{"id":11052,"date":"2004-10-20T15:19:49","date_gmt":"2004-10-20T15:19:49","guid":{"rendered":".\/?p=11052"},"modified":"2004-10-20T15:19:49","modified_gmt":"2004-10-20T15:19:49","slug":"11052","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11052\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg zur Linkspartei &#8211; Wie weiter f&uuml;r die WASG?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">F&uuml;r demokratische Strukturen &#8211; F&uuml;r einen k&auml;mpferischen Kurs &#8211; F&uuml;r ein sozialistisches Programm<\/span><\/p>\n<p>  Brosch&uuml;re der SAV vom Oktober 2004<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<big style=\"color: rgb(153, 0, 0);\"><a href=\"\/media\/2004\/wasg_wieweiter.pdf\"><small><span style=\"color: rgb(0, 0, 0);\">Die Brosch&uuml;re gibts als pdf-Datei zum Download (650 kb)<\/span><\/small><\/a><\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Einleitung: Eine neue Partei f&uuml;r Besch&auml;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen ist dringend n&ouml;tig! Was sind die Aufgaben einer neuen Linkspartei? <\/span><\/big><\/p>\n<p>  Entlasten wir die Arbeitgeber eher durch das Kopfpauschalenmodell oder durch die B&uuml;rgerversicherung? Senken wir den Spitzensteuersatz erst einmal auf 47 Prozent oder gleich auf 35 Prozent? Sollen die Besch&auml;ftigten im &ouml;ffentlichen Dienst erst einmal nur 42 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich arbeiten oder gleich 45 Stunden? <br \/>  Mit diesen &#8222;kniffligen Fragen&#8220; besch&auml;ftigen sich die Politiker und Politikerinnen aller etablierten Parteien. Das Hauptziel der PDS besteht darin, die Sozialk&uuml;rzungen m&ouml;glichst sozialvertr&auml;glich mit zu gestalten. Das bedeutet, dass sie nicht so rigoros k&uuml;rzen wollen, wie es SPD oder die CDU\/CSU vorschl&auml;gt. Au&szlig;er in Berlin nat&uuml;rlich, weil da die Kassen so leer seien, dass auch die PDS leider nichts tun k&ouml;nne. <br \/>  Doch wer hat die Kassen geleert? Die Arbeitgeber und die Parteien, die im Parlament ihre Interessen vertreten (CDU\/CSU, SPD, rechtsradikale Parteien, Gr&uuml;ne, FDP und mit Abstrichen auch die PDS) behaupten, es w&auml;ren die Arbeitslosen, die gesetzlich Krankenversicherten und die RentnerInnen. <br \/>  Doch viele wissen: Es sind die Reichen und Arbeitgeber, die sich durch weitere Steuersenkungen und Entlastungen bei den Sozialversicherungsbeitr&auml;gen auf unsere Kosten bereichern.Vor dem Hintergrund der Krise der kapitalistischen Wirtschaft weltweit, versuchen die Kapitalisten von Karstadt &uuml;ber Daimler und Opel bis Schlecker sich vor sinkenden Profitraten zu retten und die Krise auf die Besch&auml;ftigten abzuw&auml;lzen. L&ouml;hne werden um 20 oder 30 Prozent gek&uuml;rzt und Arbeitszeiten auf 40 oder 42 Stunden ohne Lohnausgleich verl&auml;ngert. Die Einf&uuml;hrung von Ein-Euro-Jobs bedeuten nicht nur Billigl&ouml;hne f&uuml;r ALG-II-Empf&auml;nger, sondern setzen die gesamten L&ouml;hne weiter unter Druck. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Politik im Interesse des Kapitals<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Obwohl sie sich Volksparteien nennen oder als gr&uuml;n oder sozial bezeichnen, machen die etablierten Parteien ihre Politik nur im Interesse eines kleinen Teils der Bev&ouml;lkerung. Arbeitszeitl&auml;ngerungen, Lohnk&uuml;rzungen, Gesundheitsreform und Hartz IV sind im Interesse der Besitzenden, der Banken, Konzerne, Gro&szlig;aktion&auml;re, Million&auml;re und Milliard&auml;re. Die Interessen dieser Schicht, genauer dieser Klasse, sind aber den Interessen der Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen, Armen entgegengesetzt. Die Behauptung, dass das nicht so w&auml;re, stand am Beginn der Rechtsentwicklung von SPD, Gr&uuml;nen und PDS. <br \/>  Unsere Gesellschaft ist geteilt, im wesentlichen in zwei Klassen mit unterschiedlichen Interessen, die man nicht unter einen Hut bringen kann. Streik f&uuml;r h&ouml;here L&ouml;hne, Finanzierung des Gesundheitswesen und der Rente, die Frage der Besteuerung: Das sind kein Streitfragen um den besten Weg f&uuml;r beide Seiten. Es ist ein Streit um die Frage: Wer bekommt welchen Anteil von dem, was die Besch&auml;ftigten erwirtschaftet haben. Aus der Erkenntnis, dass die ArbeiterInnen ihre Interessen haben und die Unternehmer ganz andere, ist vor 130 Jahren die SPD als Arbeiterpartei gegr&uuml;ndet worden. W&auml;hrend die F&uuml;hrung sp&auml;testens seit dem Ersten Weltkrieg eine prokapitalistische Haltung annahm, war die Basis der SPD bis in die 80er Jahre hinein von ArbeiterInnen gepr&auml;gt. Mit dem weiteren Rechtsruck der SPD-F&uuml;hrung und der Degradierung der Partei zu einer Wahlmaschinerie kehrten viele ArbeiterInnen der SPD den R&uuml;cken. Damit ist die SPD endg&uuml;ltig zu einer b&uuml;rgerlichen Partei geworden, die f&uuml;r die Interessen der Arbeiterklasse nicht zur&uuml;ck erobert werden kann. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r eine neue Arbeiterpartei <\/span><br \/>  Die Arbeiterklasse hat heute keine politische Interessenvertretung mehr. Dies wurde bei den Massenprotesten gegen Sozialk&uuml;rzungen, Hartz IV und den Angriffen auf die Tarifautonomie in den letzten beiden Jahren deutlich. Hunderttausende sind auf die Stra&szlig;e gegangen und haben klar gemacht, dass sie gegen die herrschende Politik sind. Zwischen 40 und 50 Prozent gehen nicht mehr zur Wahl. Eine neue Partei im Interesse der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen, RentnerInnen und Jugendlichen ist deshalb dringend n&ouml;tig. <br \/>  F&uuml;r die SAV ist der Aufbau einer neuen Partei l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llig. Schon lange vor der Agenda 2010 sind wir f&uuml;r die Gr&uuml;ndung einer neuen Arbeiterpartei eingetreten. Damit meinen wir eine Partei, die vor dem Hintergrund von derzeitigen und insbesondere zuk&uuml;nftigen Klassenk&auml;mpfen in der Lage ist, Hunderttausende von Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen, Jugendlichen und RentnerInnen politisch zu organisieren und diese auch durch Mobilisierungen in die Auseinandersetzung gegen das Kapital zu f&uuml;hren. Eine Arbeiterpartei, die der Massenarbeitslosigkeit, der Privatisierungspolitik und dem Sozialabbau den Kampf ansagt und mit eigenen Forderungen im Interesse der arbeitenden Bev&ouml;lkerung in die Offensive geht. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Wahlalternative f&uuml;r Arbeit und soziale Gerechtigkeit <\/span><br \/>  Was ist die Rolle der Wahlalternative f&uuml;r Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in diesem Prozess? Die Gr&uuml;ndung der WASG im Juni 2004 stellt den ersten konkreten Schritt auf bundesweiter Ebene in diese Richtung dar. Die InitiatorInnen sind einerseits Gewerkschaftsfunktion&auml;re und ehemalige SPD-Mitglieder und andererseits ehemalige bzw. Noch-PDS-Mitglieder. Sie vollziehen eine Entwicklung nach, die ein gro&szlig;er Teil der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen und Jugendlichen schon vollzogen hat: Sie wenden sich von SPD und PDS ab. Wenn die WASG in der Lage sein wird, durch eine k&auml;mpferische Ausrichtung einen gro&szlig;en Teil dieser Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen anzusprechen, kann sie heute bereits mehrere Zehntausende organisieren. Die Tatsache, dass viele der Gr&uuml;nderInnen der WASG aus dem mittleren Funktion&auml;rsebene von verdi und IG Metall stammen, deutet den notwendigen Prozess eines Bruchs der Gewerkschaften mit der SPD an. <br \/>  Doch mit welchen Inhalten m&uuml;sste eine neue Partei aufgebaut werden. Auf welche Themen und Aufgaben sollte sie sich konzentrieren? Wie sollte die Struktur einer neuen Partei beschaffen sein? <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">K&auml;mpferisch, demokratisch, sozialistisch <\/span><br \/>  Die SAV beteiligt sich aktiv und solidarisch am Aufbau der WASG und setzt sich f&uuml;r die Bildung einer neuen Partei durch die WASG ein. Wir treten daf&uuml;r ein, dass die WASG die Sachzw&auml;nge des Kapitals ablehnt und eine konsequente Interessenspolitik &#x96; orientiert an den &#8222;Sachzw&auml;ngen&#8220; der ArbeiterInnen, Erwerbslosen, RentnerInnen und Jugendlichen betreibt. Das bedeutet, dass die WASG die Lehren aus der Entwicklung der SPD ziehen und heute jegliche Sozialk&uuml;rzungen, Privatisierungen und Arbeitsplatzvernichtung ablehnen muss. Statt wie die PDS Hartz IV etwas sozialvertr&auml;glicher umzusetzen und Zwei- statt Ein-Euro-Jobs zu schaffen, muss sich die WASG f&uuml;r gemeinsame Mobilisierungen von Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen einsetzen. Nur wenn sie ein aktiver und k&auml;mpferischer Teil der au&szlig;erparlamentarischen Bewegung wird, kann sie Menschen, Initiativen und Gruppierungen in ihren Reihen organisieren, die sich gegen die herrschende Politik zu Wehr setzen wollen. Menschen, die den etablierten Parteien richtigerweise nicht mehr &uuml;ber den Weg trauen, m&uuml;ssen zu der &Uuml;berzeugung gelangen, dass die WASG anders ist. Das hei&szlig;t aber, dass die WASG auch ganz anders als die etablierten Parteien aufgebaut sein muss &#x96; sie muss demokratisch sein. Mit einer k&auml;mpferischen und demokratischen Ausrichtung kann die WASG einen Ansatzpunkt schaffen, um soziale und betriebliche Proteste zu verbinden, politisch zu st&auml;rken und mit voran zu treiben. Parlamentarische Positionen soll sie prim&auml;r dazu nutzen, ihre politischen Ideen zu verbreiten und au&szlig;erparlamentarische Bewegungen zu unterst&uuml;tzen. Genau das hat Karl Liebknecht vor und w&auml;hrend des Ersten Weltkrieges getan. Er nutzte seine Stellung im Reichstag zur Agitation gegen den Krieg. <br \/>  Diese Ziele machen es selbstverst&auml;ndlich, dass die WASG eine zuk&uuml;nftige Koalition mit Parteien, die Sozialabbau betreiben oder die Tolerierung von Minderheitsregierungen, die eine solche Politik verfolgen, ausschlie&szlig;en muss. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Lehren aus der Geschichte der SPD<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Doch die WASG muss auch die inhaltlichen Lehren aus 130 Jahren Sozialdemokratie ziehen. Urspr&uuml;nglich war die SPD eine sozialistische Partei und erkl&auml;rte, dass der Kapitalismus nicht im Interesse der Arbeiterklasse reformierbar sei. Sie hatte eine Massenbasis unter Arbeiterinnen und Arbeitern und war in gewerkschaftlichen und politischen K&auml;mpfen aktiv. Die Auffassung, dass zur Abschaffung des Kapitalismus eine Revolution notwendig w&auml;re, war im Programm der SPD verankert. Diese Position wurde jedoch von der Parteif&uuml;hrung zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben. Mit der Aufgabe von revolution&auml;r-sozialistischen Zielen durch die damalige SPD-F&uuml;hrung setzte eine Entwicklung ein, die zu Beginn die F&uuml;hrung und heute die gesamte SPD erfasst hat: Die Wendung von einer sozialistischen Arbeiterpartei zu einer b&uuml;rgerlichen Partei. <br \/>  Ein Teil von WASG-Mitgliedern und insbesondere der WASG-F&uuml;hrung vertritt heute die Position, dass die WASG eine neue sozialdemokratische Partei im Sinne der SPD der 70er Jahre werden sollte. Die SPD vertrat in den 60er und 70er Jahren reformistische Positionen und setzte auf Sozialpartnerschaft statt Klassenkampf. Vor dem Hintergrund des Nachkriegsaufschwungs war der Spielraum f&uuml;r materielle Zugest&auml;ndisse an die Arbeiter durch die Kapitalisten gegeben. Diese Basis hat sich heute grundlegend ver&auml;ndert. Durch die lang anhaltende und tiefer werdende wirtschaftliche Krise werden die finanziellen Spielr&auml;ume f&uuml;r Zugest&auml;ndnisse immer enger. Hinzu kommt, dass die Kapitalisten seit dem Zusammenbruch der stalinistischen Staaten ideologisch in der Offensive sind. Die Sozialpartnerschaft wurde von den Unternehmern aufgek&uuml;ndigt und die Angriffe auf Besch&auml;ftigte und Erwerbslose intensiviert. Es ist h&ouml;chste Zeit, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass keine neue SPD der 70er Jahre, sondern eine SPD, die der herrschenden Klasse den Kampf ansagt, n&ouml;tig ist &#x96; &auml;hnlich wie vor 130 Jahren. Daf&uuml;r muss die Debatte &uuml;ber eine gesellschaftliche Alternative zum kapitalistischen System und die Erfahrung mit den undemokratischen stalinistischen Staaten in der WASGgef&uuml;hrtwerden. Die SAV setzt sich f&uuml;r ein sozialistisches Programm der WASG ein. <\/p>\n<p>  Die folgenden Beitr&auml;ge sollen die hier angesprochenen Fragen aufgreifen und vertiefen. Die Mehrheit der folgenden Artikel sind bereits in der Solidarit&auml;t &#x96; Sozialistische Zeitung (Zeitung der SAV) erschienen. <\/p>\n<p>  <big style=\"color: rgb(153, 0, 0);\"><span style=\"font-weight: bold;\">WASG im Aufwind &#8211; Zur Ausrichtung und Struktur der WASG <\/span><\/big><br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Tinette Schnatterer, Stuttgart<br \/>  <br style=\"font-style: italic;\"> <\/span>Auf der Bundesdelegiertenkonferenz der WASG Ende November werden die Weichen f&uuml;r eine Urabstimmung &uuml;ber die Gr&uuml;ndung einer Partei gestellt. Tats&auml;chlich hat die WASG die M&ouml;glichkeit, zu einer neuen Partei mit Zehntausenden von Mitgliedern zu werden und 2006 in den Bundestag einzuziehen. Denn die Wut &uuml;ber Sozialabbau, Agenda 2010, Hartz und Arbeitszeitverl&auml;ngerung ist enorm. Die Notwendigkeit einer neuen Partei wird mittlerweile von vielen gesehen. Entscheidend bleibt trotzdem, ob sich AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen in ihr organisieren und selbst aktiv werden. <br \/>  Der Aufbau einer neuen Arbeiterpartei, einer Interessensvertretung der Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen und ihrer Familien wie es die SPD urspr&uuml;nglich war, ist sicherlich komplizierter. Dazu ist es n&ouml;tig, dass aus zuk&uuml;nftigen Wellen von Klassenauseinandersetzungen Hunderttausende und Millionen die Schlussfolgerung ziehen, selbst aktiv zu werden und ihr Schicksal nicht mehr irgendwelchen Politikern zu &uuml;berlassen. Doch auch heute sind Schritte in diese Richtung m&ouml;glich. Einerseits um diesen Prozess zu beschleunigen und um andererseits einen Bezugspunkt f&uuml;r bereits heute stattfindene betriebliche und soziale Proteste zu schaffen. <br \/>  Die Dynamik der Entstehung der WASG zeigt, welcher Bedarf nach einer solchen neuen Partei besteht. Ihre Gr&uuml;ndung ist Ausdruck der enormen Geschwindigkeit, mit der sich die Klassenbeziehungen ver&auml;ndern und in der politische Landschaft in Deutschland nieder schlagen. Das hat wichtige R&uuml;ckwirkungen auf diesen Prozess selbst. Doch die Politik der bisherigen F&uuml;hrung der WASG stellt ihren Erfolg in Frage. Sie setzt nicht darauf, selbst aktiv K&auml;mpfe zu f&uuml;hren, sondern will &#x84;parlamentarischer Arm&#x93; der Bewegung sein. Das bedeutet, dass ihre Methoden nicht prim&auml;r darauf ausgerichtet sind, AktivistInnen zu organisieren und in die Arbeit einzubinden. Das spiegelt sich auf den Treffen der WASG wider. Bisher sind AktivistInnen aus den sozialen Bewegungen und betrieblichen Protesten unterrepr&auml;sentiert. Auch Jugendliche und Frauen pr&auml;gen nicht das Bild der WASG-Treffen. <br \/>  <br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">K&auml;mpferische Ausrichtung <\/span><br \/>  Die Vorstellung, als Arm der Bewegung in den Parlamenten grundlegend etwas zu ver&auml;ndern ist falsch. Es ist nichts dagegen einzuwenden, die Parlamente zu nutzen, um f&uuml;r die Interessen der ArbeitnehmerInnen lautstark einzutreten. So konnte SAV-Stadtr&auml;tin Christine Lehnert im Rostocker Stadtrat beispielsweise durchsetzen, dass die Privatisierung der S&uuml;dstadtklinik nicht im Jahr 2005 durchgef&uuml;hrt wird. Die S&uuml;dstadtklinik wird aber nur dann gerettet werden, wenn es einen entschlossen Kampf der Belegschaft und der Bev&ouml;lkerung Rostocks geben wird. Insgesamt betrachtet bedeutet das: Die Macht der Banken und Konzerne wird nur dann herausgefordert werden, wenn Hunderttausende und Millionen aktiv werden. Deshalb muss die WASG selbst in die Auseinandersetzungen eingreifen und Massen mobilisieren. Nur wenn ihr dies gelingt, kann sie mit Bewegungen und K&auml;mpfen verschmelzen und wirklich politischer, und dann auch parlamentarischer Ausdruck, dieser K&auml;mpfe und Bewegungen werden. Dazu muss sie selber Teil, und zwar vorw&auml;rtstreibender Teil, solcher K&auml;mpfe werden. So kann die WASG selbst Vorschl&auml;ge machen, aber auch einen Erfahrungsaustausch und Debatten &uuml;ber die richtige Strategie und Alternativen anbieten. <br \/>  In einigen Orten, zum Beispiel in Berlin, hat sich die WASG an den Montagsprotesten gegen Hartz IV beteiligt. Das ist der richtige Ansatz. Gleichzeitig muss die WASG aber auch aufzeigen, dass Demonstrationen alleine nicht ausreichen werden, um die Angriffe auf L&ouml;hne und Lebensbedingungen zu stoppen. Notwendig ist der gemeinsame Kampf von Besch&auml;ftigen, Arbeitslosen und allen anderen Betroffenen. Die WASG kann zum Beispiel vor Betrieben, in denen die Besch&auml;ftigten von Entlassungen und Lohnk&uuml;rzungen bedroht werden, Flugbl&auml;tter verteilen und betriebliche Proteste unterst&uuml;tzen. Politisch muss sich die WASG daf&uuml;r einsetzen, dass die Gewerkschaften statt z&ouml;gerlicher Proteste Streiks bis hin zu einem eint&auml;gigen Generalstreik organisieren. <br \/>  Doch solange Gewerkschaftsfunktion&auml;rInnen an der Spitze der WASG stehen, die selbst in ihrer Organisation nicht f&uuml;r einen grundlegend anderen Kurs stehen, wird das schwierig. <br \/>  Klaus Ernst, Mitglied im gesch&auml;ftsf&uuml;hrenden Bundesvorstand der WASG und IG-Metall-Bevollm&auml;chtigter in Schweinfurt, organisierte einen der ersten Streiks gegen die Agenda 2010 in Schweinfurt im April 2003. Warum kam von den Gewerkschaftsfunktion&auml;rInnen in der WASG (einige erste Bev&ouml;llm&auml;chtigte der IG-Metall, IG-Metall-Bundesvorstandsmitglieder, ver.di-Bundessekret&auml;rInnen, &#8230;) so wenig danach?! <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Demokratie <\/span><br \/>  Um erfolgreich zu sein, muss die WASG allerdings auch klar machen, dass sie mit den korrupten Parteien der Unternehmer nichts gemein hat. Laut Meinungsforschungsinstituten hat nur noch jeder zehnte in Deutschland Vertrauen in Politiker oder Parteien (Hamburger Abendblatt, 20. August 04). In einer neuen Partei sind Demokratie und Transparenz notwendig. <br \/>  Leider wird bisher von der Mehrheit der Initiatoren der WASG eine Top-Down-Strategie umgesetzt. So wurden in vielen Landesverb&auml;nden die Listen f&uuml;r die Landesvorst&auml;nde von oben festgelegt. Im Vorfeld der Landesvorstandswahlen wurden Landeskoordinatoren eingesetzt, die in Orten wie Berlin nicht von der Mitgliedschaft akzeptiert waren. Organisierte Debatten um das politische Programm der WASG zur Vorbereitung der Bundesdelegiertenkonferenz fanden kaum statt. Die M&ouml;glichkeit f&uuml;r Mitglieder, sich &uuml;ber die Internetseite oder bundesweite Mitgliederrundbriefe und Mailinglisten gegenseitig auszutauschen und zu informieren, ist nicht gegeben. <br \/>  Ein solch b&uuml;rokratisches und undemokratisches Vorgehen stellt die zuk&uuml;nftige Entwicklung der WASG in Frage: Die Gefahr ist gro&szlig;, dass AktivistInnen aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen Bewegungen sich nicht auf eine Partei einlassen werden, in der mit solchen Methoden gearbeitet wird. Die SAV setzt sich deshalb in der WASG daf&uuml;r ein, dass lokale Gruppen auf der Basis eines bundesweiten Grundkonsenses die M&ouml;glichkeiten haben, selbst&auml;ndig zu handeln. Notwendig ist au&szlig;erdem, dass die WASG eine f&ouml;derale Struktur annimmt, in der Initiativen, kommunale Wahlb&uuml;ndnisse, gewerkschaftliche Netzwerke und Organisationen ihre Identit&auml;t beibehalten und auch innerhalb der WASG wirken k&ouml;nnen. Um zu verhindern, dass es im Prozess des Aufbaus der WASG zu einer Entfernung der Funktionstr&auml;gerInnen von der Mitgliedschaft und der W&auml;hlerInnen kommt, m&uuml;ssen diese jederzeitig w&auml;hl- und abw&auml;hlbar sein. Hauptamtliche und Abgeordnete der WASG sollen dabei nicht mehr als einen durchschnittlicher Facharbeiterlohn verdienen. <\/p>\n<p>  <big style=\"color: rgb(153, 0, 0);\"><span style=\"font-weight: bold;\">Antrag an die WASG-Bundesdelegiertenkonferenz <\/span><\/big><br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Antragstellerin: Lucy Redler (SAV-Mitglied) <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <br \/>  Die WASG- Landesmitgliederversammlung Berlin beantragt, folgende S&auml;tze als Grundsatzentscheidung zu beschlie&szlig;en und in das Programm einzuf&uuml;gen: <br \/>  &#x84;Die WASG lehnt jede Form von Sozialk&uuml;rzungen, Privatisierungen und Arbeitsplatzabbau zu Lasten von Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen, RentnerInnen und Jugendlichen ab und wird sich nicht daran beteiligen. Eine Regierungsbeteiligung in Koalitionen mit Parteien, die Sozialk&uuml;rzungen betreiben, schlie&szlig;t die WASG kategorisch aus.&#x93; <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\">\n<p>  <big style=\"color: rgb(153, 0, 0);\"><span style=\"font-weight: bold;\">Programm n&ouml;tig, in dem nicht das Kapital bestimmt &#8211; Zur Programmdiskussion innerhalb der WASG <\/span><\/big><br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic und Lucy Redler, Berlin<\/span><\/p>\n<p>  Zur Zeit findet in vielen regionalen Gruppen und Landesverb&auml;nden eine Debatte um das zuk&uuml;nftige Parteiprogramm der WASG statt. Es soll bei der Bundesdelegiertenkonferenz der WASG diskutiert und beschlossen werden. Im Programmentwurf des Bundesvorstands vom 30.8. hei&szlig;t es: &#x84;Eine andere Welt ist m&ouml;glich als die, in der das Kapital bestimmt.&#x93; Doch was schl&auml;gt die WASG vor? <br \/>  Im Programmentwurf finden sich viele richtige Forderungen: Ein &ouml;ffentliches Investitionsprogramm, die Verk&uuml;rzung der Arbeitszeit bei vollem Lohn-und Personalausgleich, die Wiedereinf&uuml;hrung der Verm&ouml;genssteuer und andere Forderungen. <br \/>  Der Entwurf erkl&auml;rt jedoch nicht, wie diese Forderungen durchgesetzt werden k&ouml;nnen. Diese Frage steht in einem direkten Zusammenhang mit den Ursachen der gegenw&auml;rtigen Situation. Die AutorInnen gehen davon aus, dass ihre Vorschl&auml;ge nicht nur sozial gerechter, sondern auch &#x84;wirtschaftspolitisch besser&#x93; seien, also zu mehr Wachstum, Sozialstaat und &#x84;einer Vollbesch&auml;ftigung neuen Typs&#x93; f&uuml;hren. Sie erwecken den Eindruck, dass die von ihnen vorgeschlagene Politik im Interesse aller Teile der Gesellschaft ist &#x96; Arbeitgeber wie ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose. <br \/>  Doch die Ursachen f&uuml;r die permanenten Angriffe auf Sozialleistungen und L&ouml;hne liegen in der Profitkrise der kapitalistischen Gesellschaft. Die Klasse der Unternehmer und Gro&szlig;aktion&auml;re will auf Kosten der ArbeitnehmerInnen und Erwerbslosen ihre sinkenden Profitraten sanieren. Daraus ergibt sich, dass jede Verbesserung f&uuml;r die Masse der Bev&ouml;lkerung durch die Profite der Banken und Konzerne finanziert werden m&uuml;sste und dementsprechend nur im Kampf gegen diese durchgesetzt werden kann.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">K&auml;mpferisch oder staatstragend?<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Anstatt aber auf die Aktivit&auml;t der Besch&auml;ftigten, Jugendlichen und Erwerbslosen zu setzen, bietet der WASG-Bundesvorstand ein auf die Politik in den Parlamenten orientiertes Programm an. So appelliert der Entwurf beispielsweise an &#x84;Deutschland,&#x93; f&uuml;r eine bessere Sozialpolitik in der EU, sein &#x84;Gewicht in die Waagschale&#x93; zu werfen.<br \/>  Ingesamt f&auml;llt der Programmentwurf hinter das Programm zum Beispiel von Attac oder anderen Teilen der Bewegung gegen Sozialkahlschlag zur&uuml;ck. So wird ein Spitzensteuersatz gefordert, der mit 47 Prozent unter jenem aus der Zeit der Kohl-Regierung. Auf internationaler Ebene wird lediglich die Demokratisierung von IWF, WTO und Weltbank gefordert und das GATS-Abkommen in den Grundz&uuml;gen akzeptiert. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r ein sozialistisches Programm <\/span> <br \/>  Um der Offensive der Kapitalisten und ihrer Regierungen etwas entgegen zu setzen, ist eine k&auml;mpferische Partei n&ouml;tig, die nicht bei den Profitinteressen der Banken und Konzerne halt macht. Die WASG schreibt selbst: &#x84;Wir wollen auch &uuml;ber weitergehende Alternativen und Visionen einer besseren Welt diskutieren.&#x93; Sie zieht darauf aber keine Konsequenzen f&uuml;r Programm und Strategie. Dahinter steht die Idee, heute eine m&ouml;glichst breite Front gegen den Neoliberalismus zu schaffen und dabei auch bisherige Anh&auml;ngerInnen von CDU\/CSU einzubinden. So sprach sich Axel Troost auf der Landesmitgliederversammlung in Niedersachen am 9.10.04 daf&uuml;r aus, dass die WASG auch Norbert Bl&uuml;m und Heiner Gei&szlig;ler einbinden sollte. Den f&uuml;hrenden K&ouml;pfen der WASG zufolge steht die &Uuml;berwindung des Kapitalismus heute nicht auf der Tagesordnung und antikapitalistische Verbalradikalit&auml;t schreckt nur ab. Dahinter steckt der Gedanke, im Rahmen des Kapitalismus, zumindest f&uuml;r eine gewisse Periode, den Neoliberalismus zur&uuml;ck zu dr&auml;ngen und soziale Reformen im Interesse von Erwerbslosen und Besch&auml;ftigten durchzusetzen. <br \/>  Die SAV ist dagegen der Meinung, dass erstens soziale Reformen heute nur durch massive Mobilisierungen von Besch&auml;ftigten und zweitens im Kapitalismus nicht dauerhaft durchsetzbar sind. Wenn wir langfristig sichere, menschenw&uuml;rdige Arbeit zu angemessenen L&ouml;hnen f&uuml;r alle, eine saubere Umwelt, eine friedliche Welt und eine demokratische Kontrolle &uuml;ber die Wirtschaft erreichen wollen, dann werden wir in Konflikte mit den Kapitalbesitzern geraten, die im Rahmen der kapitalistischen Staats- und Wirtschaftsordnung nicht dauerhaft zugunsten der ArbeitnehmerInnen zu entscheiden sind. Denn diese Forderungen k&ouml;nnen nur bleibend durchgesetzt werden, wenn nicht mehr Markt- und Profitgesetze Wirtschaft und Politik bestimmen, sondern die Bed&uuml;rfnisse von Mensch und Natur. <br \/>  Letztlich stellt sich die Frage, ob man die kapitalistischen Macht- und Eigentumsverh&auml;ltnisse, also den kapitalistischen Staat mit all seinen Institutionen und Gesetzen, die Marktwirtschaft und das Privateigentum an den Banken und Konzernen, als Rahmen der eigenen Politik betrachtet oder ob man bereit ist, &uuml;ber diesen Rahmen hinaus zu gehen. <br \/>  Zwei Beispiele: Die Besch&auml;ftigten des Waggonbauers Bombardier in Halle (Saale) k&auml;mpfen gegen die Schlie&szlig;ung ihrer Fabrik. Diese ist wahrscheinlich nur dauerhaft zu retten, wenn die Eigent&uuml;mer enteignet werden und der Betrieb in &ouml;ffentlicher Hand fortgef&uuml;hrt wird. Gleichzeitig w&auml;re es n&ouml;tig einen Produktionsplan aufzustellen, der auf &ouml;ffentlichen Investitionen im Verkehrswesen beruht. Im Rahmen des Kapitalismus: nicht machbar. <br \/>  Zweites Beispiel: Berlin ist pleite. Die Banken verdienen sich dumm und d&auml;mlich an den Zinszahlungen des Landes. Der Senat garantiert die Gewinne f&uuml;r die Investoren bestimmter Fonds bei der Bankgesellschaft, die Zeche zahlt die Allgemeinheit durch Sozialk&uuml;rzungen und Lohnraub im &ouml;ffentlichen Dienst. Ein Ausweg aus dieser Situation ist nur denkbar, wenn die Macht der Banken gebrochen wird. Die Zinszahlungen m&uuml;ssten eingestellt werden, die Banken in &ouml;ffentliches Eigentum &uuml;berf&uuml;hrt werden. <br \/>  Sozialistische Politik bedeutet nicht nur die Perspektive einer grundlegenden Ver&auml;nderung der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse zu haben, sondern auch und insbesondere hier und heute entschieden und konsequent die Interessen der Lohnabh&auml;ngigen und Erwerbslosen zu vertreten und sich in keiner Situation auf die kapitalistische Logik einzulassen. Die Notwendigkeit hier und heute mit kapitalistischen Prinzipien zu brechen ergibt sich aus den zu f&uuml;hrenden K&auml;mpfen. <br \/>  Deshalb treten wir daf&uuml;r ein, den Kampf f&uuml;r die angesprochenen Verbesserungen mit der Perspektive auf eine grundlegende Ver&auml;nderung der gesellschaftlichen Verh&auml;ltnisse zu f&uuml;hren.<br \/>  Dazu ist die &Uuml;berf&uuml;hrung der gro&szlig;en Banken und Konzerne in &ouml;ffentliches Eigentum unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden Bev&ouml;lkerung und die demokratische Planung der Wirtschaft eine Voraussetzung. Denn kontrollieren kann man nur, was einem auch geh&ouml;rt. Deshalb schl&auml;gt die SAV vor, dass eine neue Partei f&uuml;r die Einf&uuml;hrung einer sozialistischen Demokratie eintritt und ihren Einsatz f&uuml;r die Erk&auml;mpfung von Reformen damit verbindet, zu erkl&auml;ren, dass es notwendig ist, den Kapitalismus abzuschaffen. <\/p>\n<p>  <big><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(153, 0, 0);\"> Beitrag von SAV-Mitgliedern zur Programmdiskussion in der WASG <\/span><\/big> <br style=\"font-weight: bold;\"> <a href=\"\/?p=11035\">Hier ist ein Beitrag von SAV-Mitgliedern<\/a>, die in der WASG aktiv sind, zur Diskussion &uuml;ber das zuk&uuml;nftige Programm der WASG abrufbar. Er setzt sich daf&uuml;r ein, dass der Programmentwurf der WASG auf Grundlage des Beitrages neu erarbeitet wird.<\/p>\n<p>  <big><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(153, 0, 0);\">Hoffnungstr&auml;ger Oskar Lafontaine? <\/span><\/big><br \/>  <span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic, Berlin <\/p>\n<p>  <\/span>Lafontaine is back. Nach seiner Ank&uuml;ndigung m&ouml;glicherweise die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) zu unterst&uuml;tzen, ist er wieder in aller Munde. SPD-Politiker geraten in Panik, denn sie wissen: Lafontaine spricht mit seiner Kritik an der Agenda 2010 und an deutschen Kriegseins&auml;tzen Millionen aus der Seele. Ausschlie&szlig;en wollen sie ihn aber nicht, denn &#x84;Lafontaine ist au&szlig;erhalb der SPD gef&auml;hrlicher als in der Partei&#x93; (SPD-Vorsitzender M&uuml;ntefering). Das stimmt. Mit Lafontaine w&uuml;rde die WASG beziehungsweise die sich daraus bildende neue Linkspartei auf einen Schlag bundesweit von Millionen wahr und ernst genommen. Sie w&uuml;rde zu einem politischen Faktor und zehntausende entt&auml;uschte (Ex-) SozialdemokratInnen w&uuml;rden ihm folgen. Ein Einzug der WASG in den Bundestag w&auml;re noch wahrscheinlicher. Warum? Weil Lafontaine in den Augen breiter Massen als ein Linker gilt, der Arbeitnehmerinteressen vertritt und die Reichen zumindest Steuern zahlen lassen will. Und weil er eine bundesweit bekannte und anerkannte F&uuml;hrungspers&ouml;nlichkeit ist, der jeder und jede zutraut, eine Partei aufzubauen und zu f&uuml;hren. Eine andere Galionsfigur mit &auml;hnlicher Ausstrahlungskraft kann die WASG nicht aufbieten. Daher verwundert es nicht, dass der WASG-Vorsitzende Klaus Ernst Lafontaine schon mal &#x84;sehr willkommen&#x93; hei&szlig;t. Lafontaine hat angek&uuml;ndigt, bis 2006 abwarten zu wollen: Tritt Schr&ouml;der zur&uuml;ck, bleibt er in der SPD. Doch es ist wohl wahrscheinlicher, dass eine Eigendynamik einsetzt, die Lafontaine auch fr&uuml;her zur WASG sto&szlig;en l&auml;sst, unabh&auml;ngig davon, ob die SPD ihn raus wirft oder nicht.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Sozialistischer Fl&uuml;gel n&ouml;tig <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Lafontaines Beitritt w&uuml;rde f&uuml;r die WASG beziehungsweise eine neue Linkspartei eine St&auml;rkung in dem Sinne bedeuten, dass deutlich mehr GewerkschafterInnen, ArbeitnehmerInnen und Erwerbslose die neue Partei w&auml;hlen, Veranstaltungen besuchen und sogar Mitglied werden w&uuml;rden. <br \/>  Doch um aus der WASG eine wirkliche Massenpartei der erwerbst&auml;tigen und erwerbslosen Arbeiterklasse in Deutschland zu machen &#x96; sprich: eine Partei mit hunderttausenden Mitgliedern und AktivistInnen in Nachbarschaften, Betrieben, Schulen und Hochschulen &#x96; bedarf es eines Programm, das konsequent die Interessen der Masse der Bev&ouml;lkerung gegen die Gelds&auml;cke in diesem Land vertritt, und einer Praxis, die ArbeiterInnen und Erwerbslose zu Protesten mobilisiert und organisiert. Innerhalb der WASG gibt es Kr&auml;fte, die eine solche Ausrichtung wollen, doch die Mehrheit der derzeitigen F&uuml;hrung hat eine weitestgehend parlamentarische Orientierung und stellt das kapitalistische System nicht in Frage. Dieser Fl&uuml;gel w&uuml;rde durch Lafontaine gest&auml;rkt. <br \/>  Wir sollten nicht vergessen: Lafontaine war nicht nur SPD-Vorsitzender in den Jahren des Rechtsrucks der Partei, sondern auch saarl&auml;ndischer Ministerpr&auml;sident und Bundesfinanzminister. Er ist &uuml;berzeugt, dass er den Kapitalismus besser managen kann als die Neoliberalen. Und dazu war und wird er auch zu Ma&szlig;nahmen bereit sein, die die Masse der Bev&ouml;lkerung treffen. Schon in der Vergangenheit hat er Lohnverzicht bei Arbeitszeitverk&uuml;rzung gefordert, Privatisierungen unterst&uuml;tzt und die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters vorgeschlagen. Kommt Lafontaine ist der Aufbau eines starken und k&auml;mpferischen sozialistischen Fl&uuml;gels in der WASG umso dringender.<\/p>\n<p>  <big><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(153, 0, 0);\">Zum Verh&auml;ltnis der WASG zu den Gewerkschaften <\/span><\/big><br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Ursel Beck, Stuttgart<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <br \/>  Die Arbeiterklasse ist die einzige Kraft in der Gesellschaft, die aufgrund ihrer Stellung in der Produktion und ihrer F&auml;higkeit zu kollektiver Gegenwehr und Solidarit&auml;t die Lage der arbeitenden Menschen durch Kampf verbessern und den Kapitalismus abschaffen kann. Die Existenz und potentielle Macht der Arbeiterklasse zeigt sich beim Streik der OpelarbeiterInnen in Bochum. Durch ihren Streik legen sie nicht nur ihr Werk, sondern Werksteile von General Motors in ganz Europa lahm. Ein Streiktag kostet General Motors dabei 30 Millionen Euro. <br \/>  Um bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen und eine andere Gesellschaft zu erk&auml;mpfen, hat die Arbeiterklasse einst sozialistische Parteien und Gewerkschaften gegr&uuml;ndet. In Deutschland bildeten SPD und Gewerkschaften &uuml;ber lange Perioden die organisierte Arbeiterbewegung, die sich gegenseitig beeinflussten und mitgliederm&auml;&szlig;ig eng verflochten waren. Alle sozialen Errungenschaften und demokratischen Rechte sind Ergebnisses des Kampfes der Arbeiterbewegung. Die Verabschiedung der SPD von der Arbeiterklasse und ihre Verwandlung zur Unternehmerpartei macht die Neugr&uuml;ndung einer Arbeiterpartei notwendig. Eine neue Linkspartei muss aber von Anfang Klarheit &uuml;ber die Aufgabenstellung in Bezug auf die Gewerkschaften haben. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Gewerkschaftsf&uuml;hrung verb&uuml;rgerlicht<\/span> <br \/>  In den Gewerkschaften hat es einen &auml;hnlichen historischen Anpassungsprozess wie in der SPD gegeben. Klassenkampf wurde durch Klassenkollaboration, genannt Sozialpartnerschaft, ersetzt. In Krisenzeiten bedeutet Sozialpartnerschaft v&ouml;llige ideologische Kapitulation und Ausverkauf von Mitgliederinteressen. Besonders seit Anfang der 90er Jahre ist die Kluft zwischen F&uuml;hrung und Basis der Mitgliedschaft so gro&szlig; wie nie zuvor. Wachsende Wut und Kampfbereitschaft in den Betrieben und Branchen st&ouml;&szlig;t auf die Blockade von Betriebsratsf&uuml;rsten und Gewerkschaftsspitzen. Die gro&szlig;e Mehrheit von Gewerkschaftsf&uuml;hrern haben unter dem ideologischen Druck der Herrschenden in den 90er Jahren v&ouml;llig kapituliert und geben diesem weiter nach. Co-Management mit Unternehmern und Regierungen, &#x84;B&uuml;ndnis f&uuml;r Arbeit und Wettbewerbsf&auml;higkeit&#x93;, Standortpolitik und kampflose Zugest&auml;ndnisse an die Profitinteressen der Unternehmen sind die praktischen Konsequenzen dieser Politik. Die Vorst&auml;nde der Gewerkschaften bringen heute die gleichen Argumente wie Unternehmer und ihre Politiker &#x96; nur in abgeschw&auml;chter Form. Materiell sind die Spitzenfunktion&auml;re der Gewerkschaften v&ouml;llig abgehoben von den Lebensverh&auml;ltnissen der Arbeiterklasse. Sie verdienen 10.000 bis 15.000 Euro im Monat. Der offene &Uuml;bergang ins Management oder ein Ministeramt ist f&uuml;r sie die logische Fortsetzung ihrer Karriere. So ist beispielsweise der ehemalige &Ouml;TV-Vorsitzende Herbert Mai heute Arbeitsdirektor bei Fraport (Frankfurter Flughafen). <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Entpolitisierung und Entdemokratisierung <\/span> <br \/>  Prokapitalistische Politik und Privilegien f&uuml;r die Spitzenfunktion&auml;re hatten auch zur Folge, dass innergewerkschaftliche Demokratie und lebendige Diskussionen zur&uuml;ck gedr&auml;ngt wurden. Die Politik der Gewerkschaftsspitzen ist heute durch Stellvertreterpolitik statt Aktivierung der Mitgliedschaft, durch Geheimdiplomatie statt demokratischer Einbeziehung der Basis, durch Spaltung statt Solidarit&auml;t und durch Kapitulation statt Streik gepr&auml;gt. Die heutigen Gewerkschaftsf&uuml;hrer machen die Gewerkschaften von Kampforganisationen zu Dienstleistungsunternehmen &#x96; zu einem ADAC f&uuml;r Arbeitnehmer. Statt den Rentenklau zu bek&auml;mpfen, treten Gewerkschaften zum Beispiel heute als Agenten f&uuml;r private Zusatzversicherungen auf. Die Folge der angepassten Politik ist, dass die Gewerkschaften entpolitisiert und viele gewerkschaftlichen Strukturen in den Betrieben zusammengebrochen sind und qualitativ geschw&auml;cht wurden. Eine Vielzahl von Vertrauensk&ouml;rpern in Gro&szlig;betrieben wurde in den verl&auml;ngerten Arm von Betriebsr&auml;ten, die Co-Management betreiben, umfunktioniert. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Errungenschaften der Vergangenheit <\/span><br \/>  Im Nachkriegsaufschwung mit hohem Wirtschaftswachstum, einem wachsenden Weltmarkt, ausgelasteten Kapazit&auml;ten und kaum bzw. wenig Arbeitslosigkeit und hohen Profitraten waren die Unternehmer bereit, dem Druck der Gewerkschaften relativ leicht nachzugeben und Zugest&auml;ndnisse zu machen. Au&szlig;erdem war die Systemkonkurrenz im Osten immer ein unsichtbarer Beteiligter auf Seiten der Gewerkschaften am Verhandlungstisch mit den Unternehmern. Auf die Zugest&auml;ndnisse aus dieser Zeit basieren die Reste an Autorit&auml;t der Gewerkschaftsb&uuml;rokratie. Und sie gibt vor, dass sie mit ihrer Politik der Kompromisse die Errungenschaften aus fr&uuml;heren Zeiten am besten verteidigen w&uuml;rde. Doch die strukturelle Krise des Kapitalismus und der Wegfall der Systemkonkurrenz hat der alten Politik der Sozialpartnerschaft die Grundlage entzogen. Die Unternehmer sind zum offenen Klassenkampf &uuml;bergegangen und wollen das Kr&auml;fteverh&auml;ltnis in der Gesellschaft entscheidend zuungunsten der Gewerkschaften verschieben. Das stellt die Gewerkschaften vor die Alternative, die Kampfkraft f&uuml;r die Verteidigung der Interessen der Mitgliedschaft zu mobilisieren oder vor dem Druck der Unternehmer zu kapitulieren. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Gewerkschaftsf&uuml;hrung kapituliert <\/span> <br \/>  Sommer, Huber, Peters, Bsirske und Co. haben sich entschieden. Unter dem Druck des Kapitals haben sie die letzten gewerkschaftlichen Grunds&auml;tze aufgegeben. Erstreikte Errungenschaften wie z.B. die 35-Stunden-Woche werden nur noch in Worten verteidigt. In den Tarifrunden wird Lohnverzicht betrieben. Der Fl&auml;chentarifvertrag wird aufgegeben und die Tarifpolitik verbetrieblicht. Die Folge dieser Verbetrieblichung der Tarifpolitik ist, dass die Belegschaften in einen Konkurrenzkampf gegeneinander geschickt werden, in dem das Ergebnis nur eine Lohnspirale nach unten sein kann und bei der am Ende alle verlieren. Die Haltung der Gewerkschaftsf&uuml;hrer in der Standort-Debatte l&auml;uft darauf hinaus, den Unternehmern einen Pakt gegen die ausl&auml;ndische Konkurrenz, das hei&szlig;t, gegen die KollegInnen im Ausland anzubieten. Der staatliche Sektor wird nicht mehr verteidigt. Die Gewerkschaftsf&uuml;hrer haben die Position, dass man gegen eine Regierung keinen politischen Streik organisieren darf, also auch Gesetze wie Hartz, Gesundheitsreform und Rentenklau nicht stoppen kann. Und sie nehmen behaupten sogar, dass nicht alles an diesen Gesetzen schlecht sei. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Potenzielle Macht der Gewerkschaften nutzen <\/span> <br \/>  Im Gegensatz zur SPD k&ouml;nnen die Gewerkschaftsf&uuml;hrer ihre soziale Basis, die Lohnabh&auml;ngigen nicht verlassen. Die Gewerkschaften existieren als Organisation mit abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten als Mitglieder, oder sie existieren &uuml;berhaupt nicht. Obwohl die DGB-Gewerkschaften in den letzten Jahren Millionen von Mitgliedern verloren haben und der Selbstzerst&ouml;rungsprozess durch korrupte Spitzenfunktion&auml;re sehr weit gediehen ist, bleiben sie die wichtigste Massenorganisation, die die Arbeiterklasse zur Verteidigung ihrer Interessen hat. Sie sind potenziell die m&auml;chtigste Kraft in der Gesellschaft bzw. Gegenmacht gegen Regierungen und Unternehmer. Die Verantwortung daf&uuml;r, dass diese Kampfkraft nicht eingesetzt wird und die Gewerkschaften nicht als Gegenmacht auftreten, tr&auml;gt die Gewerkschaftsf&uuml;hrung. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">WASG muss Bruch der Gewerkschaften mit SPD durchsetzen <\/span><br \/>  Der Aufbau der WASG kann einen Beitrag leisten, die Krise der Gewerkschaften zu &uuml;berwinden. Mit einem antikapitalistischen Programm, mit antikapitalistischer Propaganda und Agitation auf der Stra&szlig;e und in den Betrieben kann sie den neoliberalen Argumenten der SPD-Gewerkschaftsspitzen und Betriebsr&auml;ten die Grundlage entziehen und Kolleginnen und Kollegen eine klassenk&auml;mpferische politische Orientierung geben. Mit einer Kampagne f&uuml;r die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich k&ouml;nnte sie beispielsweise eine Gegenoffensive gegen die Angriffe der Herrschenden bez&uuml;glich Arbeitszeitverl&auml;ngerung in den Betrieben starten. Bei einer solchen Kampagne m&uuml;ssten die Gewerkschaftsfunktion&auml;re und Betriebsr&auml;te, die derzeit kampflos Arbeitszeitverl&auml;ngerungen zustimmen, offen kritisiert und ein offensiver gewerkschaftlicher Kampf in der Frage Arbeitszeitverk&uuml;rzung eingefordert werden. Aus der gegenw&auml;rtigen Offensive von Seiten der Unternehmer und Regierungen muss aber auch die Schlussfolgerung gezogen werden, dass unter kapitalistischen Verh&auml;ltnissen erk&auml;mpfte Errungenschaften wie die 35- oder 30-Stunden-Woche auf Dauer nicht gesichert sind. Der Kampf zur Verteidigung von Errungenschaften und f&uuml;r weitere Verbesserungen muss deshalb mit dem Kampf f&uuml;r eine Systemalternative verbunden werden. Das bedeutet, dass die WASG die Notwendigkeit der &Uuml;berf&uuml;hrung der Produktionsmittel in Gemeineigentum erkl&auml;rt und eine Vision f&uuml;r eine Gesellschaft frei von Profitproduktion, Konkurrenzkampf und Ausbeutung vermittelt. Die fehlende Systemalternative in den K&ouml;pfen von Gewerkschaftern ist zu einer Bremse im allt&auml;glichen Kampf in den Betrieben geworden. Nur wer das Ziel hat, die Unternehmer zu entmachten und eine Vorstellung von einer anderen Gesellschaft hat, wird auch in betrieblichen und gewerkschaftlichen K&auml;mpfen die Machtfrage auf die Tagesordnung setzen. W&uuml;rde die WASG antikapitalistische Ideen verbreiten, h&auml;tte das enorme Auswirkungen auf die Gewerkschaften. Die SPD k&ouml;nnte die politische Kontrolle &uuml;ber die Gewerkschaften verlieren. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">F&uuml;r k&auml;mpferische und demokratische Gewerkschaften <\/span> <br style=\"font-weight: bold;\"> Der ideologische Kampf in den Gewerkschaften muss erg&auml;nzt werden mit einer klaren Strategie, die Kontrolle der SPD bzw. der B&uuml;rokratie &uuml;ber die Gewerkschaften zu brechen. In gewissem Sinne geht es nicht nur darum, eine neue Partei aufzubauen, sondern es geht darum, die gesamte Arbeiterbewegung neu aufzubauen. F&uuml;r die Gewerkschaften bedeutet das, den gegenw&auml;rtigen Selbstzerst&ouml;rungsprozess zu stoppen. Sie m&uuml;ssen f&uuml;r die Interessen der Mitgliedschaft zur&uuml;ckerobert und wieder zu dem zu gemacht werden, wof&uuml;r sie gegr&uuml;ndet wurden: Kampforganisationen der Lohnabh&auml;ngigen. Ein wesentliche Aufgabe der WASG und der Gewerkschaftslinken besteht darin, die gegenw&auml;rtige Blockade der Gewerkschaftsf&uuml;hrung in der Streikfrage zu brechen. Es geht darum, die riesige potenzielle St&auml;rke der Arbeiterklasse endlich zum Einsatz zu bringen mit Streiks bis hin zu Generalstreiks. Damit k&ouml;nnten die Herrschenden in den Chefetagen und Regierungen in ihre Schranken verwiesen werden. Gleichzeitig w&uuml;rde es daf&uuml;r sorgen, dass die deutsche Arbeiterklasse das Gef&uuml;hl f&uuml;r ihre eigene St&auml;rke zur&uuml;ckgewinnt und durch die reale Klassenauseinandersetzung politisches Bewusstsein entwickelt. &#x84;Ein Tag Streik, bringt mehr als 10 Jahre Schulungsarbeit&#x93;. Dieser Satz des ehemaligen IGM-Bezirksleiters aus Baden W&uuml;rttemberg, Willi Bleicher, hat mehr Bedeutung denn je. Massenstreiks h&auml;tten unweigerlich eine enorme Politisierung, den sprunghaften Anstieg von Klassen- und antikapitalistischem Bewusstsein zur Folge. Bisher passive Schichten w&uuml;rden sich gewerkschaftlich und politisch aktivieren und ein riesiges Reservoir f&uuml;r den Neuaufbau der Gewerkschaften und den Aufbau der WASG liefern. Gewerkschaftsfunktion&auml;re und &#x96; Aktivisten in der WASG w&uuml;rden durch die Organisierung erfolgreicher Streiks die Glaubw&uuml;rdigkeit, Autorit&auml;t und Anziehungskraft der WASG enorm erh&ouml;hen. Rosa Luxemberg erkl&auml;rte &uuml;ber den Aufbau der Arbeiterbewegung: &#x84;Dies ist aber eben die den proletarischen Klassenorganisationen entsprechende spezifische Methode des Wachstums: im Kampfe sich zu erproben und aus dem Kampfe wieder reproduziert hervorzugehen.&#x93; Es sind die politischen Schlussfolgerungen der Arbeiterklasse aus diesen K&auml;mpfen, die aus einer kleinen Partei eine Massenpartei machen werden. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Aufbau innergewerkschaftlicher Opposition <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Um die Blockade der Gewerkschaftsfunktion&auml;re zu brechen, muss die WASG eine Doppelstrategie einschlagen. Die politische Linie der Gewerkschaftsf&uuml;hrung muss offen kritisiert und Kampfma&szlig;nahmen eingefordert werden. Mit Forderungen und Kritik alleine k&ouml;nnen die Spitzenfunktion&auml;re aber nicht ausreichend unter Druck gesetzt und zum K&auml;mpfen gezwungen werden. Deshalb muss die WASG Basisinitiativen von kritischen KollegInnen unterst&uuml;tzen und beim Aufbau einer innergewerkschaftlichen Opposition zur heutigen Gewerkschaftsf&uuml;hrung helfen. WASG-Mitglieder, die in den Gewerkschaften aktiv sind und Funktionen innehaben, m&uuml;ssen Teil einer solchen organisierten innergewerkschaftlichen Opposition sein. N&ouml;tig ist, dass die GewerkschafterInnen in der WASG gemeinsam eine Strategie entwickeln, selbst K&auml;mpfe und Streiks zu organisieren. Klaus Ernst, einer der Mitbegr&uuml;nder der WASG und Erster Bevollm&auml;chtigter der IG Metall in Schweinfurt, hat bereits mehrmals lokale Streiks organisiert, zuletzt im April 2003 gegen die Agenda 2010. Wenn die GewerkschafterInnen in der WASG, die &auml;hnliche Funktionen wie Klaus Ernst bekleiden, unterst&uuml;tzt von der gesamten WASG, solche lokalen oder vielleicht sogar regionalen oder bundesweiten Streiks organisieren, w&auml;re das ein bedeutender Schritt beim Aufbau einer Massenstreikbewegung und f&uuml;r eine Kampfperspektive, die etwas erreichen kann. Es w&uuml;rde die Autorit&auml;t der Spitzenfunktion&auml;re untergraben und sie gewaltig unter Druck setzen. <br \/>  Mit dem Aufbau einer programmatischen und personellen Alternative zur heutigen Gewerkschaftsf&uuml;hrung ist auch der Kampf f&uuml;r die Demokratisierung der Gewerkschaften verbunden. Wichtigste Prinzipien f&uuml;r die Demokratisierung ist die W&auml;hl- und jederzeitige Abw&auml;hlbarkeit aller Gewerkschaftsfunktion&auml;re, jederzeitige Rechenschaftspflicht gegen&uuml;ber der Basis und die Begrenzung der Geh&auml;lter von hauptamtlichen Funktion&auml;ren auf den durchschnittlichen Lohn der Gewerkschaftsmitglieder. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Perspektive <\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> Auf Dauer werden es die Co-Manager an der Spitze und im Apparat der Gewerkschaften nicht schaffen, die Arbeiterklasse vom Streiken abzuhalten. Fr&uuml;her oder sp&auml;ter wird sich die aufgestaute Wut Bahn brechen. Wenn die Gewerkschaftsf&uuml;hrung weiter auf der Bremse steht, wird es unweigerlich wilde Streiks geben. Die Arbeiter werden notfalls die Strukturen der Gewerkschaften umgehen und unabh&auml;ngige Aktions- oder Streikkomitees gr&uuml;nden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es zu Abspaltungen von den bestehenden Gewerkschaften kommt und einzelne Berufsgruppen oder Belegschaften neue k&auml;mpferische Gewerkschaften aufbauen, wenn die bestehenden zum absoluten Hindernis werden. Die deutsche Arbeiterklasse ist eine der m&auml;chtigsten der Welt und hat eine kampfstarke Tradition. Und sie wird zu dieser Tradition zur&uuml;ckfinden. Die WASG sollte dabei Motor und nicht Beobachter sein. <\/p>\n<p>  <big><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(153, 0, 0);\">Warum wir auch die SAV aufbauen<\/span> <\/big><br \/>  Wenn SAV-Mitglieder aktiv am Aufbau der WASG teilnehmen und dort ein sozialistisches Programm vorschlagen: Warum bauen SAV-Mitglieder weiterhin die SAV auf? <\/p>\n<p>  Das grundlegende Ziel der SAV ist die Abschaffung des Kapitalismus und die Einf&uuml;hrung einer sozialistischen Demokratie. Damit meinen wir eine Gesellschaft, in der die Konzerne und Banken in Gemeineigentum &uuml;berf&uuml;hrt und unter die demokratische Verwaltung und Kontrolle der arbeitenden Bev&ouml;lkerung gestellt werden. Eine solche Gesellschaft unterscheidet sich grundlegend von den stalinistischen Staaten Osteuropas und der Sowjetunion, in denen das Privateigentum an Produktionsmitteln zwar abgeschafft, aber keine demokratische Planung und Kontrolle der Wirtschaft und keine Demokratie innerhalb der Gesellschaft vorhanden waren. Manche meinen, der Kampf f&uuml;r eine lebenswerte, sozialistische Zukunft sei zwar ehrenwert, aber illusorisch. Drei Viertel aller Ostdeutschen und gut die H&auml;lfte aller Westdeutschen h&auml;lt Sozialismus laut FAZ f&uuml;r eine gute Idee, &#x84;die nur schlecht ausgef&uuml;hrt wurde.&#x93; Wir meinen, dass ein Fortbestehen des Kapitalismus inklusive Kriege, Elend, Armut und Massenarbeitslosigkeit illusorisch ist. <br \/>  In diesem Sinne k&auml;mpfen wir heute gegen konkrete Verschlechterungen und verbinden diesen Kampf f&uuml;r Reformen mit dem Ziel einer sozialistischen Gesellschaft. Allerdings zeigt die ganze Geschichte der Arbeiterbewegung, dass der Kapitalismus nicht &uuml;ber Reformen, sondern nur auf revolution&auml;re Weise gest&uuml;rzt werden kann. Der chilenische Pr&auml;sident Salvador Allende vertrat 1973 die Auffassung, dass eine Revolution nicht n&ouml;tig sei, sondern der Sturz des Kapitalismus auch &uuml;ber die Parlamente zu erreichen w&auml;re. Die Folge war die blutige Niederschlagung der chilenischen Revolution durch die herrschende Klasse. <br \/>  Doch wie organisiert sich eine Revolution? Revolutionen basieren auf dem Willen von Massen von Menschen. Um jedoch die Lehren aus vergangenen revolution&auml;ren Bewegungen zu ziehen, Hunderttausende und Millionen von Menschen politisch zu organisieren und die Revolution bis zum Ende zu f&uuml;hren, bedarf es einer revolution&auml;r-sozialistischen Partei. Genau das Fehlen einer starken revolution&auml;ren Partei war der ausschlaggebende Grund, warum die deutsche Novemberrevolution im Jahr 1918 den Kapitalismus nicht gest&uuml;rzt hat. <br \/>  Das Ziel der SAV ist es, revolution&auml;r-sozialistische Organisationen, die eine Massenbasis unter ArbeiterInnen und Jugendlichen haben, aufzubauen. Gemeinsam mit unseren Schwesterorganisationen, mit denen wir im CWI (englische Abk&uuml;rzung f&uuml;r &#x84;Komitee f&uuml;r ein Arbeiterinternationale&#x93;) organisiert sind, wollen wir international solche Organisationen aufbauen. International, weil auch die Herrschenden international organisiert sind und eine wichtige Lehre aus den Erfahrungen mit dem Stalinismus ist, dass Sozialismus in einem Land unm&ouml;glich ist. Deshalb bauen wir die SAV auf. <br \/>  Zur Zeit gibt es jedoch kein sozialistisches Massenbewusstsein und die Mehrheit von ArbeiterInnen, Jugendlichen und sozial Benachteiligten ist nicht f&uuml;r ein revolution&auml;r-sozialistisches Programm zu gewinnen. Viele m&ouml;gen uns zwar im Grundsatz Recht geben, zweifeln aber an der Machbarkeit unserer Ideen. <br \/>  Der erste Schritt wird sein, dass ArbeiterInnen beginnen, f&uuml;r ihre unmittelbaren Interessen zu k&auml;mpfen und sich zu einer Partei zusammen schlie&szlig;en, die diese Interessen vertritt &#x96; eine neue Arbeiterpartei. In einer solchen Partei k&ouml;nnten sich abh&auml;ngig Besch&auml;ftigte, Erwerbslose, Jugendliche und RentnerInnen unabh&auml;ngig von den b&uuml;rgerlichen Parteien politisch organisieren, diskutieren, k&auml;mpfen, zu Wahlen antreten. Das w&auml;re ein gro&szlig;er Fortschritt, selbst wenn eine solche Partei anfangs kein sozialistisches Programm vertreten w&uuml;rde. Eine Arbeiterpartei w&uuml;rde die Entwicklung von Klassenbewusstsein f&ouml;rdern, wenn sie klar formuliert, dass sie die Interessen der Lohnabh&auml;ngigen gegen die Interessen der Kapitalbesitzer durchsetzen will und daf&uuml;r auch k&auml;mpft. Aus K&auml;mpfen heraus wird auch die Auseinandersetzung um ein Programm zur Durchsetzung von Arbeiterinteressen erwachsen. Wir sind davon &uuml;berzeugt, dass eine Kombination aus Erfahrungen und Diskussionen mit sozialistischen Kr&auml;fte, dazu f&uuml;hren wird, dass sozialistische Ideen in einer neuen Arbeiterpartei Unterst&uuml;tzung finden werden. In diesem Sinne ist die Bildung einer neuen Arbeiterpartei ein Schritt zum Wiederaufbau der sozialistischen Bewegung und beschleunigt den Prozess revolution&auml;re und sozialistische Ideen in der Arbeiterklasse zu verankern. Deshalb wird die SAV den Aufbau einer neuen Partei aktiv mittragen und gleichzeitig in ihr f&uuml;r sozialistische Ideen eintreten. 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