{"id":11085,"date":"2004-11-18T10:34:52","date_gmt":"2004-11-18T09:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11085"},"modified":"2012-06-24T16:17:35","modified_gmt":"2012-06-24T14:17:35","slug":"11085","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/11\/11085\/","title":{"rendered":"Historischer Streik im britischen Staatsdienst"},"content":{"rendered":"<p>Am 5. November streikten &uuml;ber 200.000 Besch&auml;ftigte im britischen Staatsdienst (Civil Service). Es war der erste Vollstreik in diesem Bereich seit 1993.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIn den 1980er Jahren war Thatcher in Britannien neben Reagan in den USA international Vorreiterin beim Angriff auf Sozialstaat, Besch&auml;ftigte und Gewerkschaftsrechte. Schr&ouml;der in Deutschland ist mit der Agenda 2010 eifrig dabei, das nachzuholen, aber in Britannien selbst geht die Blair-Regierung gerade in eine neue Runde von Privatisierung und Arbeitsplatzvernichtung. Allein im Staatsdienst sollen 104.000 Arbeitspl&auml;tze vernichtet werden. <\/p>\n<p>  Die Gewerkschaft PCS mit &uuml;ber 300.000 Mitgliedern hat den Kampf unter den schweren Bedingungen der britischen Anti-Gewerkschafts-Gesetze aufgenommen. Aus diesem Grund durften sie auch zun&auml;chst nur einen eint&auml;gigen Streik machen. Aber unter britischen Verh&auml;ltnissen, wo fast &uuml;berall die Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge zerschlagen wurden und die meisten Streiks nur kleine Besch&auml;ftigtengruppen umfassen, war dieser erste Streiktag schon ein historisches Ereignis. Im ganzen Land fanden &uuml;ber 50 Streikkundgebungen statt, die gr&ouml;&szlig;ten in London mit 1.200 und in Glasgow mit 800 KollegInnen. Besch&auml;ftigte von Arbeits- und Sozial&auml;mtern, von Museen und Bibliotheken und vielen anderen staatlichen Einrichtungen streikten. Wenn der angedrohte Personalabbau durchkommt, w&uuml;rde er nicht nur mehr Stre&szlig; f&uuml;r die Besch&auml;ftigten, sondern auch schlechteren Service f&uuml;r die NutzerInnen dieser Einrichtungen bedeuten. KollegInnen anderer Gewerkschaften weigerten sich, Streikpostenketten zu durchqueren und arbeiteten deshalb ebenfalls nicht &#x97; so dass z.B. die Dienstwagen von Ministern an diesem Tag nicht gewachen, gewartet und gefahren wurden. <\/p>\n<p>  In vielen Bereichen war die Beteiligung sehr gut, in anderen weniger &#x97; was oft auch mit dem Charakter der jeweiligen Gewerkschaftsf&uuml;hrung zusammenhing. Die PCS hat eine linke F&uuml;hrung. Ihre Vorsitzende Janice Godrich ist Mitglied der International Socialists, der Schwesterorganisation der deutschen Sozialistischen Alternative (SAV) in Schottland, der Stellvertretende Generalsekret&auml;r und mehrere Vorstandsmitglieder sind aktiv in der Socialist Party, der Schwesterpartei der SAV in England und Wales, Generalsekret&auml;r Mark Serwotka ist ebenfalls &uuml;berzeugter Sozialist. Diese linke Gewerkschaftsf&uuml;hrung ist der Grund, dass dieser Kampf zustande kam, denn kampfbereit sind Besch&auml;ftigte auch in anderen Branchen und Grund zur Gegenwehr gibt es anderswo auch. Aber meist wird die Kampfkraft nicht genutzt oder es gibt einen faulen Kompromiss, wie nach dem gro&szlig;artigen Kampf der Feuerwehrleute vor 2 Jahren. Auch bei der PCS w&auml;re die Beteiligung noch besser gewesen, wenn nicht vielen rechte &ouml;rtliche und betriebliche Gewerkschaftsverteter die H&auml;nde in den Scho&szlig; gelegt h&auml;tten, statt f&uuml;r den Streik zu mobilisieren (manche beteiligten sich nicht einmal selbst). <\/p>\n<p>  Mit ihrer Arbeitsplatzvernichtung will die britische Regierung 1 Milliarde &pound; einsparen. Zugleich gibt sie, wie Serwotka anprangerte, allein 3,5 Milliarden &pound; im Jahr f&uuml;r Beratervertr&auml;ge an Firmen aus. Es geht ihr weniger ums Geld als ums Prinzip: um eine neue Runde im Generalangriff auf die arbeitenden Menschen in ganz Britannien. Das wird nur durch eine massiv gesteigerte Gegenwehr verhindert werden k&ouml;nnen. Die PCS-F&uuml;hrung will die n&auml;chsten Wochen nutzen, um den gewerkschaftlichen Organisationsgrad zu steigern und durch Flugblattverteilungen die Unterst&uuml;tzung in der Bev&ouml;lkerung (die jetzt schon, &auml;hnlich wie bei den Feuerwehrleuten vor 2 Jahren, sehr gro&szlig; ist) weiter erh&ouml;hen. Au&szlig;erdem ist eine Demo im Wahlkreis von Schatzkanzler (Finanzminister) Brown geplant. Bei den Staatsbesch&auml;ftigten k&ouml;nnen weitere, l&auml;ngere und schlie&szlig;lich unbefristere Streiks folgen. Eine Schl&uuml;sselfrage wird aber die Haltung der anderen Gewerkschaften sein. Bei den Kundgebungen am 5. 11. sprachen 15 Gewerkschaftsvorsitzende und versicherten ihre Solidarit&auml;t, ohne aber konkret zu werden. Die PCS fordert eine Konferenz der Gewerkschaftsvorst&auml;nde zur Abstimmung des weiteren Vorgehens. Was das w&uuml;nschenswerte Resultat einer solchen Konferenz w&auml;re, wurde aber von Serwotka und einer Reihe weiterer RednerInnen schon am 5. November erkl&auml;rt: ein gemeinsamer Streiktag von Millionen Besch&auml;ftigten des gesamten &ouml;ffentlichen Dienstes (einschlie&szlig;lich kommunalen Besch&auml;ftigten, LehrerInnen etc.) Anfang n&auml;chsten Jahres. Ob er zustande kommt, wird vor allem von der H&ouml;he des Druck auf die F&uuml;hrungen der anderen Gewerkschaften abh&auml;ngen. Wenn er zustande k&auml;me, w&uuml;rde er ein neues Kapitel in der Geschichte der britischen Gewerkschaftsbewegung er&ouml;ffnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. November streikten &uuml;ber 200.000 Besch&auml;ftigte im britischen Staatsdienst (Civil Service). 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