{"id":10948,"date":"2004-08-10T18:25:47","date_gmt":"2004-08-10T16:25:47","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10948"},"modified":"2012-06-24T15:55:30","modified_gmt":"2012-06-24T13:55:30","slug":"10948","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/08\/10948\/","title":{"rendered":"&#x93;Wir versprechen euch &#x96; kommt Hartz IV, geht ihr!&#x93;"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">(Plakat auf der Montagsdemonstration am 9. August in Magdeburg) <\/span><br \/>  Zu den Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n&#x84;Hartz IV, stoppen wir&#x93;, skandierten am 9. August unabl&auml;ssig 5.000 Menschen bei der ersten Rostocker Montagsdemonstration, denn &#x84;der IV. Hartz-Infarkt ist t&ouml;dlich&#x93;, wie auf einem Plakat auf der ersten Montagsdemonstration in Leipzig zu lesen war. <br \/>  Waren am 2. August 13.000 Menschen in Magdeburg, Senftenberg und Dessau gegen das gr&ouml;&szlig;te Verarmungsprogramm der Regierung oder &#x84;den Negativgipfel der Agenda 2010&#x93; auf der Stra&szlig;e, demonstrierten eine Woche sp&auml;ter bereits 15.000 in Magdeburg, 10.000 in Leipzig, 5.000 in Rostock, 4.000 in Dresden, 3.000 in Dessau, 2.500 in Halle und mehrere Hundert oder Tausend in anderen ostdeutschen St&auml;dten. Auch in westdeutschen St&auml;dten kam es zu (weitaus kleineren) Protesten. <br \/>  Innerhalb k&uuml;rzester Zeit entwickelte sich eine k&auml;mpferische prim&auml;r ostdeutsche Protestbewegung, die vielerorts den Anspruch erhebt, so lange jeden Montag zu demonstrieren, &#x84;bis Hartz IV verschwunden ist&#x93; (so die Initiatoren der Demonstration in Magdeburg). Immer wieder erinnerten DemonstrationsteilnehmerInnen, dass sie bereits 1989 jeden Montag auf der Stra&szlig;e waren und dass sie es jetzt wieder sind. Die heutigen Montagsdemos sind dabei ein Ausdruck der zunehmenden explosiven Stimmung, die vor dem Hintergrund der krisenhaften Entwicklung des Kapitalismus existiert. <br \/>  So war die Stimmung k&auml;mpferisch und von einer Wut auf &#x84;die da oben&#x93; gepr&auml;gt. In Leipzig meinte eine &auml;ltere Teilnehmerin der Demo, dass Demonstrationen nicht mehr ausreichen w&uuml;rden, sondern dass man die Manager endlich mal aus den Konzernetagen rausholen m&uuml;sste und dass wir einen wirklichen Umsturz der Verh&auml;ltnisse br&auml;uchten. Vielen ging es nicht nur um Hartz IV, sondern um die soziale Ungerechtigkeit allgemein. Die Positionen und Forderungen der SAV fanden vor diesem Hintergrund gro&szlig;en Anklang. So konnten f&uuml;nf SAV-Mitglieder in Leipzig 49 Zeitungen und etliche Brosch&uuml;ren verkaufen und sieben Leute kennen lernen, die weiteres Interesse an der SAV haben. <br \/>  In Rostock hatte die SAV gemeinsam mit dem B&uuml;ndnis gegen Sozialkahlschlag innerhalb von drei Tagen Tausende zur Demo mobilisiert. Tosenden Applaus bekam Christine Lehnert, SAV- B&uuml;rgerschaftsabgeordnete in Rostock, als sie die &#x84;Rostocker Erkl&auml;rung&#x93; verlas und darin forderte, dass die Gewerkschaften &#x84;endlich die Millionen Besch&auml;ftigten mobilisieren und gemeinsam mit den Erwerbslosen einen eint&auml;gigen Protest und Streiktag&#x93; organisieren m&uuml;sse. &#x84;So kann der Druck auf die Regierung und die hinter ihr stehenden Wirtschaftsbosse erh&ouml;ht werden,&#x93; erkl&auml;rte sie. <br \/>  Neben der SAV hatten in den jeweiligen St&auml;dten verschiedene Gruppen und Einzelpersonen zu den Demos aufgerufen. W&auml;hrend in einigen St&auml;dten die PDS aufrief, waren es andernorts Attac oder &#x96; wie in Magdeburg &#x96; ein ehemaliges CDU-Mitglied. Die PDS spielt in den Protesten insofern eine besondere Rolle, indem sie versucht, die explosive Stimmung zu ihren Gunsten zu nutzen und die eigene Verantwortung f&uuml;r die von ihr mitgetragene Sozialkahlschlagspolitik in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zu verdecken. Die Gewerkschaftsspitzen &uuml;berlie&szlig;en es wieder einmal vor allem anderen, den Widerstand zu organisieren, statt die Kraft ihrer Organisationen zu nutzen. <br \/>  Trotzdem kamen nicht nur Arbeitslose, die zum 1. Januar von der Streichung der Arbeitslosenhilfe betroffen sein werden, sondern auch ArbeiterInnen und Angestellte zu den Demos. Vielen ist klar, dass sie selbst bald die n&auml;chsten sein k&ouml;nnen und dass Hartz IV auch als Brechstange dient, bestehende Arbeitspl&auml;tze in 1 bis 2-Euro-Jobs zu verwandeln. <br \/>  Als vor zwei Wochen in den Briefk&auml;sten von Hunderttausenden von Menschen der Antrag auf das &#x84;neue&#x93; Arbeitslosengeld II lag und die Regierung verk&uuml;ndete, auch die Ersparnisse von Kindern in die Berechnung des Arbeitslosengeldes einzubeziehen, platzte vielen der Kragen. Nach Gesundheits- &#x93;reform&#x93;, Lohnk&uuml;rzungen und Rentenklau brachte das f&uuml;r viele das Fass zum &Uuml;berlaufen. Mit Arbeitslosenquoten in H&ouml;he von rund 20 Prozent wie in Leipzig oder Rostock sind in Ostdeutschland massenhaft Erwerbslose und ihre Familien betroffen. Allein in Brandenburg f&auml;llt jede\/r 10. Hartz IV zum Opfer. Die Frage, ob Hartz gestoppt wird oder nicht, erscheint in diesem Licht als eine lebensnotwendige Frage. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-weight: bold;\">Doch wie kann Hartz IV gestoppt werden? <\/span><\/p>\n<p>  Die Streichung der Arbeitslosenhilfe, die Zwangsma&szlig;nahmen f&uuml;r Erwerbslose und die Schaffung eines noch billigeren Niedriglohnsektors durch Hartz IV sind ein zentrales Projekt der Herrschenden. Diese &#x84;Reformen&#x93; auf dem Arbeitsmarkt bilden das Herzst&uuml;ck der Agenda 2010. <br \/>  Der Druck der Herrschenden, diese &#x84;Reformen&#x93; durchzusetzen ist so gro&szlig;, dass die SPD-gef&uuml;hrte Bundesregierung Hartz IV nicht aufgeben wird (von einigen m&ouml;glichen kosmetischen Ver&auml;nderungen abgesehen), ohne von einer massiven politischen Massenbewegung herausgefordert zu werden. Daf&uuml;r nimmt die SPD in Kauf, die eigene Krise zu beschleunigen und bei den n&auml;chsten Landtagswahlen weiter abgestraft zu werden. Dies brachte Clement deutlich zum Ausdruck, als er sagte: &#x84;Wir sind f&uuml;r Deutschland und nicht f&uuml;r die SPD gew&auml;hlt worden.&#x93; Auch Schr&ouml;der betonte: &#x84;Mit mir kann es keine andere Politik geben&#x93;. <br \/>  Die Montagsdemonstrationen sind ein gro&szlig;artiger Anfang, um die Wut der Menschen auf die Stra&szlig;e zu tragen. Die Regierung wird sich aber von Montagsdemonstrationen nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. Selbst vereinzelte Streiks w&uuml;rden Hartz IV nicht stoppen k&ouml;nnen. Was n&ouml;tig w&auml;re, w&auml;re eine Massenmobilisierung der Besch&auml;ftigten und der Erwerbslosen durch die Gewerkschaften. Ein bundesweiter Streik- und Protesttag mit gemeinsamen Aktionen von Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen &#x96; ein eint&auml;giger Generalstreik &#x96; w&auml;re ein Schritt in die richtige Richtung. Denn zeitgleich zu Hartz IV finden momentan umfassende Angriffe auf der betrieblichen Ebene statt. Lohnk&uuml;rzungen von 20-30% durch Arbeitszeitverl&auml;ngerung, Streichung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld und von Schichtzuschl&auml;gen wurden bei Gro&szlig;betrieben wie Siemens und DaimlerChrysler durchgesetzt. Obwohl die Stimmung unter den KollegInnen kochte, f&uuml;hrte die IG- Metall-Spitze keinen ernstzunehmenden Kampf. <br \/>  Um die Gewerkschaftsspitzen zu umfassenden Streikma&szlig;nahmen zu zwingen ist es erforderlich, dass es auf lokaler und regionaler Ebene zu Streik- und Protesttagen von Besch&auml;ftigten und Erwerbslosen kommt. Hierbei k&ouml;nnen &ouml;rtliche B&uuml;ndnisse von ErwerbslosenvertreterInnen und GewerkschafterInnen eine wichtige Rolle spielen. Gewerkschaftliche und betriebliche Linke m&uuml;ssen sich vernetzen und die Initiative dazu ergreifen, um die Blockade der Gewerkschaftsf&uuml;hrung zu durchbrechen. <br \/>  Dringend notwendig ist es aber auch, den Neonazis, die in einigen Orten die Montagsdemonstrationen f&uuml;r ihre rassistische Propaganda nutzen, entgegenzutreten. Nicht unsere ausl&auml;ndischen ArbeitskollegInnen sind an der Arbeitslosigkeit schuld, sondern Konzerne wie Siemens und DaimlerChrysler, die trotz horrender Gewinne ohne R&uuml;cksicht auf das Schicksal von tausenden Menschen und ihren Familien Konzernteile verlagern oder dichtmachen wollen. Deshalb m&uuml;ssen wir uns den Nazis in den Weg stellen und sie aus den Demos vertreiben. Wir m&uuml;ssen davor warnen, dass die Herrschenden und ihre Medienmaschinerien die Existenz von Neonazis auf den Demos nutzen werden, um unsere Proteste zu verunglimpfen.<\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Lucy Redler, Berlin<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic;\">(Plakat auf der Montagsdemonstration am 9. 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