{"id":11058,"date":"2004-10-28T09:33:49","date_gmt":"2004-10-28T09:33:49","guid":{"rendered":".\/?p=11058"},"modified":"2004-10-28T09:33:49","modified_gmt":"2004-10-28T09:33:49","slug":"11058","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11058\/","title":{"rendered":"Weimarer Verh&auml;ltnisse drohen"},"content":{"rendered":"<p>Zur Strategie des deutschen Kapitals<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDaimlerChrysler, Opel, Siemens, Karstadt, VW&#8230; Das Modell des &#x84;rheinischen Kapitalismus&#x93; beziehungsweise der &#x84;sozialen Marktwirtschaft&#x93; wird ersetzt durch das Modell des Neoliberalismus.<br \/>  Die auf lange Sicht angelegte Strategie des Kapitals kann nur vor dem Hintergrund der historischen und &ouml;konomischen Situation ab Mitte der 70er und Anfang der 90er Jahre verstanden werden.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Profitkrise<\/span><\/p>\n<p>  Die kapitalistische Produktionsweise befindet sich seit der Weltwirtschaftskrise von 1973\/74 in einer Restrukturierungsphase der Produktionsverh&auml;ltnisse, die sich auf &ouml;konomischer, politischer und ideologischer Ebene auswirkt: &Ouml;konomisch ist diese Phase durch sinkende Profitraten und &Uuml;berproduktionskrisen gekennzeichnet. Politisch wurde das vorherrschende Modell der Sozialpartnerschaft (erm&ouml;glicht durch ein relativ konstantes Wirtschaftswachstum, die St&auml;rke der Arbeiterbewegung und den Ost-West-Konflikt) durch den Klassenkampf von oben und einer angebotsorientierten Politik mehr und mehr ersetzt. Ideologisch wurden Begriffe wie schlanker Staat, Eigenverantwortung, Globalisierung und Konkurrenzf&auml;higkeit zur Durchsetzung des &ouml;konomischen und sozial-politischen Umbaus eingebracht. Dieser Prozess wurde durch den Zusammenbruch des Stalinismus beschleunigt. <br \/>  Die SPD hatte schon seit langem keine alternativen Antworten darauf und &uuml;bernahm vollst&auml;ndig die neoliberale Ideologie. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung konnte vom Kapital in seiner beginnenden Offensive in den 90er Jahren vor sich hergetrieben werden &#x96; dies als Folge des politischen und ideologischen Klammerns an SPD und Sozialpartnerschaft.<br \/>  Rot-Gr&uuml;n war entgegen des allgemeinen Unternehmergezeters vor den Bundestagswahlen 1998 f&uuml;r die Zwecke des Kapital hervorragend geeignet &#x96; wegen der Bindung der DGB-F&uuml;hrung an die SPD.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Aush&ouml;hlung der Tarifvertr&auml;ge<\/span><\/p>\n<p>  Der verlorene Ost-Metaller-Streik f&uuml;r die 35-Stunden-Woche 2003 war f&uuml;r das Kapital nicht nur die Revanche f&uuml;r deren schrittweise Einf&uuml;hrung, sondern auch das Signal f&uuml;r den Angriff auf die Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge. Gerade der exportorientierten Industrie reichte die von der DGB-F&uuml;hrung praktizierte Lohnzur&uuml;ckhaltung nicht mehr aus. Statt Auseinandersetzungen in der Fl&auml;che (Tarifrunden) steht nun die &#x84;Verbetrieblichung&#x93; von K&auml;mpfen auf der Tagesordnung. Siemens konnte Arbeitszeit-&nbsp;&nbsp; verl&auml;ngerung und Lohnk&uuml;rzungen durchsetzen, bei VW steht &auml;hnliches an, DaimlerChrysler konnte ein 500-Millionen-Sparprogramm durchsetzen&#8230;<br \/>  Dies ist gleichzeitig eine &ouml;konomische Strategie des Industriekapitals, wie auch eine dem Kapitalismus innewohnende &#x84;Notwendigkeit&#x93;, denn die Verbilligung der Ware Arbeitskraft in einem Konzern zwingt andere Konzerne dazu nachzuziehen. Die Abw&auml;rtsspirale von Lohn- und Personalabbau beschleunigt sich.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Nur der Anfang<\/span><\/p>\n<p>  Nachdem es auf sozialstaatlicher Ebene mit Hartz I bis IV, Renten-, Gesundheits- und Steuerreform &#x84;weitergekommen ist&#x93; (verst&auml;ndliches Lob von BDI-Pr&auml;sident Rogowski an Schr&ouml;der), wird nun auf betrieblicher Ebene &#x84;durchgegriffen&#x93;, ohne aber den weiteren Abbau des Sozialstaates zu vergessen: &#x84;Unternehmen sollen Arbeit schaffen, w&auml;hrend die Besch&auml;ftigten die soziale Sicherung und das Gesundheitssystem selbst finanzieren. Die prim&auml;re Verantwortung der Unternehmen liegt nun einmal nicht in der Sozialf&uuml;rsorge&#x93; (Rogowski in Die Zeit vom 16. September).<br \/>  Schon auf dem BDI-Kongress vom Februar forderte sein Chef die Absenkung des Spitzensteuersatzes auf 30 Prozent, Abschaffung der Gewerbesteuer, Absenkung der Sozialhilfe, Renteneintrittsalter mit 67 Jahren, die weitgehende Abschaffung von K&uuml;ndigungsschutz und Tarifautonomie. Dies ist nicht nur Provokation, denn es ist bezeichnend, dass folgende Forderungen des BDI-Kongresses vom 1. Mai 2002. schon umgesetzt wurden: Abkehr von der Tarifautonomie auf der Grundlage von Fl&auml;chentarifvertr&auml;gen, Reduzierung der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung, Absenkung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe, Senkung der Unternehmenssteuern, Einf&uuml;hrung von Studiengeb&uuml;hren.<br \/>  Ende Oktober nannten Rogowski und Henkel die Mitbestimmung einen &#x84;historischen Irrtum&#x93;. Der K&uuml;ndigungsschutz soll weiter aufgeweicht werden.<br \/>  Die Arbeitgeberoffensive und das sich entwickelnde Erscheinungsbild der Krise erinnern an Weimarer Zeiten. Damals waren auch alle erk&auml;mpften Rechte der Lohnabh&auml;ngigen unter Beschuss. Wie in den 20er Jahren drohen Armut und Arbeitslosigkeit wieder zum Massenph&auml;nomen zu werden.<br \/>  CDU\/CSU haben aus Sicht des Kapitals die Aufgabe, durch noch sch&auml;rfere Forderungen Rot-Gr&uuml;n vor sich herzutreiben. Der CDU\/CSU-Streit um die Kopfpauschale widerspiegelt unterschiedliche &Uuml;berlegungen: Welche Forderungen lassen sich als sozial gerecht besser verkaufen?<br \/>  Mit dem Stillhalten der Gewerkschaftsf&uuml;hrung und der fehlenden politischen Alternative k&ouml;nnen die Kapitalfraktionen die Profitsanierung vorantreiben &#x96; es sei denn, dass das Opel-Beispiel Schule macht.<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Frank Nitzsche, Siegen<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Strategie des deutschen Kapitals<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[165],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11058"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11058"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11058\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11058"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11058"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11058"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}