{"id":11101,"date":"2004-11-30T10:01:55","date_gmt":"2004-11-30T09:01:55","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11101"},"modified":"2012-06-24T16:16:01","modified_gmt":"2012-06-24T14:16:01","slug":"11101","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/11\/11101\/","title":{"rendered":"Angriff auf die Mitbestimmung"},"content":{"rendered":"<p>Korrektur eines &#x84;Irrtums der Geschichte&#x93;?<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer neue Angriff der Banken und Konzerne kommt nicht &uuml;berraschend: Bereits letztes Jahr hatte Rogowski gefordert, das Betriebsverfassungsgesetz auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Die Einschr&auml;nkung der Mitbestimmung ist neben der Aufweichung des K&uuml;ndigungsschutzes und des Streikrechts der wichtigste Angriff der Unternehmer auf erk&auml;mpfte Rechte der Arbeiterbewegung. <br \/>  Um k&auml;mpferische Belegschaften aber auch zuk&uuml;nftig unter Kontrolle zu halten, wollen die Unternehmer eine starke Einschr&auml;nkung und Flexibilisierung dieser Rechte und nicht ihre vollst&auml;ndige Abschaffung.<br \/>  Das Ziel ist eine weitere Verbetrieblichung der Auseinandersetzungen zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse und die Aush&ouml;hlung des Fl&auml;chentarifvertrags. Im Jargon von BDA-Chef Hundt hei&szlig;t das eine &#x84;neue Balance zwischen Betriebs- und Tarifautonomie.&#x93;<br \/>  Ein gutes Beispiel ist die Metallindustrie. Der Fl&auml;chentarifvertrag der Metallbranche ist bereits durch zahlreiche betriebliche &Ouml;ffnungsklauseln durchl&ouml;chert. Bei der Metall-Tarifrunde im Fr&uuml;hjahr konnte die 40-Stunden-Woche durch den Druck von 500.000 kampfbereiten KollegInnen noch in der Fl&auml;che verhindert werden. Die IG Metall stimmte jedoch gleichzeitig weitreichenden betrieblichen &Ouml;ffnungsklauseln zu. Dreihundert Unternehmen machten von dieser Einladung Gebrauch. Die bekanntesten F&auml;lle sind Siemens und Daimler. In diesen F&auml;llen stimmten Betriebsrat und IG Metall dem Ausverkauf von Arbeiterinteressen zu. <br \/>  Die Zeiten sind vorbei, in denen die Arbeitgeber Rationalisierungsma&szlig;nahmen und Lohnk&uuml;rzungen durch Kompromisse gemeinsam mit den Gewerkschaften durchsetzen wollten. Wenn die Gewerkschaften heute ihren Angriffen zustimmen, ist das gut. Verweigern sie ihre Zustimmung, ziehen die Kapitalisten ihre Pl&auml;ne auch ohne sie durch. Das wurde bei nahezu allen &#x84;Verhandlungen&#x93; zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften in diesem Jahr deutlich. <br \/>  Mit der Verlagerung von Tarifauseinandersetzungen auf die betriebliche Ebene wollen die Arbeitgeber ein ganz anderes Regime in den Betrieben schaffen: ein Regime der Angst. Alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung stehen auf der Abschussliste. Mit der Angst vor Arbeitsplatzverlust und einem Abgleiten in Hartz IV werden ganze Belegschaften erpresst. L&ouml;hne werden massiv gek&uuml;rzt und Arbeitsbedingungen erheblich verschlechtert. Durch ein Zur&uuml;ckdr&auml;ngen des gewerkschaftlichen Einflusses und eine Schw&auml;chung der Betriebsr&auml;te erwarten die Unternehmer eine einfachere Durchsetzung ihrer Interessen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Pl&auml;ne der Herrschenden<\/span><\/p>\n<p>  Angeblicher Anlass zum Vorsto&szlig; von BDI und BDA ist die Einf&uuml;hrung von Europ&auml;ischen Aktiengesellschaften durch die EU. Deshalb m&uuml;sste das deutsche Modell der Mitbestimmung im Aufsichtsrat eingeschr&auml;nkt werden. Doch selbst b&uuml;rgerliche Medien wie die Financial Times Deutschland schreiben (10. November): &#x84;Ihr Hinweis (von BDI und BDA, Anm. der Red.), die Mitbestimmungsrechte m&uuml;ssten wegen europ&auml;ischen Sachzw&auml;ngen beschnitten werden, ist eher vorgeschoben. Die Verbandsvertreter setzen auf die Macht der Verh&auml;ltnisse: Die Gewerkschaften stehen mit dem R&uuml;cken zur Wand, der Abbau des alten Sozialstaats steht auf der Agenda.&#x93;<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Schw&auml;chung der Gewerkschaften<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Genau das ist eines der Ziele der Arbeitgeberverb&auml;nde: Die Gewerkschaften sollen aus der Mitbestimmung im Aufsichtsrat entfernt werden. GewerkschaftsvertreterInnen, die bisher automatisch in Aufsichtsr&auml;te entsandt werden, sollen zuk&uuml;nftig nur noch unter erschwerten Bedingungen einen Sitz erlangen. Auf Grund des doppelten Stimmrechts des Vorsitzenden von der Arbeitgeberseite und eines leitenden Angestellten auf Arbeitnehmerseite war die Zusammensetzung des Aufsichtsrats auch bei Aktiengesellschaften mit &uuml;ber 2.000 Besch&auml;ftigten nie wirklich parit&auml;tisch. Doch diese Regelung soll nun durch freiwillige Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und ArbeitervertreterInnen ersetzt werden. Sollten diese sich nicht einigen, greift eine gesetzliche Regelung, die lediglich eine Drittelbeteiligung der Arbeitervertreter festschreibt. Dadurch versprechen sich die Bosse eine einfachere und schnellere Durchsetzung ihrer Pl&auml;ne. <br \/>  Warum nicht alle Kapitalisten statt einer Flexibilisierung die komplette Abschaffung der Mitbestimmung fordern, erkl&auml;rt EnBW-Chef&nbsp; Claassen: &#x84;Nur wer die Menschen im Unternehmen mit nimmt, kann erfolgreich reformieren und restrukturieren. Der Sanierunsgerfolg der EnBW in den zur&uuml;ckliegenden zw&ouml;lf Monaten w&auml;re ohne die Einbindung und Mitwirkung der Arbeitnehmervertreter so nicht m&ouml;glich gewesen.&#x93; Noch deutlicher wird der Pr&auml;sident des ifo-Instituts Sinn: &#x84;Mitbestimmung in Form von Aufsichtsratssitzen kann Vorteile haben, weil die Interessensgegens&auml;tze mit den Arbeitnehmern nicht auf der Stra&szlig;e ausgetragen werden m&uuml;ssen.&#x93; F&uuml;r diese Art der Einbeziehung von Arbeitervertretern, f&uuml;r die Verhinderung radikalerer Klassenauseinandersetzungen &#x96; daf&uuml;r wurde die Mitbestimmung eingef&uuml;hrt. <br \/>  Betriebliche Mitbestimmung unter Beschuss<br \/>  Der entscheidende Angriff der Unternehmer ist jedoch die geplante Einschr&auml;nkung der betrieblichen Mitbestimmung, das hei&szlig;t der Rechte der Betriebsr&auml;te. Nach bisheriger Regelung&nbsp; kann in Betrieben mit mindestens f&uuml;nf Besch&auml;ftigten ein Betriebsrat gebildet werden. Dieser hat beispielsweise bei Einstellungen, K&uuml;ndigungen und dem Aufstellen von Sozialpl&auml;nen Mitbestimmungsrechte. In vielen Fragen muss er vom Arbeitgeber informiert oder angeh&ouml;rt werden. <br \/>  Auch wenn er per Gesetz zur &#x84;vertrauensvollen Zusammenarbeit&#x93; mit dem Arbeitgeber verpflichtet ist und nicht zu Streiks aufrufen darf, kann er eine wichtige Rolle spielen. So verhindert die k&auml;mpferische Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Personalr&auml;te in Nordrhein-Westfalen seit &uuml;ber zehn Jahren die Privatisierung der nordrhein-westf&auml;lischen Studentenwerke. Der Personalratsvorsitzende Manfred Engelhardt setzte und setzt f&uuml;r die Interessen der KollegInnen und der Studierenden immer wieder seinen Arbeitsplatz aufs Spiel.<br \/>  Nach den Vorstellungen der Rogowskis und Hundts soll ein Betriebsrat jedoch zuk&uuml;nftig nur noch dann eingerichtet werden k&ouml;nnen, wenn sich ein Drittel der Besch&auml;ftigten eines Betriebs an der Wahl beteiligt. Bisher existiert daf&uuml;r keine H&uuml;rde. Die Einf&uuml;hrung einer solchen H&uuml;rde w&uuml;rde die Wahl von Betriebsr&auml;ten daher erheblich erschweren und auch Arbeitgebern die M&ouml;glichkeit geben, die Betriebsratswahl zu sabotieren. Die Zahl der Betriebsr&auml;te insgesamt und der freigestellten Betriebsr&auml;te soll au&szlig;erdem verringert werden.&nbsp; <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Entstehung der Mitbestimmung<\/span><\/p>\n<p>  Alle Errungenschaften der Arbeiterbewegungung mussten bitter erk&auml;mpft werden. Viele der erk&auml;mpften Rechte sind das Ergebnis revolution&auml;rer Prozesse. Oftmals blieben dabei von den urspr&uuml;nglichen Forderungen der ArbeiterInnen nur kleine Reste &uuml;brig. Diese erf&uuml;llten die Funktion von Zugest&auml;ndnissen, die eine weitere Radikalisierung der Arbeiterklasse verhindern und den Kapitalisten helfen sollten, die Kontrolle &uuml;ber revolution&auml;re Bewegungen zu gewinnen &#x96; oft mit katastrophalen Folgen f&uuml;r die Arbeiterklasse. Das ist der rote Faden, der sich durch die Geschichte der Mitbestimmung zieht.<br \/>  1900: Erste Arbeiteraussch&uuml;sse<br \/>  Neben einzelnen Ausnahmen werden die ersten Arbeiteraussch&uuml;sse um 1900 in bayerischen und preu&szlig;ischen Bergbaubetrieben mit mehr als zwanzig beziehungsweise hundert Besch&auml;ftigten gebildet. Sie haben Informations- und Anh&ouml;rungsrechte in sozialen und personellen Fragen. Ohne die gro&szlig;en Arbeitsk&auml;mpfe und Massenstreiks um die Jahrhundertwende und besonders in den Jahren 1905 \/ 1906 w&auml;ren diese Aussch&uuml;sse jedoch nie zugestanden worden. So streiken 1905 allein 220.000 Bergarbeiter im Ruhrgebiet. Dies bildet den Auftakt zu einer gro&szlig;en Streikwelle. Im Jahr 1906 kommt es zu insgesamt 3.000 Arbeitsk&auml;mpfen.<br \/>  Aufgrund eines akuten Arbeitskr&auml;ftemangels im Ersten Weltkrieg verabschiedet der Reichstag im Dezember 1916 das &#x84;Gesetz &uuml;ber den vaterl&auml;ndischen Hilfsdienst&#x93;. Das Gesetz verpflichtet jeden m&auml;nnlichen Deutschen vom 17. bis 60. Lebensjahr zur Arbeit. Die Gewerkschaften unterst&uuml;tzen es im Rahmen ihrer &#x84;Burgfriedenspolitik.&#x93; <br \/>  Anstatt f&uuml;r die Arbeiterinteressen international einzustehen und gegen den Krieg zu k&auml;mpfen, stellt sich die Gewerkschaftsf&uuml;hrung &#x96; genau wie die SPD &#x96; auf die Seite der deutschen Bourgeoisie. Als Gegenleistung werden in allen kriegswichtigen Betrieben mit &uuml;ber f&uuml;nfzig ArbeiterInnen Arbeiteraussch&uuml;sse eingerichtet.&nbsp; Gro&szlig;e Teile der Arbeiterklasse lehnen das Gesetz jedoch ab. Manche Aussch&uuml;sse werden Teil der Antikriegsbewegung und erkennen, dass eine grundlegende Verbesserung ihrer Lage nur mit dem Ende des Krieges &#x96; und damit nur gegen die imperialistischen Bestrebungen des deutschen Gro&szlig;kapitals&nbsp; &#x96; m&ouml;glich ist. <br \/>  In Opposition zur Burgfriedenspolitik der Gewerkschaftsf&uuml;hrung bilden sich aus den Streiks gegen Krieg und katastrophale Ern&auml;hrungslage der Jahre 1916 bis 1917 die revolution&auml;ren Obleute heraus. Diese Vertrauensleute bildeten eine Struktur von revolution&auml;ren, sozialistischen AktivistInnen in den Betrieben.<br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">1918: Arbeiter- und Soldatenr&auml;te<\/span><\/p>\n<p>  Aus dem Protest gegen den Krieg entsteht eine Revolution, die sich Anfang November &uuml;ber ganz Deutschland ausbreitet und am 9. November in einen Generalstreik m&uuml;ndet, der zur Abdankung des Kaisers f&uuml;hrt. Der Ausl&ouml;ser ist die Weigerung von Kieler Matrosen als Kanonenfutter f&uuml;r einen bereits verlorenen Krieg zu dienen. Sie bilden Soldatenr&auml;te. Auch die streikenden Arbeiter schaffen sich nach dem Vorbild der Russischen Revolution 1917 ihre eigenen Organisationen: Arbeiterr&auml;te. <br \/>  Doch obwohl die Arbeiter- und Soldatenr&auml;te weite Teile Deutschlands kontrollieren, ist die Revolution nicht vollendet. Die Kapitalisten sind noch nicht enteignet und die Arbeiterr&auml;te haben nicht die demokratische Kontrolle &uuml;ber die Produktion &uuml;bernommen. Der Hauptgrund liegt in dem Fehlen einer starken revolution&auml;ren Partei mit einem klaren Programm, die die Mehrheit in den R&auml;ten gewinnt und die Revolution siegreich beendet. Die SPD von Ebert und Noske paktiert mit der alten herrschenden Klasse und setzt sich zum Ziel, die R&auml;tebewegung zu zerschlagen. W&auml;hrend sie sich an die Spitze der Bewegung stellen, um eine Vollendung der Revolution zu verhindern, treten die Gewerkschaften in Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Das Ergebnis ist das &#x84;Abkommen &uuml;ber eine Zentralarbeitsgemeinschaft&#x93;. Die Gewerkschaften werden damit das erste Mal als Tarifpartner anerkannt. Den ArbeiterInnen und Angestellten wird die Koalitionsfreiheit zugesichert. Arbeiteraussch&uuml;sse und der Achtstundentag werden eingef&uuml;hrt. Die Gewerkschaften verzichten im Gegenzug darauf, die Eigentumsverh&auml;ltnisse grundlegend zu &auml;ndern. Das Abkommen verfolgt den Zweck, die revolution&auml;re Bewegung der Arbeiterklasse einzud&auml;mmen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">1920: Erstes Betriebsr&auml;tegesetz <\/span><\/p>\n<p>  Im Juli 1919 wird der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) gegr&uuml;ndet, der die bisherige Generalkommission der Gewerkschaften ersetzt. Auf dem ersten Kongress werden die wirtschaftliche und soziale Mitbestimmung auf allen Ebenen gefordert. Die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln wird nicht verlangt.<br \/>  In der Weimarer Verfassung wird die Einrichtung von Betriebsr&auml;ten in Artikel 165 aufgenommen. Im Jahr 1920 wird ein Betriebsr&auml;tegesetz beschlossen. Obwohl es&nbsp; Mitspracherechte des Betriebsrates bei Entlassungen und sozialen Fragen festschreibt, bleibt es insgesamt weit hinter den Erwartungen der Arbeiterschaft zur&uuml;ck. In allen wesentlichen&nbsp; Fragen beh&auml;lt der Unternehmer die alleinige Entscheidungsbefugnis. Betriebsr&auml;te werden zur Loyalit&auml;t gegen&uuml;ber dem Kapitalisten und &#x84;zur Wahrnehmung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber gegen&uuml;ber&#x93; verpflichtet. Gegen das Gesetz demonstrieren am 13. Januar 1920 mehrere zehntausend ArbeiterInnen in Berlin.<br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">1928: &#x84;Wirtschaftsdemokratie&#x93; contra Klassenkampf<\/span><\/p>\n<p>  Die theoretischen und programmatischen Schlussfolgerungen der bereits praktizierten Klassenkollaboration zieht die Gewerkschaftsb&uuml;rokratie im Jahr 1928. Die als &#x84;Wirtschaftsdemokratie&#x93; bezeichnete Idee geht von einer sozialpartnerschaftlichen Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit aus und predigt dieVereinbarkeit der Klasseninteressen. Die Mitbestimmung der ArbeiterInnen im Betrieb und &uuml;ber den Betrieb hinaus soll als Schl&uuml;ssel f&uuml;r die schrittweise Demokratisierung der Wirtschaft dienen.&nbsp; Der &#x84;Theoretiker&#x93; ist Fritz Naphtali. Zu seinem Programm geh&ouml;rt unter anderem der Ausbau der Rechte der Betriebsr&auml;te und die parit&auml;tische Vertretung der Arbeiterschaft in allen K&ouml;rperschaften. &Uuml;ber die Demokratisierung der Wirtschaft strebt die Arbeiterklasse Naphtali zufolge hinaus zum Sozialismus. Damit wird die Notwendigkeit einer Revolution zur Erlangung des Sozialismus geleugnet. Theoretisch &auml;hneln Naphtalis Vorstellungen denen Eduard Bernsteins, der sich zur Jahrhundertwende einen erbitterten Kampf mit dem revolution&auml;ren Fl&uuml;gel in der Sozialdemokratie lieferte. Die bekannteste Vertreterin des revolution&auml;ren Fl&uuml;gels war Rosa Luxemburg, die vehement die Auffassung vertrat, dass die Klassengesellschaft nicht allm&auml;hlich durch soziale und &ouml;konomische Reformen, sondern nur durch die Enteignung der Kapitalisten und die politische Macht&uuml;bernahme durch die Arbeiterklasse aufgehoben werden k&ouml;nnte. Das Programm Naphtalis wird nichtsdestotrotz 1928 vom Kongress der Freien Gewerkschaften angenommen. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">1933: Zerschlagung der Gewerkschaften<\/span><\/p>\n<p>  Die Realit&auml;t holt die Gewerkschaften jedoch mit Hitlers Machtergreifung im Jahr 1933 ein. Seit 1929 herrscht in Deutschland und weltweit eine tiefe Wirtschaftskrise. Zur Rettung ihrer Profite reichen den Kapitalisten einfache Zugest&auml;ndnisse der Gewerkschaftsf&uuml;hrung nicht mehr aus. Sie setzen deshalb auf die organisierte Zerschlagung der Arbeiterbewegung. Das Gro&szlig;kapital, mit denen die Gewerkschaftsspitzen bereitwillig paktierten, bringt Hitler und die NSDAP an die Macht. Der Verzicht der Gewerkschaftsf&uuml;hrung, die Arbeiterklasse geeint in den Kampf gegen Hitler zu f&uuml;hren und die Anbiederung an das Kapital anstelle eines klassenk&auml;mpferischen Kurses setzt dem Aufstieg der NSDAP nichts entgegen. Die Gewerkschaften werden vernichtet, ihre Mitglieder verfolgt und umgebracht. In den Betrieben wird das F&uuml;hrer-Gefolgschaft-Prinzip eingef&uuml;hrt. F&uuml;hrer ist der Unternehmer. ArbeiterInnen und Angestellte bilden die Gefolgschaft. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">1945: Nachkriegszeit<\/span><\/p>\n<p>  Nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es eine breite Stimmung gegen das Gro&szlig;kapital, das Hitler an die Macht gebracht hat. Breite Teile der Arbeiterklasse beteiligen sich an politischen Streiks gegen den Fortbestand der Gro&szlig;konzerne unter der Leitung ehemaliger Nazis. Die Forderung nach Sozialisierung der wichtigsten Industrien wie der Kohle-, Stahl- und Bergbauindustrie ist weit verbreitet. Im April 1947 stehen 300.000 Ruhrbergarbeiter im Streik. Die Hauptforderung ist: &#x84;Die Gruben in des Volkes Hand.&#x93; In vielen St&auml;dten bilden sich antifaschistische Aussch&uuml;sse, in denen besonders ArbeiterInnen organisiert sind. Bis zu ihrem Verbot &uuml;ben sie in ihren Bereichen die politische Macht aus. Ob zuk&uuml;nftig ein sozialistisches oder kapitalistisches Wirtschaftssystem in einem vereinigten Deutschland oder in den Westzonen eingef&uuml;hrt wird, ist noch nicht entschieden. Um der Stimmung innerhalb der Arbeiterklasse Ausdruck zu verleihen, beziehen sich sowohl die SPD als auch die CDU positiv auf den Sozialismus. Dahinter steht jedoch nicht der Wille den Sozialismus einzuf&uuml;hren, sondern vielmehr die Angst, die Arbeiterklasse k&ouml;nne sich weiter radikalisieren. Dem entspricht auch das Verhalten der Gewerkschaftsf&uuml;hrung. Statt den Klassenkampf weiter zuzuspitzen und die Einsetzung von Arbeiterr&auml;ten zur demokratischen Planung der Wirtschaft zu propagieren, greift sie auf ihre alten Vorstellungen einer Wirtschaftsdemokratie zur&uuml;ck und proklamiert damit zusammen mit der SPD den Dritten Weg zwischen Kapitalismus und Stalinismus. Ihre Forderungen reichen von Vergesellschaftung der Schl&uuml;sselindustrien bis zur parit&auml;tischen Mitbestimmung der Gewerkschaften in allen Aufsichts- und Verwaltungsorganen. Als sich die Stimmung innerhalb der Arbeiterklasse weiter anheizt, versuchen die Gewerkschaftsf&uuml;hrer alles, um eine gr&ouml;&szlig;ere Streikbewegung zu verhindern. Durch den immensen Druck m&uuml;ssen sie jedoch im November 1948 zu einem eint&auml;gigen Generalstreik aufrufen. Die Beteiligung ist gewaltig: Neun von zw&ouml;lf Millionen ArbeiterInnen der britisch-amerikanischen Besatzungszone streiken. <br \/>  Die Gewerkschaftsspitze ist bem&uuml;ht, ihre eigenen Forderungen nach Vergesellschaftung weiter in den Hintergrund zu r&uuml;cken und sich auf die Durchsetzung der parit&auml;tischen Mitbestimmung im Betrieb zu konzentrieren. <br \/>  Dem ADGB-Chef Hans B&ouml;ckler zufolge geht es dabei darum, dass die Wirtschaft gemeinsam mit den Gewerkschaften eine &#x84;aufeinander abgestimmte Lohn-, Preis- und Produktionspolitik&#x93; betreibe, um &#x84;den gegenw&auml;rtigen wirtschaftlichen Notstand zu &uuml;berwinden, der durch die hemmungslose Verfolgung von Sonderinteressen hervorgerufen wurde.&#x93; Die &#x84;Sonderinteressen&#x93; der Arbeiterklasse werden der Restauration des Kapitalismus geopfert.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">1951: Montanmitbestimmung<\/span><\/p>\n<p>  Um einer Ausdehnung der&nbsp; Massenbewegung der Arbeiterklasse und den Entflechtungspl&auml;nen der Alliierten entgegen zu wirken, stimmen Unternehmer der Schwerindustrie dem Mitbestimmungsrecht der Gewerkschaften im Aufsichtsrat bereits Ende der vierziger Jahre zu. Auch die britische Milit&auml;rregierung f&uuml;hrt 1947 die parit&auml;tische Mitbestimmung in der Montanindustrie ein. Als die Arbeitgeber aufgrund der kampflosen Politik von SPD und Gewerkschaften Anfang der f&uuml;nfziger Jahre wieder in die Offensive kommen, starten sie einen Angriff auf die Mitbestimmung. Die Gewerkschaften rufen daraufhin zur Urabstimmung und zum Streik auf. &Uuml;ber 90 Prozent der IG-Metall und IG-Bergbau-Mitglieder sprechen sich f&uuml;r einen Streik aus. Als die Adenauer-Regierung jedoch Entgegenkommen signalisiert (nicht zuletzt aufgrund des Entgegenkommens der Gewerkschaftsspitze hinsichtlich der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik), bl&auml;st die Gewerkschaftsf&uuml;hrung den Streik ab. Im April 1951 wird schlie&szlig;lich das &#x84;Gesetz &uuml;ber die Regelung der Mitbestimmung in den Unternehmungen des Bergbaus sowie der Eisen und Stahl erzeugenden Industrie&#x93; verabschiedet. Mehr als die Verteidigung der Mitbestimmung in der Montanindustrie erreichen die Gewerkschaften nicht.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">1952: Betriebsverfassungsgesetz<\/span><\/p>\n<p>  Ein Jahr sp&auml;ter erleben die Gewerkschaften im Kampf um die Einf&uuml;hrung des ersten Betriebsverfassungsgesetzes eine Niederlage. Da der Gesetzentwurf hinter das Betriebsr&auml;tegesetz von 1920 zur&uuml;ck f&auml;llt, mobilisiert die Gewerkschaft hundertausende&nbsp; Besch&auml;ftigte zu Demonstrationen und Streiks. Den H&ouml;hepunkt bildet ein zweit&auml;giger Zeitungsstreik der Drucker und Setzer. Doch die Gewerkschaftsb&uuml;rokratie weitet den Streik nicht aus, sondern setzt auf Verhandlungen mit Arbeitgebern und Bundesregierung. Diese Strategie scheitert. Das Resultat ist ein Betriebsverfassungsgesetz, welches die gesamte Betriebsratsarbeit unter die &#x84;vertrauensvolle Zusammenarbeit&#x93; mit dem Arbeitgeber stellt. Der Betriebsrat wird der Friedens- und Schweigepflicht unterworfen. Statt der parit&auml;tischen Mitbestimmung wie in der Montanindustrie wird eine Drittelparit&auml;t eingef&uuml;hrt.<br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">1976: Mitbestimmungsgesetz <\/span><\/p>\n<p>  Im Jahr 1967 wird die Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Gewerkschaften in der &#x84;Konzertierten Aktion&#x93; weiter institutionalisiert. Die Zustimmung der Gewerkschaften zu Lohnverlust f&uuml;hrt zu massivem Unmut an der Basis, der sich Ende der sechziger Jahre und Anfang der siebziger in einer Welle von wilden Streiks entl&auml;dt. Der Druck zwingt die &ouml;tv-F&uuml;hrung 1974, einen Streik um f&uuml;nfzehn Prozent mehr Lohn im &ouml;ffentlichen Dienst zu f&uuml;hren. Um eine weitere Radikalisierung der Lohnabh&auml;ngigen zu vermeiden, wird im Jahr 1976 auf Druck von Gewerkschaftsf&uuml;hrung und SPD das Mitbestimmungsgesetz verabschiedet. <br \/>  Es gilt f&uuml;r alle Kapitalgesellschaften, die &uuml;ber 2.000 ArbeiterInnen besch&auml;ftigen und regelt die parit&auml;tische Mitbestimmung im Aufsichtsrat. F&uuml;r die Montanindustrie gelten weiter die Regelungen aus den f&uuml;nfziger Jahren. In Wirklichkeit ist die Zusammensetzung zwischen Arbeiter- und Arbeitgeberseite nicht parit&auml;tisch (siehe oben). Die Mitbestimmung ist noch offensichtlicher als bei der Montanmitbestimmung eine Farce. Eine gemeinsame Studie der Bertelsmannstiftung und der gewerkschaftsnahen Hans-B&ouml;ckler-Stiftung kommt zu diesem Schluss: &#x84;Das Mitbestimmungsgesetz von 1976 hat in der Praxis, entgegen derzeitigen Bef&uuml;rchtungen, die Eigentumsrechte der Kapitaleigner grunds&auml;tzlich nicht eingeschr&auml;nkt. Die Strategie der Unternehmen, die der Mitbestimmung unterliegen, wird von ihren Vorst&auml;nden und Anteilseignern bestimmt und nicht von den Arbeitnehmervertretern.&#x93;<br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Mitbestimmung verteidigen?<\/span><\/p>\n<p>  Die betriebliche Mitbestimmung in Form von Betriebsr&auml;ten kann ein gro&szlig;er Vorteil f&uuml;r abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte sein. Betriebsr&auml;te k&ouml;nnen die KollegInnen in Betriebsversammlungen &uuml;ber wichtige Themen informieren und die Rechte der Belegschaft verteidigen. Ohne Betriebsrat sind KollegInnen den Interessen der Arbeitgeber oftmals schutzlos ausgeliefert. Doch Betriebsrat ist auch nicht gleich Betriebsrat. W&auml;hrend es Betriebsr&auml;te gibt, die als verl&auml;ngerter Arm des Arbeitgebers fungieren, gibt es auch k&auml;mpferische Betriebsr&auml;te, die ihre Aufgabe darin sehen, die Interessen der KollegInnen durchzusetzen. So haben zum Beispiel Betriebsr&auml;te bei Daimler Chrysler in Mettingen ihre Funktion genutzt, die Proteste und Warnstreiks der Besch&auml;ftigten gegen Arbeitszeitverl&auml;ngerung im Sommer tatkr&auml;ftig zu unterst&uuml;tzen. <br \/>  Die Mitbestimmung im Aufsichtsrat diente und dient dagegen dazu, die Klasseninteressen von Arbeitern und Kapitalisten zu verwischen und die Vertreter der Lohnabh&auml;ngigen an Rationalisierungen im Unternehmen zu beteiligen. Die Arbeitervertreter im Aufsichtsrat sind genau wie die Vertreter der Anteilseigner auf das Wohl des Unternehmens verpflichtet und unterliegen einer sch&auml;rferen Schweigepflicht als Betriebsr&auml;te. Aber auch wenn die Einschr&auml;nkung der Mitbestimmung im Aufsichtsrat keinen praktischen Nachteil f&uuml;r die Besch&auml;ftigten h&auml;tte, w&uuml;rde sie auf ideologischer Ebene ein Sieg f&uuml;r die Kapitalisten bedeuten. Die Gewerkschaften w&uuml;rden in die Defensive gedr&auml;ngt und der Arbeitgeber h&auml;tte eine st&auml;rkere Position im Betrieb. Die Einschr&auml;nkung der Mitbestimmung w&uuml;rde den Unternehmern au&szlig;erdem als Hebel dienen, auch die Rechte von Betriebsr&auml;ten st&auml;rker zu beschneiden.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Kapitalismus abschaffen!<\/span><\/p>\n<p>  Aus diesem Grund muss die Mitbestimmung gegen die Angriffe des Kapitals verteidigt werden. N&ouml;tig ist aber, die Funktion und Begrenztheit der Mitbestimmung aufzuzeigen. Die Interessen der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten an menschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen, hohen L&ouml;hnen und sicheren Arbeitspl&auml;tzen widersprechen den Profitinteressen der Kapitalisten. Einen Ausgleich dieser Interessen oder eine Gleichberechtigung zwischen beiden Klassen durch Mitbestimmung von ArbeitervertreterInnen kann es nicht geben. Der Kampf der Kapitalisten um Gewinne wird immer sch&auml;rfer ausgetragen. Die steigenden Profite der letzten Jahre wurden bei sinkenden Ums&auml;tzen erzielt. Das war nur durch eine verst&auml;rkte Ausbeutung der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten m&ouml;glich wie beispielsweise durch l&auml;ngere und intensivere Arbeit und Lohnsenkungen. Der Klassenkampf von oben nimmt sch&auml;rfere Formen an, da der Spielraum der Herrschenden kleiner wird. Dagegen hilft nur der gemeinsame Kampf der Besch&auml;ftigten. Durch ihn k&ouml;nnen Arbeitspl&auml;tze und L&ouml;hne verteidigt werden, auch weitere Zugest&auml;ndnisse sind m&ouml;glich. Doch solange das Profitsystem herrscht, werden diese Errungenschaften von Banken, Konzernen und ihrer Regierung unter Beschuss genommen. <br \/>  Deshalb k&auml;mpft die SAV f&uuml;r die Abschaffung des Kapitalismus. Wenn die Macht der Banken und Konzerne gebrochen ist, kann demokratisch entschieden werden, was und wie produziert und gearbeitet werden soll. Dann kann der gesellschaftliche Reichtum daf&uuml;r genutzt werden, die Bed&uuml;rfnisse der Menschen zu befriedigen, statt die Taschen einiger weniger zu f&uuml;llen. Doch um &uuml;ber diese Unternehmen verf&uuml;gen zu k&ouml;nnen, m&uuml;ssen sie in &ouml;ffentliches Eigentum &uuml;berf&uuml;hrt werden. <br \/>  Die SAV setzt sich f&uuml;r alle Formen der Selbstorganisation der Besch&auml;ftigten ein. Das beginnt mit Streik- und Aktionskomitees und geht weiter mit der Forderung nach Kontrolle der Besch&auml;ftigten &uuml;ber alle Vorg&auml;nge im Betrieb. Die Offenlegung aller Gesch&auml;ftsb&uuml;cher, die Rechenschaftspflicht bei allen Entscheidungen gegen&uuml;ber der Belegschaft und der Gewerkschaften bei vollen Widerspruchsrechten w&uuml;rde den Besch&auml;ftigten aufzeigen, was und wie im Betrieb entschieden wird, w&uuml;rde Diskussionen dar&uuml;ber erm&ouml;glichen &#x96; und die Unf&auml;higkeit der Kapitalisten offenbaren. Das w&auml;re die beste Grundlage, die Produktion insgesamt zu &uuml;bernehmen und unter Arbeiterverwaltung zu stellen.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Lucy Redler, Mitglied der Bundesleitung der SAV<\/span><\/p>\n<p>  <big><span style=\"font-weight: bold;\">Selbstbestimmung statt Mitbestimmung<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <\/big><br \/>  &#x84;Der Regierung geb&uuml;hrt Lob f&uuml;r den eingeleiteten Reformprozess &#x96; aber es muss unbedingt weitergehen&#x93;, t&ouml;nte Industriepr&auml;sident Rogowski in der &#x84;Welt&#x93; vom 6. Oktober. Einen Monat sp&auml;ter bliesen die beiden gro&szlig;en Unternehmerverb&auml;nde BDI und BDA zum &#x84;Generalangriff auf die Mitbestimmung&#x93; (S&uuml;ddeutsche Zeitung vom 9. November): Management und Belegschaften sollen Form, Art und Umfang der Mitsprache in den Betrieben selbst regeln. Im Kern sieht das Konzept vor, bei Streitigkeiten &#x84;zu Ungunsten der Besch&auml;ftigten von den derzeit g&uuml;ltigen Vorschriften&#x93; abzuweichen. &#x84;Insbesondere die Rolle der Gewerkschaften w&uuml;rde erheblich geschw&auml;cht.&#x93;<br \/>  Das Kapital wittert Morgenluft. Um den Widerstand gegen Lohn- und Sozialraub im Keim zu ersticken, soll das Streikrecht eingeschr&auml;nkt werden. Um die Besch&auml;ftigten noch mehr auszupressen, wollen die Kapitalisten g&auml;nzlich freie Bahn haben.<br \/>  &#x84;Der &#x82;Thatcherismus&#x91; war ein gesellschaftliches, politisches und wirtschaftliches Generalrezept (&#8230;), das in einem harten Konflikt durchgesetzt wurde. In Deutschland fehlt CDU und CSU bisher ein solches Programm. (&#8230;) In diesen Wochen entscheidet sich, ob der Union doch noch ein gro&szlig;er Wurf gelingt&#x93;, so das Handelsblatt (19. September). Auf ihrem Parteitag vor Weihnachten sollen die j&uuml;ngsten Forderungen des Kapitals aufgegriffen werden. Die Rogowskis und Hundts erhoffen sich, dadurch Rot-Gr&uuml;n weiter vor sich hertreiben zu k&ouml;nnen. <br \/>  Wie unter Thatcher in den 80er Jahren in Britannien droht den Lohnabh&auml;ngigen in Deutschland heute nicht nur eine dramatische Absenkung des Lebensstandards, sondern parallel dazu auch ein weitreichender Abbau von Arbeiterrechten.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">&Ouml;ffnung der Gesch&auml;ftsb&uuml;cher<\/span><\/p>\n<p>  Viel haben Betriebsr&auml;te und Gewerkschaftsvertreter in den Unternehmen schon heute nicht zu melden. Obwohl den Belegschaften Vertretungen in den Aufsichtsr&auml;ten zugestanden werden, sind diese genauso wie die Betriebsr&auml;te einer Schweigepflicht unterworfen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Besch&auml;ftigten &uuml;ber Gesch&auml;ftssituation, Gewinnlage und Produktionspl&auml;ne im Dunkeln bleiben. <br \/>  H&auml;tten die KollegInnen von Karstadt oder Opel Einblick in die Gesch&auml;ftsb&uuml;cher, dann k&ouml;nnten sie schnell erkennen, wie die R&uuml;cklagen der Unternehmen eingesetzt wurden, was mit den Investionsmitteln geschah und welche Folgen die getroffenen Konzernentscheidungen haben werden. Sie w&uuml;rden feststellen, welche Gelder einfach verprasst wurden, welches Missmanagement am gr&uuml;nen Tisch getroffen wird und in welchem Ma&szlig; sie Spielball von Profitinteressen sind.<br \/>  Betriebsbesetzung<br \/>  Was tun, wenn General Motors fest entschlossen ist, in Europa kurzfristig 12.000 Arbeitspl&auml;tze zu streichen und mittelfristig ein ganzes Werk zu schlie&szlig;en? Dann reichen Demonstrationen und Streiks nicht aus. Dann m&uuml;ssen die betroffenen Betriebe besetzt werden, bevor es zu sp&auml;t ist. Schlie&szlig;lich waren es die Besch&auml;ftigten, die diese Werke aufgebaut haben. <br \/>  Erst wenn die Betriebe der Unternehmermacht entrissen sind, kann festgestellt werden, ob die Arbeitszeit verk&uuml;rzt werden soll, ob Bedarf an den Produkten besteht oder ob die Produktion umgestellt werden muss, um alternative G&uuml;ter herzustellen. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Arbeiterkontrolle<\/span><\/p>\n<p>  W&uuml;rden die KollegInnen eigenst&auml;ndig den Produktionsablauf regeln und an allen Entscheidungsprozessen teilhaben, dann k&ouml;nnten ungeahnte sch&ouml;pferische und gestalterische F&auml;higkeiten freigemacht und gef&ouml;rdert werden. Welcher Ideenreichtum und welches keatives Potenzial bleibt unter den heutigen Wirtschaftsverh&auml;ltnissen ungenutzt und verk&uuml;mmert, solange Monotonie vorherrscht und die ArbeiterInnen von ihren Produkten entfremdet sind! Gegenw&auml;rtig muss sich jeder Kollege h&uuml;ten, Verbesserungsvorschl&auml;ge zu machen, f&uuml;hren diese in der Profitwirtschaft doch nur dazu, weitere Stellen wegzuk&uuml;rzen.<br \/>  ArbeiterInnen k&ouml;nnen es besser! Heute werden praxisfern und b&uuml;rokratisch Befehle von oben erteilt, von Managern und Chefs, die in der Regel Erfahrungen mit dem Rotstift haben, aber nicht mit dem Produktionsprozess und den Abl&auml;ufen in den Fabriken oder B&uuml;roh&auml;usern. Ohne die Schranken des Privateigentums k&ouml;nnte der Erfahrungsreichtum der Besch&auml;ftigten voll zur Geltung kommen. Durch kollektive Planung und Produktion, auf Basis lebendiger, offener Aussprache k&ouml;nnte die Initiative des Einzelnen ungemein gef&ouml;rdert und gemeinsam bestm&ouml;gliche Ergebnisse erzielt werden.<br \/>  Kein Wunder, dass die Betriebsbesetzungen in den 70er Jahren in vielen F&auml;llen zur Aufstellung alternativer Produktionspl&auml;ne f&uuml;hrten, wie bei der Hamburger HDW-Werft oder bei dem britischen R&uuml;stungskonzern Lucas Aerospace. Isoliert m&uuml;ssen diese Betriebe letztendlich scheitern. Sozialistische Inseln sind im Kapitalismus auf Dauer nicht m&ouml;glich.<br \/>  Trotzdem sind sie ein Beispiel daf&uuml;r, was unter Arbeiterkontrolle und -verwaltung m&ouml;glich w&auml;re. Bei k&uuml;nftigen Betriebsbesetzungen gilt es, f&uuml;r die Ausdehnung auf andere Betriebe hinzuarbeiten und f&uuml;r die &Uuml;berf&uuml;hrung der ganzen Branche in Gemeineigentum einzutreten. Auf Basis der dann m&ouml;glichen Fortschritte lie&szlig;e sich Unterst&uuml;tzung daf&uuml;r gewinnen, nicht nur einzelne Betriebe und Branchen, sondern die gesamte Wirtschaft auf sozialistischer Grundlage weiterzuf&uuml;hren.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Aron Amm, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Korrektur eines &#x84;Irrtums der Geschichte&#x93;?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[166],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11101"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11101\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}