{"id":10971,"date":"2004-09-03T17:35:09","date_gmt":"2004-09-03T17:35:09","guid":{"rendered":".\/?p=10971"},"modified":"2004-09-03T17:35:09","modified_gmt":"2004-09-03T17:35:09","slug":"10971","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/09\/10971\/","title":{"rendered":"Gibt die IG Metall den Fl&auml;chentarifvertrag auf?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Kurswechsel ist dringend n&ouml;tig<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;Der Wind hatte sich gegen die siegesbesoffenen Bosse gedreht! Und jeder wei&szlig;: das Eisen muss man schmieden, solange es hei&szlig; ist: Warum wurden also keine gemeinsamen Gro&szlig;demos mit den anderen erpressten Belegschaften organisiert?&#x93; Das fragen kritische Daimler-KollegInnen aus Mettingen zu Recht in einem Flugblatt nach dem Abschluss bei Daimler. <br \/>  Im Herbst 2003 mobilisierten die IG Metall und andere Gewerkschaften gegen die gesetzliche Aufhebung der Tarifautonomie und f&uuml;r die Verteidigung der Fl&auml;chentarifvertr&auml;ge. Jetzt hebelt die Gewerkschaft zusammen mit den Unternehmern den Tarifvertrag selbst aus. <br \/>  Nach dem Tarifabschluss im Februar hat der IG-Metall-Vorstand so getan, als ob die 35- Stunden-Woche bleibe und unbezahlte Verl&auml;ngerung der Arbeitszeit f&uuml;r ihn Tabu sei. Ein paar Monate sp&auml;ter wurde f&uuml;r 1.400 Siemens- und f&uuml;r 6.000 Daimler-Besch&auml;ftigte die unbezahlte Erh&ouml;hung der Wochenarbeitszeit auf&nbsp; 40 beziehungsweise 39 Stunden vereinbart. <br \/>  Am 19. Juli sagte Berthold Huber in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung &uuml;ber die Erpressung durch Daimler, &#x84;die Wiederholung der Forderung &#x82;wir wollen 500 Millionen von euch&#x91; ist nicht kompromissf&auml;hig. Das ist doch klar.&#x93;&nbsp; Eine Woche sp&auml;ter war klar, dass die IG-Metall-F&uuml;hrung Daimler die 500 Millionen gibt. <br \/>  Allein in Baden-W&uuml;rttemberg wurden laut IG-Metall-Angaben seit dem Tarifabschluss im Februar in 25 Betrieben Abweichungen vom Tarifabschluss nach unten vereinbart. Zwei Tage nach dem erfolgreichen Daimler-Streiktag am 15. Juli wurde zum Beispiel f&uuml;r die Elektrowerkzeugsparte von Bosch ein K&uuml;rzungspaket von sieben Millionen abgeschlossen, inklusive Reduzierung bezahlter Erholzeiten, Wegfall von &Uuml;berstundenzuschl&auml;gen durch Zeitkonten und Wegfall von &uuml;bertariflichen Leistungen.&nbsp; Gleichzeitig wurde mit dem Unternehmerverbandsfunktion&auml;r Stihl f&uuml;r dessen Betrieb ein Erg&auml;nzungstarifvertrag vereinbart (zuschlagsfreie Arbeit an Samstagen, Ausdehnung der Quote der Besch&auml;ftigten mit 40-Stunden-Vertr&auml;gen). <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Einknicken oder k&auml;mpfen?<\/span><\/p>\n<p>  Die IG Metall steht aktuell vor der Alternative, ob sie im H&auml;userkampf der Unternehmer in einem Betrieb nach dem anderen einknickt und den Fl&auml;chentarifvertrag&nbsp; mit zerst&ouml;rt oder ob sie den Kampf aufnimmt. <br \/>  Die Gewerkschaftsf&uuml;hrung und viele Betriebsr&auml;te haben sich bereits entschieden. Die Profit- und Konkurrenzinteressen der Unternehmer sind ihnen wichtiger als die Interessen der Mitglieder. Und entsprechend werden die materiellen Niederlagen f&uuml;r die Belegschaften bei Siemens und Daimler von Peters, Huber und Co als Erfolg verkauft. &nbsp;<br \/>  Es lag auf der Hand, der Erpressungspolitik der Unternehmer die vereinte Kampfkraft der IG Metall entgegenzustellen, zumal in der Woche des Daimler-Streiktags bei Bosch Betriebsversammlungen stattfanden, die den Charakter von Protestkundgebungen annahmen.&nbsp; Doch die Forderung nach einem betriebs&uuml;bergreifenden&nbsp; gemeinsamen Streik in der Region Stuttgart wurde vom IG-Metall-Apparat und von Betriebsratsf&uuml;rsten abgelehnt. <br \/>  Aber zunehmend regt sich Unmut in der IG Metall. Von allen Seiten gab es massive Kritik am Siemens-Abschluss und der IG-Metall-Vorstand wurde aufgefordert, den Erg&auml;nzungstarifvertrag bei Siemens nicht zu genehmigen. Auch bei Daimler reagierten viele AktivistInnen mit Zorn auf den Abschluss. &#x84;Da wurde ohne unser Mandat verhandelt! Das finde ich in h&ouml;chstem Ma&szlig; undemokratisch. Die Vertrauensleute blo&szlig; noch als Abnicker &#x96; so geht das nicht weiter&#x93;, so Vertrauensmann Norbert Matzek aus dem DaimlerChrysler-Werk Mettingen. <br \/>  &#x84;Wenn wir richtig gestreikt h&auml;tten, h&auml;tte der Vorstand schnell&nbsp; einpacken k&ouml;nnen. Die &uuml;blichen Rituale reichen halt nicht mehr. Generalangriffe erfordern Generalstreik&#x93;, bringt es Vertrauensk&ouml;rperleitungs-Mitglied Rolf Trautmann aus dem Werk Mettingen auf den Punkt. <br \/>  Kritische und k&auml;mpferische KollegInnen in der IG Metall m&uuml;ssen sich lautstark daf&uuml;r einsetzen, dass die fortgesetzte Erpressung einer Belegschaft nach der anderen gestoppt wird und zwar durch die gesamte IG Metall. K&auml;mpferische Belegschaften&nbsp; k&ouml;nnten durch Streik ein Signal f&uuml;r einen Kurswechsel von unten geben, auf den sich andere Belegschaften und Gliederungen der IG Metall positiv&nbsp; beziehen k&ouml;nnten. Zurecht ruft Gerhard Kupfer, Betriebsrats-Mitglied bei DaimlerChrysler Bremen Vertrauensleute und Betriebsrat auf, &#x84;sobald Eure Kapitalisten mit irgendwelchen Angriffen kommen, stellt die B&auml;nder und Maschinen sofort ab&#x93;. <br \/>  Solche spontanen Streiks w&auml;ren ebenfalls ein Mittel, um unmittelbare Angriffe abzuwehren und den Druck auf die IG-Metall-F&uuml;hrung und die rechten Betriebsr&auml;te aufzubauen und einen Kurswechsel durchzusetzen. Vor allem aber ist es dringender denn je n&ouml;tig, dass sich kritische und k&auml;mpferische Kolleginnen im Betrieb, vor Ort, regional und bundesweit st&auml;rker als bisher vernetzen und eigene Publikationen herausbringen. Die Initiative zur Vernetzung der Gewerkschaftslinken (IVG) bietet hier gut Ans&auml;tze. <br \/>  Doch eine &uuml;ber das bisher lose Netzwerk der IVG hinaus organisierte und schlagkr&auml;ftige Gewerkschaftsopposition&nbsp; muss aufgebaut werden. Dabei geht es darum, nicht nur gewerkschaftliche Kampfstrategien zu entwickeln, sondern auch eine Perspektive f&uuml;r den Kampf jenseits von Profitproduktion und Konkurrenzkampf aufzuzeigen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Ursel Beck, gewerkschaftspolitische Sprecherin der SAV<\/span><br style=\"font-style: italic;\"> <br \/>  <span style=\"font-weight: bold;\">Ost-West-Spaltung<\/span><br style=\"font-weight: bold;\"> <br \/>  Bei der deutschen Wiedervereinigung akzeptierten die Gewerkschaften, dass im Osten Deutschlands l&auml;nger gearbeitet und weniger verdient wurde. Die Folge: Die L&ouml;hne kamen und kommen &uuml;berall unter Druck, die Standorte werden zunehmend gegeneinander ausgespielt. <br \/>  Der Ost-Metaller-Streik 2003, der von vielen KollegInnen engagiert gef&uuml;hrt wurde, um endlich f&uuml;r gleiche Verh&auml;ltnisse zu sorgen, wurde von West-Betriebsratsf&uuml;rsten und Gewerkschaftssekret&auml;ren (allen voran des jetzigen IG-Metall-Vizes Huber, geduldet aber auch vom heutigen IG-Metall-Chef Peters) verloren gegeben und abgebrochen, gerade als er auch im Westen Wirkung entfaltete. Statt eines gemeinsamen Kampfes in Ost und West damals wirkte die Niederlage danach auf alle Besch&auml;ftigten ob Ost oder West: Die Arbeitgeber f&uuml;hlten sich ermutigt und gingen weiter in die Offensive.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kurswechsel ist dringend n&ouml;tig<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[163],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10971"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10971"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10971\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10971"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10971"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10971"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}