{"id":11017,"date":"2004-10-03T11:58:39","date_gmt":"2004-10-03T11:58:39","guid":{"rendered":".\/?p=11017"},"modified":"2004-10-03T11:58:39","modified_gmt":"2004-10-03T11:58:39","slug":"11017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11017\/","title":{"rendered":"14 Jahre Betrug sind genug!"},"content":{"rendered":"<p>Mehr Armut, mehr Arbeitslose&#8230; Kapitalismus funktioniert nicht<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nSeit August gingen im Osten Deutschlands Montag f&uuml;r Montag Zehntausende auf die Stra&szlig;e. Der Protest richtete sich gegen Hartz IV und Agenda 2010. Doch mit dem Widerstand gegen die asoziale Politik der Bundesregierung kommt auch die Wut und Entt&auml;uschung &uuml;ber die letzten 14 Jahre zum Ausdruck.<br \/> ?Daf&uuml;r sind wir 1989 nicht auf die Stra&szlig;e gegangen.? Das ist die einhellige Meinung der DemonstrantInnen.<br \/> Von den ?bl&uuml;henden Landschaften? und einem Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand sind wir im Osten heute weit entfernt. In den Jahren seit der Wende wurden in Ostdeutschland zwei von drei Industriearbeitspl&auml;tzen vernichtet. Soziale Errungenschaften und Subventionen f&uuml;r Lebensmittel und Wohnen wurden abgeschafft. Alle diese Ma&szlig;nahmen bedeuteten Verschlechterungen f&uuml;r den Lebensstandard der Bev&ouml;lkerung, doch die Menschen harrten aus, in der Hoffnung, dass es am Ende doch besser w&uuml;rde. Mit Hartz IV ist nun ein Ende gekommen ? das Ende der Geduld im Osten. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Die Marktwirtschaft hat abgewirtschaftet<\/span><\/p>\n<p> ?Lange genug haben wir einstecken m&uuml;ssen. So kann es nicht weitergehen.? Das h&ouml;ren wir immer wieder. Wir Ossis wollen nicht l&auml;nger stillhalten und stehen auf. Und somit sind die Proteste der vergangenen Wochen nicht nur eine Absage an Hartz IV, sondern auch eine schallende Ohrfeige f&uuml;r den Kapitalismus, der in den vergangenen 14 Jahren nicht in der Lage war, die Versprechungen einzul&ouml;sen und den Menschen eine Perspektive zu geben.<br \/> Angeblich wurden Milliarden in den ?Aufbau Ost? gesteckt und wir Ossis konnten mit dem Geld nicht umgehen. In Wahrheit floss das Geld vor allem in die Taschen von Gro&szlig;konzernen ? aus Westdeutschland! Diese westdeutschen Kapitalisten haben den Osten nicht ?aufgebaut?, sondern platt gemacht. Konkurrenz wurde ausgeschaltet. Von einzelnen neuen Werken abgesehen, in denen aus den Ossis noch mehr als aus den westdeutschen KollegInnen rausgepresst werden soll. Im real existierenden Kapitalismus werden die einen krank, weil sie sich kaputt arbeiten m&uuml;ssen, und die anderen, weil sie zum Nichtstun verdammt sind.<br \/> Wie soll man auch erwarten, dass das deutsche Kapital in der Ex-DDR neue Arbeitspl&auml;tze schafft, wenn das Profitstreben im kapitalistischen Niedergang dazu f&uuml;hrt, dass auch in der alten BRD Betriebe geschlossen werden und immer weniger immer mehr f&uuml;r immer weniger Kohle malochen sollen.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Weder DDR noch BRD<\/span><\/p>\n<p> Die Arbeitslosigkeit ist mit &uuml;ber 20 Prozent doppelt so hoch wie im Westen. Immer mehr ? vor allem junge Menschen ? m&uuml;ssen abwandern, um &uuml;berhaupt eine Lehrstelle oder einen Job zu bekommen. Viele Menschen fragen sich, wie es weiter gehen soll. Und immer mehr sind auf der Suche nach einem ?dritten Weg? (wie es Jenoptik-Chef Lothar Sp&auml;th im Handelsblatt im August nannte).<br \/> Auch wenn die B&uuml;rgerlichen gern alle Demonstrierenden in die DDR-Nostalgie-Ecke stellen wollen, sieht die Realit&auml;t ganz anders aus. Die Erfahrungen mit der b&uuml;rokratischen SED-Elite in der DDR haben die Menschen nicht vergessen. Aber es ist auch offensichtlich, dass der Kapitalismus nichts zu bieten hat. Die Menschen wollen endlich ein System, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht B&uuml;rokraten oder Wirtschaftsbosse. Deswegen sind &uuml;ber 70 Prozent der Ostdeutschen der Meinung, dass der Sozialismus ein gute Idee ist, die nur falsch umgesetzt wurde. N&ouml;tig w&auml;re die Enteignung der gro&szlig;en Banken und Konzerne statt der Enteigung der Erwerbslosen durch Hartz IV. N&ouml;tig w&auml;re dann aber auch die Einbeziehung aller in die Produktions- und Entscheidungsprozesse statt einer undemokratischen Kommandowirtschaft. Wenn die DDR etwas gezeigt hat, dann dass eine nichtkapitalistische geplante Wirtschaft Demokratie braucht wie der Mensch die Luft zum Atmen!<br \/> Und wenn der Sturz der DDR etwas gezeigt hat, dann dass eine Massenbewegung ungerechte Systeme aus den Angeln heben kann. Wenn wir in der Zukunft nicht mit den Folgen von Hartz V, VI, VII&#8230; ringen wollen, dann m&uuml;ssen wir den Kampf dagegen mit dem Kampf f&uuml;r eine sozialistische Demokratie verbinden. Es gilt, in der Anti-Hartz-Bewegung dar&uuml;ber zu diskutieren, warum die DDR gescheitert ist und warum der Kapitalismus heute scheitert, Tag f&uuml;r Tag. Und es gilt, in der Bewegung f&uuml;r ein sozialistisches Programm und f&uuml;r eine sozialistische Perspektive einzutreten.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Christine Lehnert, Abgeordnete f&uuml;r die SAV \/ Liste gegen Sozialkahlschlag in der Rostocker B&uuml;rgerschaft<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr Armut, mehr Arbeitslose&#8230;<br \/>\nKapitalismus funktioniert nicht<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[164],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11017"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11017"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11017\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}