{"id":11018,"date":"2004-10-01T18:51:42","date_gmt":"2004-10-01T18:51:42","guid":{"rendered":".\/?p=11018"},"modified":"2004-10-01T18:51:42","modified_gmt":"2004-10-01T18:51:42","slug":"11018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11018\/","title":{"rendered":"Aachen und K&ouml;ln: Wahlerfolge f&uuml;r B&uuml;ndnisse gegen Sozialabbau &#8211; ei"},"content":{"rendered":"<p>Der Einzug von Marc Treude in den Aachener Stadtrat und von Claus Ludwig in den K&ouml;lner Rat f&uuml;r die Wahlb&uuml;ndnisse<span style=\"font-weight: bold;\"> &#x84;Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag&#x93;<\/span> bzw. <span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;Gemeinsam gegen Sozialraub&#x93;<\/span> stellen einen wichtigen Erfolg dar.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDas politische Establishment in Aachen reagiert nerv&ouml;s. So schreibt die Aachener Nachrichten: <span style=\"font-style: italic;\">&#x84;Es gibt &Uuml;berlegungen, die Redezeit zu begrenzen. Hintergrund ist die Bef&uuml;rchtung, beispielsweise die neu mit einem Mandat im Rat vertretene Gruppe &laquo;Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag&raquo; (GGSO) k&ouml;nne die Redezeit &laquo;zu langen Monologen zu Themen missbrauchen, die nichts mit Kommunalpolitik zu tun haben&raquo;, so ein langj&auml;hriger Ratsherr. Dann ginge es etwa &laquo;eine Stunde lang gegen Hartz IV&raquo;, ohne dass dagegen etwas unternommen werden k&ouml;nne.&#x93;<\/span> Das verwundert nicht, denn schlie&szlig;lich sind sich die Sozialr&auml;uber von SPD, CDU, FDP und Gr&uuml;nen im Grundsatz einig und haben nicht viel zu sagen. Die Stimme der von ihrer arbeitnehmer- und erwerbslosenfeindlichen Politik Betroffenen wollen sie nicht h&ouml;ren. <br \/>  Die Pr&auml;senz der zwei SAV-Mitglieder, die auf der Basis der Programme der Wahlb&uuml;ndnisse jegliche Form von Sozialabbau, Privatisierungen und Arbeitsplatzvernichtung ablehnen, wird die Entscheidungen der Stadtr&auml;te kaum ver&auml;ndern. Sie bietet trotzdem eine gute Ausgangsposition, um von ArbeitnehmerInnen, Erwerbslosen und Jugendlichen st&auml;rker wahrgenommen zu werden und eine gr&ouml;&szlig;ere &Ouml;ffentlichkeit f&uuml;r eine alternative Politik zu erreichen. Die beiden neuen Ratsherren und die B&uuml;ndnisse, die sie vertreten, haben im Wahlkampf unter Beweis gestellt, dass die au&szlig;erparlamentarische Bewegung f&uuml;r sie die oberste Priorit&auml;t hat: durch die Unterst&uuml;tzung der Montagsdemonstrationen, betrieblicher Proteste und in K&ouml;ln durch die Mobilisierung f&uuml;r eine antifaschistische Demonstration am 16.10. gegen einen Nazi-Aufmarsch. Nicht zuletzt sind sie selber Arbeitnehmer und aktive gewerkschaftliche Vertrauensm&auml;nner in ihren Betrieben. Die Ratsmandate werden sie nutzen, um den Widerstand auf der Stra&szlig;e und in den Betrieben zu unterst&uuml;tzen und voran zu treiben. Marc Treude hat die ersten Antr&auml;ge von &#x84;Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag&#x93; schon formuliert. Sie werden fordern, dass der Verkauf der Gemeinn&uuml;tzigen Wohnungsbaugesellschaft GeWoGe in dieser Legislaturperiode ausgeschlossen wird und die Stadt Aachen die Hartz IV-Gesetze nicht umsetzen wird. Eine Protestaktion zur Unterst&uuml;tzung dieser Antr&auml;ge vor der Ratssitzung ist geplant. <\/p>\n<p>  Die Sozialistische Alternative (SAV) hatte die Initiative zur Gr&uuml;ndung der Wahlb&uuml;ndnisse in beiden St&auml;dten ergriffen. Ziel war es dem wachsenden Widerstand gegen Agenda 2010 und Lohnraub einen breiten politischen Ausdruck zu verschaffen. Uns war klar, dass viele Betroffene und AktivistInnen der sozialen Bewegungen, denen es noch schwer f&auml;llt eine revolution&auml;r-sozialistische Organisation aktiv zu unterst&uuml;tzen, bereit sein werden aktiv ein breites Wahlb&uuml;ndnis zu unterst&uuml;tzen. Dementsprechend sind wir f&uuml;r einheitliche und demokratische linke Listen eingetreten, die zur Grundlage eine Ablehnung jeglichen Sozialabbaus haben sollten. Leider ist es in beiden St&auml;dten nicht gelungen eine solche Einheit herzustellen. Sowohl die &ouml;rtliche PDS entschied sich gegen eine Teilnahme an der B&uuml;ndniskandidatur, als auch andere &#x84;Linke&#x93;, die eigenst&auml;ndige Listen bildeten: in K&ouml;ln die &Ouml;kologische Linke und in Aachen gleich drei weitere Listen, die ein linkes oder zumindest soziales Image hatten: UWG, ILAC und ELA. Diese Zersplitterung auf der Linken erschwerte es den Wahlb&uuml;ndnissen das existierende Potenzial f&uuml;r einen Wahlerfolg zu mobilisieren. Ebenfalls nicht geholfen hat in K&ouml;ln die Weigerung der lokalen F&uuml;hrung der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) zur Wahl von &#x84;gemeinsam gegen Sozialraub&#x93; aufzurufen, obwohl viele WASG-Mitglieder auch das Wahlb&uuml;ndnis unterst&uuml;tzten und dieses weitgehend Forderungen aufstellte, die die WASG auch unterst&uuml;tzt. <\/p>\n<p>  Dieses Verhalten anderer linker Kr&auml;fte mag unterschiedliche Ursachen haben. F&uuml;r die PDS trifft sicher zu, dass sie die kompromisslose Haltung der Wahlb&uuml;ndnisse nicht mittragen wollte. So konnten sich PDS-Vertreter in Aachen und K&ouml;ln vorstellen rot-gr&uuml;n zu unterst&uuml;tzen, um zum Beispiel eine Ratsmehrheit zu erreichen. Auch wollten so manche KandidatInnen anderer Listen das Prinzip der Wahlb&uuml;ndnisse nicht mitmachen, welches es gew&auml;hlten Ratsmitgliedern verbietet aus dem Mandat irgendwelche Privilegien anzunehmen. <br \/>  Trotzdem gelang es den B&uuml;ndnissen ihre Basis &uuml;ber die an ihnen beteiligten organisierten Gruppen hinaus zu erweitern. Beide B&uuml;ndnisse haben jeweils &uuml;ber 100 Mitglieder und viele weitere Unterst&uuml;tzerInnen, die nicht formal beigetreten sind. <\/p>\n<p>  In beiden St&auml;dten wurden sehr engagierte und intensive Wahlkampagnen gef&uuml;hrt, trotz der bescheidenen Mittel, die zur Verf&uuml;gung standen. Mit t&auml;glichen Aktionen vor Betrieben, Arbeits&auml;mtern und in den Stadtvierteln wurde das direkte Gespr&auml;ch mit der Bev&ouml;lkerung gesucht, denn eines war klar: es musste um jede einzelne Stimme gek&auml;mpft werden. Das veranlasste auch &uuml;ber 60 SAV-Mitglieder aus anderen St&auml;dten &#x96; und sogar Mitglieder der belgischen und &ouml;sterreichischen Schwesterorganisationen der SAV &#x96; zur Wahlkampfunterst&uuml;tzung in die Domst&auml;dte anzureisen. <br \/>  Wahlen zu b&uuml;rgerlichen Parlamenten sind ein schwieriges Feld f&uuml;r die Arbeiterbewegung und die Linke. Die b&uuml;rgerliche Propagandamaschine der Medien und pro-kapitalistischen Parteien funktioniert ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die b&uuml;rgerlichen Parteien. In Aachen und K&ouml;ln gab es einen fast kompletten Presseboykott der Lokalmedien gegen die Wahlb&uuml;ndnisse. Zu offiziellen Wahlveranstaltungen wurden die B&uuml;ndnis-Kandidaten kaum eingeladen. Gleichzeitig war man mit einer Materialschlacht der etablierten Parteien (und in K&ouml;ln der finanzstarken Faschisten von Pro K&ouml;ln) konfrontiert, mit der die Wahlb&uuml;ndnisse nicht konkurrieren konnten. <\/p>\n<p>  Die Hoffnung, die Ablehnung der etablierten Parteien relativ leicht in eine Stimmabgabe f&uuml;r die Wahlb&uuml;ndnisse umwandeln zu k&ouml;nnen, erwies sich als tr&uuml;gerisch. Mit dem geringen Bekanntheitsgrad und den bescheidenen finanziellen Mitteln war es nicht m&ouml;glich die dominierende Stimmung in der Arbeiterklasse zu &auml;ndern. Diese war: w&auml;hlen bringt nichts. Demzufolge sank die Wahlbeteiligung landesweit ein weiteres Mal (in K&ouml;ln stieg sie zwar leicht, liegt aber trotzdem mit 48,2 Prozent unter Landesniveau) und es gelang den Wahlb&uuml;ndnissen nicht mehr Menschen aus diesen Schichten zur Stimmabgabe zu mobilisieren. Sicher ist das auch Ausdruck der Tatsache, dass die Verankerung der an den B&uuml;ndnissen beteiligten Kr&auml;fte noch gering ist. Aber vor allem hei&szlig;t das: die Sympathie, die den Wahlb&uuml;ndnissen auf der Stra&szlig;e, vor Betrieben und den Arbeits&auml;mtern entgegenschlug war weitaus gr&ouml;&szlig;er als es die Stimmenergebnisse ausdr&uuml;cken. Die Stimmung gegen die etablierten Parteien der Sozialr&auml;uber ging zwar klar in die Richtung der Wahlb&uuml;ndnisse, konnte aber nicht in aktive Wahlteilnahme verwandelt werden, sicher auch, weil viele nicht daran glaubten, dass die Wahlb&uuml;ndnisse &uuml;berhaupt eine Chance auf einen Ratssitz haben. Diese Erfahrung machte auch die Rostocker SAV\/Liste gegen Sozialkahlschlag. Nach dem Wahlerfolg im Juni sagten viele Menschen, die wir sp&auml;ter auf der Stra&szlig;e oder den Montagsdemonstrationen getroffen haben: Wenn ich gewusst h&auml;tte, dass Ihr eine Chance habt, h&auml;tte ich Euch auch gew&auml;hlt. <\/p>\n<p>  Wahlen sind Momentaufnahmen von Stimmungen. H&auml;tten die Wahlen einige Wochen fr&uuml;her stattgefunden, w&auml;ren die Stimmergebnisse sicher besser gewesen. Doch Ende September war die Bewegung der Montagsdemonstrationen, die ohnehin kaum auf Westdeutschland &uuml;bergeschwappt war, schon wieder r&uuml;ckl&auml;ufig und bei einigen der Beteiligten machte sich Entt&auml;uschung dar&uuml;ber breit. Diese Entt&auml;uschung ist umso mehr nachvollziehbar, da es innerhalb von einem Jahr die dritte gr&ouml;&szlig;ere Mobilisierung ist, die durch die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen nicht zu wirklichem Widerstand weiter entwickelt wird. <br \/>  Auch dr&uuml;ckt sich aus, dass f&uuml;r kleine Gruppierungen ein reiner Propagandawahlkampf unter den bestehenden Bedingungen nur eine begrenzte Wirkung erzielen kann. Leider war es den Wahlb&uuml;ndnissen nicht m&ouml;glich eine konkrete Auseinandersetzung vor Ort zu f&uuml;hren, die breitere Teile der Arbeiterklasse in Aktivit&auml;t und Widerstand gezogen h&auml;tte. <br \/>  Ein weiterer Faktor war sicher, dass die Wahlerfolge der Faschisten bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen einige W&auml;hlerInnen dazu verleitet hat mit der Faust in der Tasche noch einmal SPD oder Gr&uuml;ne zu w&auml;hlen, um zu verhindern, dass die Rechtsextremisten in den Stadtr&auml;ten zum Z&uuml;nglein an der Waage werden. Die heuchlerische Wahlwerbung der K&ouml;lner SPD, die kurz vor dem Wahltag noch ein neues Plakat mit der Aufschrift &#x84;gegen Rechts w&auml;hlen&#x93; klebte, hatte sicher bei einigen eine Wirkung erzielt. <\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund sind die Stimmenergebnisse von 785 in Aachen (0,8 Prozent) und 2253 in K&ouml;ln (0,6 Prozent) als wichtige Achtungserfolge zu werten. Die deutlich besseren Ergebnisse in den Stimmbezirken, in denen mehr Wahlkampfaktivit&auml;ten stattfanden zeigen, was bei mehr finanziellen Ressourcen und mehr aktiven Wahlk&auml;mpferInnen m&ouml;glich gewesen w&auml;re. Die Gesamtergebnisse f&uuml;r die linken Kandidaturen (in Aachen 5,6 und in K&ouml;ln vier Prozent) und auch die Erfolge vieler weiterer kleiner linker Kandidaturen in anderen St&auml;dten Nordrhein-Westfalens zeigen das Potenzial, das f&uuml;r eine neue Arbeiterpartei existiert. Dabei ist klar, dass diese aufgrund der begrenzten Mittel und der schwachen Medienberichterstattung dieses Potenzial nur ankratzen konnten. Die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (bzw. die sich daraus wahrscheinlich bildende Linkspartei) wird in der Lage sein deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen, wenn sie eine k&auml;mpferische Wahlkampagne f&uuml;hrt. Dies sollte bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr geschehen. <\/p>\n<p>  Sascha Stanicic, Berlin (und Wahlkampfhelfer in K&ouml;ln und Aachen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Einzug von Marc Treude in den Aachener Stadtrat und von Claus Ludwig in den K&ouml;lner Rat f&uuml;r die Wahlb&uuml;ndnisse<span style=\"font-weight: bold;\"> &#x84;Gemeinsam gegen Sozialkahlschlag&#x93;<\/span> bzw. <span style=\"font-weight: bold;\">&#x84;Gemeinsam gegen Sozialraub&#x93;<\/span> stellen einen wichtigen Erfolg dar.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11018"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11018"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11018\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}