{"id":11049,"date":"2004-10-19T18:01:16","date_gmt":"2004-10-19T16:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11049"},"modified":"2012-06-24T16:04:01","modified_gmt":"2012-06-24T14:04:01","slug":"11049","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11049\/","title":{"rendered":"&#8222;Bosse raus &#8211; Malocher bleiben&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>so eines der zahlreichen Schilder auf dem Demozug von Zehntausenden in Bochum vom Werk in die Innenstadt<\/p>\n<p> Bericht aus Bochum vom 19. Oktober 2004<!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<div style=\"text-align: left;\"><img align=\"left\" style=\"width: 175px; height: 217px;\" alt=\"opel1\" src=\"\/media\/2004\/opel_bochum_1910_a.jpg\"><font size=\"3\">Lautstark und k&auml;mpferisch demonstrierten die KollegInnen von Opel Bochum am heutigen internationalen Aktionstag in Bochum und setzten damit ihren Streik gegen wachsenden Druck fort. Seit Donnerstag steht die Produktion still. Im absoluten Mittelpunkt steht dabei die Frage der Vernichtung von direkt 4.000 und indirekt wahrscheinlich &uuml;ber 20.000 Arbeitspl&auml;tzen und der damit verbundene Niedergang der ganzen Region, mit dem die Bosse von General Motors drohen. <\/font><br \/> <font size=\"3\">Unterst&uuml;tzt wurden die Opelaner von Tausenden Besch&auml;ftigten aus Stahlindustrie und Bergbau. Zudem waren KollegInnen fast aller in der letzten Zeit k&auml;mpfenden Bereiche vertreten: Die streikenden Leverkusener Busfahrer zeigten ihre Solidarit&auml;t, die Daimler-KollegInnen aus Bremen waren da. Die &#8222;Mettinger Rebellen&#8220;, auf deren T-Shirts ein Bild mit der Aufschrift &#8222;Steink&uuml;hlerpause auf der B10&#8220; prangte, sperrten die Stra&szlig;e mit einem Transparent gegen Jobkiller und Lohnr&auml;uber. Denn, so ein Mettinger Betriebsrat: &#8222;Wir sind Spezialisten im Stra&szlig;ensperren.&#8220; Karstadt war auf vielen Transparenten pr&auml;sent und die Verbindung zu Hartz IV &#8211; wo die Opelaner nach den Pl&auml;nen von GM zu landen drohen &#8211; wurde von zahlreichen Montagsdemo-Plakaten thematisiert. <\/font><br \/> <font size=\"3\">Stark vertreten war insgesamt die IG BCE, die leider mit ihren Fahnen beim Standortwettbewerb mitmachen wollte (&#8222;Standort Deutschland &#8211; Menschen zuerst&#8220;). Die Hella-KollegInnen von RE forderten: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Wir k&auml;mpfen gemeinsam. <\/span><u style=\"font-style: italic;\">Wir<\/u><span style=\"font-style: italic;\"> Arbeiter m&uuml;ssen in die Offensive gehen&#8220;.<\/span><\/font><br \/> <font size=\"3\">Aus Stuttgart war zudem eine Delegation von Porsche und Vertreter von Mahle anwesend. <\/font><br \/> <font size=\"3\">Marc Treude, Stadtrat und SAV-Mitglied in Aachen und von Cinram k&uuml;rzlich entlassener Gewerkschafter versprach den KollegInnen vor dem Werkstor auch &#8222;&uuml;ber den Stadtrat den Kampf bekannt zu machen und Solidarit&auml;t zu organisieren&#8220;. SAV-Mitglieder aus Berlin, K&ouml;ln, Aachen, Kassel und Saarbr&uuml;cken verteilten einen Solidarit&auml;tsbrief und Flugbl&auml;tter, verkauften die ?Solidarit&auml;t ? Sozialistische Zeitung? und setzten sich f&uuml;r eine Ausweitung der Streiks und die Bildung von Streik- und Aktionskomitees ein.<\/font><br \/> <img align=\"right\" style=\"width: 154px; height: 237px;\" alt=\"opel2\" src=\"\/media\/2004\/opel_bochum_1910_b.jpg\"><font size=\"3\">Bei der Kundgebung musste man dann den Eindruck bekommen, Ziel der Rednerinnen und Redner sei es, die streikenden Opelaner m&ouml;glichst schnell zur<\/font><font size=\"3\"> Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Da wurde viel von Solidarit&auml;t gesprochen und die KollegInnen gelobt &#8211; doch &uuml;ber die n&auml;chsten Schritte im Kampf wurde kein Wort verloren. Stattdessen betonten Betriebsr&auml;te und die Bochumer Oberb&uuml;rgermeisterin die Notwendigkeit von &#8222;Verhandlungen auf gleicher Augenh&ouml;he&#8220;, bei denen &#8222;alle aufeinander zugehen&#8220; m&uuml;ssten. Als ein katholischer Bischof davon sprach, dass die Arbeit jetzt wieder aufgenommen werden m&uuml;sse und &#8222;Kompromisse mit Verzicht verbunden&#8220; seien, erntete er ein Pfeifkonzert. Am meisten Beifall bekam noch ein spanischer Gewerkschafter, der den Kapitalismus als Hintergrund der Auseinandersetzung benannte.<\/font><\/p>\n<p> <font size=\"3\"><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(153, 0, 0);\">Streiks zeigen Wirkung<\/span><\/font><\/p>\n<p> <font size=\"3\">Dabei beginnt die &#8222;Informationsveranstaltung&#8220; benannte Arbeitsniederlegung neben den unmittelbaren Folgen in Bochum jetzt international zu wirken. <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Der wilde Streik im Opel-Werk Bochum bringt den Konzern in immer gr&ouml;&szlig;ere Schwierigkeiten: Wegen Teilemangels muss das Werk in Antwerpen seine Produktion einstellen. Im Stammwerk R&uuml;sselsheim stehen die Endmontageb&auml;nder seit zehn Uhr still&#8220;<\/span>, so Spiegel online (19. Oktober 04).<\/font><br \/> <font size=\"3\">Der Druck auf die Streikenden steigt jetzt. Einigkeit von IG-Metall-Chef Peters bis zu den Politikern besteht darin, dass der Ausstand nun beendet werden m&uuml;sse. Arbeitgeberpr&auml;sident Hundt wird vom Deutschlandradio zusammengefasst: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;&#8230; wilde Streiks seien unzul&auml;ssig und rechtswidrig. Sie gef&auml;hrdeten den Standort Deutschland und schadeten dem Betriebsfrieden&#8220;<\/span>. Und weiter: &#8222;Nach einem Bericht der Zeitung &#8218;Die Welt&#8216; erw&auml;gt der Opel-Konzern offenbar, gegen mutma&szlig;liche R&auml;delsf&uuml;hrer bei den Protesten fristlose K&uuml;ndigungen auszusprechen. Diese sollten mit Verst&ouml;&szlig;en gegen das Betriebsverfassungsgesetz begr&uuml;ndet werden.&#8220;<\/font><\/p>\n<p> <font size=\"3\"><span style=\"font-weight: bold; color: rgb(153, 0, 0);\">Wie weiter?<\/span><\/font><\/p>\n<p> <font size=\"3\">Diese Drohungen zeigen bislang wenig Wirkung. Doch in Bochum ist klar: Allein hier ist der Kampf nicht zu gewinnen. Dringend muss eine Strategie aufgezeigt werden, wie der Streik auf andere Werke ausgedehnt werden kann. Sonst steigt der Frust nach dem Motto: &#8222;Die streiken doch nie mit&#8220;, so ein Kollege &uuml;ber die anderen Opel-Werke. <\/font><br \/> <img align=\"left\" style=\"width: 134px; height: 215px;\" alt=\"opel3\" src=\"\/media\/2004\/opel_bochum_1910_c.jpg\"><font size=\"3\">Die gemeinsame St&auml;rke der Gewerkschaften &#8211; von der IG Metall &uuml;ber die IG BCE bis zu ver.di &#8211; wurde heute sichtbar. Die Opelaner zeigten Flagge ihrer Gewerkschaft, der IG Metall. Doch Hoffnung auf die Gewerkschaftsspitze gibt es wenig, &#8222;was machen die denn f&uuml;r uns?&#8220;. Entscheidend ist beides: Dass die KollegInnen den Kampf noch deutlicher in die eigene Hand nehmen und Streik- und Aktionskomitees w&auml;hlen, die alle weiteren Schritte kontrollieren. Und: Druck ist in der Gewerkschaft n&ouml;tig, den Kampf auszudehnen. Zun&auml;chst auf die anderen Opel-Werke, aber auch dar&uuml;ber hinaus: VW verhandelt am Donnerstag <\/font> <br \/> <font size=\"3\">(Arbeitgeberforderung: &#8222;minus 30 Prozent Personalkosten&#8220; mittelfristig). Bei Daimler ist in Bremen von &#8222;Personal&uuml;berh&auml;ngen&#8220; die Rede. N&ouml;tig ist ein gemeinsamer Kampf aller von Lohnraub und Jobkillern bedrohten KollegInnen!<\/font><br \/> <font size=\"3\">Dazu muss vor &#8222;Standortsicherungsvertr&auml;gen&#8220; oder anderen &#8222;Arbeitsplatzgarantien&#8220; gewarnt werden. Gerade Opel, mit dem Programm &#8222;Olympia&#8220;, bietet gen&uuml;gend Anschauungsmaterial, dass Lohnverzicht nur die internationale Dumpingspirale nach unten anheizt. Und Arbeitszeitverl&auml;ngerung bedeutet direkt, dass mit weniger ArbeiterInnen das gleiche produziert werden kann. Das ist die Aufforderung zur Vernichtung von Arbeitspl&auml;tzen. <\/font><br \/> <font size=\"3\">Doch mit angeblichen Zusagen den Standort Bochum zu sichern und &auml;hnliches sollen die Nacht- und sp&auml;testens die Fr&uuml;hschicht morgen, am Mittwoch, dazu gebracht werden, wieder zu arbeiten<\/font><font size=\"3\">. <\/font><br \/> <font size=\"3\">Eine solche Entscheidung darf nur von einer Vollversammlung aller KollegInnen nach abteilungs- und werksweiten Versammlungen gef&auml;llt werden, auf denen die Vereinbarungen genau und im Original dargestellt und diskutiert werden. <\/font> <\/p>\n<p> <font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">von Stephan Kimmerle<\/font><span style=\"font-style: italic;\">, <\/span><font style=\"font-style: italic;\" size=\"3\">Mitglied der SAV-Bundesleitung, z.Zt. Bochum<\/font> <\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>so eines der zahlreichen Schilder auf dem Demozug von Zehntausenden in Bochum vom Werk in die Innenstadt<\/p>\n<p>Bericht aus Bochum vom 19. 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