{"id":10989,"date":"2004-09-10T08:27:53","date_gmt":"2004-09-10T08:27:53","guid":{"rendered":".\/?p=10989"},"modified":"2004-09-10T08:27:53","modified_gmt":"2004-09-10T08:27:53","slug":"10989","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/09\/10989\/","title":{"rendered":"Absage an der Saar"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Landtagswahl im Saarland erteilten die Menschen den Agenda-Parteiensystems eine klare Absage<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nDer neoliberale Einheitsbrei der Agenda-Parteien hat in der Bev&ouml;lkerung immer weniger R&uuml;ckhalt &#8211; bei der saarl&auml;ndischen Landtagswahl vom 5. September setzte sich diese seit Jahren zu beobachtende und sich stetig verst&auml;rkende Entwicklung weiter fort. Bei der ersten Landtagswahl seit dem Beginn der sozialen Proteste gegen Hartz IV und die anderen Zumutungen der herrschenden Parteien ging die Wahlbeteiligung von 68,7 Prozent auf nur noch 55,5 Prozent zur&uuml;ck und lag damit noch unter der Wahlbeteiligung im Saarland bei der Europawahl vom Juni diesen Jahres mit 57,2 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der ung&uuml;ltigen Stimmen bei der Landtagswahl von 1,4 Prozent auf 2,5 Prozent. Tats&auml;chlich haben also nur 53 Prozent der Wahlberechtigten einen Sinn darin gesehen, einer der angetretenen Parteien ihre Stimme zu geben ? f&uuml;r 47 Prozent stellte keine der auf dem Stimmzettel aufgef&uuml;hrten Parteien eine akzeptable Wahl dar. <\/p>\n<p> Einen gigantischen Absturz erlebte erneut die SPD ? in ihrer einstiegen Hochburg fiel die Schr&ouml;derpartei von 44,4 % auf 30,8 % zur&uuml;ck. Damit setzt sich der Niedergang der Sozialdemokraten fort: In ihren ?Stamml&auml;ndern? wird die SPD zur 30-Prozent-Partei. Allerdings nur dank des Umstandes, da&szlig; keine Wahlalternative auf dem Stimmzettel stand ? w&auml;re dies der Fall gewesen, w&auml;re die Wahlbeteiligung bedeutend h&ouml;her und der SPD-Anteil noch erheblich geringer ausgefallen. Die CDU konnte sich zwar prozentual leicht verbessern, verlor aber im Vergleich zur Landtagswahl 1999 fast 50.000 W&auml;hlerInnen. Dank der niedrigen Wahlbeteiligung schafften Gr&uuml;ne und FDP die R&uuml;ckkehr in den Landtag. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">PDS keine Alternative <\/span><\/p>\n<p> Die PDS erhielt 2,3 Prozent der Stimmen und schnitt entt&auml;uschend ab, im Vergleich zur Europawahl konnte sie nur knapp 1.400 W&auml;hlerInnen hinzugewinnen. Obwohl die Partei mediengerecht versucht, von den Protesten gegen die Sozialraubpolitik zu profitieren, wird sie doch kaum als Alternative angesehen. Das kann auch nicht &uuml;berraschen ? steht doch die reale Regierungspraxis der PDS in Mecklenburg-Vorpommern und gerade in Berlin im krassen Widerspruch zu ihren verbalen Protesten gegen Hartz IV und Agenda 2010. In den beiden Bundesl&auml;ndern, in denen die PDS jeweils in Koalitionen mit der SPD regiert, beteiligt sie sich flei&szlig;ig an den K&uuml;rzungs- und Sozialrauborgien. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Neonazis erstarken <\/span><\/p>\n<p> Einen beachtlichen Erfolg konnte die neofaschistische NPD verbuchen. Mit 17.584 Stimmen erreichte die NPD 4,0 Prozent, ihren h&ouml;chsten Stimmenanteil bei einer bundesdeutschen Landtagswahl seit 1968. Bei der Europawahl im Juni hatten im Saarland die NPD 7.302 Stimmen (1,7%), die ?Republikaner? 5.504 Stimmen (1,3%) und die ?Deutsche Partei? 1.123 Stimmen (0,3%) erreicht, zusammen also 13.929 Stimmen (3,3%). In den ?Wahlanalysen? nach der Landtagswahl wurde behauptet, haupts&auml;chlich Erwerbslose h&auml;tten die NPD gew&auml;hlt ? der Stimmenanteil der NPD bei den Erwerbslosen, so wurde behauptet, h&auml;tte bei 14 Prozent gelegen. Diese Darstellung ist freilich nicht den Fakten entsprechend. Tats&auml;chlich lag der NPD-Anteil nicht bei ?den Erwerbslosen?, sondern bei den zur Wahl gegangenen Erwerbslosen bei 14 Prozent. Vergessen werden darf hier aber nicht, da&szlig; gerade die am derzeit massivsten betroffenen Opfer der Sozialraubpolitik, also z.B. die Erwerbslosen, den Wahlen fernbleiben. Real d&uuml;rfte der NPD-Anteil hier bei 5 bis 6 Prozent gelegen haben ? immer noch viel zu hoch, aber eben keine 14 Prozent. Ihr Rekordergebnis fuhr die NPD erwartungsgem&auml;&szlig; in V&ouml;lklingen ein, wo sie ? wie bei den Europa- und Kommunalwahlen ? auf rund 10 Prozent der abgegebenen g&uuml;ltigen Stimmen kam. In der ehemaligen Stahlarbeiterstadt lag die Wahlbeteiligung mit 51 Prozent deutlich unter dem Landesdurchschnitt. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">Hysterische Beschimpfungen <\/span><\/p>\n<p> Die Reaktionen der Sozialraubpolitiker auf ihre Niederlage fiel erwartungsgem&auml;&szlig; aus. Gerade Vertreter der SPD ergingen sich haupts&auml;chlich in w&uuml;sten Beschimpfungen der Menschen und in zynischen Unterstellungen. So verstiegen sich ma&szlig;gebliche Vertreter der SPD darauf, das die Opfer der herrschenden Politik die Sinnhaftigkeit der ?Reformen? nicht erkennen und verstehen w&uuml;rden, und deshalb nicht mehr SPD w&auml;hlten. Damit setzt gerade die SPD die Beschimpfungen der Opfer ihrer Politik fort, wie sie dies bereits anl&auml;sslich der Monatsdemonstrationen praktiziert. <\/p>\n<p> Als n&auml;chstes stehen am 19. September die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg an. Hier wird eine verst&auml;rkte Fortsetzung der Abwendung der Masse der Menschen vom etablierten Parteiensystem erwartet. Insbesondere die SPD steuert auf noch gr&ouml;&szlig;ere Debakel als bisher schon hin. In Sachsen, dem bev&ouml;lkerungsreichsten der neuen Bundesl&auml;nder, wird sogar ein Absturz der SPD unter die 10-Prozent-Marke m&ouml;glich sein. Zwar verk&uuml;ndet Kanzler Schr&ouml;der mit der Sturheit und der Ignoranz einer tibetanischen Gebetsm&uuml;hle, er w&uuml;rde sich weder von den wachsenden Protesten gegen seine Politik, noch von dem beispiellosen Niedergang seiner Partei beeindrucken lassen. Gleichwohl wird es abzuwarten bleiben, ob die Stellung von Schr&ouml;der tats&auml;chlich so unantastbar ist, wie er verk&uuml;ndet. Gerade wenn auch bei den nordrhein-westf&auml;lischen Kommunalwahlen am 26. September ? die als wichtiger Test f&uuml;r die Landtagswahl im Mai 2005 in dieser ehemaligen SPD-Hochburg gilt ? sich das absehbare Ergebnis einstellen wird, werden wohl einige Fragen offen gestellt werden. <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold; color: rgb(204, 0, 0);\">F&uuml;r eine Alternative <\/span><\/p>\n<p> Die Saarlandwahl hat erneut gezeigt: Die Menschen erkennen im immer gr&ouml;&szlig;eren Umfang die Perspektivlosigkeit der herrschenden Sozialraubpolitik, die die Lebensverh&auml;ltnisse im Interesse der Profitsteigerung der Banken, Konzerne und der Reichen immer weiter verschlechtern, die die Reichen immer reichen und die Armen immer &auml;rmer macht. Und sie fangen an sich zu wehren. Ob wie am 1. November in Berlin, als 100.000 Menschen gegen die ?Sozialpolitik? der Bundesregierung demonstrierten, ob wie am 3. April, als in Berlin, K&ouml;ln und Stuttgart &uuml;ber 500.000 Menschen gegen die Agenda 2010 auf die Stra&szlig;e gingen, ob jeden Montag, an dem sich immer mehr Menschen in immer mehr St&auml;dten an der Montagsdemonstrationsbewegung beteiligen. Eine weitere Konsequenz aus der Saarland-Wahl mu&szlig; jetzt auch sein, die bereits langsam anlaufende Diskussion um den Wahlantritt der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) bei den nordrhein-westf&auml;lischen Landtagswahlen im kommenden Mai verst&auml;rkt und produktiv fortzusetzen. Gerade auch in NRW ? und dies werden die Kommunalwahlen am 26. September in diesem bev&ouml;lkerungsreichsten Bundesland erneut zeigen ? wie gro&szlig; das Bed&uuml;rfnis und die politische Notwendigkeit nach einer w&auml;hlbaren Alternative zu den etablierten Agenda-Parteien ist. Jetzt muss es darum gehen, diese Bewegung zu st&auml;rken, den Widerstand gegen die Angriffe auf die Lebensverh&auml;ltnisse der Erwerbslosen zu verbinden mit den K&auml;mpfen um eine Verbesserung der Arbeitsbedienungen der Erwerbst&auml;tigen, der Jugend f&uuml;r eine Zukunft mit Perspektive, der Rentnerinnen und Rentner f&uuml;r eine gesicherte und sozial gerechte Sicherung im Alter. Der Kampf gegen Hartz IV muss verbunden werden mit dem Kampf gegen die gesamte ?Agenda 2010?, gegen ?Gesundheitsreform? und andere Schweinereien von oben. Und diese K&auml;mpfe m&uuml;ssen verbunden werden mit dem Aufbau der Wahlalternative ASG auf der Grundlage von demokratischen und transparenten Strukturen, damit sie die au&szlig;erparlamentarischen und betrieblichen K&auml;mpfe unterst&uuml;tzen und mittragen kann, und so zu einer wichtigen Teil der wirkungsvollen Antwort auf die herrschende Politik wird. Nur in Verbindung mit den realen K&auml;mpfen der Menschen kann die Wahlalternative von unten aufgebaut werden und muss es auch, will sie nicht nur Makulatur und zum trojanischen Esel der Schr&ouml;der-Regierung werden. <\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">von J&ouml;rg Fischer, Berlin\/K&ouml;ln<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Landtagswahl im Saarland erteilten die Menschen den Agenda-Parteiensystems eine klare Absage<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10989"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10989"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10989\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10989"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10989"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10989"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}