lanka <\/span><\/p>\n<p>  Sri Lanka erhielt durch die Flutwelle vom 26. Dezember 2004 einen der schwersten Schl&auml;ge (&uuml;bertroffen wahrscheinlich nur von Aceh). Wahrscheinlich sind in einem umgest&uuml;rzten und &uuml;berfluteten Zug allein &uuml;ber 1.000 Menschen gestorben. Es gibt Berichte, dass volle 6.000 Menschen vom Tsunami in Mullaithivu im Nordosten Sri Lankas get&ouml;tet wurden. Nat&uuml;rlich hat der 20 Jahre lange B&uuml;rgerkrieg die Leben von mehr als zehnmal so viel Menschen get&ouml;tet und den ganzen Norden in Brachland mit wenig oder keiner Infrastruktur verwandelt. Jetzt kann dieses Gebiet am wenigsten mit einer &#x93;Naturkatastrophe&#x94; wie einer Flutwelle fertig werden und es wird am wenigsten &uuml;ber das Schicksal der Bev&ouml;lkerung im &uuml;berwiegend tamilischen Norden berichtet. Zus&auml;tzliche Gefahren sind die nicht explodierten Landminen, die die Welle freigelegt hat und der Schaden f&uuml;r das Ackerland durch das Salzwasser, das auf die Felder str&ouml;mte. <br \/>  Die United Socialist Party &#x96; USP (SAV-Schwesterorganisation in Sri Lanka und ebenso Teil des CWI) tritt seit langem f&uuml;r die nationalen demokratischen Rechte der tamilischsprachigen Menschen auf der Insel Sri Lanka ein. Im Gefolge der Flutkatastrophe ist es noch entscheidender, die Notwendigkeit der Einheit unter den ArbeiterInnen und Armen und vollster Rechte auf gleiche Behandlung und Selbstbestimmung f&uuml;r jede Minderheit zu betonen. <br \/>  Die USP hat eine Kampagne gegen eine R&uuml;ckkehr zum B&uuml;rgerkrieg gemacht und daf&uuml;r, dass die singhalesischen, tamilischen und muslimischen arbeitenden Menschen die Probleme selbst l&ouml;sen. Alle Anstrengungen und Ressourcen m&uuml;ssen in den Wiederaufbau der Lebensbedingungen und Wohnungen der Menschen auf der Insel und ihre Wirtschaft gesteckt werden, aber das bedeutet, den Griff der herrschenden Elite auf der Insel zu brechen. <br \/>  Auf einer kapitalistischen Grundlage wird Sri Lanka nie in der Lage sein, seine Wirtschaft voll zu entwickeln. Zum einen kann es nicht die Bedingungen schaffen, den nationalen Konflikt dauerhaft zu l&ouml;sen und ist zu schwach, irgend etwas zu tun au&szlig;er auf Befehl des blutsaugenden Imperialismus. Im Namen aller Armen und Ausgebeuteten und der organisierten Arbeiterklasse m&uuml;ssen die linken Parteien mobilisieren, um den Katastrophenopfern Hilfe zu bringen. Aber sie m&uuml;ssen auch ihre Anstrengungen verdoppeln, um eine Arbeiterbewegung auf der Grundlage sozialistischer Politik aufzubauen, die in der Lage ist, die harten Leben der ArbeiterInnen und armen Menschen aller Glaubensbekenntnisse und Nationalit&auml;ten umzugestalten. Es bringt nichts, darauf zu warten, dass der Kapitalismus und die Auslandshilfe diese Aufgabe erf&uuml;llen. Kriege, B&uuml;rgerkriege, Ausbeutung und vermeidbare menschliche Katastrophen wohnen dem Kapitalismus inne. <br \/>  In vergangenen Dokumenten des CWI haben wir von den massiven Auswirkungen der Zusammenst&ouml;&szlig;e der &#x93;tektonischen Platten&#x94; der Gro&szlig;m&auml;chte in Asien &#x96; Japan, Indien, China &#x96; auf die Weltbev&ouml;lkerung gesprochen. Auf kapitalistischer Grundlage k&ouml;nnen sie nicht vermieden werden. Die Trag&ouml;die des 26. Dezember 2004 hat einen Vorgeschmack auf den Schrecken gegeben, der &uuml;ber den Leben von Milliarden arbeitender und armer Menschen des asiatischen und afrikanischen Kontinents h&auml;ngt. Nur durch die Steigerung eines organisierten und internationalisierten Kampfes gegen den globalen Kapitalismus und f&uuml;r wahrhaft demokratischen Sozialismus gibt Aussicht die Beseitigung der von Menschen gemachten Gefahren und die Minimierung der Auswirkungen echter kommender &#x93;Naturereignisse&#x94; auf die Menschen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Appell <\/span><\/p>\n<p>  Wir bitten alle LeserInnen, die noch nicht mit den Ideen und Kampagnen des CWI vertraut sind, mehr auf unserer Website zu lesen und direkt Kontakt zu uns aufzunehmen. <br \/>  Wir w&uuml;rden jeden bitten, der mit dem sympathisiert, was wir sagen, Kontakt zu uns aufzunehmen, um mit uns zu diskutieren und unserer Internationale beizutreten. <br \/>  Zus&auml;tzlich bitten wir um jede m&ouml;gliche Geldspende, um die Lage unserer GenossInnen in der United Socialist Party von Sri Lanka zu erleichtern. Die USP steht vor einem wirklichen Kampf ums &Uuml;berleben &#x96; physisch und politisch. Wie wir in einer fr&uuml;heren Ank&uuml;ndigung erkl&auml;rt haben, werden manche USP-Mitglieder noch vermisst und viele haben Verwandte und Wohnungen verloren. <br \/>  Gl&uuml;cklicherweise versichern und die GenossInnen von Dudiyora Horaata in Indien und die GenossInnen, die wir in der Parti Socialis Malaysia kennen, dass es unter ihren Mitgliedern keine direkten Verluste an Leben gab. <br \/>  Joe Higgins, der Abgeordnete der Socialist Party im Irischen Parlament hat schon eine Notverschickung von Wasserreinigungstabletten f&uuml;r die USP-GenossInnen in Sri Lanka bezahlt, die vom CWI organisiert wurde und 272 Pfund kostete. Viel kann mit Betr&auml;gen gemacht werden, die f&uuml;r entwickelte kapitalistische L&auml;nder relativ klein sind. Das CWI und die USP w&uuml;rdigen diese und andere schon geleistete Beitr&auml;ge sehr. <br \/>  Die unmittelbare Anforderung an die Ressourcen f&uuml;r die USP-Funktion&auml;rInnen war, die am schlimmsten von der Katastrophe betroffenen Gebiete zu erreichen. Beim Fehlen aller Kommunikationsmittel war es entscheidend, die Lage der Parteimitglieder herauszufinden und ihnen notwendige Vorr&auml;te an sauberem Wasser, Nahrung und medizinischer Hilfe zu bringen. Wir verstehen, dass Krankenh&auml;user alle au&szlig;er den am schwersten verletzten Opfern abweisen m&uuml;ssen, weil sie zu wenig Platz und Ressourcen haben. Manche werden nicht einmal ein Dach &uuml;ber ihrem Kopf haben und viele werden von der Partei Trost und St&auml;rkung erwarten, um angesichts gro&szlig;er pers&ouml;nlicher Verluste weiterzumachen. <br \/>  Eine nicht geringere Anforderung an die Ressourcen ist, die Herstellung der Parteizeitung und neuer Flugbl&auml;tter und Poster zu erm&ouml;glichen, die die Katastrophe behandeln &#x96; ihre Ursachen und die Gegenmittel. In ihnen wird die USP die Botschaft der Partei und des CWI zu den ArbeiterInnen und Jugendlichen von Sri Lanka tragen, die zu verstehen versuchen, was passiert ist und was getan werden muss. Die Partei braucht auch Hilfe in ihren Kampagnen f&uuml;r den Aufbau von Einheitsorganisationen der arbeitenden und armen Menschen und gew&auml;hlter Vertretungsk&ouml;rperschaften. Diese sind entscheidend um sicherzustellen, dass Hilfs- und Wiederaufbauprogramme denen zugute kommen, die sie am meisten brauchen, aber auch um f&uuml;r eine andere, sozialistische Organisationsform der Gesellschaft zu k&auml;mpfen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">Stellungnahme des CWI vom 30. Dezember 2004<\/span><\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Spenden sollten gehen an: <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Holger Dr&ouml;ge <br \/>  Konto 2804751093 <br \/>  Berliner Sparkasse, BLZ 10050000 <br \/>  Stichwort: Sri Lanka <\/p>\n<p>  Unterst&uuml;tzungsbotschaften k&ouml;nnen direkt an die USP in Sri Lanka gehen: <br \/>  usp@wow.lk (vorausgesetzt, dass E-Mail funktioniert).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Globaler Kapitalismus Schuld am Ausma&szlig; der Trag&ouml;die<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11126"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11126"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11126\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}