{"id":11047,"date":"2004-10-18T16:55:34","date_gmt":"2004-10-18T14:55:34","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11047"},"modified":"2012-06-24T16:04:12","modified_gmt":"2012-06-24T14:04:12","slug":"11047","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11047\/","title":{"rendered":"Streik bei Opel Bochum"},"content":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV vom 18. Oktober 2004<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nGeneral Motors ? Opel, Saab, Vauxhall: <br \/> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Gemeinsamer Kampf um jeden Arbeitsplatz und jedes Werk!<\/span><\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">?Wir sind am Dr&uuml;cker, wir sitzen am l&auml;ngeren Hebel?<\/span>, so einer von Tausenden spontan streikenden Kollegen bei Opel Bochum am 15. Oktober. Ein Streik mit einer Blockade der Werkstore durch Gabelstapler und Lastwagen, einer Konrolle der Werksein- und ausg&auml;nge durch die Besch&auml;ftigten ? das ist die richtige Antwort auf die Sparpl&auml;ne von General Motors (GM).<br \/> GM, der weltgr&ouml;&szlig;te Autokonzern, verk&uuml;ndete soeben Quartalszahlen mit einem Gewinn von 440 Millionen Dollar. Gleichzeitig sollen von den 62.000 Arbeitspl&auml;tzen in Europa 12.000 vernichtet und&nbsp; damit 500 Millionen Euro j&auml;hrlich mehr Profit entstehen. 90 Prozent der Arbeitsplatzvernichtung sollen GM zufolge bereits 2005 durchgezogen werden. Das Ziel: K&uuml;rzung der Lohnkosten bis Ende des Jahrzehnts um 30 Prozent. <br \/> Die Regierung in Deutschland jammert jetzt &uuml;ber GM ? und akzeptieren doch die Logik des Marktes: Sie senkt Steuern f&uuml;r die Reichen, macht den Banken und Konzernen Geschenke und betreibt daf&uuml;r Sozialkahlschlag. Solche Regierungen stehen ? abgesehen von ihren Worten ? auf der anderen Seite.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Wir fordern: <\/span> <\/p>\n<p>&#8211; Keinerlei Schlie&szlig;ungen von Werken, Kampf um jeden Arbeitsplatz<\/p>\n<p>&#8211; Gegen Entlassungen und Arbeitslosigkeit: Massive Arbeitszeitverk&uuml;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich.<\/p>\n<p>&#8211; &Ouml;ffnung der Gesch&auml;ftsb&uuml;cher. Die KollegInnen m&uuml;ssen wissen, wie die Lage wirklich aussieht und wo die Profite der letzten Jahre hingegangen sind.<\/p>\n<p>&#8211; &Uuml;berf&uuml;hrung aller Konzerne, die entlassen oder mit Werksverlagerungen drohen, in &ouml;ffentliches Eigentum bei Kontrolle und Verwaltung durch Besch&auml;ftigte und Allgemeinheit: Die Werke wurden durch die Besch&auml;ftigten aufgebaut und betrieben, ganze Regionen h&auml;ngen von ihnen ab. Die Entscheidungen &uuml;ber die Verwendung dieser Ressourcen m&uuml;ssen der Diktatur des Profits entzogen und demokratisch im Interesse der KollegInnen und der Allgemeinheit gef&auml;llt werden.<\/p>\n<p> Die Versuche die Werke zum Beispiel in Trollh&auml;ttan bei G&ouml;teborg (Schweden) und in R&uuml;sselsheim bei Frankfurt gegeneinander auszuspielen, m&uuml;ssen durch einen gemeinsamen Kampf aller KollegInnen bei GM durchkreuzt werden. Die KollegInnen bei GM in Antwerpen in Belgien reagierten auf die Proteste in Bochum mit Solidarit&auml;tsaktionen. Auch die Besch&auml;ftigten in Ellesmere Port und Luton (Gro&szlig;britannien) sowie in Zaragoza (Spanien), Azambuja (Portugal) und in Gleiwitz (Polen) k&ouml;nnen bei Protesten gegen diesen Kahlschlag einbezogen werden. <br \/> Denn der entschlossene Widerstand der KollegInnen in Bochum darf nicht alleine bleiben. Schon dieser Widerstand wurde von unten ? ohne Aufruf der IG Metall und gegen den Willen des Gesamtbetriebsrat durchgesetzt. Die Betriebsratsspitze versuchte noch, die Belegschaft von spontanen Protesten abzubringen. <br \/> Leider folgen die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen der Logik der Unternehmer: Sie stimmen in der kapitalistischen Krise K&uuml;rzungen und Zugest&auml;ndnissen zu. Mit ihren Spitzengeh&auml;ltern haben sie es sich in diesem kapitalistischen System bequem gemacht. Sie akzeptieren die Logik des Wettbewerbs und des Verzichts.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Wir ben&ouml;tigen eine grundlegend andere Strategie:<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <\/p>\n<p>&#8211; Streik bis die GM-Pl&auml;ne vom Tisch sind.<\/p>\n<p>&#8211; Regelm&auml;&szlig;ige Versammlungen aller KollegInnen, Wahl von Streik- und Aktionskomitees auf allen Ebenen (gruppen-, abteilungs- und werksweit sowie werks&uuml;bergreifend), um den Widerstand von unten zu leiten und zu kontrollieren und um m&ouml;glichst viel KollegInnen in den Kampf aktiv einzubeziehen.&nbsp; Auf die Betriebsratsmehrheit und die Gewerkschaftsspitzen ist kein Verlass. Entschlossener Widerstand muss in den eigenen H&auml;nden bleiben.<\/p>\n<p>&#8211; Stadtweite Streik- und Aktionstage: Die ganze Region ist betroffen ? alle k&ouml;nnen einbezogen werden.<\/p>\n<p>&#8211; Vernetzung des Widerstands durch eine europaweite Konferenz von Delegierten der Besch&auml;ftigten aus allen Werken. Diese Konferenz kann ein Aktionsprogramm aufstellen, f&uuml;r das gemeinsam gek&auml;mpft wird. Aufnahme von Kontakten zu anderen Werken durch Delegationen der Streik- und Aktionskomitees oder der Versammlungen der KollegInnen.<\/p>\n<p>&#8211; N&ouml;tig ist die Unterst&uuml;tzung der kritischen und k&auml;mpferischen GewerkschaftskollegInnen: Gemeinsam kann so viel Druck gemacht werden, dass auch Peters und Huber gezwungen werden, den Kampf zu unterst&uuml;tzten, zum Beispiel mit einem Aufruf zu einem eint&auml;gigen Streik in allen Autowerken Europas als Warnung an die Unternehmer und ein klares Zeichen, dass die AutomobilarbeiterInnen gegen alle Versuchen der Spaltung und der ?teile und herrsche?-Taktik der Konzerne Widerstand leisten.<\/p>\n<p>&#8211; In allen Werken, die von Entlassungen bedroht sind, sind Betriebsbesetzungen n&ouml;tig: es muss verhindert werden, dass solche Pl&auml;ne realisiert werden. <\/p>\n<p>&#8211; Statt Co-Management und Verzicht: Internationale gemeinsame Gegenwehr, f&uuml;r k&auml;mpferische und demokratische Gewerkschaften.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Kapitalismus funktioniert nicht<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/> Hintergrund der Angriffe bei GM sind laut b&uuml;rgerlichen Medien Management-Fehler. Keine Frage: Das Management von GM wird von seinen Konkurrenten abgeh&auml;ngt und es tat alles, um Profite zu steigern und sich selbst zu bereichern. Doch diese Krise ist nicht einfach eine GM-Misere. Sie ist Ausdruck des Kapitalismus im Niedergang. <br \/> Trotz enormer technischer M&ouml;glichkeiten der Produktion wird den Besch&auml;ftigten in den meisten L&auml;ndern erz&auml;hlt, sie m&uuml;ssten im besten Fall l&auml;nger arbeiten f&uuml;r weniger Geld und sp&auml;ter in Ruhestand gehen.<br \/> Produktion bedeutet im Kapitalismus Produktion f&uuml;r Profite durch den Markt. Ob G&uuml;ter oder Dienstleistungen gebraucht werden oder nicht spielt keine Rolle. Entscheidend ist der Gewinn. Auch wenn schon riesige &Uuml;berkapazit&auml;ten an Autos vorhanden sind, werden noch neue Werke aufgebaut, nur um die Konkurrenz zu &uuml;bertrumpfen. Nun, bei stagnierenden M&auml;rkten, kommt es zu Schlie&szlig;ungen und Kahlschlag. <br \/> Riesige &Uuml;berkapazit&auml;ten bei GM ? intern wird dort von 350.000 Autos geredet, die pro Jahr mehr produziert werden k&ouml;nnten ? sind nur Teil der allgemeinen &Uuml;berkapazit&auml;ten der Autoindustrie insgesamt: Die Kapazit&auml;tsauslastung liegt weltweit nur bei etwa 75 Prozent. Und das obwohl schon massiv Produktionsm&ouml;glichkeiten vernichtet wurden.<br \/> DaimlerChrysler setzte nun in Deutschland K&uuml;rzungen in H&ouml;he von 500 Millionen Euro durch, VW will die Personalkosten um 30 Prozent senken, in Coventry drohen mehr als 2.000 Besch&auml;ftigten bei Jaguar (Ford) Massenentlassungen, von denen weitere 10.000 Jobs in den Midlands abh&auml;ngen. Ganze St&auml;dte und Regionen h&auml;ngen davon ab: In Trollh&auml;ttan sind 6.000 Jobs direkt, 25.000 weitere indirekt beim gr&ouml;&szlig;ter Arbeitgeber GM \/ Saab bedroht. In Bochum, einer Stadt mit jetzt schon 13,6 Prozent Arbeitslosigkeit, h&auml;ngt eine Region nach dem Niedergang der Kohleindustrie von GM \/ Opel ab.<br \/> Der Widerstand dagegen findet &uuml;berall statt. Allein bei DaimlerChrysler streikten 60.000 in Deutschland an einem Tag. Doch diese Proteste m&uuml;ssen zusammengebracht werden, um Erfolg zu haben.<br \/> Und ein Erfolg ist m&ouml;glich: Durch die Ausweitung des Arbeitskampfes von Bochum aus auf andere Werke, durch gemeinsame Streiks und die Solidarit&auml;t der KollegInnen in anderen Branchen kann der wirtschaftliche und politische Druck so gesteigert werden, dass die Pl&auml;ne von GM vom Tisch kommen. Durch massive Arbeitszeitverk&uuml;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich auf Kosten der Profite der Konzerne k&ouml;nnen Arbeitspl&auml;tze verteidigt und neue geschaffen werden. Alles andere ? ob Lohnverzicht oder gar Arbeitszeitverl&auml;ngerungen ? vernichtet Arbeitspl&auml;tze. Da helfen auch keinerlei ?Standortsicherungs?-Zusagen oder ?Arbeitsplatzgarantien? weiter ? davon gab es bei Opel \/ GM schon mehr als genug, ohne dass sie die jetzige Situation irgendwie verhindert h&auml;tten.<br \/> Solange die Produktion allerdings dem Profit und der Konkurrenz unterworfen ist, werden solche Angriffe immer wieder gestartet werden. Deshalb k&auml;mpfen wir daf&uuml;r, die kapitalistischen Mechanismen der Profitproduktion zu beseitigen und durch eine sozialistische Demokratie zu ersetzen. Die gigantischen Ressourcen der Gro&szlig;konzerne k&ouml;nnen und m&uuml;ssen im Interesse von Mensch und Umwelt genutzt werden, um weltweit den Bedarf an Verkehrsmitteln und anderen Produkten zu befriedigen und um so demokratisch geplant eine sinnvolle Produktion zu erm&ouml;glichen.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Das Komitee f&uuml;r eine Arbeiterinternationale (CWI ? Committee for a Workers International) setzt sich f&uuml;r die internationale Einheit der ArbeiterInnen ein und organisiert grenz&uuml;berschreitende Gegenwehr und Solidarit&auml;t. Unser Ziel ist die weltweite Abschaffung des kapitalistischen Profitsystems und der Aufbau einer F&ouml;deration sozialistischer Demokratien. Das CWI hat Parteien und Gruppen in &uuml;ber 30 L&auml;ndern auf allen Kontinenten. Unsere Gruppen zum Beispiel in Schweden, Belgien, Gro&szlig;britannien und Deutschland setzten alles daran, den Kampf bei GM international zu vernetzen und die Angriffe zur&uuml;ck zu schlagen. Die deutsche Sektion des CWI ist die SAV &#8211; Sozialistische Alternative.<br \/> <\/span><a href=\"\/media\/2004\/Opel-2004_10_19.pdf\"><br style=\"font-weight: bold;\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Das Flugblatt als pdf-version<\/span><\/a><span style=\"font-style: italic;\"><br \/> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der SAV vom 18. Oktober 2004<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[10,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11047"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11047"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11047\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11047"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11047"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11047"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}