{"id":11111,"date":"2004-12-16T14:10:46","date_gmt":"2004-12-16T14:10:46","guid":{"rendered":".\/?p=11111"},"modified":"2004-12-16T14:10:46","modified_gmt":"2004-12-16T14:10:46","slug":"11111","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/12\/11111\/","title":{"rendered":"Phoenix muss in Harburg bleiben!"},"content":{"rendered":"<p>Erfolge m&uuml;ssen erk&auml;mpft werden!<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIm Hamburger Stadtteil Harburg wurde vor drei Monaten ein gro&szlig;es, modernes Einkaufszentrum er&ouml;ffnet: das Phoenix-Center. Es steht dort, wo vor f&uuml;nf Jahren ein Teil des Gel&auml;ndes von Phoenix, einer Autozulieferungsfirma, verkauft wurde. Daf&uuml;r sollten Teile des Unternehmens verlagert und Arbeitspl&auml;tze abgebaut werden. Den HarburgerInnen n&uuml;tzen keine Einkaufszentren, in denen sie nichts mehr einkaufen k&ouml;nnen, weil das n&ouml;tige Kleingeld fehlt! <br \/>  Die Phoenix AG ist einer der gr&ouml;&szlig;ten Arbeitgeber in Hamburg. Vor 20 Jahren umfasste die gesamte Mitarbeiterzahl ca. 10.000. Seit den siebziger Jahren ist die Belegschaft St&uuml;ck f&uuml;r St&uuml;ck abgebaut worden. Dies hatte sehr gravierende Folgen f&uuml;r den Stadtteil Harburg, in dem das Stammwerk der Phoenix AG liegt. Dort liegt die Arbeitslosenquote bei ca. 15 %. Die Phoenix AG gliederte aus Hamburg immer mehr Produktionsbereiche in eigenst&auml;ndige GmbHs aus. In Th&uuml;ringen und Ungarn gibt es Investitionsvorhaben, die den Verlust von Arbeitspl&auml;tzen in Hamburg mit sich bringen. Die Vorteile liegen f&uuml;r die Kapitalseite auf der Hand: In Th&uuml;ringen sind es die Subventionen, die abkassiert werden k&ouml;nnen und in Ungarn sind es die billigen Arbeitskr&auml;fte. Diese Vorteile werden auch als Druckmittel gegen die Hamburger Besch&auml;ftigten ins Feld gef&uuml;hrt. <br \/>  Aber auch vor f&uuml;nf Jahren bestand schon die Gefahr, dass es nicht nur bei ein paar abgebauten Arbeitspl&auml;tzen bleiben w&uuml;rde. Ganze Bereiche sollten ins Ausland verlagert werden. Auf Initiative von SAV-Mitgliedern in Harburg, kam es zu einer Demonstration von 300 KollegInnen der Phoenix AG. Daraufhin wurde das Komitee zur Solidarit&auml;t mit den von Arbeitsplatzabbau bedrohten Kolleginnen und Kollegen bei Phoenix gegr&uuml;ndet. Das Komitee hat sich die Unterst&uuml;tzung von Aktivit&auml;ten der Phoenix-Besch&auml;ftigten gegen die Pl&auml;ne des Vorstandes zur Aufgabe gemacht. H&auml;tten nicht viele KollegInnen Ihren Mund aufgemacht, h&auml;tten nicht &uuml;ber 1500 Leuten demonstriert und mehrfach bis zu 100 Besch&auml;ftigten den Betriebsrat &#x84;besucht&#x93;, h&auml;tten nicht KollegInnen auf den Betriebsversammlungen das Wort ergriffen, h&auml;tte sich nichts ge&auml;ndert, au&szlig;er dass der Betriebsrat sich daf&uuml;r eingesetzt h&auml;tte, die Stellen &#x84;sozialvertr&auml;glich&#x93; abzubauen. Noch mehr Bereiche w&auml;ren verlagert worden, einen Ausschluss von betriebsbedingten K&uuml;ndigungen zumindest bis Ende 2005 h&auml;tte es auch nie gegeben. Dies ist aber nicht passiert. Die KollegInnen haben die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt zu k&auml;mpfen. <br \/>  Leider m&uuml;ssen sie nun die Erfahrung machen, dass Erfolge nicht von Dauer sind und immer wieder verteidigt werden m&uuml;ssen: Continental hat Anfang dieses Jahres Phoenix &uuml;bernommen und plant mindestens 700 von 2.700 Stellen abzubauen. Und das auf eine unerh&ouml;rt dreiste Weise: klammheimlich haben sie eine der drei wichtigsten Maschinen demontiert und wollten sie abtransportieren lassen. Dies konnte in letzter Minute verhindert werden, dennoch bleibt sie verpackt und die KollegInnen k&ouml;nnen nicht arbeiten. Das geschah trotz der Standortsicherungsvereinbarung von 1999, die vorsah, dass t&auml;glich 35.000 Kr&uuml;mmer (Autoteile) produziert werden m&uuml;ssen. Durch den Abtransport der Maschine w&auml;re diese Vereinbarung ad absurdum gef&uuml;hrt worden. Denn mit dann nur noch zwei Maschinen h&auml;tte man so viele Kr&uuml;mmer gar nicht mehr herstellen k&ouml;nnen. Dies zeigt deutlich, wie viel wert die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung auf so genannte Standortsicherungsvereinbarungen legt. <br \/>  Heute ist die Situation ernster. Dennoch k&ouml;nnen wir uns das nicht bieten lassen: erst ein paar Arbeitspl&auml;tze, dann ganze Bereiche und schlie&szlig;lich wird das komplette Unternehmen verlagert. Widerstand ist n&ouml;tig. Wir d&uuml;rfen uns nicht gegen unsere KollegInnen im Ausland ausspielen lassen. In Deutschland hei&szlig;t es: die Produktion in Ungarn sei billiger, in Ungarn hei&szlig;t es: die Produktion in China sei billiger, usw. Das sind Druckmittel, um die Belegschaft dazu zu bringen, schlechtere Arbeitsbedingungen und weniger Lohn zu akzeptieren. Auch Abkommen wie die Standortsicherungsvereinbarung sind nicht ausreichend: nach Ablauf der Frist kann nach Belieben weiter gek&uuml;ndigt werden, wenn sich die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung &uuml;berhaupt an die Fristen h&auml;lt. Die Bedrohung von damals wurde nicht abgewehrt, sondern nur unterbrochen. Wichtig ist nun, dass sich die KollegInnen zusammensetzen, diskutieren und austauschen, dass sie dem Betriebsrat Druck machen Betriebsversammlungen einzuberufen. Wichtig ist auch, dass Vertrauensleute in den Abteilungen sind, die die Interessen der Belegschaft vertreten. Und dazu geh&ouml;rt, dass Gewerkschaftsfunktion&auml;re sich nicht f&uuml;r eine Auffanggesellschaft einsetzen, denn das bedeutet nur Arbeitsplatzabbau auf Raten. <br \/>  Vor f&uuml;nf Jahren haben die KollegInnen die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt zu k&auml;mpfen. Diese K&auml;mpfe wieder aufzunehmen w&auml;re ein gro&szlig;er Fortschritt f&uuml;r alle Besch&auml;ftigten.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Julia Altenburger, Hamburg<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erfolge m&uuml;ssen erk&auml;mpft werden!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11111"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11111"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11111\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}