{"id":11015,"date":"2004-10-06T18:21:18","date_gmt":"2004-10-06T16:21:18","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11015"},"modified":"2012-06-24T16:06:13","modified_gmt":"2012-06-24T14:06:13","slug":"11015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/10\/11015\/","title":{"rendered":"Aufstand im Irak geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>Irakische Massen widersetzen sich imperialistischer Besatzung und irakischer ?bergangsregierung<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDie Belagerung von Nadschaf ging am 26. August zu Ende. Von einer Stabilisierung und Befriedung kann seitdem aber keine Rede sein. Das US-Verteidigungsministerium musste zugeben, dass die US-Armee mittler-weile die Kontrolle &uuml;ber gro&szlig;e Teile des Zentral-Irak an Aufst&auml;ndische verloren hat. In den vergangenen Monaten wurden aus mehreren St&auml;dten im sunnitischen Teil des Landes die Besatzungstruppen vertrieben: Falludscha, Ramadi, Baquba, Samarra &#8230;<br \/> Anschl&auml;ge auf &Ouml;lanlagen im S&uuml;den sind ein Anzeichen daf&uuml;r, dass auch die britischen Truppen ?ihre? Zone nicht unter Kontrolle haben und der Widerstand ebenfalls in den schiitischen Regionen w&auml;chst. Insge-samt wurden im August 87 Anschl&auml;ge pro Tag gez&auml;hlt.<br \/> Selbst die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung kommentierte am 18. September: ?Sowenig man das alte Regime in Schutz nehmen muss, so sehr muss man feststellen, dass sich die Lage im Irak fast t&auml;glich verschlechtert. Sogar der amerikanische Pr&auml;sident hat inzwischen einger&auml;umt, dass man mit einer solchen Radikalisierung, Fanatisierung und Militarisierung, wie sie jetzt zum Ausbruch kommen, nicht gerechnet habe. Die Zahl der ?befreiten Regionen? ? so die Sprache der Aufst&auml;ndischen und der Terroristen ? nimmt zu.? Stimmt, wobei vor allem die massiven Luftangriffe als Reaktion auf die Erfolge der Aufst&auml;ndischen Terror sind. So wurde Falludscha mehrfach bombardiert, M&auml;rkte wurden getroffen, Stadtteile standen in Flammen, Familien flohen aus der Stadt.<br \/> Die Zahl der get&ouml;teten IrakerInnen sch&auml;tzt amnesty international auf mindestens 10.000 Menschen. Zehntausende sind schwer verwundet oder obdachlos. Wie k&uuml;rzlich bekannt gegeben wurde, starben im Irak mittlerweile &uuml;ber 1.000 US-Soldaten, der gr&ouml;&szlig;te Teil davon kam nach dem offiziellen Kriegsende im Mai 2004 ums Leben.<\/p>\n<p> Irakische Sicherheitskr&auml;fte scheitern<\/p>\n<p> Die US-Regierung und die irakische &Uuml;bergangsregierung halten trotzdem am Wahltermin im Januar fest. Der neue von den USA eingesetzte Premierminister des Irak, Ijad Allawi, ist der Meinung, es sei kein Grund, die Wahlen zu verschieben, wenn in einigen umk&auml;mpften St&auml;dten Wahlen erst einmal nicht stattfinden k&ouml;nnen. Einige St&auml;dte? US-Verteidigungsminister Rumsfeld musste eingestehen, dass zwei bis drei F&uuml;nftel ausgeklammert werden m&uuml;ssten. F&uuml;r Bush ist es wenige Wochen vor der Pr&auml;sidentschaftswahl in den USA wichtig, den Anschein von beginnender Demokratie und Stabilit&auml;t zu erwecken.<br \/> Die zahlreichen Anschl&auml;ge im Land richten sich immer &ouml;fter auch gegen irakische Polizisten oder Vertreter der &Uuml;bergangsregierung ? als Handlanger der Besatzer. Mehr und mehr wird die &Uuml;bergangsregierung als scheindemokratisches Feigenblatt des US-Imperialismus blo&szlig;gestellt.<br \/> Neben Washington baut auch die NATO zunehmend auf die irakischen ?Sicherheitskr&auml;fte?. Unter anderem soll f&uuml;r diese im Irak ein Ausbildungszentrum eingerichtet werden. Auch die Schr&ouml;der-Regierung will in Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten irakische Polizisten und Soldaten ausbilden und Best&auml;nde der Bundeswehr ins Kriegsgebiet liefern.<\/p>\n<p> Al-Sadr und Sistani<\/p>\n<p> Die US-Truppen mussten sich Ende August aus Nadschaf zur&uuml;ckziehen und al-Sadrs Milizen ungest&ouml;rt abziehen lassen, obwohl sie nicht entwaffnet wurden. Es war keine milit&auml;rische Niederlage der Besatzer, sondern eine politische. Nach den Konflikten im Fr&uuml;hjahr war es der zweite fehlgeschlagene Versuch, al-Sadr und seine Milizen zu zerschlagen. Durch die Belagerung wurde al-Sadr zum Symbol f&uuml;r Widerstand gegen die Besatzer. Noch vor neun Monaten zeigte eine Umfrage, dass gerade mal ein Prozent der irakischen Bev&ouml;lkerung den schiitischen Kleriker Muqtada al-Sadr unterst&uuml;tzten. Als die Umfrage im letzten Mai wiederholt wurde, fanden sich 68 Prozent der Befragten auf al-Sadrs Seite.<br \/> Al-Sadrs Einfluss ist besonders gro&szlig; in Sadr-City, einem Zwei-Millionen-starken Armenviertel von Bagdad (mit seinen 5,5 Millionen). Mit Phrasen von irakischem Nationalismus versucht er, auch Schichten der sunnitische Bev&ouml;lkerung anzusprechen. Doch al-Sadrs Programm f&uuml;r einen reaktion&auml;ren theokratischen Schiiten-Staat bietet keinen Ausweg f&uuml;r die irakische Bev&ouml;lkerung. Schon zeigt sich, wie br&uuml;chig die scheinbare Einheit der irakischen Widerst&auml;ndler ist.<br \/> Ayatollah Sistani, einer der rangh&ouml;chsten schiitischen Pers&ouml;nlichkeiten im Irak, spielte bei den Verhandlungen um die belagerte Stadt Nadschaf eine Schl&uuml;sselrolle. Er erl&ouml;ste die USA aus der f&uuml;r sie festgefahrenen Situation, indem er einen Friedensvertrag zwischen al-Sadr und den amerikanischen Besatzern aushandelte. Sistani versucht einen gef&auml;hrlichen Balanceakt. Doch seine Unterst&uuml;tzung wird schwinden, je eindeutiger es wird, dass er letztlich die amerikanische Besatzung unterst&uuml;tzt. Anfang des Jahres rief er zu Protesten f&uuml;r freie Wahlen auf ? nur, um gegen&uuml;ber anderen radikaler erscheinenden schiitischen F&uuml;hrern mithalten zu k&ouml;nnen. Als er kalte F&uuml;&szlig;e bekam und die Aktionen schnell wieder absagte, verlor er damals an Ansehen.<\/p>\n<p> Klasseninteressen<\/p>\n<p> Dauerhaft ist Einheit zwischen ethnischen Gruppen und Religionen innerhalb des Widerstands nur erreichbar, wenn sich die Akteure sich der gemeinsamen materiellen und politischen Interessen bewusst werden. Dann wird rasch klar, dass ArbeiterInnen, Erwerbslose und benachteiligte Bauern untereinander mehr gemeinsam haben als mit Kapitalisten, Gro&szlig;grundbesitzern und reichen Familien, die ? teilweise unter dem Deckmantel der Religion ? um Einfluss und Macht streiten. Die wachsende Unterst&uuml;tzung f&uuml;r al-Sadr zeigt das Potenzial f&uuml;r eine Massenbewegung der Arbeiterklasse und der unterdr&uuml;ckten Massen gegen die Besatzung, welche die verschiedenen ethnischen und religi&ouml;sen Gruppen vereint.<br \/> Unmittelbar n&ouml;tig w&auml;re die Bildung von multiethnischen Verteidigungsmilizen unter der demokratischen Kontrolle der verarmten Massen, um einen wirksamen Schutz gegen die &Uuml;bergriffe der Besatzungstruppen zu organisieren und ethnische und religi&ouml;se Zusammenst&ouml;&szlig;e zu verhindern.<br \/> Beim Widerstand gegen die Besatzer sollte die Frage in den Vordergrund gestellt werden, wer das &Ouml;l und alle Reicht&uuml;mer des Landes kontrolliert. Eine breite Protestbewegung sollte einfordern, dass auf allen Ebenen demokratisch gew&auml;hlte Delegierte zu einer landesweiten Versammlung zusammenkommen. Eine gew&auml;hlte Regierung der Besch&auml;ftigten, Erwerbslosen und armen Bauern k&ouml;nnte die zentralen Probleme wie Armut, Arbeitslosigkeit und Kriegsgefahr angehen ? aber nur, wenn Kapitalismus und Gro&szlig;grundbesitz &uuml;berwunden werden.<br \/> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">von Linda Sch&uuml;tz, Rostock<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irakische Massen widersetzen sich imperialistischer Besatzung und irakischer ?bergangsregierung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[63],"tags":[164],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11015"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11015"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11015\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}