{"id":11114,"date":"2004-12-23T11:40:16","date_gmt":"2004-12-23T11:40:16","guid":{"rendered":".\/?p=11114"},"modified":"2004-12-23T11:40:16","modified_gmt":"2004-12-23T11:40:16","slug":"11114","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/12\/11114\/","title":{"rendered":"&#8222;Es ist Krieg&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>R?ckblick 2004\/ Ausblick 2005 <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDas neue Jahr beginnt symboltr&auml;chtig. Im kommenden Februar findet in M&uuml;nchen die allj&auml;hrliche ?Sicherheitskonferenz?, eine Kriegstagung, statt. F&uuml;r den gleichen Monat erwartet das Ifo-Institut ? zum ersten Mal seit 1932 ? die Zahl von offiziell f&uuml;nf Millionen Erwerbslosen in Deutschland. Kanzler Schr&ouml;der will gleichzeitig Nationalismus n&auml;hren: ?Den Menschen muss bewusst werden, dass Deutschland eine neue Rolle spielen muss.? <br \/> Der versch&auml;rfte Konkurrenzkampf unter den Kapitalisten wird auch im neuen Jahr den zwischenimperialistischen Wettstreit ? &ouml;konomisch und milit&auml;risch ? vertiefen, w&auml;hrend der Arbeiterklasse in den jeweiligen Nationalstaaten die Daumenschrauben noch fester gedreht werden sollen. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">2004 ? Neue Armut Deutschland <\/span><\/p>\n<p> ?Fette Gewinne ? sinkende L&ouml;hne? titelte Spiegel Online am 6. Dezember. Lohnk&uuml;rzungen und Arbeitszeitverl&auml;ngerungen, weniger Weihnachts- und Urlaubsgeld, mehr Arbeitshetze ? f&uuml;r die abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten war 2004 ein schwarzes Jahr. Mit Hartz IV wird die Schr&ouml;der-Regentschaft Hunderttausende ins Elend rei&szlig;en. <br \/> Kurz vor dem Jahreswechsel wurde der Armutsbericht der Bundesregierung bekannt (urspr&uuml;nglich sollte er erst nach der nordrhein-westf&auml;lischen Landtagswahl Mitte 2005 ver&ouml;ffentlicht werden): Unter Rot-Gr&uuml;n stieg der Anteil der in Armut lebenden Haushalte von 12,1 auf 13,5 Prozent. Die Zahl der &uuml;berschuldeten Haushalte nahm seit 1998 sogar um 13 Prozent auf 3,13 Millionen zu. Auf der anderen Seite erh&ouml;hte sich die Zahl der Million&auml;re von 510.000 auf 775.000! <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Daimler, Opel, Karstadt&#8230; <\/span><\/p>\n<p> In den letzten zw&ouml;lf Monaten wurden in einem Betrieb nach dem anderen in der Vergangenheit erk&auml;mpfte tarifliche Rechte abgesenkt. Nachdem 2003, angefangen mit den Beamten, vor allem im &Ouml;ffentlichen Dienst die Brechstange angesetzt wurde, sind seit der Metall-Tarifrunde im Februar 2004 in 84 Betrieben Arbeitszeiten verl&auml;ngert oder Sonderzahlungen zusammengestrichen worden. Das gilt l&auml;ngst nicht mehr nur f&uuml;r Kleinbetriebe, sondern f&uuml;r Gro&szlig;konzerne wie Siemens, DaimlerChrysler, Volkswagen und Opel oder im Einzelhandel Karstadt. <br \/> Die meisten Verschlechterungen wurden unter dem Co-Management der Gewerkschafts- und Betriebsratsspitzen durchgezogen. Dabei diskreditierten sich nicht nur ?Modernisten? wie IG-Metall-Vize Berthold Huber, sondern auch ?Traditionalisten? wie IGM-Chef J&uuml;rgen Peters. Im &Ouml;ffentlichen Dienst war gerade der in den b&uuml;rgerlichen Medien als ?linker Hardliner? verschrieene Frank Bsirkse bei der Verbetrieblichung und der damit verbundenen Zerfaserung des Fl&auml;chentarifs federf&uuml;hrend. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Aufschwung von K&auml;mpfen <\/span><\/p>\n<p> 2004 war aber auch das Jahr des Wiederauflebens betrieblicher und sozialer K&auml;mpfe. Ausgangspunkt war letztendlich die gegen den Willen der DGB-F&uuml;hrung von unten durchgesetzte Demonstration von 100.000 im 1. November 2003. Dieser Erfolg ermutigte viele und f&uuml;hrte zu einer eindrucksvollen Kette von Mobilisierungen. Nachdem die Peters&#8216; und Bsirskes mit den drei Gro&szlig;demos am 3. April die Initiative zur&uuml;ckgewinnen konnten, aber nur Dampf ablassen wollten, kam es zu einer weiteren Verlagerung der Auseinandersetzungen auf die betriebliche Ebene. <br \/> Beim Daimler-Aktionstag am 15. Juli besetzten die seitdem als ?Mettinger Rebellen? bezeichneten Kollegen die sechsspurige B 10 in Stuttgart. ?Wir haben als IG Metall nicht zu irgendetwas aufgerufen?, so IGM-Bezirksleiter in NRW, Detlef Wetzel, zum Ausstand der Bochumer Opelaner. ?Wir haben hier keine Aufrufe gestartet, wir stacheln nichts an, aber die Leute organisieren sich vollkommen selbst?; so Renate Gmoser, IGM-Verhandlungsf&uuml;hrerin beim dreit&auml;gigen M&auml;rklin-Streik in G&ouml;ppingen. In diesen K&auml;mpfen verlor die B&uuml;rokratie des DGB zeitweilig die Kontrolle. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">2005 ? Bittere Abwehrk&auml;mpfe zu erwarten <\/span><\/p>\n<p> Mit Hartz IV kommt die eigentliche Bescherung unmittelbar nach Weihnachten. Da das Gesetz am 1. Januar in Kraft getreten ist, ist von keiner Neuauflage der Anti-Hartz-Bewegung vom Fr&uuml;hherbst 2004 auszugehen. Trotzdem waren die spontan initiierten Montagsdemos nicht umsonst. Sie waren in Ostdeutschland die gr&ouml;&szlig;ten Massenproteste seit 1989. Damit wurde die bis dahin vorherrschende Passivit&auml;t gr&ouml;&szlig;erer Schichten von Erwerbslosen und Besch&auml;ftigten aufgebrochen. <br \/> Ottmar Zwiebelhofer, Pr&auml;sident des baden-w&uuml;rttembergischen Metallarbeitgeberverbands, stellte j&uuml;ngst die f&uuml;r M&auml;rz beschlossene Entgelterh&ouml;hung von 2,7 Prozent in Frage und f&uuml;hrte die wirtschaftliche Stagnation an: ?Wir sind davon ausgegangen, dass sich 2005 der Silberstreifen am Horizont in ganzer Breite zeigt ? darin haben wir uns gr&uuml;ndlich get&auml;uscht.? Der Ausverkauf von Arbeiterrechten wird sich 2005 fortsetzen. Damit sind aber auch neue Konflikte wie bei Opel-Bochum vorprogrammiert. <br \/> Opel Bochum dient auch als Vorbild f&uuml;r Besch&auml;ftigte in anderen Bereichen, wie bei den Hamburger ErzieherInnen: ?Es geht hier um bis zu 3.000 Arbeitspl&auml;tze ? das sind Dimensionen, wie sie beim Bochumer Opel-Werk diskutiert werden?, erl&auml;utert Ronald Prie&szlig; vom ?B&uuml;ndnis der Hamburger Kita-Besch&auml;ftigten? (&#8230;) Zwar gebe es anders als beim Opel-Konflikt f&uuml;r die auf viele hundert Arbeitsst&auml;tten verteilten Kita-Besch&auml;ftigten kein zentrales Werkstor, an dem sie ihren Protestausdr&uuml;cken k&ouml;nnten? (taz vom 6. Dezember), trotzdem sind f&uuml;r Februar Streiks geplant. <br \/> Im Jahr 2005 drohen auch Angriffe auf das Streikrecht, die Mitbestimmung und den K&uuml;ndigungsschutz. Das wollen die Herrschenden ganz gezielt zu diesem Zeitpunkt ins Visier nehmen, um den einsetzenden Widerstand zu erschweren. <br \/> Im neuen Jahr sind neue Streiks von unten, wenn nicht gar Betriebsbesetzungen zu erwarten. Falls es zu einem Gro&szlig;konflikt oder einer Streikwelle kommen sollte, ist es m&ouml;glich, dass die DGB-F&uuml;hrung sich zur Organisierung von Massenstreiks gezwungen sieht, um die Kontrolle &uuml;ber die Bewegung wiederzuerlangen. <br \/> ?Es ist Krieg? hie&szlig; es auf einem Transparent von Daimler-Kollegen letzten Sommer. Das werden in den anstehenden Konflikten immer mehr erkennen. In diesen Auseinandersetzungen wird eine neue Schicht von AktivistInnen ihre Erfahrungen machen. Sie werden lernen, sich gegen die Gewerkschaftsb&uuml;rokratie zusammentun zu m&uuml;ssen, um einen Kurswechsel im DGB zu erreichen. <br \/> Es wird auch darum gehen, die Chancen zu nutzen, die sich aus der WASG ergeben. Die Parteigr&uuml;ndung markiert den Beginn des Bruchs der Gewerkschaften mit der SPD. Jetzt gilt es, in der neuen Partei daf&uuml;r zu k&auml;mpfen, dass sie &#8211; im Krieg mit den Unternehmern und ihren Parteien ? eine brauchbare Waffe f&uuml;r die arbeitende Bev&ouml;lkerung wird.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Aron Amm, Berlin <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R?ckblick 2004\/ Ausblick 2005 <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11114"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11114"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11114\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}