{"id":11067,"date":"2004-11-02T12:09:30","date_gmt":"2004-11-02T11:09:30","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11067"},"modified":"2012-08-21T12:11:17","modified_gmt":"2012-08-21T10:11:17","slug":"11067","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/11\/11067\/","title":{"rendered":"Jobkiller Kapitalismus: Kampf um jeden Arbeitsplatz"},"content":{"rendered":"<p>Opel, Karstadt, Philips, Schlecker, Spar&#8230; \u2013 eine Welle von Arbeitsplatzvernichtung w\u00fctet in Deutschland. In den Medien wird \u00fcber f\u00fcnf Millionen Arbeitslose im Winter spekuliert. Durch Hartz droht Hunderttausenden der Absturz. Die Bochumer Opelaner haben die richtige Antwort gegeben: Der Kampf um jeden Arbeitsplatz muss aufgenommen werden.<!--more--><br \/> \u00a0<br \/> Bei Rekordgewinnen und Spitzengeh\u00e4ltern wird davon geredet, das sei der Lohn f\u00fcr \u201eunternehmerisches Risiko\u201c. Doch wer tr\u00e4gt denn hier ein Risiko? Die Aktion\u00e4re und Manager haben ihre Dividenden, Kursgewinne und Spitzengeh\u00e4lter l\u00e4ngst in Sicherheit gebracht. Das Risiko tragen die Besch\u00e4ftigten. <br \/> Beispiel Deutsche Bank: Von 870 Millionen Euro Dividende an die Aktion\u00e4re war f\u00fcr 2004 die Rede. \u201eDer h\u00f6chstbezahlte deutsche Vorstandschef, Deutsche-Bank-Primus Josef Ackermann, liegt mit Gesamtbez\u00fcgen von 11,07 Millionen Euro auf Platz 5 der europ\u00e4ischen Topverdiener\u201c, so das Manager-Magazin. Jetzt sollen dort 4.700 Arbeitspl\u00e4tze vernichtet werden!<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold; color: #cc0000;\">Gegen Lohnverzicht und Arbeitszeitverl\u00e4ngerung<\/span><\/p>\n<p>Siemens und Daimler \u2013 beides Experten beim Arbeitsplatzabbau (Daimler minus 13.000, Siemens minus 12.000 Stellen) setzten ihren Besch\u00e4ftigten die Pistole auf die Brust: Lohneinbu\u00dfen und Arbeitszeitverl\u00e4ngerung oder wir verlagern die Produktion \u2013 trotz neuer Gewinne, die kurz darauf verk\u00fcndet wurden.<br \/> Die Lohnverluste der Besch\u00e4ftigten heizen nun die Dumping-Spirale nach unten an: Nachdem Daimler 500 Millionen aus den KollegInnen presste, wollte Opel\/General Motors nicht nachstehen und fordert ebenfalls 500 Millionen. VW will zwei Nullrunden bei den L\u00f6hnen durchdr\u00fccken. Beide wollen ihre Personalausgaben um 30 Prozent senken.<br \/> Lohnverzicht rettet keine Arbeitspl\u00e4tze, er spielt nur einen Standort gegen den anderen aus. Das f\u00fchrt zu einer Dumping-Spirale nach unten \u2013 zugunsten der Profite. Davon wird kein einziges Auto, kein Handy oder sonstwas mehr verkauft oder produziert \u2013 im Gegenteil: wir, die Masse der Bev\u00f6lkerung, k\u00f6nnen uns immer weniger leisten. Damit wird keinerlei Arbeitskraft zus\u00e4tzlich ben\u00f6tigt und kein Arbeitsplatz verteidigt.<br \/> Auch Arbeitszeitverl\u00e4ngerungen f\u00fchren in die Sackgasse. Siemens macht das vor: In Kamp-Lintfort wurde eine \u201edrohende\u201c Verlagerung verhindert. Die von der IG Metall akzeptierte Mehrarbeit vernichtete die Arbeitspl\u00e4tze von 800 Leiharbeitern und stellt weitere Jobs in Frage \u2013 denn die gleiche Arbeit kann jetzt von weniger KollegInnen bew\u00e4ltigt werden. <br \/> Eine Arbeitszeitverl\u00e4ngerung von 35 auf 40 Stunden in der Woche bedeutet, dass die gleiche Arbeit, die vorher acht Besch\u00e4ftigte verrichtet haben, nun von sieben erledigt werden kann. Jeder achte Kollege wird \u201e\u00fcberfl\u00fcssig\u201c! <br \/> <br style=\"color: #cc0000; font-weight: bold;\" \/> <span style=\"color: #cc0000; font-weight: bold;\">Arbeitszeitverk\u00fcrzung<\/span><\/p>\n<p>Statt Arbeitszeitverl\u00e4ngerungen muss die vorhandene Arbeit auf alle verteilt werden, bei vollem Lohn- und Personalausgleich. <br \/> Die Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche in den 80er und 90er Jahren sicherte und schuf nach IG-Metall-Angaben 300.000 Arbeitspl\u00e4tze. Denn die n\u00f6tige Arbeitszeit, um die Produkte herzustellen, konnte auf mehr Schultern verteilt werden. Und die Produktivit\u00e4tssteigerungen kamen nicht einfach den Profiten zugute, sondern den KollegInnen, die weniger Zeit im Betrieb und B\u00fcro verbringen mussten.<br \/> Einige Betriebe versuchten, die Arbeitszeitverk\u00fcrzung durch verst\u00e4rkte Arbeitshetze kaputt zu machen. Daher muss ein voller Personalausgleich durchgesetzt werden.<br \/> Aber ist das und ein voller Lohnausgleich finanzierbar? Trotz Krise und Arbeitsplatzvernichtung gelang den Konzernen eine Steigerung ihrer Profite: Die Unternehmens- und Verm\u00f6genseinkommen stiegen im ersten Quartal 2004 um neun, im zweiten Quartal um 20 Prozent.<br \/> Besch\u00e4ftigte mussten in den letzten Jahren Lohnabsenkungen, Niedrigl\u00f6hne, Tarifabschl\u00fcsse unter der Inflationsrate und so weiter hinnehmen. Eine Arbeitszeitverk\u00fcrzung mit vollem Lohnausgleich ist ein Schritt dazu, die Umverteilung der letzten Jahre von unten nach oben r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Sie l\u00e4sst sich auf Kosten der Profite finanzieren.<br \/> Deshalb: F\u00fcr die Einf\u00fchrung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: bold; color: #cc0000;\">Enteignet die Jobkiller<\/span><\/p>\n<p>Die Einigung bei KarstadtQuelle bedeutete die Zustimmung von ver.di zum Abbau von 5.500 Stellen \u2013 \u201esozialvertr\u00e4glich\u201c. Die KollegInnen sollen 760 Millionen Euro als Opfer bringen zur Sanierung des Unternehmens. Dabei gibt es keinen \u201esozialvertr\u00e4glichen\u201c Personalabbau: Jede Vernichtung von Arbeitspl\u00e4tzen bedeutet eine Steigerung der Arbeitslosigkeit.<br \/> St\u00e4dte und Stadtteile rebellieren jetzt schon gegen die Karstadt-Pl\u00e4ne: Denn f\u00fcr viele Orte bedeutet die von Karstadt einkalkulierte Schlie\u00dfung von Filialen das Sterben der Innenst\u00e4dte und eine deutlich schlechtere Versorgung der Bev\u00f6lkerung. <br \/> Der Bedarf ist da, die Arbeitspl\u00e4tze m\u00fcssen erhalten werden \u2013 aber Profite sind damit nicht zu machen. Das zeigt: Der Markt versagt. <br \/> Die Kaufh\u00e4user, B\u00fcros und Betriebe, bei denen jetzt mit Entlassungen oder Verlagerungen gedroht wird, wurden von den Besch\u00e4ftigten aufgebaut und betrieben. Sie k\u00f6nnen genutzt werden, um die Bed\u00fcrfnisse der Masse der Bev\u00f6lkerung zu befriedigen.<br \/> Demokratisch muss die arbeitende Bev\u00f6lkerung dort entscheiden, was und wie produziert wird \u2013 und die Arbeitspl\u00e4tze sichern. Doch entscheiden kann man nur \u00fcber das, was einem geh\u00f6rt. Daher m\u00fcssen Konzerne, die entlassen oder mit Verlagerungen drohen, in \u00f6ffentliches Eigentum \u00fcberf\u00fchrt werden.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\" \/> <span style=\"font-style: italic;\">von Stephan Kimmerle, Berlin<\/span><\/p>\n<p><a href=\"\/?p=11069\">Das Programm der SAV gegen die Krise in der Autoindustrie<\/a><br \/> <a href=\"\/?p=11045\"><br \/> Zum Kampf bei General Motors &#8211; Opel Bochum<\/a><br \/> <a href=\"\/?p=10573\"><br \/> Wie kann Arbeitslosigkeit bek\u00e4mpft werden?<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Opel, Karstadt, Philips, Schlecker, Spar&#8230; &#x96; eine Welle von Arbeitsplatzvernichtung w&uuml;tet in Deutschland.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[122],"tags":[165],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11067"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11067"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11067\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11067"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11067"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11067"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}