{"id":11109,"date":"2004-12-15T09:50:36","date_gmt":"2004-12-15T08:50:36","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11109"},"modified":"2012-06-24T16:24:51","modified_gmt":"2012-06-24T14:24:51","slug":"11109","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/12\/11109\/","title":{"rendered":"Finanzdesaster bei der Rostocker Warnowquerungsgesellschaft WQG"},"content":{"rendered":"<p>? Ausbleibende Profite sollen auf die Allgemeinheit abgew?lzt werden <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nVor einigen Tagen (Samstag, 4.12.2004) vermeldete die Rostocker Ostsee-Zeitung: &#8222;Warnowtunnel droht die Pleite&#8220;.&nbsp; Der Tunnel unterhalb der Warnow, der den Rostocker Nordwesten mit dem Nordosten und der Autobahn verbindet, ist das erste privat finanzierte Strassenbauprojekt dieser Art und wurde zu einem Prestige-Objekt des Bundes, insbesondere des Bundesverkehrsministers Stolpe.<\/p>\n<p> Laut einem Gutachten, da&szlig; im Auftrage des Finanzkonsortiums (bestehend aus 14 Banken, da&szlig; den 220 Mio ? teuren Tunnelbau zu 68 % kreditfinanzierte ? der Rest sind Einlagen der Betreibeergesellschafter und EU-F&ouml;rdermittel) durch Faber Maunsell und BPI Consult erstellt wurde, drohe der WQG (Gesellschafter zu 70 % der australische Logistikkonzern ETI Maquarie und zu 30 % der franz&ouml;sische Baukonzern Boygues) 2005\/2006 die Zahlungsunf&auml;higkeit. Dies gehe laut OZ aus einem internen Protokoll eines im Oktober in Bonn stattgefundenen Treffens zwischen dem Finanzkonsortium, Vertretern der Landesregierung und des Bundesverkehrsministeriums (BVM) hervor, wo das Finanzkonsortium dieses Gutachten vorlegte. <\/p>\n<p> Tritt die Zahlungsunf&auml;higkeit tats&auml;chlich ein, so fiele laut BVM die komplette Last von 220 Mio ? an den Stra&szlig;enbautr&auml;ger ? also HRO. Bund und Land sehen keinen Spielraum f&uuml;r finanzielle Hilfen. Rostock hat bereits jetzt ein Haushaltsloch von 150 Mio ?. K&auml;men diese 220 Mio ? tats&auml;chlich auch noch hinzu, w&uuml;rde Rostock der finanzielle Kollaps bevorstehen. Von der Sachlage, die laut dem BVM-Referatsleiter Rinke vorliegt, scheint aber in Rostock niemand etwas zu wissen. Es gilt wieder mal Mein Name ist Hase, ich wei&szlig; von nix! <\/p>\n<p> Ex-OB P&ouml;ker (f&uuml;r seine wirtschaftlichen &#8222;Verdienste&#8220; von Frankreich zum Ritter der Ehrenlegion ernannt &#8211; Zu den &#8222;wirtschaftlichen Leistungen&#8220; dieses Herrn geh&ouml;ren zB die IGA-Schulden in H&ouml;he von 20 Mio ? die er Rostock bereits hinterl&auml;sst) h&ouml;re davon zum ersten Mal, so seine Aussage auf Nachfrage der OZ, und verweist an den ehemaligen Wirtschaftssenator Sch&ouml;rken (CDU und OB-Kandidat). Sch&ouml;rken sagt, er habe nur ausgef&uuml;hrt was P&ouml;ker auf dem Weg gebracht habe, aber: Die Behauptung des BVM sei definitiv falsch. W&ouml;rtlich sagte er: &#8222;Das ist ein rein unternehmerisches Problem.&#8220; <\/p>\n<p> Hauptproblem f&uuml;r die finazielle Schieflage des Warnowtunnels sei die mangelnde Nutzung. Geplant wurde mit ca 20.000 Durchfahrten t&auml;glich. Stattdessen nutzen nur 8.500 Fahrzeuge (wovon 2 % nur LKW?s sind) den kostenpflichtigen Tunnel. Die Stadt habe bei der Tunnelbauplanung, so Rinke vom BVM, eine Verkehrsberuhigung der Rostocker City zugesagt. Die Zusage sei Gesch&auml;ftsgrundlage f&uuml;r den Konzessionsvertrag gewesen. Au&szlig;erdem sei Rostock die Auftraggeberin f&uuml;r den Tunnelbau und auch Eigent&uuml;merin des Tunnels, auch wenn die Betreiber-Konzession f&uuml;r 30 Jahre an die WQG gegangen ist, womit der Tunnelbau &uuml;ber die Maut-Einnahmen in dieser Zeit refinanziert werden soll. <br \/> Und genau diese Refinanzierung, plus nat&uuml;rlich einer saftigen vorab eingeplanten Profitmarge f&uuml;r die Banken, scheint nun nicht ganz nach Wunsch zu laufen. WQG-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Herrmann sagte (siehe OZ vom 7.09.2004) noch am 6.09.2004, da&szlig; man die urspr&uuml;nglich angestrebte Durchfahrtszahl von 20.000 gar nicht ben&ouml;tige um wirtschaftlich &uuml;berleben zu k&ouml;nnen. F&uuml;r die Anfangsphase von 3 bis 5 Jahren (also bis 2008) seien alle laufenden Kosten mit der derzeitigen Auslastung (betrug zu diesem Zeitpunkt 9.000) gedeckt. Rund 13.000 Durchfahrten erhoffe man sich f&uuml;r das Ende der Anfangsphase 2008. W&ouml;rtlich sagte Herrmann: &#8222;Der Trend geht in die richtige Richtung.&#8220; <\/p>\n<p> Wenige Wochen nach dieser Aussage scheint nun alles ganz anders ? Pl&ouml;tzlich reicht das doch nicht. Die Banken wollen halt mehr. Sie wollen Profite einfahren und drohen ihre Anteile zu unter Einstandspreis zu ver&auml;ussern und dies wiederum w&uuml;rde letzlich zu den Zahlungsschwierigkeiten dann f&uuml;hren, die den Tunnelbetreiber mit Zahlungsunf&auml;higkeit dann bedrohen. Daher nun stellen die Banken Forderungen an Rostock, da&szlig; nun f&uuml;r die ausbleibenden, aber eben kalkulierten Profite gef&auml;lligst sorgen soll. Die Stadt m&uuml;sse verkehrsberuhigt werden, so die Forderung des Finanzkonsortiums, damit die Autofahrer den Tunnel als Alternative &#8222;freiwillig&#8220; annehmen. Als &#8222;verkehrsberuhigende&#8220; Ma&szlig;nahmen fordern sie, da&szlig; die B 105 (f&uuml;hrt am Alten Hafen vorbei und dann die Hamburger Str.) und die B 103 (Stadtautobahn nach Warnem&uuml;nde) von ihren bis zu 4 Spuren auf maximal 2 Spuren zur&uuml;ckgebaut werden und dort jeweils nur noch Tempo 30 herrschen solle. Aus diesen Bundesstrassen sollen kommunale Strassen werden, wof&uuml;r bereits Umwidmungspl&auml;ne auch vorliegen. So sollen k&uuml;nstliche Staus erzeugt und die Autofahrer zur Tunnelnutzung gezwungen werden. <\/p>\n<p> Als Alternative schlagen die Banken vor: &Uuml;bernahme des Tunnels und R&uuml;ckzahlung der Kredite durch die &ouml;ffentliche Hand. Solange das Finanzkonsortium Profite sprudeln sehen hat (wenn auch nur in der Zukunft), hat es nicht angeboten, da&szlig; die &ouml;ffentliche Hand daran partizipiert. Stattdessen soll die &ouml;ffentliche Hand jetzt f&uuml;r ausbleibende Profite einspringen und der normale B&uuml;rger f&uuml;r v&ouml;llige Fehlplanungen der abgehobenen Konzernspitzen aufkommen. =&gt; Und dies scheint auch von vorn herein so vorgesehen gewesen zu sein. Denn laut dem BVM sei dies schon in den Konzessionsvertr&auml;gen so vorgesehen gewesen. <\/p>\n<p> Von vorn herein war also letztlich vorgesehen, da&szlig; die Kapitalisten die Profite einstecken und falls es nicht zu Profiten kommt die &ouml;ffentliche Hand (was ja die Steuerzahler, also letztlich die Masse der Lohnempf&auml;ngerInnen, der Erwerbslosen u. a. einfache Schichten sind) aufzukommen habe. <br \/> An derart durch das Kapital diktierten Vertr&auml;gen zeigt sich wieder mal wer tats&auml;chlich die Macht in diesem System hat. Das Kapital regiert und was es fordert hat gef&auml;lligst zu geschehen. Und die von der Bev&ouml;lkerung gew&auml;hlten Volksvertreter? Sie stimmen dem zu, werfen die Interessen ihrer W&auml;hler &uuml;ber Bord und beugen sich den Forderungen der Banken und Konzerne ? den wahren Machtzentren in diesenm System. Anders l&auml;sst es sich nicht erkl&auml;ren, da&szlig; derartige Vertr&auml;ge durch Bund und Land und Kommune mit Konzernen abgeschlossen werden, in denen sie derartige Zusagen machen. <\/p>\n<p> Leider ist bislang nicht nachvollziehbar was tats&auml;chlich in den in diesem Falle in den abgeschlossenen Konzessionsvertr&auml;gen steht. Diese sind nach wie vor Verschlu&szlig;sache. Selbst die gew&auml;hlten VolksvertreterInnen der Hansestadt Rostock kennen nicht den Inhalt dieser Vertr&auml;ge und erhalten bislang auch keinen Zugang dazu und dies obwohl der Inhalt dieser Vertr&auml;ge eine gigantische Bedeutung f&uuml;r die Stadt haben. Mehrfach wurde in der letzten Legislaturperiode der B&uuml;rgerschaft die Einsicht und Offenlegung der Vertr&auml;ge beantragt, jedoch bis heute wurde diese nicht gew&auml;hrt. <br \/> Die Vertr&auml;ge m&uuml;ssen aber umgehend offengelegt werden, denn trifft es zu das Rostock f&uuml;r das Finanzdesaster einspringen mu&szlig; und die oben genannten 220 Mio ? zur Belastung f&uuml;r die Stadt werden, dann bedeutet das letztlich wieder das das Geld innert der Stadt eingespart werden mu&szlig; und dies bedeutet letztlich wieder, da&szlig; man da k&uuml;rzt wo es immer geschieht: Im sozialen Bereich und anderen Bereichen die den Einwohnern das Leben in Rostock etwas erleichtern sollen (Jugendbereich u. &auml;.). <br \/> <span style=\"font-weight: bold;\"><br \/> Deshalb: <\/span> <\/p>\n<p>Umgehende Offenlegung der Vertr&auml;ge. <\/p>\n<p>B&uuml;rgschaften von Land und Bund (die Vertragspartner beim Konzessionsvertrag des Tunnels waren\/sind), damit Rostock keine finanzielle Belastungen durch den Tunnel entstehen. Geld daf&uuml;r ist da, zB durch R&uuml;cknahme der Steuererleichterungen f&uuml;r Reiche (Senkung des Spitzensteuersatzes &#8211; Einkommensmillion&auml;re, und davon gibt es einige, bekommen ab Jan 2005 eine Steuerentlastung von mehr als 8.000 ? monatlich) <\/p>\n<p>Die Banken und Konzerne m&uuml;ssen die Verantwortung f&uuml;r ihre eigenen Pl&auml;ne &uuml;bernehmen ? das bedeutet: Nicht nur Profite einstecken, sondern gegebenenfalls auch f&uuml;r Verluste einstehen, die aus fr&uuml;her erzielten Profiten zudem gedeckt sind. &Uuml;bernahme durch die &ouml;ffentliche Hand nur, wenn Bed&uuml;rftigkeit besteht und diese durch Offenlegung der B&uuml;cher der betroffenen Banken und Konzerne nachgewiesen wird. ? &Uuml;berf&uuml;hrung der Finanz- und Kapitalriesen in staatliche Kontrolle.<\/p>\n<p> <i>von Heike H?rig, Rostock<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>? 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