{"id":11003,"date":"2004-09-23T10:24:18","date_gmt":"2004-09-23T08:24:18","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=11003"},"modified":"2012-06-24T15:58:07","modified_gmt":"2012-06-24T13:58:07","slug":"11003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/09\/11003\/","title":{"rendered":"F&uuml;r einen hei&szlig;en Herbst!"},"content":{"rendered":"<p>Zum Stand der Anti-Hartz-Bewegung und der politischen Lage nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg<br \/>  <i>SAV-Stellungnahme vom 21. September 2004<\/i><!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#8222;Die beiden Parteien, die f&uuml;r Hartz IV waren, haben verloren&#8220;, so der brandenburgische CDU-Innenminister Sch&ouml;nbohm nach der Landtagswahl. SPD und CDU wurden f&uuml;r den Sozialkahlschlag abgestraft. Doch dar&uuml;ber hinaus ist sichtbar geworden, welche Instabilit&auml;t in Deutschland herrscht: Das Wahlergebnis dr&uuml;ckt die Entfremdung von allen etablierten Parteien und die wachsende Polarisierung aus. Die Montagsdemos und die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg zeigen in welcher &ouml;konomischen, sozialen und politischen Krise sich Deutschland befindet und mit welcher Geschwindigkeit sich die &Auml;nderungen vollziehen.<\/p>\n<p>   Im Westen erfasst die arbeitende Bev&ouml;lkerung mittlerweile, dass der G&uuml;rtel nicht nur vor&uuml;bergehend enger geschnallt werden soll, sondern dass die Herrschenden fest entschlossen sind, den Lebensstandard der Masse auf absehbare Zeit drastisch abzusenken. Im Osten &#8211; wo Bundespr&auml;sident K&ouml;hler mit seinen &Auml;u&szlig;erungen j&uuml;ngst nochmal viele vor den Kopf gesto&szlig;en hat &#8211; greift die Meinung um sich, dass 14 Jahre Kapitalismus 14 Jahre Betrug bedeuten und die Einf&uuml;hrung der Marktwirtschaft nur zu Massenarbeitslosigkeit und Armut gef&uuml;hrt hat.<\/p>\n<p>  Die Anti-Hartz-Bewegung zeigt, wie tief Wut und Zorn gehen. Wochenlang gingen und gehen Zehntausende auf die Stra&szlig;e. Und das, obwohl die OrganisatorInnen keinerlei &uuml;ber die Montagsdemos hinausreichende Perspektive f&uuml;r den Kampf gegen Hartz und Co aufzeigten. Die r&uuml;ckl&auml;ufigen Teilnehmerzahlen jetzt bedeuten in keiner Weise, dass Wut und Zorn zur&uuml;ck gehen. Sie machen allerdings deutlich, dass die Bewegung auf der Stelle tritt und in einer Sackgasse zu landen droht, wenn es nicht gelingt, eine Strategie durchzusetzen, mit der der Sozialkahlschlag gestoppt, die Bewegung gesteigert und in die Betriebe getragen werden kann. <br \/>  Gleichzeitig stellen die Wahlerfolge der Neo-Nazis, vor allem der NPD in Sachsen, eine neue Qualit&auml;t der Bedrohung von neo-faschistischen Kr&auml;ften dar. Sie konnten keineswegs von der Anti-Hartz-Bewegung profitieren: Dort, wo die Bewegung stark war, zum Beispiel in den Gro&szlig;st&auml;dten, sind die Neo-Nazis am schw&auml;chsten. Gemeinsamer Widerstand schw&auml;cht ihre Position. <br \/>  Doch die Gewerkschaftsspitzen und die PDS &uuml;berlie&szlig;en es den Nazis, scheinbar &#8222;grundlegende&#8220; Antworten auf die kapitalistische Misere zu geben und zeigten keinen Weg auf, den Zwangsarbeit und Niedrigl&ouml;hne zu stoppen. Damit tragen sie eine Mitverantwortung f&uuml;r die Erfolge von NPD und DVU. <\/p>\n<p>  <b>Landtagswahlen<\/b><\/p>\n<p>  Nach den Ergebnissen des Saarlandes vor einer Woche zeigen nun auch die Resultate in Brandenburg und Sachsen: Die W&auml;hlerInnen haben die Schnauze voll von den etablierten Parteien. Selbst die &#8222;siegreiche&#8220; CDU im Saarland b&uuml;&szlig;te in absoluten Zahlen knapp 20 Prozent ihrer Stimmen ein. In Brandenburg und Sachsen, wo die Wahlbeteiligung schon beim letzten Urnengang im Keller angekommen war, verloren SPD und CDU deutlich an Stimmen.  Vor diesem Hintergrund bieten sich gro&szlig;e M&ouml;glichkeiten f&uuml;r die Wahlalternative WASG, in das entstandene politische Vakuum zu sto&szlig;en. Doch bei den angesprochenen Wahlen trat eben keine linke Alternative an, die sich konsequent gegen Kahlschlag und K&uuml;rzungen ausspricht. Die PDS konnte zwar von diesem Vakuum profitieren, doch weit weniger als erwartet. (Sie gewann in Sachsen 1,4 Prozentpunkte und erreichte 23,6 Prozent, in Brandenburg gewann sie 4,7 Prozentpunkte und kam auf 28,0 Prozent.) Einen gewissen Einfluss kann dabei die Stasi-Kampagne der b&uuml;rgerlichen Medien gegen den PDS-Spitzenkandidaten in Sachsen gespielt haben. Entscheidender aber war, dass f&uuml;r die W&auml;hlerInnen sichtbar war, welchen Spagat die PDS versuchte: In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern setzt sie Hartz und Sozialabbau um, w&auml;hrend sie sonst dagegen demonstrieren wollte. <\/p>\n<p>  <b>Neo-Nazi-Erfolge<\/b><\/p>\n<p>  In dem Ma&szlig;e, wie es der Linken und der Arbeiterbewegung insgesamt nicht gelingt, das Vakuum zu f&uuml;llen, besteht jedoch auch die Gefahr, dass Rechtsextreme an Einfluss gewinnen k&ouml;nnen. Die Intervention von Faschisten in verschiedenen St&auml;dten bei den Montagsdemos wie in Leipzig war eine ernste Warnung. <br \/>   Die DVU erhielt nun in Brandenburg 6,1 Prozent (+0,8) und bleibt im Landtag. Entscheidender ist der Einzug der NPD ins s&auml;chsische Landesparlament. Sie erhielt 9,2 Prozent (das entspricht 192.000 Stimmen) und damit + 7,8. <br \/>  Dabei st&uuml;tzt sich die NPD auf eine feste Kaderorganisation in Sachsen, die durch ihre &ouml;rtliche Verankerung von diesem Ergebnis weiter profitieren wird. Zum ersten Mal in der Geschichte der BRD kommt damit eine rechtsextreme Partei in einen Landtag, die nicht nur vom dicken Geld einzelner lebt (z.B. DVU) oder gepr&auml;gt wird von Alt-Herren-Nazis (die NPD in den 60ern). Die NPD verbindet den Kampf der Stiefelfaschisten auf der Stra&szlig;e mit ihrer Pr&auml;sens nun im Landtag. <br \/>  Ihre Verankerung und ihre M&ouml;glichkeiten zum Aufbau sind auch an der hohen Unterst&uuml;tzung unter Jungw&auml;hlern abzulesen. (Bei den 18- bis 29-j&auml;hrigen M&auml;nnern erzielte sie laut Meinungsforschern 21 Prozent). <br \/>  Ihr Erfolg beruht darauf, dass die soziale Krise &#8211; zugespitzt in Ost-Deutschland &#8211; nach grundlegenden Antworten verlangt. Jede Form von Widerstand gegen diese braune Gefahr muss daher verbunden sein, mit einer Antwort auf die soziale Misere des Kapitalismus. Es muss deutlich gemacht werden, dass die Nazis genau darauf keine Antwort bieten.  Es gilt aufzuzeigen, dass eine Parole, wie &#8222;Deine Quittung f&uuml;r Hartz IV: Jetzt NPD&#8220;, v&ouml;llig verlogen ist und die NPD in ihrem Programm zur s&auml;chsischen Landtagswahl 1999 sogar offen forderte, was Schr&ouml;der gerade umsetzt: Arbeitszwang f&uuml;r Empf&auml;nger von Sozial- und Arbeitslosenhilfe. <br \/>  Die Anti-Hartz-Bewegung h&auml;tte genutzt werden k&ouml;nnen, um mit gemeinsamem Widerstand und einer sozialistischen Ausrichtung, nicht nur erfolgreich gegen Hartz zu k&auml;mpfen, sondern auch den Nazis mit ihren Schein-Alternativen zur kapitalistischen Misere den Boden unter den F&uuml;&szlig;en weg zu ziehen. Doch die Gewerkschaftsspitzen griffen die Demonstrationen nicht auf und mobilisierten nicht. Sie beugen sich immer wieder den Erpressungen von Regierung und Arbeitgebern. <br \/>  Die Herrschenden predigen die Standortlogik: die Logik, Deutschland &#8211; sie meinen damit ihre Profite &#8211; im internationalen Wettbewerb auf Kosten anderer L&auml;nder an die Spitze zu bringen. Letztendlich akzeptieren DGB-F&uuml;hrung und PDS dieses gegeneinander Ausspielen. Bei r&uuml;ckst&auml;ndigeren Teilen f&uuml;hrt dies zu Offenheit gegen&uuml;ber der klarsten Umsetzung dieser Logik: der nationalistischen und rassistischen Hetze von NPD und DVU.  Die Gewerkschaftsspitzen verzichten auf eine konsequente und daher anti-kapitialistische Verteidigung ihrer Mitglieder und aller Besch&auml;ftigten vor den Angriffen der Regierung und der Arbeitgeber. Das f&uuml;hrt dazu, dass es den Neo-Nazis auch noch offen gelassen wird, sich als &#8222;anti-kapitalistische&#8220; Alternative zu pr&auml;sentieren. <\/p>\n<p>  <b>Anti-Hartz-Bewegung am Scheideweg<\/b><\/p>\n<p>  Wenn es nach Springer, Holtzbrinck und Co geht, dann ist es mit den Montagsdemonstrationen bald vorbei. Die b&uuml;rgerlichen Medien schreiben die Bewegung schon l&auml;ngst ab. Doch auch an den letzten Montagen gingen noch Zehntausende Menschen in &uuml;ber 200 St&auml;dten gegen Massenverarmung und moderne Sklavenarbeit auf die Stra&szlig;e. Die Stimmung wird radikaler. In Leipzig wurden letzte Woche vereinzelt &#8222;Generalstreik&#8220;-Sprechch&ouml;re laut. In Berlin wurde die Frage aufgeworfen, ob nicht verst&auml;rkt vor oder in den Arbeits&auml;mtern protestiert werden sollte. Denn zunehmend wird klarer: Mit Demonstrationen allein ist Hartz nicht zu stoppen. <br \/>  Damit stellt sich in aller Sch&auml;rfe die Frage, ob ein Abebben der Protestwelle verhindert werden kann und ob eine wirksame Steigerung der Bewegung m&ouml;glich ist. <\/p>\n<p>  <b>DGB-Spitze tr&auml;gt die Verantwortung<\/b><\/p>\n<p>  Dazu muss gekl&auml;rt werden, woran es liegt, dass die Anti-Hartz-Bewegung nicht mehr weiter kommt. Die Verantwortlichen daf&uuml;r sitzen in den Vorstandsb&uuml;ros der Gewerkschaftsh&auml;user. Mit immerhin noch 7,4 Millionen Mitgliedern sind die Gewerkschaften weiterhin die potenziell st&auml;rkste Organisation in der Gesellschaft. Doch die DGB-F&uuml;hrung unter Michael Sommer lehnt es bis heute ab, bundesweit zu den Montagsdemonstrationen aufzurufen, tatkr&auml;ftig zu mobilisieren und die zentrale Gro&szlig;demonstration am 2. Oktober in Berlin zu unterst&uuml;tzen. <br \/>  In seiner Erkl&auml;rung vom 7. September stellt sich der DGB-Bundesvorstand nicht einmal prinzipiell gegen Hartz IV, sondern sieht &#8222;Positives&#8220;: darunter die angebliche Verbesserung der Arbeitsvermittlung, &#8222;die Einrichtungen von Job-Centern&#8220; und &#8222;die Zusage, Jugendlichen Angebote zur Ausbildung und Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu machen&#8220;. Statt den Widerstand gegen Zwangsarbeit und Niedrigl&ouml;hne anzuf&uuml;hren, begr&uuml;&szlig;t der DGB-Vorstand noch Ma&szlig;nahmen in diese Richtung und fordert lediglich &#8222;Korrekturen&#8220;! <br \/>  N&ouml;tig w&auml;re ein gemeinsamer Kampf von Besch&auml;ftigten und Arbeitslosen: Durch massive Arbeitszeitverk&uuml;rzung statt -verl&auml;ngerung und durch ein staatliches Investitionsprogramm f&uuml;r Bildung, Soziales und Gesundheit k&ouml;nnten Millionen neue, tariflich abgesicherte Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden. Daf&uuml;r m&uuml;sste die gewerkschaftliche Kampfkraft, die Kraft der Besch&auml;ftigten in den Betrieben verbunden mit gemeinsamen Protesten auf der Stra&szlig;e endlich genutzt werden! <br \/>  Doch die DGB-Spitzen sehen schon wieder ihre Hauptaufgabe darin, ihren rot-gr&uuml;nen Freunden in der Regierung den R&uuml;cken frei zu halten und sich den kapitalistischen &#8222;Sachzw&auml;ngen&#8220; unter zu ordnen. <\/p>\n<p>  <b>Schr&ouml;der bleibt hart(z) <\/b><\/p>\n<p>  Im Gegensatz zu den DGB-Vorstandsmitgliedern in ihrem Elfenbeinturm am Hackeschen Markt in Berlin haben Hunderttausende von Erwerbslosen und Besch&auml;ftigten den Kampf gegen Hartz IV als Kernst&uuml;ck der Agenda 2010 aufgenommen: den Widerstand gegen den weiteren R&uuml;ckzug der Unternehmer aus den Sozialversicherungssystemen und die Ausweitung des Niedriglohnsektors. <br \/>  Schr&ouml;der, Clement und die rot-gr&uuml;ne Bundesregierung haben nachdr&uuml;cklich versichert, dass sie an Hartz IV festhalten wollen. Als willf&auml;hrige Diener des Kapitals wollen sie die Sanierung der Unternehmerprofite auf Kosten der arbeitenden und erwerbslosen Menschen durchziehen. &Auml;hnliche Ma&szlig;nahmen wurden in den meisten f&uuml;hrenden kapitalistischen Staaten in den letzten Jahren ebenfalls ergriffen. Bei der rot-gr&uuml;nen Kabinettsklausur vor drei Wochen waren Wim Kok aus den Niederlanden und G&ouml;ran Persson aus Schweden zugeladen, die als Regierungschefs in ihren L&auml;ndern den gleichen Weg eingeschlagen haben, um SPD und Gr&uuml;ne zu beraten. <br \/>  Letzte Woche pl&auml;dierte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) f&uuml;r einen kompletten Ausstieg der Arbeitgeber aus der Mitfinanzierung der sozialen Sicherungssysteme. BDI-Pr&auml;sident Michael Rogowski redete in der Wochenzeitung &#8222;Die Zeit&#8220; Klartext: &#8222;Unternehmen sollen Arbeit schaffen, w&auml;hrend die Besch&auml;ftigten die soziale Sicherung und das Gesundheitssystem selbst finanzieren.&#8220; Konfrontiert mit einem m&ouml;glichen Ende der schw&auml;chlichen Konjunkturerholung, die ausschlie&szlig;lich auf dem Export basiert, ist mit einer Fortsetzung der Unternehmeroffensive zu rechnen. <\/p>\n<p>  <b>Betriebliche und soziale Konflikte nehmen zu<\/b><\/p>\n<p>  Die herrschende Klasse hat den von Sommer und Co lange beschworenen &#8222;sozialen Frieden&#8220; l&auml;ngst aufgek&uuml;ndigt und forciert den vor&uuml;bergehend eher versteckt ausgetragenen Klassenkampf von oben massiv: Bei VW soll in der Tarifrunde &#8222;kurzfristig&#8220; eine Nullrunde oder alternativ der Abbau von 30.000 Arbeitspl&auml;tzen erreicht werden, &#8222;mittelfristig&#8220; sollen 30 Prozent der Arbeitskosten gestrichen werden. Bei Opel soll die 40-Stunde-Woche ohne Lohnausgleich und Arbeitsplatzvernichtung realisiert werden, im &Ouml;ffentlichen Dienst Arbeitszeitverl&auml;ngerungen und Einsparung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes auch bei den Kommunen. <br \/>  Gleichzeitig demonstrierten in Hamburg am 2. September 8.000 Kita-Besch&auml;ftigte und Eltern gegen 50 Millionen Euro K&uuml;rzungen und Verschlechterungen bei den Arbeitsbedingungen, in Hannover gingen am 11. September 10.000 gegen die Streichung des Blindengeldes in Niedersachsen auf die Stra&szlig;e. <br \/>  Vor allem bei den Protesten der Daimler-KollegInnen wurde deutlich, welche Kampfbereitschaft vorhanden ist. 60.000 beteiligten sich am 15. Juli am Aktionstag. 2.000 blockierten in Mettingen bei Stuttgart die B 10, eine Stadtautobahn. 7.000 empfingen den Gesamtbetriebsrat in Stuttgart-Untert&uuml;rkheim mit einem Pfeifkonzert.  Doch auch hier stimmten IG Metall und Gesamtbetriebsrat der vollen K&uuml;rzungssumme des DaimlerChrysler-Vorstands zu, ohne diese Kraft zu nutzen. Ein ernsthaftes Kr&auml;ftemessen sollte um jeden Preis verhindert werden. <\/p>\n<p>  <b>Proteste steigern und in die Betriebe tragen<\/b><\/p>\n<p>  Angesichts der r&uuml;ckl&auml;ufigen Teilnehmerzahlen bei den Montagsdemos ist es entscheidend, die weitere Strategie gemeinsam zu diskutieren. Daf&uuml;r und f&uuml;r schlagkr&auml;ftige weitere Aktionen sind unabh&auml;ngige Aktionskomitees n&ouml;tig, in denen AktivistInnen zusammen kommen, die Erfahrungen bilanzieren und die n&auml;chsten Schritte diskutieren k&ouml;nnen. Auf dieser Grundlage kann der Protest gegen Hartz und der Widerstand gegen betriebliche Angriffe zusammengebracht werden. <br \/>  Demonstrationen allein reichen nicht; die Herrschenden versuchen, Demos aus zu sitzen. Um den gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glichen Druck auf die Kapitaleigner und ihren Handlangern in den Regierungen auszu&uuml;ben, muss endlich zur Streikwaffe gegriffen werden. Am Besten alle gemeinsam an einem Tag &#8211; gegen Hartz IV, gegen Arbeitszeitverl&auml;ngerung und Arbeitsplatzvernichtung. Das w&auml;re die Aufgabe der Gewerkschaftsspitze, die sich aber mit H&auml;nden und F&uuml;&szlig;en wehrt. Darum gilt es, zum einen k&auml;mpferische Oppositionsgruppen in den Gewerkschaften aufzubauen und den Kampf in den DGB-Gewerkschaften f&uuml;r einen grundlegenden Kurswechsel aufzunehmen und zum anderen Initiativen von unten zu ergreifen. Erste Ans&auml;tze existieren bereits: So organisierten Besch&auml;ftigte der Ostsee-Zeitung in Rostock am 6. September eine &#8222;aktive Mittagspause&#8220; gegen die Hartz-Pl&auml;ne. So sprach Ronni Spie&szlig; vom B&uuml;ndnis der Hamburger Kita-Besch&auml;ftigten auf der Demo am 2. September auf Grund der hohen Kampfbereitschaft von bald m&ouml;glichen Streiks. <br \/>  Falls die DGB-F&uuml;hrung stur bleibt, sollte ein bundesweiter Streik- und Protesttag von unten festgelegt werden, um mit Arbeitsniederlegungen auf lokaler und regionaler Ebene zu beginnen und auf diesem Weg den Druck auf die Sommers, Bsirskes und Peters zu erh&ouml;hen.<\/p>\n<p>  <b>Kann die Demo am 2. Oktober zu einer bundesweiten Gro&szlig;demo werden?<\/b><\/p>\n<p>  Am 2. Oktober findet eine bundesweite Demonstration gegen Hartz IV in Berlin statt. Das bietet die M&ouml;glichkeit, die verschiedenen Proteste zusammenzubringen und zu b&uuml;ndeln.  Doch auch hier gilt: Die Gewerkschaftsspitzen blockieren und wiegeln ab. Die Auswirkungen der Anti-Hartz-Bewegung in die Gewerkschaften hinein war noch zu schwach, um den n&ouml;tigen Druck f&uuml;r eine Korrektur von unten zu erzeugen. Viele betroffene Arbeitslose und die sich individuell an den Demos beteiligenden Besch&auml;ftigten zogen nicht die Verbindung zu den Betrieben. Die organisierten Linken und Gewerkschaftslinken nahmen ihre Verantwortung hierf&uuml;r kaum wahr. <br \/>  So kam es, dass nun &#8211; zwei Wochen vor dem 2. Oktober &#8211; nur in wenigen Orten im Westen in Betrieben f&uuml;r den 2. Oktober mobilisiert und auf Streiks hingearbeitet wird.  Trotzdem ist es nach wie vor m&ouml;glich, eine erfolgreiche Demonstration mit Zehntausenden oder mehr TeilnehmerInnen zu erk&auml;mpfen. Falls eine massenhafte Mobilisierung gelingt und die Demonstration k&auml;mpferisch ausgerichtet wird, k&ouml;nnten damit alle Beteiligten eine bessere Vorstellung von der gemeinsamen St&auml;rke bekommen und weiter ermutigt werden. Das k&ouml;nnte die Basis f&uuml;r eine Steigerung der Gegenwehr hin zu Streikma&szlig;nahmen legen. Dazu sollten folgende Schritte ergriffen werden: <\/p>\n<p>  eine Antragswelle auf betrieblicher und gewerkschaftlicher Ebene, um die DGB-F&uuml;hrung zur Mobilisierung zu bewegen und sie unter Druck zu setzen, Busse und Sonderz&uuml;ge zu organisieren<\/p>\n<p>  Betriebsr&auml;te, Personalr&auml;te und Vertrauensleute auffordern, Aktionen zur Bekanntmachung und Unterst&uuml;tzung wie Mittagspausenaktionen durchzuf&uuml;hren<\/p>\n<p>  Protestaktionen vor den DGB-H&auml;usern wie in Berlin am 16. September und Zwischenkundgebungen der Montagsdemos vor den Gewerkschaftszentralen<\/p>\n<p>  Mobilisierungen vor und vor allem in den Betrieben (am Besten auf Betriebsversammlungen) Mobilisierungaktionen in den Stadtteilen und vor den Arbeits&auml;mtern<\/p>\n<p>  <i>Sozialistische Alternative, SAV &#8211; Berlin, 21. September 2004<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Stand der Anti-Hartz-Bewegung und der politischen Lage nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg<br \/>\n <i>SAV-Stellungnahme vom 21. 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