{"id":11019,"date":"2004-10-03T11:49:33","date_gmt":"2004-10-03T11:49:33","guid":{"rendered":".\/?p=11019"},"modified":"2004-10-03T11:49:33","modified_gmt":"2004-10-03T11:49:33","slug":"11019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11019\/","title":{"rendered":"2. Oktober: Bundesweite Demo in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Mehr als 50.000 demonstrierten gegen Hartz IV<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nAm 2. Oktober reisten Zehntausende aus dem ganzen Bundesgebiet nach Berlin, um an der bundesweiten Demonstration gegen Massenverarmung und Billigjobs teilzunehmen. Die meisten kamen aus Ostdeutschland. MontagsdemonstrantInnen aus Leipzig, Chemnitz und anderen ostdeutschen St&auml;dten organisierten eigene kleine Demobl&ouml;cke. Auf den vielen selbstgemalten Schildern und Transparenten war unter anderem zu lesen: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Kann es sein, dass sich Marx doch nicht geirrt hat?&#8220; <\/span>IG-BAU-KollegInnen protestierten in K&auml;sekost&uuml;men unter dem Motto: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Das Hartzer Modell stinkt zum Himmel&#8220;<\/span>. Mehrfach wurde auf Schildern und Pappen der Generalstreik gefordert.<\/p>\n<p> <img align=\"left\" style=\"width: 156px; height: 208px;\" alt=\"plakate\" src=\"\/media\/2004\/2_10_berlin_plakate.jpg\">Zu den Organisatoren des 2. Oktober geh&ouml;rten attac, PDS, das Berliner Sozialb&uuml;ndnis und verschiedene Berliner Einzelgewerkschaften. Allerdings hatten die Spitzen von ver.di, IG Metall, GdP, GEW und IG BAU fast nichts getan, um die Demo in den Betrieben und B&uuml;ros bekannt zu machen. Dies haben vor allem kritische KollegInnen gemacht. Dementsprechend war die gewerkschaftliche Beteiligung schwach. Die Berliner ver.di-F&uuml;hrung um Roland Tremper und Susanne Stumpenhusen trug ein Transparent und bildete einen Gewerkschaftsblock, in den sich jedoch kaum KollegInnen einreihten.<\/p>\n<p> Bis zuletzt hatten sich die Bundesvorst&auml;nde der DGB-Gewerkschaften geweigert, zu dieser Demonstration aufzurufen und aktiv zu mobilisieren. Um so h&ouml;her ist es einzusch&auml;tzen, dass trotzdem mehr als 50.000 auf die Stra&szlig;e gingen. Die Demonstration hat einmal mehr gezeigt, dass die r&uuml;ckl&auml;ufige Beteiligung auf den Montagsdemos nicht auf eine r&uuml;ckl&auml;ufige Wut und Kampfbereitschaft schlie&szlig;en l&auml;sst. Obwohl in den letzten Wochen keine Perspektive f&uuml;r die Anti-Hartz-Bewegung aufgezeigt wurde, dr&uuml;ckte die Demonstration am 2. Oktober auf dem Alexanderplatz die tiefsitzende Angst und Unzufriedenheit &uuml;ber Hartz IV und den weitverbreiteten Hass gegen das Kapital und seine Politikerfreunde aus. Es gab gro&szlig;en Diskussionsbedarf &uuml;ber die aktuellen Entwicklungen in Deutschland, die n&auml;chsten Kampfschritte und &uuml;ber grundlegende Alternativen zur Krise des Kapitalismus.<\/p>\n<p> <img align=\"right\" style=\"width: 180px; height: 135px;\" alt=\"wegmit\" src=\"\/media\/2004\/2_10_berlin_demo.jpg\">Bei der Auftaktkundgebung prangerte der Stuttgarter ver.di-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer Bernd Riexinger die &#8222;Missbrauch-Mentalit&auml;t&#8220; der Reichen und Superreichen an und bekam viel Beifall f&uuml;r die Aussage:<span style=\"font-style: italic;\"> &#8222;Wenn sich diese Wirtschaft den Sozialstaat nicht mehr leisten kann, dann m&uuml;ssen wir uns fragen, ob wir uns diese Wirtschaft l&auml;nger leisten k&ouml;nnen.&#8220;<\/span><br \/> Riexinger brachte auch die Stillhaltepolitik der DGB-F&uuml;hrung zur Sprache. Den gr&ouml;&szlig;ten Applaus erhielt Riexinger, als er ausrief: <span style=\"font-style: italic;\">&#8222;Gewerkschafter geh&ouml;ren hierher, mit oder ohne Auftrag ihrer F&uuml;hrungen.&#8220;<\/span> Leider unterlie&szlig; er es, Vorschl&auml;ge zur Steigerung der Proteste zu machen und stellte auch nicht den bundesweiten Aktionstag am 17. November heraus. Die bundesweite Aktionskonferenz in Frankfurt am 18.\/19. September hatte dazu aufgerufen, den ehemaligen arbeitsfreien Tag, der (bis auf Sachsen) im Zuge der Pflegeversicherung gestrichen worden war, in einen Protesttag umzuwandeln, an dem es zu m&ouml;glichst vielen Arbeitsniederlegungen kommen soll. <\/p>\n<p> Nachdem Polizei, Presse und Politiker wochenlang die Montagsdemos klein redeten, gab die Polizei auch am 2. Oktober nur 15.500, sp&auml;ter 25.000 TeilnehmerInnen an. In den b&uuml;rgerlichen Medien wurden dann 45.000 genannt. Auch wenn mit mehr als 50.000 DemonstrantInnen immerhin eine Teilnehmerzahl erreicht wurde, die in der Lage war, an diesem Tag in Berlin und bundesweit die Folgen der Arbeitgeberoffensive zu thematisieren, so w&auml;re trotz der Blockade der Gewerkschaftsspitze mehr drin gewesen. Leider wurde f&uuml;r diese Demo nicht offensiv in Stadtteilen und Betrieben geworben. Es wurde auch nicht die Verbindung zwischen den Anti-Hartz-Protesten und dem Kampf der Karstadt-Besch&auml;ftigten gegen Massenentlassungen oder dem Tarifkampf der VW-ArbeiterInnen gegen Lohnraub aufgezeigt.<\/p>\n<p> <img align=\"left\" style=\"width: 200px; height: 131px;\" alt=\"2.10\" src=\"\/media\/2004\/2_10_berlin_2.jpg\">Die Sozialistische Alternative (SAV) trat an diesem Tag daf&uuml;r ein, vom Protest zum Widerstand zu kommen. Die SAV argumentierte daf&uuml;r, den Protest in die Betriebe zu tragen und auf einen bundesweiten Streik- und Protesttag, einen eint&auml;gigen Generalstreik, hinzuarbeiten &#8211; durch Druck auf die DGB-F&uuml;hrung und durch Initiativen von unten.<br \/> SAV-Mitglieder nahmen auch an einer Aktion teil, die auf die Verantwortung der DGB-Spitze hinweisen und die Streikfrage thematisieren wollte. Gemeinsam mit anderen, darunter AktivistInnen vom &#8222;Netzwerk f&uuml;r eine k&auml;mpferische und demokratische ver.di&#8220;, postierten sie sich mit einem Gro&szlig;transparent neben der Kundgebungsb&uuml;hne, auf dem stand:<span style=\"font-style: italic;\"> &#8222;Schluss mit der Sommer-Pause des DGB &#8211; F&uuml;r einen Streik- und Protesttag am 17.11.&#8220;<\/span><br \/> Die SAV zeigte auf, dass die Profitkrise der Hintergrund von Hartz IV, Lohnraub und Arbeitsplatzabbau ist. Wenn die Unternehmer und Gro&szlig;aktion&auml;re von Karstadt zum Beispiel &uuml;ber ihre Umsatzeinbr&uuml;che klagen, dann spricht das nicht f&uuml;r Stellenstreichungen, sondern gegen den Irrsinn des kapitalistischen Systems. Die SAV verteilte 5.000 Flugbl&auml;tter, in dem ein sozialistischer Ausweg dargestellt wird. Es gab viel Interesse an der neuen Ausgabe der Solidarit&auml;t mit der &Uuml;berschrift &#8222;demonstrieren, protestieren, streiken!&#8220;, dem SAV-Aktionsprogramm und weiteren Brosch&uuml;ren und Materialien. Noch wichtiger: Einige DemonstrantInnen wollen die Diskussion &uuml;ber ein sozialistisches Programm und eine sozialistische Perspektive fortsetzen und &uuml;berlegen, Mitglieder der SAV zu werden.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Aron Amm, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als 50.000 demonstrierten gegen Hartz IV<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11019"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11019\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}