{"id":10947,"date":"2004-08-10T17:34:36","date_gmt":"2004-08-10T15:34:36","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=10947"},"modified":"2012-06-24T15:52:24","modified_gmt":"2012-06-24T13:52:24","slug":"10947","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/08\/10947\/","title":{"rendered":"Kampage f&uuml;r Arbeitszeitverk&uuml;rzung mit Leben f&uuml;llen!"},"content":{"rendered":"<p>Bemerkungen zu Winfried Wolfs Artikel &#x84;30 Stunden sind genug&#x93;<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\nWinfried Wolf geb&uuml;hrt Dank, dass er die so zentrale Frage der Arbeitszeitverk&uuml;rzung in seinem Artikel aufwirft, wichtige Argumente liefert und eine Kampagne zur Durchsetzung deutlich k&uuml;rzerer Arbeitszeiten vorschl&auml;gt. Angesichts von anhaltender Massenarbeitslosigkeit w&auml;re eine Kampagne f&uuml;r drastische Arbeitszeitverk&uuml;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich eine M&ouml;glichkeit f&uuml;r Gewerkschaften und Linke aus der Defensive der Verteidigungsk&auml;mpfe hinaus und wieder in eine gesellschaftspolitische Offensive zu kommen. Deshalb ist es von zentraler Bedeutung, dass k&auml;mpferische und linke GewerkschafterInnen und die sozialistische Linke auch in der aktuellen Kampagne gegen Hartz IV &uuml;ber den Tellerrand der aktuellen Bewegung hinausschauen. Das bedeutet Forderungen aufzustellen, die die Bewegung gegen Hartz IV mit einem n&ouml;tigen Widerstand gegen die gesamte Agenda 2010 und die Angriffe der Kapitalisten auf betrieblicher Ebene gegen Arbeitszeiten und L&ouml;hne verbinden. Also: weg mit Hartz IV und der Agenda 2010! Nein zu Arbeitszeitverl&auml;ngerung und Lohnraub! <br \/>  Zweitens ist jedoch auch eine Kampfstrategie n&ouml;tig, die kollektiv und koordiniert von Linken in die Gewerkschaften und sozialen Bewegungen eingebracht und eingefordert werden sollte. Zentral bei einer solchen Kampfstrategie muss sein die Spaltung der Arbeiterklasse &#x96; in Besch&auml;ftigte und Erwerbslose und in verschiedene &#x84;Sorten&#x93; Besch&auml;ftigter &#x96; zu &uuml;berwinden. Statt Sektorenk&auml;mpfe also eine Mobilisierung aller Betroffenen, der gesamten Arbeiterklasse, ob in Arbeit oder erwerbslos. Ebenso m&uuml;ssen Kampfformen her, die den Herrschenden weh tun. Demonstrationen alleine reichen nicht, obwohl sich der politische Druck von Demonstrationen angesichts der Entwicklung einer neuen linken Partei qualitativ erh&ouml;hen wird. Denn das Fehlen einer Arbeiterpartei hat es den Regierenden leichter gemacht, Proteste auszusitzen. Sollte die Wahlalternative zu einer Partei werden, die nicht nur Altlinke, sondern auch bisher unorganisierte ArbeiterInnen und Jugendliche mobilisieren kann, m&uuml;ssten die Regierenden und Herrschenden wieder Angst haben, dass Proteste zu politischer Organisation f&uuml;hren. Das h&auml;tte aus Sicht des Kapitals weit bedrohlichere Folgen als nur eine Verschiebung der parlamentarischen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse. Trotzdem m&uuml;ssen wir vom Protest zum aktiven Widerstand kommen. Besetzungen von Arbeits&auml;mtern wie von Professor Grottian im jW-Interview gefordert k&ouml;nnen dabei eine Rolle spielen, genauso wie andere Formen zivilen Ungehorsams und diekter Aktionen. Hier sind die Erfahrungen der erfolgreichen Steuer- und Wassergeb&uuml;hrenboykotte aus Gro&szlig;britannien und Irland in den 90er Jahren lehrreich. Entscheidend wird aber sein, ob die Besch&auml;ftigten ihre &ouml;konomische und gesellschaftliche Macht durch Streiks einsetzen. Ohne eine Streikbewegung kann es kaum eine erfolgreiche Abwehr der Attacken von Regierung und Kapital geben, geschweige denn eine Arbeitszeitverk&uuml;rzung erk&auml;mpft werden. Dies nicht nur, weil Streiks den Kapitalisten materiell schaden und ihr Heiligstes, den Profit, schm&auml;lern. Streiks sind auch die Kampfform in der die Arbeiterklasse als Klasse in Erscheinung tritt, dementsprechend Klassenbewusstsein entwickelt (von einer Klasse an sich zu einer Klasse f&uuml;r sich werden kann) und dementsprechend auch die politische Bedrohung f&uuml;r die herrschenden eine h&ouml;here Stufe erreicht. Das Tabu des politischen Streiks und des Generalstreiks muss in den Gewerkschaften durchbrochen werden. Dies kann einerseits dadurch geschehen, lokale und betriebliche Streiks durchzuf&uuml;hren, wenn das die Mehrheitsverh&auml;ltnisse in den Gewerkschaften vo Ort erm&ouml;glichen (so geschehen im letzten Jahr in Schweinfurt und Kassel) bzw. Oppositionsstrukturen existieren, die solche Aktionen gegen die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen durchsetzen k&ouml;nnen. Andererseits sollte die Gewerkschaftslinke eine Kampagne f&uuml;r Streiks und einen zun&auml;chst eint&auml;gigen Generalstreik starten und das Thema dadurch enttabuisieren. <br \/>  In Mobilisierungen und Streiks gegen Agenda 2010 und Lohnraub m&uuml;ssen dann positive Forderungen, wie die nach Arbeitszeitverk&uuml;rzung eingebracht werden. Eine solche Kampagne kann nicht am gr&uuml;nen Tisch entwickelt werden, sondern nur in den statttfindenden Auseinandersetzungen. Die Arbeiterklasse lernt im Vorw&auml;rtsgehen &#8230; und manchmal in der R&uuml;ckw&auml;rtsbewegung. <\/p>\n<p>  Wolf behandelt in seinem hervorragenden Artikel auch die wichtige Frage des Lohnausgleichs. Dem ist nur eines hinzuzuf&uuml;gen &#x96; Arbeitszeitverk&uuml;rzung muss nicht nur mit Lohnausgleich, sondern auch mit Personalausgleich verbunden werden. Denn es gibt leider keinen Automatismus, dass eine Reduktion der Arbeitszeit um zwanzig Prozent auch mit einer Zunahme der Besch&auml;ftigtenzahlen von zwanzig Prozent einhergehen w&uuml;rde.Grund ist nicht nur Produktivit&auml;tsfortschritt durch technische Innovationen, sondern auch die M&ouml;glichkeit der Kapitalisten durch schnellere B&auml;nder und Arbeitsverdichtung mehr aus den LohnarbeiterInnen herauszupressen. Der Wirtschaftsaufschwung der 90er Jahre basierte nicht zuletzt auf einer solchen Intensivierung der Ausbeutung. Vergleicht man heute die Arbeitsbedingungen bei DaimlerChrysler mit denen vor zehn Jahren, so wird man feststellen, dass Arbeitsdruck und Stress qualitativ zugenommen haben. Die Forderung nach Personalausgleich muss deshalb ebenso integraler Bestandteil einer Kampagne f&uuml;r Arbeitszeitverk&uuml;rzung sein, wie die Forderung nach Lohnausgleich. <\/p>\n<p>  Wolf schreibt, dass im Rahmen einer Kampagne f&uuml;r Arbeitszeitverk&uuml;rzung fr&uuml;her oder sp&auml;ter auch die Grundsatzfrage nach dem &#x84;Eigentum an den gro&szlig;en gesellschaftlichen Produktions- und Finanzmitteln&#x93; aufgeworfen werden muss. Dem ist zuzustimmen. Dies muss aber von SozialistInnen mit Leben gef&uuml;llt werden und in die realen Auseinandersetzungen konkret eingebracht werden (und nicht abstrakt als Fernziel aufgeworfen werden). Dazu bietet die von Wolf angesprochene Frage der Kapitalflucht, sprich: der Verlagerung von Betrieben und Betriebsteilen ins Ausland, einen Ansatzpunkt. Wiederum sind auch hier inhaltliche Forderungen (nach &ouml;ffentlichem Eigentum) und Fragen der Kampfstrategie nicht zu trennen, denn erstere ergeben sich f&uuml;r die Masse der Arbeiterklasse aus letzteren. Angesichts von Betriebsschlie&szlig;ungen bzw. -verlagerungen sollte nicht nur die Streikfrage aufgeworfen werden, sondern auch die Frage nach Betriebsbesetzungen. Aus Betriebsbesetzungen als unmittelbarer Kampfform zur Verteidigung eines Betriebes ergibt sich die Machtfrage auf der betrieblichen Ebene. Wer kontrolliert den Betrieb &#x96; Arbeiter oder Kapitalist? Aus dieser Frage kann sich die Frage nach Eigentum ergeben. Es ist kein Zufall, dass die um den Erhalt ihres Werkes k&auml;mpfenden Stahlarbeiter von Krupp-Rheinhausen 1987 die Forderungen nach der Verstaatlichung der Stahlindustrie aufgestellt haben. <br \/>  Es ist richtig: angesichts der Offensive der Bourgeoisie erscheinen Forderungen nach Arbeitszeitverk&uuml;rzung und Verstaatlichung weit weg. Aber ein erfolgreicher Kampf gegen diese Offensive braucht auch eine ideologische Wiederbewaffnung der Arbeiterklasse. Der Widerspruch zwischen der enormen Wut, der Entfremdung mit den kapitalistischen Institutionen und der Kampfbereitschaft in breiten Teilen der Arbeiterklasse und dem niedrigen politischen Bewusstsein ist gro&szlig;. Und letzteres ist (neben dem v&ouml;lligen Verrat durch die Gewerkschaftsf&uuml;hrungen) auch ein Faktor daf&uuml;r, dass die Wut noch nicht in eine neue Welle von Klassenk&auml;mpfen umgeschlagen hat. Dieser Widerspruch kann nur &uuml;berwunden werden durch die Kombination aus Erfahrung in K&auml;mpfen und dem Scheitern b&uuml;rgerlicher L&ouml;sungsversuche einerseits und der Injektion sozialistischer Idee in solche K&auml;mpfe durch das Eingreifen sozialistischer Organisationen andererseis. SozialistInnen m&uuml;ssen die n&auml;chsten Schritte aufzeigen f&uuml;r den Kampf und f&uuml;r die notwendige ideologische Wiederbewaffnung. Das bedeutet ein System von &Uuml;bergangsforderungen zu entwickeln, das ausgehend von den heutigen Auseinandersetzungen den Weg zu sozialistischen Ma&szlig;nahmen aufzeigt: Arbeitszeitverk&uuml;rzung auf 30 Stunden pro Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich ist eine solche zentrale &Uuml;bergangsforderung. Die Enteignung von Betrieben, die schlie&szlig;en oder verlagern eine weitere. Die Forderung nach Streiks, einem (zun&auml;chst) eint&auml;gigen Generalstreik und Betriebsbesetzungen k&ouml;nnen einen Weg f&uuml;r den kollektiven Widerstand aufzeigen. Diese Fragen d&uuml;rfen aber nicht nur in den Seiten der jungen Welt diskutiert werden. Sie m&uuml;ssen offensiv in die Gewerkschaften, die Wahlalternative, die verschiedenen B&uuml;ndnisse gegen Sozialkahlschlag und in die Aktionskonferenz am 18. und 19. September getragen werden. <\/p>\n<p>  <span style=\"font-style: italic;\">von Sascha Stanicic, Bundessprecher der Sozialistischen Alternative (SAV)<\/p>\n<p>  <\/span><a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2004\/08-10\/003.php\">Der Artikel von Winfried Wolf ist hier abzurufen<\/a><br \/>  <span style=\"font-style: italic;\"><br \/>  <\/span><span style=\"font-style: italic;\"><br \/>  <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bemerkungen zu Winfried Wolfs Artikel &#x84;30 Stunden sind genug&#x93;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10947"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10947\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}