{"id":11103,"date":"2004-11-29T10:12:54","date_gmt":"2004-11-29T10:12:54","guid":{"rendered":".\/?p=11103"},"modified":"2004-11-29T10:12:54","modified_gmt":"2004-11-29T10:12:54","slug":"11103","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/11\/11103\/","title":{"rendered":"Arme immer &auml;rmer"},"content":{"rendered":"<p>Bericht der Bundesregierung: Soziale Unterschiede in den letzten sechs Jahren gewachsen. Kinder von Armut besonders betroffen. Geringere Bildungschancen.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Reichen werden reicher, die Armen &auml;rmer. Diese vernichtende Bilanz der sechsj&auml;hrigen SPD-Gr&uuml;nen-Regentschaft zieht der am Wochenende bekannt gewordene Armutsbericht der Bundesregierung. Urspr&uuml;nglich sollte der Report zu den &raquo;Lebenslagen in Deutschland&laquo; erst nach der nordrhein-westf&auml;lischen Landtagswahl Mitte n&auml;chsten Jahres vorgelegt werden. Nun berichtete der Spiegel jedoch am Sonntag bereits &uuml;ber die wichtigsten Ergebnisse. Und diese sind, wie von Anti-Hartz-Demonstranten und sozialen Initiativen erwartet, verheerend. Der Anteil der von Armut betroffenen Haushalte stieg seit Regierungsantritt 1998 von 12,1 auf 13,5 Prozent. Der EU zufolge gilt als arm, wem bis zu 60 Prozent des mittleren Einkommens aller vergleichbaren Haushalte zur Verf&uuml;gung steht. Laut Spiegel summiert sich das bei einer vierk&ouml;pfigen Familie einschlie&szlig;lich aller staatlichen Zusch&uuml;sse auf lediglich rund 1550 Euro im Monat. Jede siebte Familie mu&szlig; mit dieser Summe oder noch weniger auskommen. <br \/>  Die gegenteilige Entwicklung ist bei den Reichen dieses Landes auszumachen. Die oberen zehn Prozent aller Haushalte besitzen 47 Prozent des Nettoverm&ouml;gens &#x96; das sind zwei Prozent mehr als vor sechs Jahren. Zum Vergleich: die untere H&auml;lfte besitzt lediglich vier Prozent (1998: 4,4 Prozent). Bei insgesamt f&uuml;nf Billionen Euro Nettoverm&ouml;gen &#x96; fast 20-mal soviel wie das Volumen des Bundesetats &#x96; verf&uuml;gt jeder Haushalt statistisch gesehen &uuml;ber 133 000 Euro. Nur werden viele dieses Geld bei sich vergeblich suchen. Stattdessen w&auml;chst die Verschuldung dramatisch zu: Mit 3,13 Millionen ist die Zahl der &uuml;berschuldeten Privathaushalte gegen&uuml;ber 1999 um 13 Prozent gewachsen. <br \/>  Und es sind die J&uuml;ngsten, die am meisten unter dieser Entwicklung zu leiden haben. W&auml;hrend sich der Anteil der Armen unter den &uuml;ber 65j&auml;hrigen in den vergangenen sechs Jahren von 13,3 auf 11,4 Prozent verringerte, stellen Minderj&auml;hrige laut Bericht mit 1,1 Millionen die &raquo;mit Abstand gr&ouml;&szlig;te Gruppe&laquo; unter den Sozialhilfeempf&auml;ngern. Zudem sind die Bildungschancen von Kindern reicher Eltern deutlich h&ouml;her. Diese haben dem Regierungsreport zufolge 7,4 mal gr&ouml;&szlig;ere M&ouml;glichkeiten, ein Studium aufzunehmen, als Kinder aus einem Elternhaus mit niedrigem sozialen Status. <br \/>  Der Armutsbericht, erst der zweite seiner Art, weist noch auf eine andere Tatsache hin, die u.a. mit dem unterschiedlichen Zugang zu Bildung in Zusammenhang stehen d&uuml;rfte: Die Grenzen zwischen den Klassen und Schichten sind, zumindest von unten nach oben, &auml;u&szlig;erst undurchl&auml;ssig. So schafft es ein Drittel der armen Haushalte auch nach Jahren nicht, ihre Lage zu verbessern. Aus der Mittelklasse steigen ebenfalls nur ganz wenige in die Oberschicht auf. <br \/>  Die ersten Reaktionen der Bundesregierung lassen indes nicht auf einen durch den Bericht hervorgerufenen Sinneswandel schlie&szlig;en. Die Bundesrepublik sei &raquo;besser durch die Krise gefahren, als andere L&auml;nder&laquo;, behauptete ein Sprecher des Sozialministeriums am Samstag, um dann die &uuml;blichen neoliberalen Konzepte anzupreisen. F&uuml;r eine durchgreifende Ver&auml;nderung der Einkommens- und Verm&ouml;gensverh&auml;ltnisse sei ein gr&ouml;&szlig;eres Wachstum der Wirtschaft vonn&ouml;ten. Mit der &raquo;Agenda 2010&laquo; habe die Regierung &raquo;die Herausforderung durch den demographischen Wandel und die Globalisierung angenommen&laquo;, fabulierte der Sprecher. Zum Bericht selbst wollte er nicht Stellung beziehen, da dieser im Kabinett noch nicht behandelt worden sei. Die Folgen dieser Politik werden indes deutlich, wenn man den aktuellen Spiegel nur ein paar Seiten weiter bl&auml;ttert. &raquo;Die Angst vor gewaltsamen Ausschreitungen gegen Arbeitsagenturen w&auml;chst&laquo;, hei&szlig;t es dort. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Daniel Behruzi<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht der Bundesregierung: Soziale Unterschiede in den letzten sechs Jahren gewachsen. Kinder von Armut besonders betroffen. 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