{"id":11120,"date":"2004-12-31T13:18:08","date_gmt":"2004-12-31T12:18:08","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11120"},"modified":"2012-06-24T16:22:24","modified_gmt":"2012-06-24T14:22:24","slug":"11120","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/12\/11120\/","title":{"rendered":"Weg mit den 1-Euro-Jobs"},"content":{"rendered":"<p>Tariflohn statt Arbeitsdienst <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIm Grundgesetz Artikel 12 hei&szlig;t es: <span style=\"font-style: italic;\">?Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, au&szlig;er im Rahmen einer herk&ouml;mmlichen allgemeinen, f&uuml;r alle gleichen &ouml;ffentlichen Dienstleistungspflicht.?<\/span>&nbsp; Die Entschlossenheit der Masse der Bev&ouml;lkerung mit dem Faschismus abzurechnen, verlangte von den Herrschenden solche Zugest&auml;ndnisse in der Nachkriegsverfassung.&nbsp; 70 Jahre nach Einf&uuml;hrung des Reichsarbeitsdienstes kommt es unter einer SPD-gef&uuml;hrten Regierung zur Wiedereinf&uuml;hrung von Zwangsarbeit. <br \/> Bis zu 700.000 Langzeitarbeitslose sollen ab Januar in einen Arbeitsdienst gezwungen werden. Die Arbeitslosen bekommen daf&uuml;r keinen Lohn. Sie haben keinen Arbeitsvertrag und geh&ouml;ren nicht zur Belegschaft des Betriebes, in dem sie arbeiten m&uuml;ssen. Sie sind v&ouml;llig rechtlos und erhalten lediglich eine ?Aufwandsentsch&auml;digung? von 1 bis 1,50 Euro in der Stunde und maximal 320 Euro im Monat. Diese KollegInnen haben damit im Monat selbst mit Arbeit nur maximal 665 Euro zur Verf&uuml;gung, in Ostdeutschland noch weniger. <br \/> Die Hartz-Gesetze sind damit nicht nur der bisher brutalste Angriff auf Langzeitarbeitslose, sondern auf alle Besch&auml;ftigten. Bisher konnten die Arbeitgeber argumentieren, wenn es Dir nicht passt, bitte, drau&szlig;en stehen Arbeitslose Schlange f&uuml;r deinen Job. Ab Januar hei&szlig;t es zumindest im &ouml;ffentlichen Dienst, hier sind die Leute, die deine Arbeit f&uuml;r einen Euro in der Stunde machen. <br \/> Vor allem Frauen im &ouml;ffentlichen Dienst werden der direkten Konkurrenz der modernen Sklaverei ausgesetzt. Ihr L&ouml;hne sollen weiter gedr&uuml;ckt werden. PflegerInnen, Erzieherinnen, P&auml;dagogen und SozialarbeiterInnen soll vermittelt werden, dass es f&uuml;r ihren Job ausreicht, Frau und \/ oder Mutter zu sein. P&auml;dagogische, medizinische, psychologische und andere hohe Qualifikationen br&auml;uchte man im Sozialbereich nicht. Und wenn man sie hat, sind sie nichts wert und m&uuml;ssen demnach auch nicht ordentlich bezahlt werden. <br \/> Die Betreuung von Kranken, Kindern und Jugendlichen wird mit Hartz IV nicht mehr als notwendige, sondern zur ?zus&auml;tzlichen? Aufgabe erkl&auml;rt. Was zus&auml;tzlich ist, ist quasi fast &uuml;berfl&uuml;ssig. Und dieses Gef&uuml;hl der &Uuml;berfl&uuml;ssig- und Wertlosigkeit soll den 1-Euro-Jobbern und ihren Noch-Tarifbesch&auml;ftigten KollegInnen vermittelt werden. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Ziel: Lohnabsenkung und Statistikbetrug<\/span><\/p>\n<p> Der n&auml;chste Schritt ist dann die massive Absenkung der L&ouml;hne. Und das ist eines der&nbsp; Hauptziel der 1-Euro-Jobs. Das andere Ziel ist die Bereinigung der Statistik. Wer 15 Stunden in der Woche zwangsweise f&uuml;r einen Euro malocht, gilt nicht mehr als arbeitslos. <br \/> Einen solchen Schlag gegen Arbeitslose und Besch&auml;ftigte l&auml;sst sich die Bundesregierung schon was kosten. Sage und schreibe 6,3 Milliarden Euro werden daf&uuml;r verpulvert. 2,5 Milliarden haben die Hartz-Gesetze den Langzeitarbeitslosen genommen. Die f&uuml;r die Zwangsarbeit verwendeten Steuermittel landen vor allem in den Taschen der Arbeitgeber. Sie erhalten pro zwangsweise eingesetztem Arbeitslosen bis zu 500 Euro im Monat. <br \/> Es ist ein Skandal dass ver.di und alle anderen Gewerkschaften keinen Kampf gegen die Hartz-Gesetze f&uuml;hren, sondern stattdessen nur ?erg&auml;nzende Vereinbarungen? zu Hartz IV verlangen und ansonsten Betriebs- und Personalr&auml;te auffordern, sich ?aktiv bei der Ausgestaltung der Rahmenbedingen f&uuml;r die Ein-Euro-Jobberinnen? einzumischen. <br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Ursel Beck, Stuttgart<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tariflohn statt Arbeitsdienst <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[108,81],"tags":[167],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11120"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11120\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}