{"id":11026,"date":"2004-10-13T09:49:15","date_gmt":"2004-10-13T09:49:15","guid":{"rendered":".\/?p=11026"},"modified":"2004-10-13T09:49:15","modified_gmt":"2004-10-13T09:49:15","slug":"11026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11026\/","title":{"rendered":"&#8222;Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, dann bewegen Wir sie&#8220;"},"content":{"rendered":"<p> Seit Montag finden bundesweit Warnstreiks in der privaten Abfallwirtschaft statt. Gestern begann die dritte Runde in den Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem BDE (Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft), voraus gegangen waren extreme Forderungen der Arbeitgeberseite, insgesamt sollen da bis zu 30 Prozent Lohnk?rzungen durchgeboxt werden.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nIn einer Stellungnahme malte Christian Jeschonek, Vorsitzender der kleinen Tarifkommission des BDE, die Situation mehr als schwarz aus. <span style=\"font-style: italic;\">?Wir sehen uns einem preisdruck gegen&uuml;ber, den wir so noch nicht erlebt haben. Unser Arbeitgeberverband steht daher vor einer Zerrei&szlig;probe?<\/span> so Jeschonek. Die Entsorgungspreise sind zwar in den letzten 18 Monaten um ca 20% gesunken, aber am Hungertuch muss die Abfallwirtschaft noch lange nicht nagen. In den letzten Jahren hat auch in der Entsorgungsbranche der Stellenabbau Einzug gehalten, mit den bekannten Folgen f&uuml;r die &uuml;briggebliebenen Besch&auml;ftigten, l&auml;ngere Arbeitszeiten und massive Zunahme des Arbeitsdruck. Immerhin wird in dieser Branche j&auml;hrlich ein Umsatz von rund 50 Mrd. Euro erwirtschaftet. Auch staatliche Zusch&uuml;sse f&uuml;r den Neubau und die Modernisierung von Abfallverwertungsanlagen betragen einige Millionen pro Jahr. Schon in den letzten Jahren hat sich abgezeichnet, wo die Chefs der privaten Entsorgungswirtschaft hin wollen, immer niedrigere L&ouml;hne, l&auml;ngere Arbeitszeiten, kurz gefasst: fette Konten auf Kosten der Arbeitnehmer. <\/p>\n<p> <b>Nicht der erste Angriff<\/b> <\/p>\n<p> Die jetzigen Angriffe sind nicht die ersten, die in dieser Branche gegen die Besch&auml;ftigten gefahren werden. Bereits in den letzten Jahren wurden massiv Stellen abgebaut und Geb&uuml;hren erh&ouml;ht. Eine Dreistigkeit, die ihres gleichen sucht, nahmen sich Mitte 2003 die Berliner Firmen Alba Berlin und Alba Recycling raus. Damals wurden in einer Nacht- und Nebelaktion 90 Besch&auml;ftigte entlassen, als Antwort gab es von den Belegschaften spontane Streiks, darauf reagierte die Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung mit Drohung von fristloser K&uuml;ndigung ? f&uuml;r alle Besch&auml;ftigten. ver.di und der Betriebsrat mussten sogar die Polizei zu Hilfe rufen, um die Akten des Betriebsrates dem Zugriff der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung zu entziehen. Hintergrund dieser rabiaten Aktion der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung war, dass sich beide Betriebe seit Monaten weigerten, Tarifvertr&auml;ge mit ver.di abzuschlie&szlig;en. Die entlassenen Kollegen sollten nach ihrer K&uuml;ndigung in einer betriebseigene Leiharbeitsfirma eingesetzt werden. Das h&auml;tte Lohneinbu&szlig;en von bis zu 50% mit sich gebracht, Sortierkr&auml;fte sollten f&uuml;r 3,50 Euro schuften, Kraftfahrer f&uuml;r 1.400 Euro, Brutto nat&uuml;rlich. Das ist nur ein Beispiel f&uuml;r die Dreistigkeit der Unternehmer, nicht nur in der privaten Entsorgungsbranche wird so agiert. Rausgeschmissen wird wer nach Meinung der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung nicht mehr gebraucht wird oder wer unbequem ist. Neuestes Beispiel dieser Firmenpolitik ist Marc Treude, Stadtrat in Aachen, der bei Cinram in Alsdorf vor kurzem gek&uuml;ndigt wurde. Dort sollten 350 Besch&auml;ftigte entlassen werden, Treude, Vertrauensmann der IG BCE, fing an Widerstand gegen die geplanten K&uuml;ndigungen zu organisieren. <\/p>\n<p> <b>Aktueller Kampf <\/p>\n<p> <\/b> ver.di fordert in der Tarifrunde 3,9% mehr Lohn und stellt sich gegen Verschlechterungen bei den Arbeitsbedingungen. Der Forderungskatalog der Arbeitgeberseite liest sich wie die Wegbeschreibung zur&uuml;ck ins 19. Jahrhunderrt. Angefangen bei 20% weniger Lohn f&uuml;r neueingestellte Kollegen &uuml;ber Senkung des Jahresurlaubs von 30 auf 24 Tage bis zur Streichung der Jahressonderzahlung. Insgesamt sollen die Lohnkosten um runde 30% gesenkt werden, nat&uuml;rlich auf Kosten der Kollegen, K&uuml;rzungen bei den Geh&auml;ltern der Chefs sind, wie zu erwarten, nicht vorgesehen. Das Angebot der Arbeitgeberseite ist nahezu l&auml;cherlich, 1% Lohnerh&ouml;hung bei einer Laufzeit von drei Jahren, das w&auml;re noch nicht einmal der Inflationsausgleich. <\/p>\n<p> <b>Dienstag fr&uuml;h um 7<\/b> <\/p>\n<p> In Berlin fand gestern der erste Warnstreik statt, direkt vor dem Geb&auml;ude des Arbeitgeberverbandes BDE. Am gleichen Tag begannen dort die Tarifverhandlungen, in dritter Runde. Die Vertreter der Arbeitgeberseite wurden lautstark begr&uuml;&szlig;t, Pfeifkonzert, M&uuml;lltonnen als Trommel und Spalierlaufen durch die Kollegen, so hatten sich die Herren der BDE-Tarifkommission ihren Dienstagmorgen sicher nicht vorgestellt. Untermalt wurde die Begr&uuml;&szlig;ung der ca 150 ? 200 Kollegen durch rund 100 M&uuml;llwagen, die rund um das Geb&auml;ude ?geparkt? waren. Die Stimmung unter den Kollegen war extrem geladen, Streik war unter ihnen keine Frage. ?Wenn die uns weiter verarschen, machen wir den Laden dicht?: meinte ein Kollege auf die Frage, ob ein unbefristeter Streik m&ouml;glich sei. <br \/> Die k&auml;mpferische Stimmung dr&uuml;ckte sich auch in kurzen Reden und auf Transparenten aus, ?Auch meine Kosten steigen?; ?Lohnsenkung: Ohne Uns!? und ?Schlu&szlig; mit Lohn- und Sozialdumping? war zu lesen.&nbsp; Ein Kollege der Stadtreinigung Dresden berichtete von der Streikaktion am Vortag und bekam ausgiebigen Beifall. <\/p>\n<p> <b>Wie weiter<\/b>?<\/p>\n<p> Die k&auml;mpferische Stimmung unter den Kollegen und die Bef&uuml;rwortung eines unbefristeten Streiks bietet gute M&ouml;glichkeiten, die Angriffe der Arbeitgeber zur&uuml;ck zuschlagen. Momentan laufen in vielen Bereichen Auseinandersetzungen, ob in der Entsorgungswirtschaft, bei Volkswagen, der Kampf um die Arbeitspl&auml;tze bei Karstadt-Quelle oder der Kampf gegen Hartz und Agenda, &uuml;berall sehen sich Besch&auml;ftigte und Erwerbslose st&auml;ndigen Angriffen ausgesetzt. N&ouml;tig w&auml;re eine B&uuml;ndelung des Protestes aller Betroffenen. Branchen&uuml;bergreifender Widerstand und Verbindung des gewerkschaftlichen Kampfes mit der Bewegung gegen Hartz und Agenda sind n&ouml;tig, um die Angriffe des Kapitals abzuwehren. Wenn weiterhin jeder allein k&auml;mpft werden sich die Bosse nur zu sehr freuen. Das denen, die unsere Zukunft opfern wollen, um ihre Taschen zu f&uuml;llen das Lachen vergeht, ist ein eint&auml;giger Generalstreik notwendig.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Christian Reichow, Berlin <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Seit Montag finden bundesweit Warnstreiks in der privaten Abfallwirtschaft statt. Gestern begann die dritte Runde in den Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem BDE (Bundesverband der deutschen Entsorgungswirtschaft), voraus gegangen waren extreme Forderungen der Arbeitgeberseite, insgesamt sollen da bis zu 30 Prozent Lohnk?rzungen durchgeboxt werden.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11026"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11026"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11026\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11026"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11026"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11026"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}