{"id":10985,"date":"2004-09-07T08:55:25","date_gmt":"2004-09-07T06:55:25","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10985"},"modified":"2012-06-24T16:00:17","modified_gmt":"2012-06-24T14:00:17","slug":"10985","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/09\/10985\/","title":{"rendered":"Brasilien ? Neue Linkspartei gegr?ndet"},"content":{"rendered":"<p>Brasiliens PT-Regierung unter der F?hrung von Luis In?cio da Silva ? Lula ? hat eine neoliberale Offensive gegen die Arbeiterklasse begonnen. Aus Opposition dazu haben sich linke AktivistInnen von der PT abgespalten und die Partei f?r Sozialismus und Freiheit gegr?ndet; ein wichtiger Schritt hin zum Aufbau einer neuen Arbeiterpartei. <!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nW&auml;hrend seines Brasilienbesuchs diskutierte Peter Taaffe mit einem der F&uuml;hrer der neuen Partei, Jo&atilde;o Babatista (weithin bekannt als Bab&aacute;). Er ist einer der vier Abgeordneten der Partei und sprach k&uuml;rzlich bei den Sozialismustagen 2004 der Socialist Party in London.<br \/> Im April ? zur gleichen Zeit, als US-Streitkr&auml;fte Falludscha angriffen ? belagerte der brasilianische Staat die Favelas (Slums) von Rio de Janeiro. 1.200 Polizeibeamte besetzten Rocinha. Es gab Hinweise, die Regierung von Rio setze die Armee ein und w&uuml;rde eine Mauer bauen, die die Favelas in ?lebende Friedh&ouml;fe ? als Denkmal der Trennung und Ungleichheit? (Financial Times) verwandeln soll.  <\/p>\n<div id=\"Bereich1\">Diese scheinbar zusammenhangslosen Ereignisse, getrennt durch Tausende Meilen, verweisen in Wirklichkeit darauf, dass sich die Probleme auf der Grundlage des Kapitalismus, mit seiner Spirale von immer gr&ouml;&szlig;erer Gewalt und Armut f&uuml;r die Massen der neokolonialen Welt, schwer in den Griff kriegen lassen: Brutale Unterdr&uuml;ckung und das wahllose Abschlachten von ZivilistInnen im Irak so wie eine Art Berliner Mauer, um die verarmten BewohnerInnen von Brasiliens Favelas wegzusperren. <br \/> Im Fall von Rio wurde f&uuml;r die Polizei- und m&ouml;gliche Milit&auml;rintervention ein Bandenkrieg zwischen konkurrierenden Drogenbanden als Grund vorgeschoben. Dieser Bandenkrieg ist jedoch selbst das Ergebnis der massiven Spaltung zwischen Reichen und Armen, die das ?moderne? Brasilien kennzeichnet:<span style=\"font-style: italic;\"> ?Brasilien hat eine der ungleichsten Einkommensverteilungen der Welt.?<\/span> (Financial Times). In den Favelas k&ouml;nnen Kinder mit Drogenhandel den f&uuml;nf- oder zehnfachen Mindestlohn verdienen, und es gibt keine anderen nennenswerten Arbeitsm&ouml;glichkeiten. Manche Sch&auml;tzungen besagen, dass Drogenbanden 25% des Gesamthandels in der Stadt kontrollieren. <br \/> Die daraus resultierende Spirale der Gewalt zeigte sich in dem barbarischen Aufstand und den Toten in Rios Gef&auml;ngnissen im Mai. Der f&uuml;hrende revolution&auml;re Intellektuelle Chico de Oliveira prangerte diese Ereignisse in einer Rede w&auml;hrend der Gr&uuml;ndungskonferenz der Partido Socialismo e Liberdade (P-SOL ? Partei des Sozialismus und der Freiheit) als einen Ausdruck der ?Barbarei? der kapitalistischen Gesellschaft an. Auf dieser turbulenten Konferenz erkl&auml;rte Oliveiro des Weiteren unter Beifall, dass dieses Jahrhundert <span style=\"font-style: italic;\">?sozialistisch oder nichts sein werde?<\/span>, in Anlehnung an Rosa Luxemburgs ber&uuml;hmten Satz ?Sozialismus oder Barbarei?, als der letzten Wahl, vor der die Menschheit steht. Die Bildung der P-SOL gr&uuml;ndet sich zum Einen auf der Sackgasse des Kapitalismus, zum Anderen auf der Kapitulation der F&uuml;hrer ehemaliger Arbeiterparteien vor dem Kapital, wie beispielsweise Blair in Gro&szlig;britannien und Lula in Brasilien. <br \/> Die P-SOL bildete sich sehr schnell: kaum 15 Monate, nachdem Lulas Regierung der Partido dos Trabalhadores (PT, Arbeiterpartei) an die Macht gekommen war. Dies spiegelt das Tempo von Desillusionierung, Bitterkeit und Wut &uuml;ber den Verrat dieser Regierung an der Arbeiterklasse und den Armen Brasiliens wider. Der Ausl&ouml;ser f&uuml;r die Bildung der P-SOL, die m&ouml;glicherweise eine gewaltige Bedeutung f&uuml;r die Arbeiterklasse Brasiliens und Lateinamerikas insgesamt haben wird, war der Ausschluss von vier Abgeordneten, die die Konterreformen von Lulas Regierung ablehnten. <br \/> Diese Abgeordneten ? Helo&iacute;sa Helena, Jo&atilde;o Fontes, Luciano Genro und Jo&atilde;o Babatista (weithin bekannt als Bab&aacute;) ? waren die Katalysatoren f&uuml;r die Bildung der Partei, die ein gro&szlig;es Echo unter ArbeiterInnen und der radikalisierten Jugend fand. In den regionalen und Stadtversammlungen, die zur Bildung dieser Partei f&uuml;hrten, nahmen 20.000 Menschen teil. <\/div>\n<div id=\"Bereich2\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Lateinamerika zu verkaufen<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"Bereich3\"> Bei einem Besuch in London ? wo er auf den sehr erfolgreichen Sozialismustagen 2004 der Socialist Party von England und Wales sprach ? erkl&auml;rte Bab&aacute; den Hintergrund der Bildung der P-SOL. <span style=\"font-style: italic;\">?40 Millionen Menschen leben in Armut, manche in allerschlimmster Armut, und 20 Millionen leben von weniger als 20 Dollar im Monat. Die PT kam aus den Tiefen der Arbeiterklasse. Sie wurde aus gro&szlig;en betrieblichen K&auml;mpfen heraus gebildet ? Lula war ein bedeutender Gewerkschaftsf&uuml;hrer der Metallarbeiter ? und sie wurde bezeichnenderweise in einer Arbeiterhochburg von S&atilde;o Paulo gegr&uuml;ndet. Wie weit sich die PT und ihre F&uuml;hrung von diesen Wurzeln entfernt hat, wurde offensichtlich, als ich und die anderen Abgeordneten in einem Nobelhotel in Brasilia aus der Partei ausgeschlossen wurden. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Nach der Gr&uuml;ndung der PT wurde 1984 die Bewegung der landlosen ArbeiterInnen Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra (MST) gegr&uuml;ndet. Welche Opfer der Aufbau von PT und MST forderte, l&auml;&szlig;t sich erahnen, wenn allein in meiner Region 800 AktivistInnen in ihrem Kampf zum Aufbau dieser Organisationen get&ouml;tet wurden. <\/span> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Nach der Niederlage der PT bei den Wahlen 1989 und den Ver&auml;nderungen der weltpolitischen Lage wurde diese erste heroische Phase der Beteiligungen an den sozialen K&auml;mpfen abgel&ouml;st von einer vorsichtigeren Herangehensweise durch die F&uuml;hrung und einer Hinwendung vor allem zur Wahlebene. Wir mussten sieben Jahre die neoliberale Politik der Cardoso-Regierung erdulden. &Uuml;ber lange Zeit gab es in Brasilien mehr Widerstand gegen Privatisierung als beispielsweise in Argentinien. Dort unterst&uuml;tzten die rechten Gewerkschaftsf&uuml;hrer den Privatisierungsprozess und 60% der Industrien wurden dem Privatsektor ausgeh&auml;ndigt. Letztendlich privatisierte Cardoso auch in Brasilien 70% der staatseigenen Betriebe.? <\/span><br \/> Ganz Lateinamerika wurde einem Ausverkauf seiner wertvollen Natursch&auml;tze unterworfen, oft an imperialistische Firmen aus dem Ausland. K&uuml;rzlich kommentierte das Newsweek-Magazin: <span style=\"font-style: italic;\">?Energie ist ein emotionales Thema in Lateinamerika, wo &Ouml;l- und Gasreserven ebenso Teile des nationalen Erbes sind wie vorkolumbianische Kunstwerke.?<\/span> Historisch hat das riesigen Widerstand gegen den Ausverkauf dieser Naturressourcen und die Vergabe g&uuml;nstiger Extra-Ausbeutungsbedingungen gegen&uuml;ber den ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen des Kontinents bedeutet. <br \/> Dies f&uuml;hrte in der Vergangenheit zur Verstaatlichung wichtiger Energie- und anderer Branchen: Mexiko verstaatlichte seine &Ouml;lindustrie, indem es 1938 die US- und britischen Firmen in den Besitz der &ouml;ffentlichen Hand zur&uuml;ckf&uuml;hrte und in seiner Verfassung immer noch jede Auslandsinvestitionen in der &Ouml;l- und Gasproduktion verbietet. Trotzdem versuchte der rechte Pr&auml;sident Vincente Fox die Enegieerzeugungs- und petrochemischen Industrien f&uuml;r private Investoren zu &ouml;ffnen, was jedoch vom mexikanischen Kongress blockiert wurde. Fox sucht weiter Mittel und Wege das zu umgehen; so beteiligt er private imperialistische Firmen bei der ?Erkundung und Produktion?, deren Kosten werden durch den Staat erstattet. In anderen s&uuml;damerikanischen L&auml;ndern ging dieser Prozess viel weiter. <br \/> In Bolivien zum Beispiel wurde 1996 ein 51%-Anteil am Gassektor an ausl&auml;ndische Konzerne wie Royal Dutch Shell und Spaniens Repsol-YPF verkauft. Trotz gegenteiliger Versprechungen brachte das weder dem bolivianischen Staat noch den Massen irgendeinen Nutzen. 2003 l&ouml;ste der Versuch des bolivianischen Pr&auml;sidenten, den Export von Erdgas nach Kalifornien und Mexiko zu organisieren, einen Massenaufstand aus, der zu seinem R&uuml;cktritt kaum 14 Monate nach seinem Amtsantritt f&uuml;hrte. Jetzt gibt es die erste Volksabstimmung in der Geschichte des Landes zur Erdgaspolitik, bei der ein Arbeiterf&uuml;hrer erkl&auml;rte: ?Das Volk fordert, dass das Gas von den transnationalen Konzernen zur&uuml;ckgeholt wird?. <br \/> Argentinien, wo die Privatisierung weiter fortgeschritten ist, steht, angesichts des nahen Winters, vor Engp&auml;ssen bei der Gasversorgung. Dies hat R&uuml;ckwirkungen auf Chile und Uruguay, die Energieexporte aus Argentinien erhalten. Kein Wunder, dass ?Newsweek? &uuml;ber die <span style=\"font-style: italic;\">?wachsende Unzufriedenheit mit der Privatisierung der Energieressourcen in ganz Lateinamerika?<\/span> klagt. Aber diese Stimmung gibt es nicht nur beim Thema Energie, sondern bei den Themen Privatisierung und Neoliberalismus im Allgemeinen, die nunmehr weithin bei den Massen als Katastrophe gesehen werden. <\/div>\n<div id=\"Bereich4\"> <span style=\"font-weight: bold;\">PT-Verrat<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"Bereich5\"> Wie Bab&aacute; kommentiert, setzte die Lula-Regierung das neoliberale Programm des Vorg&auml;ngers Cardoso sogar verst&auml;rkt fort: <span style=\"font-style: italic;\">?Statt die zuvor geweckten politischen und sozialen Erwartungen der Massen zu befriedigen, ging Lula in die entgegengesetzte Richtung. Er hat sich mit den S&auml;ulen des internationalen Kapitalismus umgeben. Den Pr&auml;sidenten-Posten der brasilianischen Bank besetzt der fr&uuml;here Chef der Bank of Boston, der nun Lulas rechte Hand ist. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Bevor er an die Macht kam, versprach er, zehn Millionen neue Jobs zu schaffen, aber in den letzten anderthalb Jahren kam es zu einem katastrophalen Verlust von einer Million Jobs. Zum Beispiel liegt die Arbeitslosigkeit in S&atilde;o Paulo bei 20% und der eklatante Jobmangel zwingt mittlerweile 60% der brasilianischen Besch&auml;ftigten zur Arbeit im ?informellen Sektor?. Lula hat die Diktate des IWF vollst&auml;ndig akzeptiert , was sich an seiner Bereitschaft zeigt, die Schulden und 50 Milliarden Dollar Zinsen an imperialistische Banken und Firmen zu zahlen. 2003 verwendete die Regierung 54,61% des Haushalts f&uuml;r den Schuldendienst. Nicht einmal Cardoso gab so viel daf&uuml;r aus. Und dies zu einer Zeit, in der Pr&auml;sident Kirchner in Argentinien 2003 den Schuldendienst teilweise einstellte.? <\/span><br \/> Die Last der Auslandsschulden und ihre Wirkung auf den Lebensstandard in Brasilien ist den ArbeiterInnen durchaus bewusst. F&uuml;r das Welt Sozial Forum in Mumbai erstellte der Verband der Steuer- und Finanzbesch&auml;ftigten der brasilianischen Bundesregierung ein Dokument ? sowohl detaillierter Bericht, als auch flammende Anprangerung ? das die massive Last offenbart, die der Arbeiterklasse und den Armen Brasiliens durch die Schulden auferlegt wird. Bab&aacute; erkl&auml;rt, wie die Stimmung sich seit der Wahl Lulas ver&auml;nderte: <span style=\"font-style: italic;\">?Als Lula gew&auml;hlt wurde, bekam er einen beispiellosen Empfang durch die Massen. In der Wahl 2002 (er trat das Amt Anfang 2003 an) bekamen die PT und Lula mehr Stimmen als Bush bei seiner Wahl ? 52 Millionen Stimmen. Die Zustimmungsquote stieg auf 80%. Diese ist mittlerweile scharf zur&uuml;ckgegangen. Im Juni fiel die Popularit&auml;tsquote der Regierung auf ihren bisher niedrigsten Stand mit 29,4% ? nicht &uuml;berraschend, angesichts der R&uuml;ckz&uuml;ge und des Verrats der Regierung. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Niemand bekommt dies mehr zu sp&uuml;ren als die Millionen Landloser. Lula versprach, die Forderungen der MST nach einer Million Ansiedlungen bis 2006 zu erf&uuml;llen, aber dies wird ein ferner Traum bleiben, wenn man es der Regierung &uuml;berl&auml;sst. Ende 2003 waren nur 13.000 Familien angesiedelt geworden ? dies liegt weit unter den 60.000 Ansiedlungen, die die Regierung versprochen hatte. Es liegt auch noch unterhalb der 120.000 Ansiedlungen, die die MST f&uuml;r 2003 gefordert hatte. Dies hat die Landlosen nicht von Landbesetzungen abgehalten, die oft von der MST, aber auch von anderen, organisiert wurden. Dabei kam es zu Zusammenst&ouml;&szlig;en mit den Gro&szlig;grundbesitzern und deren bewaffneten Kr&auml;ften, in deren Verlauf ArbeiterInnen get&ouml;tet und AktivistInnen unter einer PT-gef&uuml;hrten Regierung eingesperrt wurden. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">W&auml;hrend dieser Vorg&auml;nge versucht Lula, die 5.000 reichsten Familien im Land zu beschwichtigen, deren Reichtum so gro&szlig; wie 45% des Bruttosozialprodukts des Landes ist. Einer der bedeutsamsten j&uuml;ngsten Konflikte ? die einen entscheidenden Faktor bei der Bildung der neuen Partei darstellten ? war Lulas Angriff auf die 600.000 Bundesangestellten. Er schm&auml;hte sie als ?privilegiert?, als er das Rentenalter erh&ouml;hte und versuchte alle ihre Errungenschaften der Vergangenheit zu untergraben. Historisch betrachtet spielten eben jene ArbeiterInnen eine entscheidende, vielleicht die wichtigste Rolle bei der Bildung der PT. Genau die Kraft, die half sie ? die PT und die Lula-Regierung ? zu schaffen, wird jetzt brutal angegriffen. Folglich bildeten viele von ihnen eine wichtige Basis f&uuml;r die neue Partei. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">?Diese ?Reform? wurde urspr&uuml;nglich von dem fr&uuml;heren Pr&auml;sidenten Cardoso vorgeschlagen und von der PT abgelehnt, die jetzt eine v&ouml;llige Kehrtwende in dieser und in vielen anderen Fragen macht, die die t&auml;gliche Existenz der Arbeiterklasse betrifft. Die Durchschnittsl&ouml;hne fielen, die Wirtschaft schrumpfte letztes Jahr um 0,2% und im ersten Teil dieses Jahres war zwar ein gewisses Wachstum zu verzeichen, das jedoch durch das Wachstum der Bev&ouml;lkerung aufgefressen wurde?.<\/span> <\/div>\n<div id=\"Bereich6\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Schlimmste Armut, obsz&ouml;ner Reichtum<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"Bereich7\"> Selbst die Zeitschriften des internationalen Gro&szlig;kapitals, wie die Financial Times, k&ouml;nnen gelegentlich lebendige Beispiele f&uuml;r die entsetzliche Armut geben, unter der die Massen in Brasilien leiden:<span style=\"font-style: italic;\"> ?Maria do Carmen holt Trinkwasser aus einer schlammigen Quelle in Acaua, einer abgelegenen staubigen Stadt in nord&ouml;stlichen brasilianischen Bundesstaat Piaui, wozu sie einen alten Farbbeh&auml;lter verwendet. Ihre vier Kinder haben Dysenterie (Ruhr); sie essen eine Mahlzeit am Tag aus Reis und Bohnen. Sie helfen ihrem Vater beim H&uuml;ten einer Herde Ziegen, von denen die H&auml;lfte w&auml;hrend der letzten Trockenheit starb.?<\/span> Millionen mangelt es am Lebensnotwendigen, wie ausreichender Ern&auml;hrung, einem Dach &uuml;ber dem Kopf, &#8230;<span style=\"font-style: italic;\"> ?im Unterschied dazu zahlen reiche Familien in S&atilde;o Paulo den Gegenwert von drei Monatseinkommen von Frau do Carmen, um ihre Haustiere zu pflegen.? <\/span><br \/> Die Zeitschriften des Kapitals beklagen zwar diese Bedingungen, nehmen aber praktisch den Standpunkt der Bibel ein: ?Die Armen werden immer unter uns sein?. Was f&uuml;r sie z&auml;hlt, sind die Interessen der sogenannten ?Wohlstandserzeuger?, der Kapitalisten, die unter modernen Bedingungen, besonders in der neokolonialen Welt, ein v&ouml;llig parasit&auml;res Leben f&uuml;hren. Unter ihrer Leitung findet tats&auml;chlich ein R&uuml;ckgang der Produktion statt, w&auml;hrend sie fett werden und die Armen in eine Katastrophe geraten. <br \/> Die Spirale des Niedergangs wiederum, hat in ihrem Gefolge eine schockierende soziale Krise erzeugt, die sich in einer Zunahme der Raub&uuml;berf&auml;lle um 11% widerspiegelt und darin, dass junge Schwarze in Brasilien h&auml;ufiger get&ouml;tet werden als in Kolumbien. Die Mordrate ist die f&uuml;nfth&ouml;chste der Welt und wie Bab&aacute; betonte:<span style=\"font-style: italic;\"> ?zweitausend junge Leute sind in den letzten zwei Jahren ermordet worden.?<\/span> Gleichzeitig stellen die Krankenh&auml;user mehr F&auml;lle von Verbrennungen fest; da die Menschen gezwungen sind zu sparen, greifen sie auf billige Energiequellen wie Alkohol zur&uuml;ck. <br \/> Bab&aacute; kommentiert weiter: <span style=\"font-style: italic;\">?Vor diesem Hintergrund hat Lula die Befehle des Kapitals ausgef&uuml;hrt, sowohl international als auch innenpolitisch. Er wird von Bush und Blair bewundert und bot sogar die Verwendung brasilianischer Truppen auf Haiti als Ersatz f&uuml;r US-Truppen an, die dann gegen irakische ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen eingesetzt werden k&ouml;nnen. Obendrein war die PT-Regierung jetzt in drei Korruptionsskandale verwickelt, die ihr einst sauberes Banner befleckten. Ein Korruptionsfall war der sogenannten ?Vampir-Skandal?; PT-Vertreter waren in den Kauf und Verkauf von Blut verwickelt. Lula selbst kaufte obsz&ouml;nerweise einen neuen Pr&auml;sidentenjet zum Preis von 70 Millionen Dollar mit einem speziellen holzget&auml;felten Badezimmer, w&auml;hrend gleichzeitig der monatliche Mindestlohn um kl&auml;gliche 6 Dollar erh&ouml;ht wurde. Die Bitternis und Wut &uuml;ber diesen Verrat durch die Lula-Regierung f&uuml;hrte uns, die vier Abgeordneten dazu, gegen die Regierung zu stimmen, was zu unserem Ausschluss aus der PT f&uuml;hrte. Dies wiederum f&uuml;hrte zur Schaffung der neuen Partei, in die wir gro&szlig;e Hoffnungen setzen.?<\/span> <\/div>\n<div id=\"Bereich8\"> <span style=\"font-weight: bold;\">Die neue Partei<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"Bereich9\"> Wer ist an der Bildung der Partei beteiligt? <span style=\"font-style: italic;\">?Die vier Abgeordneten spielten nat&uuml;rlich eine Schl&uuml;sselrolle?<\/span>, erkl&auml;rt Bab&aacute;, <span style=\"font-style: italic;\">?besonders Helo&iacute;sa Helena, die bei den Massen sehr popul&auml;r ist. Sie unterst&uuml;tzte die neue Partei, bei der sie als Katalysator wirkte, in besonders mutiger Weise, auch als sie in Opposition zu ihrer eigenen Organisation, der Democracia-Socialista-(DS)-Tendenz, ging. Die Mehrheit der DS lehnte zwar die Partei-Ausschl&uuml;sse ab, unterst&uuml;tzte bis jetzt jedoch nicht die Bildung der neuen Partei und blieb in der PT. Obendrein gibt es zehn DS-Abgeordnete, die immer noch der PT anh&auml;ngen und die Regierung unterst&uuml;tzen. <\/span> <br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Wie allgemein bekannt, ist einer ihrer Mitglieder Miguel Rossetto, der Minister f&uuml;r landwirtschaftliche Entwicklung in der prokapitalistischen Lula-Regierung, unter der Angriffe auf die Landlosen stattfanden, die versucht hatten, Land zu besetzen. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Eine Reihe trotzkistischer Organisationen waren an der Errichtung der Partei beteiligt. Zu diesen geh&ouml;ren die Corrente Socialista dos Trabalhadores (CST<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> ?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> Sozialistische Str&ouml;mung der ArbeiterInnen), die Movimento Esquerda Socialista (MES <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> Linkssozialistische Bewegung), Socialismo Revolucion&aacute;rio (Revolution&auml;rer Sozialismus <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> CWI Brasilien), P&oacute;lo de Resist&eacute;ncia Socialista (PRS <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> Pol des Sozialistischen Widerstands), die Movimento Terra, Trabalho e Liberdade (MTL <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> Bewegung f&uuml;r Land, Arbeit und Freiheit) und Liberdade Vermelha (LV <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> Rote Freiheit). Es gibt ein paar sehr wichtige linke und revolution&auml;re Intellektuelle und eine bedeutende Schicht von ArbeiterInnen, die keiner Organisation angeh&ouml;ren.?<\/span> <br \/> Was ist das Programm der P-SOL? <span style=\"font-style: italic;\">?Das Programm der Partei ist &auml;u&szlig;erst radikal und revolution&auml;r. Es fordert einen ?revolution&auml;ren Bruch mit dem Kapitalismus?, greift Kapitalismus und Imperialismus an, die die Menschheit in eine globale Krise f&uuml;hren. Es fordert auch die Notwendigkeit, dass in der neuen Partei Sozialismus und Demokratie als strategische Prinzipien verbunden und auf einer neuen Grundlage aufgebaut werden m&uuml;ssen, mit einer ?Strategie f&uuml;r Sozialismus? als einem fundamentalen Aspekt des Programms. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Es ist wichtig, dass es ?die Erfahrungen der totalit&auml;ren und stalinistischen Regime angreift? und die ?Kapitulation vor der bestehenden Ordnung im Stile des dritten Weges der Sozialdemokratie? zur&uuml;ckweist. In einem Punkt zur Demokratie erkl&auml;rt es speziell: ?Sozialismus kann nicht von Demokratie und Freiheit abgekoppelt werden ? wir brauchen breite Meinungsfreiheit und lehnen das Einparteienmodell ab?. Als richtiger Ausdruck der Stimmung des brasilianischen Volkes steht es auch f&uuml;r den Bruch mit dem Imperialismus und erkl&auml;rt, dass es keine Unabh&auml;ngigkeit oder Souver&auml;nit&auml;t ohne einen Bruch mit der imperialistischen Herrschaft geben kann, die wiederum einen Bruch mit dem Kapitalismus bedeutet?.?<\/span> <\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Hin zu einer Massenarbeiterpartei<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"Bereich10\"> Dieses Programm steht links von denen anderer Linksparteien, die im letzten Jahrzehnt gegr&uuml;ndet wurden, selbst links von jenem der Rifondazione Comunista in Italien, als diese erstmals 1991 gebildet wurde. Gleichzeitig ist die Partei keine vollst&auml;ndige revolution&auml;re trotzkistische Partei, da zu ihr eben auch Leute mit einem zentristischen und sogar linksreformistischen Hintergrund geh&ouml;ren. Sie stellt trotzdem in diesem Stadium einen wichtigen Schritt vorw&auml;rts f&uuml;r die fortgeschritteneren Schichten der Arbeiterklasse dar und bietet alle Aussichten, eine wichtige Waffe f&uuml;r die brasilianische Arbeiterklasse in ihren K&auml;mpfen zu werden. <br \/> Entscheidend, um dies zu erreichen, wird die Organisation betr&auml;chtlicher trotzkistischer und marxistischer Kr&auml;fte innerhalb der Partei sein. <br \/> Ihre Aufgabe ist, der Partei zu helfen, das allgemeine Programm mit speziellen Forderungen ? mit &Uuml;bergangscharakter ? zu den Tagesforderungen der Arbeiterklasse zu verbinden, hinter denen die Idee der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft steht. Chico de Oliveira, der oben erw&auml;hnt wurde, erkl&auml;rte zwar, er sei ein Revolution&auml;r, forderte trotzdem, kurz nach der Gr&uuml;ndungskonferenz der P-SOL, dass Lula sofort ein Ausgabenprogramm einf&uuml;hre, notfalls <span style=\"font-style: italic;\">?Pyramiden baue?<\/span>, um Arbeitspl&auml;tze zu schaffen und das schreckliche Leiden zu mildern, das aus der Arbeitslosigkeit entsteht. Diese Forderung ist nicht falsch. Die Socialist Party fordert ein Programm &ouml;ffentlicher Arbeiten, aber wir stellen es als sozialistische und &Uuml;bergangsforderung auf. Keynesianische &Ouml;konomen schlagen auch vergr&ouml;&szlig;erte Staatsausgaben in einer Rezession vor. Aber die Achillesferse des Keynesianismus, der den Rahmen des Kapitalismus nicht &uuml;berschreitet, ist, dass er letztlich entweder durch betr&auml;chtliches Wachstum finanziert werden muss, was angesichts der Weltlage als auch der innenpolitischen Situation Brasiliens unwahrscheinlich ist, oder durch Besteuerung der Bourgeoisie, wodurch ein Streik des Kapitals riskiert w&uuml;rde. Wenn auf der anderen Seite der Arbeiterklasse Steuern auferlegt werden, w&uuml;rde das den Markt einschr&auml;nken, dadurch Arbeitslosigkeit in anderen Bereichen schaffen und so das ganze Ziel der &Uuml;bung zunichte machen. <br \/> Fragen wie diese ? wie man Forderungen zur Schuldenfrage aufgreift und sie mit den t&auml;glichen Problemen der Arbeiterklasse verbindet ? werden Ursache von Debatten und Diskussionen in der neuen Partei sein. <br \/> Wie sieht Bab&aacute; die innere Organisation von P-SOL?<span style=\"font-style: italic;\"> ?Die Statuten zeigen klar, dass Tendenzen und Gruppen <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> und ebenso Leute, die keiner Tendenz angeh&ouml;ren <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> volles Recht genie&szlig;en, ihre Position innerhalb der Partei auszudr&uuml;cken, so wie ihre Position &ouml;ffentlich, im Rahmen der Statuten, darzulegen. Es gibt viele Fragen, die noch nicht entschieden wurden, beispielsweise wie ParlamentskandidatInnen aufgestellt werden, wie man mit den Geh&auml;ltern von Abgeordneten umgehen wird etc. Es herrscht volle Demokratie innerhalb der Partei, aber auch wir m&uuml;ssen bereit sein, Entscheidungen zu treffen und gem&auml;&szlig; ihnen zu handeln. Am Anfang wurden Entscheidungen durch Konsens und Vereinbarung zwischen Parteien und Tendenzen erreicht, aber wir m&uuml;ssen uns darauf vorbereiten, Entscheidungen auf der Grundlage von Mehrheitsabstimmungen zu treffen.?<\/span> <br \/> Wie sehen Bab&aacute;s Hoffnungen f&uuml;r die Zukunft dieser Partei und der brasilianischen Arbeiterklasse aus? <span style=\"font-style: italic;\">?Ich glaube, wir haben mit der Schaffung dieser Partei einen Durchbruch in Brasilien geschafft. Es geschah sehr schnell, auf Grund der sich rapid &auml;ndernden Lage. Ein Beispiel daf&uuml;r: Anfang 2003, gerade nach Lulas Wahl, kamen 40.000, um ihn in Brasilia willkommen zu hei&szlig;en. Dies zeigte die gro&szlig;e Begeisterung und die gro&szlig;en Erwartungen der Massen. K&uuml;rzlich, auf der Beerdigung von Leonel Brizola (F&uuml;hrer der PDT <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> Partido Democr&aacute;tico Trabalhista) hier in Rio, waren 10.000 da und die meisten von ihnen buhten Lula aus. Als jedoch Helo&iacute;sa Helena ankam, jubelte ihr die Menge zu. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Die explosive wirtschaftliche und soziale Lage in Brasilien kann klar zum Wachstum der neuen Partei f&uuml;hren. Es wird viele Probleme, Debatten und Diskussionen geben, aber diese Partei beginnt auf einem bereits h&ouml;heren politischen Niveau als die PT bei ihrer Gr&uuml;ndung. Obendrein kann sie ein Beispiel f&uuml;r die ArbeiterInnen in ganz Lateinamerika und vielleicht Europa und dem Rest der Welt werden. Wenn sie eine Massenbasis aufbaut und an die Macht kommt, wird sie mit dem IWF und Kapitalismus brechen, sich weigern, die Schulden zu zahlen, und den Kampf f&uuml;r sozialistische Ver&auml;nderung f&uuml;hren. <\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <span style=\"font-style: italic;\">Kapitalismus bringt nicht nur Massenvernichtungswaffen hervor, sondern entz&uuml;ndet auch ?wirtschaftliche Bomben? gegen die Massen: Rezessionen und Krisen, die Leben vernichten. Wir m&uuml;ssen dem ein Ende machen <\/span><span style=\"font-style: italic;\">?<\/span><span style=\"font-style: italic;\"> und die erste Aufgabe ist die Schaffung einer Arbeitermassenpartei. Die Bildung von P-SOL ist ein gro&szlig;er Schritt in diese Richtung.?<\/span> <\/p>\n<p> <span style=\"font-style: italic;\">&Uuml;bersetzung: Wolfram Klein<\/span> <\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brasiliens PT-Regierung unter der F?hrung von Luis In?cio da Silva ? Lula ? hat eine neoliberale Offensive gegen die Arbeiterklasse begonnen. 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