{"id":11102,"date":"2004-12-02T10:04:31","date_gmt":"2004-12-02T09:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11102"},"modified":"2012-06-24T16:25:09","modified_gmt":"2012-06-24T14:25:09","slug":"11102","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/12\/11102\/","title":{"rendered":"Ausverkauf im &ouml;ffentlichen Dienst?"},"content":{"rendered":"<p>ver.di ist bei Tarifreform und Lohnrunde zu weitgehenden Zugest&auml;ndnissen bereit<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIn der Auseinandersetzung um Arbeitszeiten und Tarife im &ouml;ffentlichen Dienst zeigt sich die ver.di-Spitze weiterhin ohne jegliches Konzept. Im Gegenteil: Im Rahmen der Neugestaltung des Tarifrechts (Prozessvereinbarung) bereitet sie die kampflose Aufgabe grundlegender tariflicher Errungenschaften vor.<br \/>  Knapp 17.000 Landesbedienstete gingen beim bundesweiten Aktionstag am 17. November gegen Arbeitszeitverl&auml;ngerung und Lohnraub auf die Stra&szlig;e. In allen Bundesl&auml;ndern stehen Urlaubs- und Weihnachtsgeld zur Disposition, die Arbeitzeiten sollen auf bis zu 42 Wochenstunden angehoben werden. <br \/>  Bei den BeamtInnen ist das schon beschlossene Sache. Die Folge: Allein in Nordrhein-Westfalen fallen durch die auf 41 Stunden verl&auml;ngerte Arbeitszeit 11.300 Jobs weg. Sollte &auml;hnliches f&uuml;r die rund sieben Millionen direkt und indirekt im &ouml;ffentlichen Dienst Besch&auml;ftigten durchgesetzt werden, w&auml;re dies das gr&ouml;&szlig;te Arbeitsplatzvernichtungsprogramm der bundesrepublikanischen Geschichte.<br \/>  Im &ouml;ffentlichen Dienst droht &#x84;ein Konflikt in bisher nicht bekanntem Ausma&szlig;&#x93;, hatte ver.di-Chef Frank Bsirske bereits vor Monaten in der Frankfurter Rundschau verk&uuml;ndet. Leider sind dieser Feststellung keine Konsequenzen gefolgt. Per Dekret verl&auml;ngerte Arbeitszeiten und gestrichene Sonderzahlungen bei den BeamtInnen wurden kampflos hingenommen. Gleiches gilt f&uuml;r die K&uuml;ndigung der Tarifvertr&auml;ge f&uuml;r Weihnachts- und Urlaubsgeld durch Bund und L&auml;nder &#x96; ein klarer Versto&szlig; gegen die in der vergangenen Tarifrunde geschlossene &#x84;Prozessvereinbarung&#x93;. <br \/>  Obwohl die Tarifgemeinschaft deutscher L&auml;nder (TdL) auch die Vereinbarungen zur Arbeitzeit aufk&uuml;ndigte, und der kommunale Arbeitgeberverband VKA erkl&auml;rte, das Arbeitzeitvolumen im kommenden Jahr auf die Tagesordnung setzen zu wollen, f&uuml;hrte die ver.di-Spitze die Verhandlungen &uuml;ber ein neues Tarifrecht fort.<br \/>  Zu welch weitgehenden Zugest&auml;ndnissen Bsirske und Co bereit sind, zeigte sich bei den im Oktober mit Innenministier Otto Schily (SPD) vereinbarten &#x84;Eckpunkten f&uuml;r eine Reform des Beamtenrechts&#x93;. Die K&uuml;rzung beziehungsweise Streichung von Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie die Verl&auml;ngerung der Arbeitszeiten bei den BeamtInnen hat die Gewerkschaftsf&uuml;hrung damit faktisch akzeptiert. Den Widerstand gegen dieselben Ma&szlig;nahmen f&uuml;r ArbeiterInnen und Angestellte f&uuml;hrt das ad absurdum. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;Leistungsbezahlung&#x93;<\/span><\/p>\n<p>  In den &#x84;Eckpunkten&#x93; selbst stimmt die ver.di-Spitze der Umwandlung bisheriger nach Familienstand und Dienstalter gezahlten Zuschl&auml;ge in &#x84;Leistungsbezahlung&#x93;, sprich: Nasenpr&auml;mien, weiterer Arbeitszeitflexibilisierung und einer &#x84;freiwilligen&#x93; Verl&auml;ngerung der Lebensarbeitszeit zu. Und diese &#x84;Reformen&#x93; sollen Schule machen. &#x84;Das setzt Standards &#x96; auch f&uuml;r L&auml;nder und Kommunen&#x93;, so Bsirske.<br \/>  Der bisherige Verhandlungsstand f&uuml;r die ArbeiterInnen und Angestellten von Bund und Kommunen geht in eben diese Richtung: Einf&uuml;hrung einer Niedriglohngruppe mit Armutsl&ouml;hnen von 1.286 Euro West \/ 1.189,55 Ost, Wegfall von Bew&auml;hrungs- und Zeitaufstieg sowie familienbezogener Lohnbestandteile, stattdessen &#x84;leistungsbezogene Entgeltelemente&#x93; von bis zu acht Prozent der Jahresverg&uuml;tung, Arbeitszeitkorridore von bis zu 45 Wochenstunden, &#8230; <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Verzicht auf Lohnforderung?!<\/span><\/p>\n<p>  Und f&uuml;r diese &#x84;Erfolge&#x93; scheint die ver.di-F&uuml;hrung gar bereit zu sein, in der anstehenden Tarifrunde auf eine Lohnforderung zu verzichten. <br \/>  Die Bundestarifkommission wird am 16. Dezember entscheiden, ob die Verg&uuml;tungstarifvertr&auml;ge &uuml;berhaupt gek&uuml;ndigt werden. Sollte sie das nicht tun, und somit von vornherein eine Nullrunde &#x96; sprich Lohnverlust &#x96; zugestehen, w&auml;re dies ein verheerendes Signal f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Dienst und weit dar&uuml;ber hinaus.<br \/>  Bei dem anstehenden Konflikt geht es um mehr als die Verteidigung der L&ouml;hne, Arbeitszeiten und Jobs. Es geht um die Verteidigung des gesamten &ouml;ffentlichen Dienstes. Die ver.di-Spitze hat die neoliberale Ideologie, nach der alle Dienstleistungen der Konkurrenz auf dem Markt ausgesetzt sein m&uuml;ssen, inzwischen vorbehaltlos akzeptiert. Aber mit Tarifabsenkungen wird Privatisierung nicht verhindert, sondern im Gegenteil vorbereitet. Jedes weitere Zugest&auml;ndnis ermutigt die Arbeitgeber zu weiteren Dreistigkeiten. <br \/>  Deshalb fordern wir den Abbruch der Verhandlungen zur Neugestaltung des Tarifrechts und die K&uuml;ndigung der Entgelttarifvertr&auml;ge auf Ende Januar. Das w&uuml;rde endlich eine gemeinsame und entschlossene Mobilisierung aller Besch&auml;ftigten im &ouml;ffentlichen Dienst erm&ouml;glichen. <br \/>  Nur ein bundesweiter Streik im &Ouml;ffentlichen Dienst, inklusive der BeamtInnen, kann die Arbeitgeberoffensive stoppen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Daniel Behruzi, Mitglied im Berliner Sprecherrat des Netzwerks f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ver.di ist bei Tarifreform und Lohnrunde zu weitgehenden Zugest&auml;ndnissen bereit<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[15],"tags":[166],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11102"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11102"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11102\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}