{"id":10942,"date":"2004-08-09T08:37:19","date_gmt":"2004-08-09T08:37:19","guid":{"rendered":".\/?p=10942"},"modified":"2004-08-09T08:37:19","modified_gmt":"2004-08-09T08:37:19","slug":"10942","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2004\/08\/10942\/","title":{"rendered":"Die Revolution in Nicaragua"},"content":{"rendered":"<p>Anl?sslich des 25. Jahrestags der nicaraguanischen Revolution ver?ffentlichen wir zwei Artikel aus den Jahren 1984 und 1990.<!--more--><br \/>\n &nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-weight: bold;\">Bob Labi: Marxismus und nicaraguanische Revolution (1984) <\/span><br \/> [Militant International Review, Nr. 27, September 1984] <\/p>\n<p> Der Sturz der Somoza-Diktatur 1979 hat zweifellos geholfen, eine neue Welle von revolution&auml;ren K&auml;mpfen in ganz Lateinamerika zu entfachen. Der Sieg der Sandinistas entflammte die Idee eines Aufstandskampfes unter den jungen K&auml;mpferInnen neu, die gegen die Diktaturen und unterdr&uuml;ckerischen Regime von Lateinamerika k&auml;mpfen. Die unbestrittenen sozialen Fortschritte, die in Nicaragua seit 1979 gemacht wurden, haben auch die Menschen angeregt, die weltweit gegen den Kapitalismus k&auml;mpfen. Das hat es den Sandinistas auch erm&ouml;glicht, eine breite Anh&auml;ngerschaft in vielen L&auml;ndern zu entwickeln. Die grundlegende Basis f&uuml;r diese Unterst&uuml;tzung ist die vollkommen feste Sehnsucht unter SozialistInnen und ArbeiterInnen, die nicaraguanische Revolution gegen die Reaktion und besonders gegen die von den USA finanzierten Konterrevolution&auml;re zu verteidigen. Aber gleichzeitig k&ouml;nnen MarxistInnen nicht einfach Cheer-Leader sein. Es ist von entscheidender Bedeutung, die richtigen Lehren aus jedem Kampf zu ziehen und so das Verst&auml;ndnis der Arbeiterklasse f&uuml;r die Aufgaben, vor denen sie im Kampf f&uuml;r den Sturz des Kapitalismus steht, zu vergr&ouml;&szlig;ern. <br \/> Leider gibt es in der Arbeiterbewegung und besonders an ihrem sektiererischen R&auml;ndern Leute, bei denen die Begeisterung &uuml;ber die nicararguanische Revolution den Platz von marxistischer Analyse einnimmt. Das ist kein neues Ph&auml;nomen. Es &auml;hnelt der unkritischen oder praktisch unkritischen Unterst&uuml;tzung, die viele selbsternannten ?Marxisten? Stalin in den drei&szlig;iger Jahren, Tito in den sp&auml;ten vierziger Jahren und Mao in den sechziger Jahren gaben. Diese Leute vergessen bei ihrer Hast zur Idealisierung dieser Regime v&ouml;llig die Grundlagen des Marxismus, oder haben sie nie gekannt. Wegen den offensichtlichen und wichtigen Errungenschaften, die die Revolution darstellt und die wir v&ouml;llig unterst&uuml;tzen, haben viele GenossInnen, besonders unter der Jugend dazu geneigt, eine v&ouml;llig idealisierte Vorstellung sowohl von der nicaraguanischen Revolution als auch vom Charakter und der Rolle der sandinistischen F&uuml;hrung zu entwickeln. Wir leugnen keinen Moment die Heldenhaftigkeit der Sandinistas oder die Ehrlichkeit ihrer Absichten. Marxistische Analyse st&uuml;tzt sich jedoch nicht auf die Untersuchung der pers&ouml;nlichen Eigenschaften der sandinistischen F&uuml;hrung, sondern vielmehr auf die Frage, ob das Proletariat als Klasse in Nicaragua an der Macht ist. Die Tatsache, dass es gegenw&auml;rtig &uuml;berw&auml;ltigende Unterst&uuml;tzung f&uuml;r das sandinistische Regime gibt, bedeutet nicht automatisch, dass die Arbeiterklasse an der Macht ist. &Auml;hnlich f&uuml;hrt die Tatsache, dass die sandinistische F&uuml;hrung Reden &uuml;ber den Sozialismus h&auml;lt, nicht dazu, dass MarxistInnen ihnen gegen&uuml;ber eine unkritische Haltung einnehmen. Wir beurteilen Menschen nicht nur danach, was sie sagen, sondern vor allem danach, was sie tun. <br \/> Der allgemeine Eindruck wird erzeugt, dass die Sandinistas irgendwie ?die sozialistische Revolution durchf&uuml;hren?. Aber woraus besteht die sozialistische Revolution wirklich? Vor allem ist die sozialistische Revolution die bewusste Bewegung der Arbeiterkasse, die Macht in ihre H&auml;nde zu nehmen. Die Arbeiterklasse &uuml;bt ihre Kontrolle &uuml;ber die Gesellschaft durch eine Arbeiterdemokratie aus, auf der Grundlage von Prinzipien, die in der Pariser Kommune von 1871, der ersten Periode der Russischen Revolution und der Ungarischen Revolution von 1956 entwickelt wurden. <br \/> Die Prinzipien, die Lenin in ?Staat und Revolution? zum Ausdruck gebracht hat, bilden den Lackmustest daf&uuml;r, ob eine sozialistische Revolution stattgefunden hat. Kurz zusammengefasst sind diese Prinzipien: <\/p>\n<p> &#8211; Keine stehende Armee, sondern bewaffnetes Volk. <br \/> &#8211; Alle BeamtInnen, ManagerInnen etc. werden regelm&auml;&szlig;ig von Arbeiterorganisationen gew&auml;hlt, die das Recht auf jederzeitige Abwahl haben. <br \/> &#8211; Alle BeamtInnen erhalten den selben Lohn wie FacharbeiterInnen. <br \/> &#8211; Beteiligung des Volks an allen Verwaltungsaufgaben; direktes Management und Kontrolle der Gesellschaft durch Arbeiterr&auml;te (Sowjets). <\/p>\n<p> Die stalinistische politische Konterrevolution in Russland w&auml;hrend der zwanziger Jahre zerschlug die auf diesen Prinzipien beruhende Arbeiterdemokratie in Russland und versuchte, Lenins vier Punkte f&uuml;r immer zu begraben. <br \/> Die Degeneration der Russischen Revolution und die Entwicklung stalinistischer Regime in anderen L&auml;ndern nach dem Zweiten Weltkrieg erzeugte auch gro&szlig;e Verwirrung innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung dar&uuml;ber, was eine sozialistische Revolution und eine sozialistische Gesellschaft darstellt Die vergr&ouml;&szlig;erte St&auml;rke des Stalinismus nach 1945, die Verz&ouml;gerung der Revolution in den fortgeschrittenen kapitalistischen L&auml;ndern und die Nachkriegsschw&auml;che der Kr&auml;fte des Marxismus f&uuml;hrten zur verzerrten Entwicklung der Revolution in vielen L&auml;ndern. <br \/> Die Revolutionen, die in Osteuropa, China, Vietnam, Kuba, Syrien, &Auml;thiopien etc. stattfanden, f&uuml;hrten gewiss zum Sturz des Kapitalismus (man kann immer noch nicht sagen, dass so etwas in Nicaragua stattgefunden hat, obwohl es f&uuml;r die Zukunft nicht ausgeschlossen ist). Privateigentum an den Produktionsmitteln wurde durch verstaatlichte Wirtschaften mit geplanter Produktion ersetzt. Das stellte gewiss einen gewaltigen Fortschritt dar und wurde als solches von den MarxistInnen begr&uuml;&szlig;t. Die verzerrte Art und Weise, auf die diese Revolutionen durchgef&uuml;hrt wurden, f&uuml;hrten unausweichlich zur Errichtung von b&uuml;rokratischen, totalit&auml;ren Ein-Parteien-Polizeistaaten und einer neuen Form der Sklaverei f&uuml;r die Arbeiterklasse. Dies war so trotz der Tatsache, dass diese Regime zumindest in der Anfangsphase einen &auml;u&szlig;erst ?popul&auml;ren? Charakter hatten und von den Massen begeistert begr&uuml;&szlig;t wurden. <br \/> Warum fand dies statt? War es das Produkt von Zufall, Missverst&auml;ndnis oder ?Pech?? Es war im Gegenteil im Charakter dieser Revolutionen verwurzelt, die ohne die bewusste f&uuml;hrende Rolle des Proletariats stattfanden, dessen h&ouml;chster Ausdruck die marxistische revolution&auml;re Partei ist. <br \/> Nur die in demokratischen revolution&auml;ren R&auml;ten organisierte Arbeiterklasse kann die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft f&uuml;hren. Keine andere Klasse oder Gesellschaftsgruppe &#8211; egal ob B&auml;uerInnen, LumpenproletarierInnen, StudentInnen, B&uuml;rokraten, Guerillas oder radikale Armeeoffiziere &#8211; kann die selbe Rolle spielen. Und wann immer eine andere soziale Gruppe versucht, sich in der Revolution an die Stelle des Proletariats zu setzen, steht das Ergebnis von vornherein fest. Selbst beim g&uuml;nstigsten Ergebnis, wo solch eine Bewegung erfolgreich Gro&szlig;grundbesitz und Kapitalismus st&uuml;rzt, ist das beste, was wir erhoffen k&ouml;nnen eine neue Art von totalit&auml;rer b&uuml;rokratischer Sklaverei, die jahrzehntelang dauern kann, bis die Arbeiterklasse stark genug zu ihrem Sturz durch eine neue politische Revolution wird und sich in Richtung wirklichem Sozialismus zu bewegen beginnt, in dem sie den Staat vom b&uuml;rokratischen Schmarotzertum s&auml;ubert und einen wirklichen demokratischen Arbeiterstaat oder ?Halbstaat? (um Lenins eigenen Ausdruck zu verwenden) auf der Grundlage von Arbeiterdemokratie schafft. Von Anfang dieser ?Revolutionen? an war die Kontrolle fest in den H&auml;nden einer Elite, die ein b&uuml;rokratisches Regime nach dem Modell des stalinistischen Regimes in der UdSSR zu schaffen versuchte. So hatten wir in vielen Teilen der Welt die Entwicklung dessen, was MarxistInnen proletarischen Bonapartismus nennen. <br \/> Im Fall von Nicaragua hat die sandinistische F&uuml;hrung unter dem Druck der russischen und kubanischen B&uuml;rokratien noch nicht einmal den Prozess der Enteignung des Kapitalismus bis zum Ende durchgef&uuml;hrt. Wegen dieser Politik ist es nicht v&ouml;llig ausgeschlossen, dass die kapitalistische Reaktion es immer noch schaffen wird, die nicaraguanische Revolution bei der Geburt zu erdrosseln. Diese Tatsache allein zeigt den v&ouml;llig unmarxistischen Charakter der sandinistischen F&uuml;hrung und ihre enge nationalistische Konzeption der Revolution und auch die kriminelle Rolle des kubanischen und russischen Stalinismus, die ihre Beziehungen zum US-Imperialismus nicht weiter verkomplizieren wollen, indem sie offen als Unterst&uuml;tzung bei der Beseitigung des Kapitalismus in Zentralamerika gesehen werden. <br \/> Moskau und Havanna haben klar massiven Druck auf die Sandinistas ausge&uuml;bt, eine ?gem&auml;&szlig;igte? Haltung einzunehmen und ein ?Abkommen? mit Washington anzustreben. Das erkl&auml;rt weitgehend den vergeblichen Versuch, das, was von der nicaraguanischen Bourgeoisie &uuml;brig ist, durch alle Arten von Zugest&auml;ndnissen zu vers&ouml;hnen, die diese unversch&auml;mten Konterrevolution&auml;re nur k&uuml;hner machen und die Gefahr einer Invasion der Vereinigten Staaten erh&ouml;hen. Das ist keineswegs eine ?realistische? Politik, sondern wird verheerende Folgen haben. <br \/> Wenn die Sandinistas wirkliche MarxistInnen-LeninistInnen w&auml;ren, w&uuml;rden sie die Revolution bis zum Ende f&uuml;hren, die Bourgeoisie enteignen und dann ein revolution&auml;ren Appell an die ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen in Lateinamerika und auch in Nordamerika machen, ihnen zu Hilfe zu kommen. Auf einer rein nicaraguanischen &#8211; oder, was das betrifft, zentralamerikanischen &#8211; Grundlage ist kein Sieg m&ouml;glich. Hier stellt sich die Lehre der permanenten Revolution geradeheraus: entweder verbreitet sich die Revolution auf andere L&auml;nder, angefangen mit Zentral- und Lateinamerika, oder sie ist dem Untergang geweiht. Die explosive Lage auf dem ganzen Subkontinent ist eine m&auml;chtige Reserve f&uuml;r die Revolution, vorausgesetzt eine k&uuml;hne internationalistische revolution&auml;re Politik wird verfolgt. Aber auf der Grundlage des illusorischen ?Realismus?, diplomatischer Man&ouml;ver und halbherziger Politik gibt es keinerlei Hoffnung. <br \/> Die weitverbreitete Verwirrung &uuml;ber den Charakter des nicaraguanischen Regimes beruht auf einer oberfl&auml;chlichen Wahrnehmung der gro&szlig;en Begeisterung, die zweifellos unter der Massen f&uuml;r die Errungenschaften der Revolution besteht. &Auml;hnliche Begeisterung bestand nicht nur in Jugoslawien, China und Kuba in den fr&uuml;hen Phasen der Revolution, sondern auch in Stalins Russland in der Periode des ersten F&uuml;nfjahresplans, bevor der Alptraum der Schauprozesse die &Uuml;berbleibsel des Oktober in einem Meer von Blut ertr&auml;nkte. Der Charakter des sandinistischen Regimes ist klar sehr von Stalin in Russland verschieden, es w&auml;re aber ein grundlegender Fehler, sich entweder vorzustellen, dass es eine wirkliche Arbeiterdemokratie darstelle, oder dass es sich bei seinem gegenw&auml;rtigen Kurs in diese Richtung entwickeln k&ouml;nne. <br \/> Viele Unterst&uuml;tzerInnen der Sandinistas weisen auf das riesige Wachstum der Volksorganisationen seit 1979 hin und sagen, dass dies in der Praxis beweise, dass sich die Sandinistas nicht in eine b&uuml;rokratische Elite entwickeln k&ouml;nnten. Gewiss ist das Wachstum dieser Organisationen sehr beeindruckend, aber in Wirklichkeit &uuml;ben sie letztlich nicht die Macht aus. Die wirkliche Kontrolle &uuml;ber Nicaragua ist in den H&auml;nden der eigenen Partei der Sandinistas, der FSLN, die eine sehr beschr&auml;nkte Mitgliedschaft hat. <br \/> Von einer Bev&ouml;lkerung von nur 3.000.000 in Nicaragua sind 100.000 Mitglieder der Sandinistischen Arbeiterf&ouml;deration (CST), 50.000 Mitglieder der Landarbeiterassoziation (ATC), 70.000 der Bauernunion (UNAG), 70.000 der Frauenorganisation (AMLAE), 50.000 der sandinistischen Jugendbewegung (M19), 500.000 in den 12.000 &ouml;rtlichen Sandinistischen Verteidigungskomitees (CDS) und 80.000 in der Miliz (MPS). 1979 waren nur 25.000 ArbeiterInnen in Gewerkschaften, jetzt sind &uuml;ber 250.000 ArbeiterInnen in der CST und andren Gewerkschaften. Das Wachstum dieser Massenorganisationen stellt einen wichtigen Fortschritt f&uuml;r die st&auml;dtischen und l&auml;ndlichen ArbeiterInnen, B&auml;uerInnen und Jugendlichen dar, die die ersten Schritte bei der Entwicklung ihres Klassenbewusstsein machen. <br \/> Aber w&auml;hrend sich diese Organisationen ausgedehnt haben, ist die FSLN selbst verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig klein geblieben. Es ist sehr schwer, Mitgliedszahlen f&uuml;r die eigene Partei der Sandinistas zu finden, aber es wurde berichtet, dass die FSLN im Januar 1981 500 Mitglieder hatte und ihre Verdoppelung auf 1.000 im Sommer 1981 plante. Es wurde auch berichtet, dass nicht geplant sei, die FSLN-Mitgliedschaft &uuml;ber 5.000 zu erh&ouml;hen <br \/> Selbst wenn die Massenorganisationen rapide gewachsen sind, gab es schwerwiegende Beschr&auml;nkungen bei der Entwicklung der internen Demokratie. So hielt die CST (Sandinistische Arbeiterf&ouml;deration) ihren ersten Kongress 1983 ab, dreieinhalb Jahre nach ihrer Bildung! <br \/> In Wirklichkeit haben die Sandinistas die Haltung gegen&uuml;ber den Massen, f&uuml;r sie zu handeln. Statt sich bei der Leitung der Gesellschaft auf die ArbeiterInnen selbst zu st&uuml;tzen, sehen die sandinistischen F&uuml;hrer die ArbeiterInnen als zu ?unreif? an, daher muss die FSLN kleingehalten werden. Das ist der Grund, warum in den ersten f&uuml;nf Jahren der Revolution f&uuml;r keinerlei Regierung Wahlen organisiert wurden. <br \/> Die Haltung der Sandinistas, ihre Entscheidungen durch die Massen blo&szlig; absegnen zu lassen, wurde in ihrer Zeitung ?Barricada? veranschaulicht, die behauptete, dass die Teilnahme von 500.000 auf einer Kundgebung zur Feier des ersten Jahrestages von Somozas Sturz bedeute, dass das Volk zur Best&auml;tigung der FSLN-Politik ?abgestimmt? habe. Wir haben diese Herangehensweise nur mit der der Bolschewiki nach 1917 zu vergleichen, um zu sehen, dass die Sandinistas Lichtjahre vom Programm Lenins und Trotzkis entfernt sind. <br \/> Die Sandinistas verweisen auf den riesigen Umfang der Massenorganisationen als Zeichen der Beteiligung der Bev&ouml;lkerung bei der Entscheidungsfindung. Es stimmt zwar, dass es viel Entscheidungsfindung vor Ort gibt, zum Beispiel durch die CDS, die wichtigen Entscheidungen werden aber von der kleinen FSLN getroffen, eine Organisation die ihre Gr&ouml;&szlig;e willk&uuml;rlich beschr&auml;nkt, ohne R&uuml;cksicht auf die Eigenschaften der Leute, die ihr m&ouml;glicherweise beitreten wollen. <br \/> Lenin und Trotzki versuchten zwar, den Beitritt von Karrieristen zu den Bolschewiki zu verhindern, nachdem sie 1917 an die Macht gekommen waren, aber sie versuchten nie, bew&auml;hrte und erprobte ArbeiterInnen am Beitritt zu hindern. Die Herangehensweise der F&uuml;hrung der Sandinistas zeigt nicht nur ein Mangel an Vertrauen in die Arbeiterklasse, sondern tr&auml;gt in sich auch die Saat der Entwicklung einer neuen herrschenden Elite. <br \/> Zu der Zeit, in der dies geschrieben wird, halten die Sandinistas Wahlen in Nicaragua ab. Der Hauptzweck dieser Wahlen war klar ein Versuch, den US- und Weltimperialismus zu beschwichtigen und der inneren b&uuml;rgerlichen Opposition einen Palmenzweig hinzuhalten. Sie haben versuchte, eine theoretische Rechtfertigung f&uuml;r diese Politik zu finden, indem sie zu der v&ouml;llig falschen und diskreditierten Theorie der ?zwei Etappen? griffen, die von Stalin erfunden wurde. Es gibt keine ?demokratische? Bourgeoisie in Nicaragua. Die Bourgeoisie ist auf der Seite der konterrevolution&auml;ren ?Contras?. Sie haben die Wahlen frech boykottiert und nutzen die von den Sandinistas angebotenen Zugest&auml;ndnisse als Plattform f&uuml;r die organisierte Unterst&uuml;tzung f&uuml;r die bewaffnete Reaktion. <br \/> Es ist klar, dass das Ergebnis dieser Wahlen ein &uuml;berw&auml;ltigender Sieg f&uuml;r die Sandinistas sein wird. Die b&uuml;rgerlichen Parteien, die offen mit der Konterrevolution identifiziert werden, sind in den Augen der Massen v&ouml;llig diskreditiert. Das Richtige w&auml;re es unter diesen Umst&auml;nden, wenn sich die Sandinistas auf das Vertrauensvotum des Volks st&uuml;tzen w&uuml;rden, um den revolution&auml;ren Prozess bis zum Ende fortzusetzen, das Eigentum der reaktion&auml;ren nicaraguanischen Bourgeoisie auf der Grundlage von demokratischer Verwaltung und Kontrolle der Arbeiterklasse zu verstaatlichen. Die bestehenden Massenorganisationen, Gewerkschaften, Volkskomitees k&ouml;nnten verbunden und verbreitert werden, um jeden Tel der Arbeiterklasse einzuschlie&szlig;en, Hausfrauen, B&auml;uerInnen, Milizion&auml;rInnen, um die Grundlage f&uuml;r einen demokratischen Arbeiterstaat als unbesiegliches Bollwerk gegen die Konterrevolution zu liefern. <br \/> Solch ein Schritt h&auml;tte eine elektrisierende Wirkung auf die ArbeiterInnen nicht nur in Zentral- und Lateinamerika, sondern auch auf die USA selbst. Verbunden mit einem revolution&auml;ren internationalistischen Appell h&auml;tte er eine &auml;hnliche Wirkung, wie das von der bolschewistischen Revolution auf der ganzen Welt erzeugte Erdbeben. Und wenn Nicaragua ein r&uuml;ckst&auml;ndiges, b&auml;uerliches Land ist, sollte man nicht vergessen, dass Russland damals wie Indien heute war. Der entscheidende Faktor hier ist nicht die relative Schw&auml;che des Proletariats im Verh&auml;ltnis zur Bauernschaft (die in Wirklichkeit in Nicaragua haupts&auml;chlich LandarbeiterInnen sind, was &uuml;berhaupt nicht das selbe ist), sondern die Schw&auml;che der F&uuml;hrung des Proletariats von Nicaragua und im Weltma&szlig;stab. Mit einer anderen Politik w&auml;re das Ergebnis v&ouml;llig anders. <br \/> Das Versagen der Sandinistas bei der Durchf&uuml;hrung der Revolution bis zum Ende durch die Enteignung der vorhandenen Kapitalisten bedeutet, dass die Richtung der nicaraguanischen Revolution noch nicht endg&uuml;ltig gekl&auml;rt ist. Es ist &uuml;berhaupt nicht ausgeschlossen, dass unter gewissen Bedingungen die Nicaraguanische Bourgeoisie mit Unterst&uuml;tzung des Imperialismus beginnen k&ouml;nnte, den ganzen Prozess zur&uuml;ckzuschieben. Das wirtschaftliche Durcheinander, der niedrige Lebensstandard und die Sabotage der Kapitalisten selbst k&ouml;nnten Unzufriedenheit unter einer den r&uuml;ckst&auml;ndigeren Schichten schaffen, die in einem gewissen Stadium zu einer konterrevolution&auml;ren Lage f&uuml;hren w&uuml;rde, einer Spaltung unter den Sandinistas und einem rechten Putsch. Paradoxerweise ist es die Politik von Reagan und die durch die Contras dargestellte Bedrohung einer offenen Konterrevolution, die gegenw&auml;rtig der inneren Opposition den Boden unter den F&uuml;&szlig;en wegzieht, die in den gleichen Topf geworfen wird. Die Massen sind sich vielleicht nicht ganz klar, was sie wollen, aber sie sind sich v&ouml;llig klar, was sie nicht wollen: sie werden wie Tiger gegen jeden Versuch k&auml;mpfen, ihnen mit Waffengewalt die alte Somoza-Diktatur aufzuzwingen. <br \/> Wie wir vorher erkl&auml;rt haben, w&uuml;rde die ernsthafte M&ouml;glichkeit bestehen, dass die auf halbem Wege stecken gebliebene nicaraguanische Revolution vor den inneren Widerspr&uuml;chen kapitulieren und der b&uuml;rgerlichen Konterrevolution im Innern den Triumph erlauben w&uuml;rde. Aber die Sache ist, dass Reagan und der US-Imperialismus nicht warten k&ouml;nnen. Die Gefahren, die selbst eine verzerrte und unvollst&auml;ndige Revolution im explosiven Kontext Zentralamerikas darstellt, sind zu gro&szlig;, um sie zu dulden. Alles weist in die Richtung einer offenen US-Intervention sowohl gegen El Salvador als auch gegen Nicaragua besonders in dem wahrscheinlichen Fall, das Reagan die n&auml;chsten Wahlen gewinnt. Leider bereitet die Politik der Sandinistas offen den Boden f&uuml;r eine solche Wendung. Ihre versuchten Zugest&auml;ndnisse werden keine Wirkung haben. Nur eine k&uuml;hne revolution&auml;re Politik kann den Imperialismus zur&uuml;ckhalten. Nur eine vollst&auml;ndige Durchf&uuml;hrung der Revolution kann ihren Erfolg garantieren. Aber das kann nicht auf die Grenzen eines kleinen, k&uuml;nstlichen Landes wie Nicaragua beschr&auml;nkt werden. Das blo&szlig;e &Uuml;berleben der Revolution, von ihrer Entwicklung ganz zu schweigen, h&auml;ngt von ihrer schnellen Ausdehnung ab, zumindest auf den Rest von Zentralamerika und dann auf Lateinamerika, Nordamerika und den Rest der Welt. <br \/> Selbst die Verstaatlichung und Wirtschaftsplanung w&auml;re jedoch nicht ausreichend, das nicaraguanische Regime als ?sozialistisch? zu definieren. Trotz des unbestreitbar fortschrittlichen Charakters der verstaatlichten Planwirtschaften von Kuba, China, der UdSSR und den anderen deformierten Arbeiterstaaten, wird die Arbeiterklasse dort immer noch unter der Herrschaft einer privilegierten b&uuml;rokratischen Elite in Ketten gehalten. Und das ist unausweichlich der Fall, wo eine Revolution von einer guerillaistischen Minderheit durchgef&uuml;hrt wird, die im Namen des Proletariats handelt, egal wie heldenhaft, wohlmeinend und aufrichtig diese Leute sein m&ouml;gen. <br \/> Der Marxismus st&uuml;tzt sich nicht aus sentimentalen Gr&uuml;nden oder einer willk&uuml;rlichen Entscheidung auf die Arbeiterklasse als die einzige Klasse, die den Sozialismus errichten kann, sondern wegen der gesellschaftlichen Rolle des Proletariats in der Produktion und weil es die einzige Klasse in der Gesellschaft mit einem instinktiven sozialistischen, kollektivistischen Bewusstsein ist, das sich genau aus seinen Existenzbedingungen ableitet. Im Unterschied dazu ist das Bewusstsein der B&auml;uerInnen, der Intellektuellen, der StudentInnen und des Lumpenproletariats vom Individualismus durchtr&auml;nkt und gem&auml;&szlig; der Psychologie des Kleineigent&uuml;mers geformt, oder der Armeeoffizier, der das System von Befehl und Gehorsam gewohnt ist, am wenigsten geeignet f&uuml;r die Organisierung der Gesellschaft nach demokratisch-kollektivistischen Prinzipien. <br \/> Ohne Arbeiterdemokratie kann der Sturz des Kapitalismus nur zur Schaffung eines Regimes des proletarischen Bonapartismus f&uuml;hren. Solch ein Regime k&ouml;nnte zwar die Gesellschaft in gewissem Ausma&szlig; entwickeln, weil es auf einer geplanten, verstaatlichten Wirtschaft beruht, w&uuml;rde aber die Arbeiterklasse vor die Aufgabe der Durchf&uuml;hrung einer neuen politischen Revolution stellen, bevor die Gesellschaft die Bewegung zum Sozialismus beginnen kann. <br \/> Die Grundlage der Arbeiterdemokratie ist, dass das Proletariat als Klasse eine Gesellschaft kontrolliert. Durch seine Klassenorganisationen &#8211; Gewerkschaften, Arbeiterr&auml;te, politische Parteien &#8211; bestimmt das Proletariat (und in einem Land wie Nicaragua im B&uuml;ndnis mit der armen Bauernschaft), was stattfindet. Dies ist das Wesen der sozialistischen Revolution, die Tatsache, dass der Proletariat als Kollektiv handelt und die Macht &uuml;bernimmt. Auf der anderen Hand kann Guerillakampf f&uuml;r sich genommen nie zur Arbeiterdemokratie f&uuml;hren, weil er sich auf die Idee der Schaffung von Streitkr&auml;ften st&uuml;tzt, die die st&auml;dtischen Gebiete, die Heimat des Proletariats von au&szlig;en einnehmen werden. <br \/> Mit anderen Worten spielt das Proletariat in den Augen der Guerillaisten eine Hilfsrolle, eine Politik, die die salvadorianische Revolution 1980 in eine schwere Niederlage f&uuml;hrte. Die Guerilla-Strategie ist nicht das gleiche wie eine, die auf der Notwendigkeit beruht, dass die Arbeiterklasse einen Aufstand f&uuml;hren muss. Sie f&uuml;hrt dazu, dass die Guerillaarmee und nicht die Klassenorganisationen des Proletariats die Macht &uuml;bernehmen. Der einzige Weg, auf dem das vermieden werden kann, ist wenn der Guerillakampf als eine Erg&auml;nzung zu dem der st&auml;dtischen Arbeiterklasse gesehen wird. <br \/> Die herrschenden b&uuml;rokratischen Eliten in China, Vietnam und Kuba entwickelten sich genau aus den F&uuml;hrungen der siegreichen Guerillaarmeen. In Nicaragua war es zwar die Arbeiterklasse von Managua, die im Juli 1979 die Somoza-Diktatur st&uuml;rzte, aber die politische Macht ging in die H&auml;nde der FSLN &uuml;ber. Trotz der Tatsache, dass die Bewegung der nicaraguanischen ArbeiterInnen, wie der sandinistische F&uuml;hrer Humberto Ortega zugab, die FSLN zwang, ihre Guerillastrategie zu &auml;ndern, die auf die Umzingelung der St&auml;dte abzielte, wurden sie wegen ihres langen heldenhaften Kampfes gegen Somoza als die F&uuml;hrer der Revolution gesehen. Ohne Arbeiterdemokratie w&uuml;rde ein entschlossener Bruch mit dem Kapitalismus in Nicaragua unausweichlich zur Entwicklung einer Form von proletarischen Bonapartismus (das hei&szlig;t Stalinismus) f&uuml;hren, egal welche guten Absichten die Sandinistas haben. <br \/> Manche Leute haben versucht, das Z&ouml;gern der Sandinistas, entschlossen gegen den Kapitalismus vorzugehen, durch Vergleiche ihrer Wirtschaftspolitik mit der der Bolschewiki in den fr&uuml;hen zwanziger Jahren zu rechtfertigen. Jeder Vergleich zwischen Nicaragua heute und Russland in den fr&uuml;hen Tagen der Revolution ist v&ouml;llig falsch, weil damals, wie schon erkl&auml;rt, unter Lenin und Trotzki ein Regime der Arbeiterdemokratie, Kontrolle durch Sowjets und eine bolschewistische Massenpartei bestand. <br \/> Die Einf&uuml;hrung der Neuen &Ouml;konomischen Politik 1921, die den Kapitalisten und reichen Bauern in Russland mehr Spielraum gab, war ein R&uuml;ckzug in der Wirtschaftspolitik, der den Bolschewiki wegen der Niederlage der sozialistischen Revolution in Europa und den vom B&uuml;rgerkrieg verursachten Verw&uuml;stungen aufgezwungen wurde. Aber trotz der NEP blieben die Kommandoh&ouml;hen der Wirtschaft und der gesamte Au&szlig;enhandel verstaatlicht unter der Kontrolle eines verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig demokratischen Arbeiterstaats. In einem Land wie Nicaragua, das ein gro&szlig;es Element von kleinen, kleinb&uuml;rgerlichen Produzenten und H&auml;ndlern hat, w&uuml;rden MarxistInnen nur die sofortige Verstaatlichung der gr&ouml;&szlig;eren Konzerne, Firmen im ausl&auml;ndischen Eigentum, der Banken und des Au&szlig;enhandels bef&uuml;rworten. Die Sandinistas haben sich jedoch gro&szlig;e M&uuml;he gegeben, den &ouml;rtlichen Kapitalisten und den ausl&auml;ndischen Regierungen zu versichern, dass sie die ?gemischte Wirtschaft? beibehalten wollen. <br \/> Einer der haupts&auml;chlichen FSLN-F&uuml;hrer, Tomas Borge, hat immer wieder von der Sehnsucht der Sandinistas gesprochen, eine gemischte Wirtschaft beizubehalten. Er sagte der Pariser ?Le Monde? dass ?wir nicht, um den Amerikaner zu gefallen, von politischem Pluralismus und gemischter Wirtschaft reden. Das ist unser Programm.? (19. Dezember 1982) Aber in einem anderen Interview ein paar Tage fr&uuml;her in der ?La Republica? in Lima beschwerte Borge sich: ?Wir geben den Gesch&auml;ftsleuten viele Konzessionen, Kredite, Infrastruktur, aber sie bleiben unzufrieden. Sie wollen sich nicht damit abfinden, dass sie die politische Macht verloren haben.? (12. Dezember 1982). <br \/> Das fasst das Dilemma treffend zusammen, vor dem die Sandinistas stehen. Die Revolution von 1979 zerschlug die alte Staatsmaschine, lie&szlig; die nicaraguanische Bourgeoisie ohne ?bewaffnete Formationen von Menschen? zur&uuml;ck, mit denen sie ihre Herrschaft sichern. Ohne solch eine Garantie in der Form einer wenigstens verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig sicheren kapitalistischen Staatsmaschine werden die Kapitalisten nicht investieren und ohne Investitionen kann die Wirtschaft nicht funktionieren. Aber statt die f&uuml;hrenden Kapitalisten zu entfernen und mit der Planung der Wirtschaft zu beginnen, versuchen die Sandinistas, sie zu beschwichtigen, eine Politik, die ihnen mindestens teilweise durch die russische und kubanische F&uuml;hrung aufgedr&auml;ngt wurde, die z&ouml;gern, eine Konfrontation mit dem US-Imperialismus zu provozieren, indem sie bei der Errichtung des ersten proletarisch-bonapartistischen Staates auf dem amerikanischen Festland helfen. <br \/> Dass sie nicht klar mit dem Kapitalismus gebrochen haben, hat zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Nicaraguas beigetragen und, was wichtiger ist, Reagan nicht bei dem Versuch der Zerschlagung der Revolution gestoppt. Reagan wird weiter einen Sieg f&uuml;r die Reaktion zu sichern versuchen, weil die fortgesetzte Entfaltung der nicaraguanischen Revolution die revolution&auml;ren K&auml;mpfe in ganz Zentralamerika ermutigt. Egal welche Kompromisse die Sandinistas mit dem Kapitalismus oder der US-Regierung zu machen versuchen, Reagan wird seine Politik beibehalten, solange es keine Bewegung in den USA selbst gibt oder die Revolution sich erfolgreich auf andere zentralamerikanische L&auml;nder ausbreitet. Tats&auml;chlich ist die FSLN-Politik, Reagan nicht provozieren zu wollen, sehr gef&auml;hrlich, weil die beste Sicherung f&uuml;r die Fortsetzung der Revolution die Festigung der Arbeiterdemokratie innerhalb Nicaraguas und ein internationalistischer Appell an die ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen in Nord- und S&uuml;damerika ist, diesem Beispiel zu folgen. <br \/> Alan Woods wies jedoch in der MIR vom Winter 1983\/84 darauf hin, dass die sandinistische Politik kein Zufall ist, sie ergibt sich daraus, dass die F&uuml;hrer der FSLN ?die Idee der ?Zwei-Etappen?-Theorie der Revolution [anerkennen]. Der Kapitalismus in Nicaragua ist wie in ganz Zentralamerika v&ouml;llig verfault, korrupt und degeneriert. Es gibt keinen Weg vorw&auml;rts f&uuml;r die nicaraguanische Revolution auf dieser [kapitalistischen] Grundlage. Und doch bestehen die Sandinistas auf dem vergeblichen Versuch, eine Art Privatsektor in Nicaragua aufrechtzuerhalten. Es ist ein Fehler, sich vorzustellen, dass der Kapitalismus in Nicaragua gegenw&auml;rtig beseitigt sei. Statt dessen haben wir einen &auml;u&szlig;erst merkw&uuml;rdigen Zustand wo auf der einen Seite der alte Somoza-Staat v&ouml;llig zerschlagen wurde &#8211; der Staat ist im marxistischen Sinne eine bewaffnete Formation von Menschen zur Verteidigung bestimmter Eigentumsbeziehungen &#8211; und ein v&ouml;llig neuer Staat in Nicaragua errichtet wurde, der von den Sandinistas kontrolliert wird. Und doch bleiben nach den j&uuml;ngsten Zahlen 60 % des Landes (und der Industrie) in privaten H&auml;nden. Die wirtschaftliche Macht der Bourgeoisie wurde daher in Nicaragua nicht entscheidend zerst&ouml;rt. Darin liegt die Gefahr. <br \/> Diese Lage kann nicht &uuml;ber l&auml;ngere Zeit bestehen. Entweder werden die Sandinistas, gest&uuml;tzt auf die ArbeiterInnen und B&auml;uerInnen den Prozess zu Ende f&uuml;hren und die Wirtschaft verstaatlichen, oder sonst ist es nicht ausgeschlossen, dass die Bourgeoisie unter gewissen Bedingungen frische Kr&auml;fte erlangen und den neuen Staat ausl&ouml;schen w&uuml;rde.? <br \/> Die widerspr&uuml;chliche Lage, in der die Kapitalisten noch die Wirtschaft, aber nicht mehr den Staat kontrollieren, wird nicht ewig andauern. Der Widerspruch kann nur gel&ouml;st werden, indem entweder der Staat den L&ouml;wenanteil der Wirtschaft durch Verstaatlichung &uuml;bernimmt oder der Bourgeoisie durch den Sieg der Konterrevolution erlaubt, einen neuen kapitalistischen Staat zu schaffen. Die Trag&ouml;die ist, dass die Sandinistas den Kapitalisten die Gelegenheit geben, die Konterrevolution zu entwickeln in der Wirtschaft und durch ihre Versuche, politische Vereinbarungen mit Teilen der nicaraguanischen Bourgeoisie zu erreichen. <br \/> Der v&ouml;llig konterrevolution&auml;re Charakter der nicaraguanischen Kapitalisten zeigt sich an der anf&auml;nglichen Weigerung ihres haupts&auml;chlichen politischen B&uuml;ndnisses, der CDN, an den f&uuml;r November angesetzten Wahlen teilzunehmen, solange die Sandinistas nicht Verhandlungen mit den bewaffneten ?Contra?-Banden zustimmen, die das Land angreifen. <br \/> Mitte August zog die CDN pl&ouml;tzlich diese Forderung zur&uuml;ck. Der ?Guardian? berichtete, dass ?mehrere lateinamerikanische und europ&auml;ische Regierungen die CDN unter der Hand informierten, dass ihre Entschuldigung f&uuml;r den Wahlboykott unzureichend sei. Viele waren auch irritiert, dass die CDN zulie&szlig;, so eng mit den Contras identifiziert zu werden.? (16. August 1984); mit anderen Worten sagten die ausl&auml;ndischen Unterst&uuml;tzer der Konterrevolution der CDN, sie sollte ihre Herangehensweise &auml;ndern, um einen besser klingenden Vorwand f&uuml;r die Intervention gegen die Revolution zu fabrizieren. <br \/> Die Kapitalisten hoffen immer noch, dass ein Wahlboykott durch ihre Parteien die &ouml;ffentliche Rechtfertigung f&uuml;r ein noch gr&ouml;&szlig;eres Niveau der von den USA gef&ouml;rderten Intervention gegen die Revolution liefern wird, wenn Reagan wiedergew&auml;hlt wird. Es gibt klar keine M&ouml;glichkeit, dass sich die nicararguanische Bourgeoisie mit der Revolution vers&ouml;hnen kann, aber die Sandinistas sind immer noch nicht bereit, feste Ma&szlig;nahmen gegen Gruppen wie die CDN zu ergreifen, die klar der politische Fl&uuml;gel der ?Contra?-Gangster ist, m&ouml;glicherweise in der vergeblichen Hoffnung, dass diese Geste Reagans Intervention stoppen wird. <br \/> Dies ist das Ergebnis des Akzeptierens der ?Zwei-Etappen?-Theorie der Stalinisten durch die FSLN-F&uuml;hrer, dass es notwendig sei, die ?Demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft? zu schaffen (die man manchmal jetzt f&auml;lschlich eine ?Arbeiter-und-Bauern-Regierung? nennt) als getrennte und unterschiedene Etappe vor dem Bau der Arbeiterdemokratie auf der Grundlage der geplanten verstaatlichten Wirtschaft zu schaffen. <br \/> Dies f&uuml;hrte dazu, dass die FSLN st&auml;ndig versuchte, Abkommen mit den sogenannten ?demokratischen? Kapitalisten zu erreichen, w&auml;hrend es in der Tat so etwas wie eine demokratische Bourgeoisie in Nicaragua nicht gibt. Wenn man eine kleine Handvoll von niemanden repr&auml;sentierenden kapitalistischen Politikern beiseite l&auml;sst, die denken, dass sie aus der Zusammenarbeit mit dem Regime pers&ouml;nlich gewinnen k&ouml;nnen, ist die Masse der Kapitalisten entschlossen, die Revolution zu zerschlagen. <br \/> Aber die ?Zwei-Etappen?-Theorie hat bedeutet, dass die FSLN-F&uuml;hrer gez&ouml;gert haben, die haupts&auml;chliche interne Basis der Kapitalisten durch Verstaatlichung zu entfernen. In der Tat sind die Hauptf&uuml;hrer der ?Contras? b&uuml;rgerliche F&uuml;hrer, die einmal von den Sandinistas in ihre ?revolution&auml;re? Regierung einbezogen waren. Arturo Cruz, der ehemalige CDN-Pr&auml;sidentschaftskandidat, der bis vor kurzem Gespr&auml;che mit den Contras forderte, war tats&auml;chlich von der FSLN im Mai in die Junta berufen worden als Ersatz f&uuml;r einen anderen kapitalistischen F&uuml;hrer, der aus Protest gegen die Politik der Sandinistas aus der Junta zur&uuml;cktrat. Heute zahlt Cruz seinen fr&uuml;heren F&ouml;rderern zur&uuml;ck, indem er Reagan einen Vorwand zum Eingreifen wegen ?undemokratischer? Wahlen liefert. <br \/> Diese Theorie der Stalinisten soll auf dem beruhen, was w&auml;hrend der russischen Revolution geschah, aber in der Tat ist es das v&ouml;llige Gegenteil. Es gab nie eine Periode, in der Lenin und die Bolschewiki mit kapitalistischen F&uuml;hrern in der Regierung zusammenarbeiteten, aber die Stalinisten argumentieren immer f&uuml;r die Zusammenarbeit mit sogenannten ?demokratischen? Kapitalismus und pervertieren alles, wof&uuml;r Lenin jemals gek&auml;mpft hat. <br \/> Sch&auml;ndlicherweise werden diese Ideen jetzt von den fr&uuml;heren Anh&auml;ngern Trotzkis in der Socialist Workers Party der USA wiederholt, die jetzt vor dem Stalinismus kapituliert haben. Diese Abtr&uuml;nnigen vom Marxismus haben die Ideen von Marx, Engels, Lenin und Trotzki entstellt, um eine v&ouml;llig neue Etappe zwischen Kapitalismus und Arbeiterdemokratie zu schaffen, die sie ?ArbeiterInnen-und-B&auml;uerInnen-Regierung? nennen, in der die Hauptsektoren der Wirtschaft noch nicht verstaatlicht sind. Angesichts der Schwierigkeit, diese Position mit der des Marxismus zu vers&ouml;hnen, musste ein SWP-F&uuml;hrer eine ?Klarstellung? in einer Fu&szlig;note zu einem k&uuml;rzlichen Artikel machen und zugeben, dass ?Marx, Engels, Lenin und andere Arbeiterdemokratie in einem Sinne verwendeten, der auch einen Staat umfasste, indem die politische Macht der ausbeutenden Klasse abgerungen wurde und vom Proletariats und seinen Verb&uuml;ndeten in die H&auml;nde genommen wurde, aber in der sozialistische Eigentumsformen (das hei&szlig;t geplante Wirtschaft) noch nicht vorherrschen.? (?New International?, Nr. 3, S. 92) <br \/> Die US-SWP muss zugeben, dass ?Lenin in den Jahren nach dem Oktobersieg viele verschiedene Ausdr&uuml;cke verwendete, um den revolution&auml;ren Prozess zu beschrieben, den die Bolschewiki f&uuml;hrten: Diktatur des Proletariats, ArbeiterInnen-und-B&auml;uerInnen-Regierung, sozialistischer Staat, Sowjetrepublik, Diktatur des Proletariats und der armen B&auml;uerInnen, proletarischer Staat etc.? (S. 64) Dies zeigt ziemlich klar, dass diese Abtr&uuml;nnigen versuchen, der Forderung nach einer ArbeiterInnen-und-B&auml;uerInnen-Regierung eine v&ouml;llig neue Bedeutung zu geben, eine, die das fortgesetzte Vorhandensein einer kapitalistischen Wirtschaft beinhaltet und mit der Rechtfertigung der sandinistischen Weigerung endet, entschieden gegen die Bourgeoisie vorzugehen, eine Politik, die die ganzen Zukunft der Revolution gef&auml;hrdet. Wie wir vorher erkl&auml;rt haben, gibt es nur durch die Vollendung der nicaraguanischen Revolution, das hei&szlig;t den Sturz des Kapitalismus, eine Chance, die Konterrevolution zu besiegen. Jede Verschiebung oder Z&ouml;gern beim Zerschlagen der Kapitalisten wird ihnen nur eine weitere Gelegenheit zur Organisierung der Reaktion geben. <br \/> Klar wird selbst die Errichtung einer Arbeiterdemokratie in Nicaragua nicht unmittelbar zum Sozialismus f&uuml;hren. Eine sozialistische Gesellschaft kann nur auf der &Uuml;berwindung aller Formen des Mangels durch die Erhebung der Arbeitsproduktivit&auml;t auf viel h&ouml;here Niveaus erreicht werden, als sie unter dem Kapitalismus erreicht worden sind. Damit dies stattfindet, muss der Kapitalismus und daher der Imperialismus mindestens in einer Reihe der fortgeschrittensten kapitalistischen L&auml;nder oder, wahlweise, der Stalinismus in der Sowjetunion gest&uuml;rzt werden. Aber ein kleines unterentwickeltes Land wie Nicaragua kann die sozialistische Weltrevolution zwar nicht vollenden, aber beginnen. <br \/> Der Sieg der sozialistischen Revolution in Nicaragua w&uuml;rde nicht nur bei der Umgestaltung Zentralamerikas helfen, sondern h&auml;tte tiefgehende Wirkungen auf die gr&ouml;&szlig;eren lateinamerikanischen L&auml;nder wie Mexiko, Brasilien, Argentinien, Chile etc. Die Errichtung einer Arbeiterdemokratie in einem dieser gr&ouml;&szlig;eren L&auml;nder w&uuml;rde die ganze Weltlage &auml;ndern und die endg&uuml;ltige Niederlage von Kapitalismus und Stalinismus ank&uuml;ndigen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Arbeiterklasse selbst in einem kleinen Land wie Nicaragua, dessen Bev&ouml;lkerung halb so gro&szlig; wie die Londons ist, mit marxistischer Politik bewaffnet wird. Ein Sieg f&uuml;r das Programm des Marxismus in einem einzigen Lande heute w&auml;re Gr&uuml;nes Licht f&uuml;r den Beginn der Weltrevolution, die die ganze Menschheit umgestalten w&uuml;rde.<\/p>\n<p> <span style=\"font-weight: bold;\">Die Sandinistas besiegt &#8211; ein Sieg f&uuml;r die Reaktion (1990) <\/span><br \/> Alejandro Rojas untersucht die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Niederlage der FSLN und zieht Lehren f&uuml;r k&uuml;nftige K&auml;mpfe <br \/> [Militant International Review, Nr. 43, Fr&uuml;hjahr 1990] <\/p>\n<p> Die j&uuml;ngste Wahlniederlage der sandinistischen FSLN in Nicaragua wird eine gro&szlig;e Entt&auml;uschung f&uuml;r AktivistInnen der Arbeiterbewegung international sein. Sie hat besonders die Jugend von Zentral- und S&uuml;damerika geschockt und desorientiert, die das sandinistische Regime begeistert unterst&uuml;tzt hat. Aus ihm zogen sie Ermutigung und Inspiration, da sie sie als sozialistische Revolution wahrnahmen, die den m&auml;chtigen ?Gringo-Yankee?-Imperialismus bek&auml;mpfte. <br \/> Ortegas Niederlage gegen die 13-Parteien-Koalition UNO kam sowohl f&uuml;r die FSLN-F&uuml;hrung als auch die nicaraguanische Bourgeoisie und ihre Hinterm&auml;nner, den US-Imperialismus, &uuml;berraschend. <br \/> Der Sieg der UNO-Kandidatin Violeta Chamorro war der Sieg der Konterrevolution. UNO ist trotz der Teilnahme von zwei ?kommunistischen? Parteien von verschiedenen b&uuml;rgerlichen Parteien beherrscht, von denen die Unabh&auml;ngige Liberale Partei die gr&ouml;&szlig;te ist. Sie war in der j&uuml;ngsten Periode in Wirklichkeit die politische Stimme der Contras. <br \/> Wie bei allen Siegen und Niederlagen kann man entscheidende Lehren lernen, die den Kampf gegen Gro&szlig;grundbesitz und Kapitalismus st&auml;rken k&ouml;nnen. Vom allerersten Anfang der Revolution an, als die FSLN die Macht &uuml;bernahm, haben ?Militant? und ?MIR? gewarnt, dass das Versagen der Sandinistas bei der Vollendung der Revolution und dem Sturz von Kapitalismus und Gro&szlig;grundbesitz schlie&szlig;lich den Weg f&uuml;r die Konterrevolution bereiten w&uuml;rde. Dieser Prozess ist klar auf dem Weg. Ob er vollendet werden wird, ob die Bourgeoisie volle Kontrolle wieder erlangen und die Errungenschaften der Revolution abbauen und einen relativ stabilen Staatsapparat errichten wird, wird von vielen Faktoren abh&auml;ngen, nicht zuletzt von internationalen Entwicklungen. Der Zeitpunkt des Beginns der kommenden Weltrezession und das Tempo der Entwicklung der Revolution im Rest des s&uuml;dlichen Amerika wird entscheidend sein. <br \/> MarxistInnen haben eine Verantwortung, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie wenig schmackhaft ist. Zweifellos entspringt diese Niederlage direkt aus den Fehlern der FSLN-F&uuml;hrung und ihrer Politik der Beschwichtigung des US-Imperialismus und der Anpassung an Gro&szlig;grundbesitz und Kapitalismus. Trotz der Kontrolle der Sandinistas &uuml;ber den Staatsapparat nach der Revolution von 1979, schafften sie es nicht, Gro&szlig;grundbesitz und Kapitalismus zu st&uuml;rzen und lie&szlig;en die Mehrheit (60 %) der Wirtschaft in privaten H&auml;nden. Aber weder Imperialismus noch die nationale Bourgeoisie akzeptierten einen Staatsapparat, der nicht ihr eigener und daher unzuverl&auml;ssig war. Den Sandinistas blieb die schlechteste aller m&ouml;glichen Welten: eine Wirtschaft nicht unter ihrer Kontrolle und offen f&uuml;r die Sabotage durch Kapitalisten und Imperialismus, in Verbindung mit der milit&auml;rischen Offensive der von den USA unterst&uuml;tzten &Uuml;berbleibsel der Somoza-Staatsmaschine in der Form der Contras. <br \/> Das Ergebnis war eine wirtschaftliche Katastrophe, f&uuml;r die den nicaraguanischen Massen die Rechnung pr&auml;sentiert wurde. In Wirklichkeit wurden alle anf&auml;nglichen nach der Revolution erreichten Errungenschaften beseitigt. Das von den USA aufgezwungene Handelsembargo 1985 versch&auml;rfte die sich verschlechternde Wirtschaftslage noch mehr. Mehr als 50% des Bruttosozialprodukts wurden f&uuml;r R&uuml;stungsausgaben ausgegeben, die Wirtschaft brach einfach zusammen. Im Verlauf von 1989 allein schrumpfte die Industrie um 29 % und es gab 39 aufeinander folgende Abwertungen. Die Inflation stieg 1988 auf ein Rekordniveau von 33.600 % pro Jahr, was 1989 zu einem massiven K&uuml;rzungspaket f&uuml;hrte. <br \/> Der private Verbrauch fiel seit 1981 um 70 %, die Reall&ouml;hne um 90%. Im M&auml;rz 1989 konnten man mit einem durchschnittlichen Arbeiterlohn blo&szlig; 12 % der Gebrauchsg&uuml;ter eines Haushalts kaufen. Die Arbeitslosigkeit ist jetzt h&ouml;her als unter Somoza und der Lebensstandard tats&auml;chlich niedriger. Der Lebensstandard in Nicaragua ist so weit gefallen, dass der Nation das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen in der ganzen westlichen Halbkugel blieb, niedriger als auf Haiti! Dieser Zusammenbruch und das Fehlen einer von den Sandinistas angebotenen Perspektive f&uuml;r einen Ausweg war die zugrundeliegende Ursache f&uuml;r die Wahlniederlage. Die nicaraguanischen Massen wurden kampfm&uuml;de, sowohl wirtschaftlich als auch milit&auml;risch. In den letzten zwei Jahren des Kampfs gegen Somoza wurden 50.000 get&ouml;tet. Seitdem starben weitere 35.000 im Krieg gegen die Contras. <br \/> Die FSLN-F&uuml;hrung hat argumentiert, dass sie angesichts der wirtschaftlichen und milit&auml;rischen Macht des US-Imperialismus keine Alternative habe. Solch eine Behauptung ber&uuml;hrt den Kern der Analyse und Perspektiven, die sie vom ersten Beginn an f&uuml;r die Revolution &uuml;bernommen hatten. <br \/> Die russische Revolution vom Oktober 1917, unter der F&uuml;hrung von Lenin und Trotzki, lieferte ein klassisches Modell, wie die Revolution in einem r&uuml;ckst&auml;ndigen Land entlang gesunder Linien voranschreiten k&ouml;nne. Die schwache nationale Bourgeoisie, die mit dem Imperialismus verbunden war, war unf&auml;hig zur Vollendung der Aufgaben der b&uuml;rgerlichen Revolution, die sich stellten &#8211; das hei&szlig;t: der Entwicklung der Industrie, der L&ouml;sung der Bodenfrage, der nationalen Unabh&auml;ngigkeit und der Errichtung einer parlamentarischen oder b&uuml;rgerlichen Demokratie. <br \/> Die russische Revolution stellte heraus, dass diese Aufgaben die geschichtlich der kapitalistischen Klasse zugefallen waren, in so r&uuml;ckst&auml;ndigen L&auml;ndern jetzt dem Proletariat zufielen, das die armen B&auml;uerInnen und andere ausgebeutete Schichten hinter sich ziehen und de Leitung der Gesellschaft &uuml;bernehmen konnte, selbst wenn es in der Minderheit war. Nachdem es die Aufgaben der b&uuml;rgerlichen Revolution erledigt hatte, w&uuml;rde die Revolution unter der F&uuml;hrung der Arbeiterklasse unvermeidlich zu den in der sozialistischen Revolution gestellten Aufgaben weitergehen, deren Erfolg und k&uuml;nftige Entwicklung von der Entfaltung der Revolution in den fortgeschrittenen kapitalistischen L&auml;ndern abh&auml;ngen w&uuml;rde. Es war die Isolation der russischen Revolution nach einer Reihe von Niederlagen der Arbeiterbewegung in entscheidenden L&auml;ndern wie Deutschland, die den Weg f&uuml;r die politische Konterrevolution und das Wachstum der stalinistischen B&uuml;rokratie bereitete. <br \/> In der Nachkriegsperiode entwickelte sich eine weitere Wendung in der Entfaltung der kolonialen Revolution. In einer Reihe von L&auml;ndern wurde der Sturz des Kapitalismus und Gro&szlig;grundbesitz durchgef&uuml;hrt, aber auf verzerrte Weise. Die Gesellschaft war in einer Sackgasse, Guerillaarmeen auf der Grundlage der Bauernschaft kamen an die Macht, oft mit massiver Unterst&uuml;tzung in den St&auml;dten, wo aber das Proletariat mangels marxistischer F&uuml;hrung nicht bewusst an der Spitze der Revolution stand. Die Alternative war, dass Teile des alten Staatsapparats den Massendruck nutzten und eingriffen und Ma&szlig;nahmen zum Sturz von Gro&szlig;grundbesitz und Kapitalismus durchf&uuml;hrten. Die Errichtung eines staatlichen Produktionsplans stellte einen massiven Fortschritt dar. Diese Regime genossen zwar wie im Fall von Kuba Massenunterst&uuml;tzung, waren aber keine Arbeiterdemokratien. Die Staatsmaschine, die errichtet wurde, war die der b&uuml;rokratischen Regime des proletarischen Bonapartismus, die sich auf einen staatlichen Produktionsplan st&uuml;tzten, aber ohne dass das Proletariat das Management und die Planung der Gesellschaft unternahm. <br \/> Der Sturz der Somoza-Diktatur im Juli 1979 war das Ergebnis des spontanen Aufstands in den St&auml;dten. Da jede Alternative zur FSLN fehlte, wurde sie an die Macht gesto&szlig;en, das Proletariat &uuml;bernahm aber nicht bewusst die Leitung der Gesellschaft. Die FSLN war aber in diesem Stadium und w&auml;hrend einer langgezogenen Periode danach ungeheuer popul&auml;r und genoss Massenunterst&uuml;tzung. <br \/> Es wurde jedoch von Anfang an ein grundlegender Widerspruch geschaffen. Der geschaffene Staatsapparat war nach dem Modell von Kuba, aber die Wirtschaft blieb anders als auf Kuba von der Bourgeoisie beherrscht, trotz mancher Verstaatlichungen, besonders der alten Somoza-Landg&uuml;ter und -Fabriken. Der vorherrschende Fl&uuml;gel der FSLN-F&uuml;hrung folgte der sogenannten Zwei-Etappen-Theorie einer Periode kapitalistischer Entwicklung und Zusammenarbeit mit dem sogenannten ?fortschrittlichen Fl&uuml;gel? der nationalen kapitalistischen Klasse. <br \/> Aber die nicaraguanische Bourgeoisie und der US-Imperialismus akzeptierten die Sandinistas nicht, die zwar die kapitalistisch beherrschte Wirtschaft verteidigten, aber eine neue Staatsmaschine bildeten, die auf den Kr&auml;ften der Revolution beruhte. Sie war aus dem Blickwinkel der Bourgeoisie unzuverl&auml;ssig und drohte in einem Stadium die soziale Revolution unter dem Druck von unten zu vollenden, wenn auch in verzerrter Form. Angesichts ihrer Zusammensetzung am Beginn der Revolution f&uuml;hlten weder der US-Imperialismus noch die nationale Bourgeoisie, dass sie solch eine Staatsmaschine integrieren und zur Verteidigung ihrer eigenen Interessen verwenden k&ouml;nnten. Sie versuchten daher systematisch, ihn zu untergraben und zu st&uuml;rzen <br \/> Wie ihre kubanischen Gegenst&uuml;cke stellte sich die FSLN eine Periode kapitalistischer Entwicklung vor. Unter dem Einfluss der Krise und dem Druck der Massen &uuml;berlegten sie jedoch in verschiedenen Phasen, Kapitalismus und Gro&szlig;grundbesitz zu st&uuml;rzen. Nach 1979 und wieder 1985 gingen sie zur B&uuml;rokratie in Moskau, um Zustimmung zu erlangen. Bei jeder Gelegenheit erhielten sie einen Korb. <br \/> Erneut wurde die Rolle der stalinistischen B&uuml;rokratie im Prozess der Weltrevolution enth&uuml;llt. Sie lehnte die Durchf&uuml;hrung der Revolution ab, selbst auf verzerrte Weise, weil das das Gleichgewicht umkippen w&uuml;rde, das sie f&uuml;r sich und den Imperialismus suchten. Gorbatschow erkl&auml;rte in seinem Buch ?Perestroika?: ?Rechte Kr&auml;fte stellen unsere Interessen in Lateinamerika als die Absicht dar, eine Reihe von sozialistischen Revolutionen dort anzuzetteln. Unsinn! Die Weise, wie wir uns seit Jahrzehnten verhalten haben, beweist, dass wir nichts derartiges planen. Wir wollen weder seine Rohstoffe noch seine billigen Arbeitskr&auml;fte. Wir wollen keine Anti-US-Haltungen ausbeuten, geschweige denn sie anheizen, wir wollen auch nicht die traditionellen Verbindungen zwischen den USA und Lateinamerika aush&ouml;hlen.? (S. 187f.) <br \/> In Kuba blieb Castro 1960 wegen dem Boykott der USA, die vor der Verstaatlichung 90 % der Wirtschaft beherrschten, keine Alternative, als die Revolution trotz der Opposition aus Moskau zu vollenden. Moskau nahm Kuba in seine Einflusssph&auml;re auf, nachdem es vor der vollendeten Tatsache der des Sturzes des Kapitalismus stand. In Nicaragua ging die FSLN nicht diesen Weg, sondern versuchte systematisch, eine Verst&auml;ndigung mit der nicaraguanischen Bourgeoisie zu finden und den US-Imperialismus zu bes&auml;nftigen, indem sie seinen Forderungen ein Zugest&auml;ndnis nach dem anderen machte. <br \/> Die Folge war die Wahlniederlage, die einen &uuml;ber einen Zeitraum stattfindenden Prozess widerspiegelte. Die Massenbeteiligung an den CDSs (Sandinistische Verteidigungskomitees), die auf ihrem H&ouml;hepunkt 500.000 erreicht hatte, war dramatisch gefallen. Diese K&ouml;rperschaften spielten nie die selbe Rolle wie die Sowjets in Russland, die als Organe der Kontrolle und Management durch die Arbeiterklasse dienten. Sie spiegelten zwar die Begeisterung wider, die f&uuml;r die Revolution bestand, dienten aber als Transmissionsriemen f&uuml;r die Entscheidungen des FSLN-Direktoriums, wo die Macht konzentriert war. <br \/> Die professionelle Armee wurde auf 80.000 zusammen mit einer 10.000 starken Polizeitruppe erh&ouml;ht, w&auml;hrend die ?Volksmiliz? verkleinert wurde. Die Massenorganisationen der FSLN wurden immer weniger demokratisch, die Beweise f&uuml;r Privilegien im Lebensstil der F&uuml;hrer nahmen zu &#8211; bei wachsender Armut der Massen. <br \/> K&uuml;rzlich fiel die Moral der sandinistischen AktivistInnen und Unterst&uuml;tzerInnen dramatisch, was die Wirkungen der sowohl wirtschaftlichen als auch milit&auml;rischen Ersch&ouml;pfung und das Fehlen einer Perspektive f&uuml;r einen Weg vorw&auml;rts zeigte. Ein Interview mit einem Ex-Sandinisten, Pablo, spiegelt wider, was passierte. Er erkl&auml;rte einfach: ?Ich war ein Radioingenieur. Ich, ein Radioingenieur, ein K&auml;mpfer in der Revolution, ein sandinistischer Brigadekommandant musste auf den Abfallhaufen gehen und Papier zum Verkaufen sammeln, um meine Kinder zu ern&auml;hren. Nicht ich habe mich ge&auml;ndert, die Sandinistas haben mich im Stich gelassen. Ich bin immer noch ein Revolution&auml;r.? (?The Independent?, 27. Februar 1990) <br \/> Die wachsende politische Degeneration der FSLN spiegelte sich in der ?Amerikanisierung? ihrer Wahlkampagne wider. Unter der Parole ?Alles wird besser werden? wurde alles angeboten au&szlig;er einem Programm, um die Revolution vorw&auml;rts zu bringen. Der Jugend (52 % der Bev&ouml;lkerung sind zwischen 16 und 28 Jahre) wurden auf Wahlkundgebungen kostenlose Kondome in den Farben der FSLN gegeben und ein Poster mit dem Text ?das erste Mal ist sch&ouml;n, wenn man es mit Liebe macht?. <br \/> Der US-Imperialismus beobachtete, wie sich diese Entwicklungen &uuml;ber einen Zeitraum entfalteten. Anf&auml;nglich heilten sie sich aus Angst vor den Folgen im Rest von Zentral- und Lateinamerika vor einer milit&auml;rischen Intervention zur&uuml;ck. Sie f&uuml;rchteten auch, dass sie nach einem anf&auml;nglichen milit&auml;rischen Sieg im Lauf der Zeit in einen neuen Guerillakrieg verwickelt w&uuml;rden, den sie nicht w&uuml;rden gewinnen k&ouml;nnen. Angesichts einer sandinistischen F&uuml;hrung, die ein Programm der Beschwichtigung der Interessen des Kapitalismus w&auml;hlte, war die vorherrschende Sicht der Strategen des US-Imperialismus, die sandinistische F&uuml;hrung einfach f&uuml;r sie die Arbeit machen zu lassen. Die Wahl Chamorros hat so eine Strategie best&auml;tigt. <br \/> Nur die von Lenin und Trotzki im Verlauf der Russischen Revolution angewandten Methoden boten eine Aussicht auf den Sieg &uuml;ber den Imperialismus und die Verteidigung der Revolution. Die Vollendung der Revolution mit dem Sturz von Gro&szlig;grundbesitz und Kapitalismus und der Errichtung einer wirklichen Arbeiterdemokratie h&auml;tte zweifellos ein Handeln des US-Imperialismus provoziert. Mit einer internationalistischen Perspektive h&auml;tte jedoch ein bewusster Appell f&uuml;r die Ausbreitung der Revolution auf den Rest von Zentralamerika und vor allem Lateinamerika gemacht werden k&ouml;nnen, das eine m&auml;chtigere Arbeiterklasse hat. Damit w&auml;re das Gespenst einer Niederlage des US-Imperialismus und der ersten Schritte der Entfaltung der Weltrevolution aufgekommen. Nur solch eine Alternative h&auml;tte den nicaraguanischen Massen die Aussicht auf Beteiligung an der Niederlage der haupts&auml;chlichsten imperialistischen Macht der Welt geboten. <br \/> Wie die Russische Revolution zeigte, war es mit solch einer Perspektive und Vertrauen ins internationale Proletariat m&ouml;glich, nicht nur eine, sondern 21 ausl&auml;ndische Interventionsarmeen zu besiegen. Das Proletariat und die armen B&auml;uerInnen konnten sogar noch gr&ouml;&szlig;ere Opfer als die nicaraguanischen Massen zur Verteidigung der Revolution bringen, weil sie bewusst waren und auf die Entwicklung der Weltrevolution vertrauten. Das Scheitern der internationalen Revolution bereitete zwar den Weg f&uuml;r die politische Konterrevolution in Form der stalinistischen B&uuml;rokratie, f&uuml;hrte aber immer noch nicht zum Verlust der sozialen Revolution und der durch die verstaatlichte Planwirtschaft gesicherten Errungenschaften. Jetzt hat die Sackgasse der stalinistischen B&uuml;rokratie jedoch dazu gef&uuml;hrt, dass zumindest ein Teil der herrschenden B&uuml;rokratenclique die Idee der Planwirtschaft aufgegeben hat und versucht, Markt und Privateigentum an den Produktionsmitteln wiederherzustellen. <br \/> Aber f&uuml;r die sandinistischen F&uuml;hrer war die Revolution, in den Worten eines der ?radikalsten? FSLN-F&uuml;hrer, Tomas Borge, ?eine nationale Angelegenheit?. Diese Herangehensweise f&uuml;hrte zur Ankunft der Konterrevolution und dem m&ouml;glichen Verlust der Errungenschaften der Revolution selbst. <br \/> Die Wahlen sind klar eine ernste Niederlage, eine, die h&auml;tte vermieden werden k&ouml;nnen, wenn sich die FSLN auf die Ideen von Lenin und Trotzki und eine klare Perspektive f&uuml;r die internationale sozialistische Revolution gest&uuml;tzt h&auml;tte. Sie stellt jedoch nicht die Errichtung einer vollst&auml;ndig stabilen Lage durch die Bourgeoisie dar. Mit 42 % der Stimmen ist die FSLN immer noch die bei weitem gr&ouml;&szlig;te Partei der Versammlung und eine m&auml;chtige Kraft. UNO ist eine sehr instabile Koalition. <br \/> Die UNO-F&uuml;hrung beabsichtigt jetzt klar, ihre eigenen Vertreter in den Staatsapparat zu integrieren. Die um Daniel Ortega gruppierte Mehrheit der FSLN-F&uuml;hrung wird wahrscheinlich mit der Bourgeoisie bei der Schaffung einer zuverl&auml;ssigeren Staatsmaschine zusammenarbeiten. Ersch&ouml;pfung durch den Krieg macht es wahrscheinlich, dass sie Erfolg haben werden. In der Tat entwickelte schon vor den Wahlen der sandinistische Staat Tendenzen zu einem b&uuml;rgerlich-bonapartistischen Regime, das mit den Kapitalisten zusammenarbeitete, Streiks verbot und den Forderungen des US-Imperialismus zustimmte, zum Beispiel die Freilassung fr&uuml;herer Mitglieder von Somozas Nationalgarde und selbst der R&uuml;ckkehr von ein paar ehemaligen Contra-F&uuml;hrer nach Nicaragua. <br \/> Unter den gegenw&auml;rtigen Bedingungen wird solch ein Prozess weitergehen. Er wird jedoch nicht v&ouml;llig glatt verlaufen. Die FSLN wurde als Koalition verschiedener Str&ouml;mungen gegr&uuml;ndet und gegens&auml;tzlicher Druck auf sie ging weiter. Es ist gut m&ouml;glich, dass ein Teil der FSLN, vielleicht um Tomas Borge, der an der Spitze der Streitkr&auml;fte steht, in Konflikt geraten wird und eine Spaltung sich in der Armee entwickeln wird. Wenn der Imperialismus und die Bourgeois zu schnell vorgehen w&uuml;rden, k&ouml;nnten sie leicht einen Gegenschlag von Teilen der Jugend rund um die FSLN erzeugen, die erneut den Weg des Guerillakampfes einschlagen k&ouml;nnten. <br \/> Der US-Imperialismus wird jetzt Ma&szlig;nahmen f&uuml;r Investitionen in der Wirtschaft ergreifen, um die Lage zu stabilisieren. In der Tat war das ein Faktor, der der UNO mangels durch die Sandinistas angebotener Alternative Unterst&uuml;tzung gebracht hat. Bush hat ein sofortiges Hilfspaket von 300 Millionen US-Dollar angeboten. Solch eine Investition w&uuml;rde der neuen Regierung Raum geben, um Zugest&auml;ndnisse zu machen. Das kann nach einem so verheerenden Zusammenbruch &uuml;ber einen gewissen Zeitraum eine Wirkung haben. <br \/> Mit dem Beginn einer neuen Weltwirtschaftskrise wird Nicaragua jedoch wie ganz Zentral- und S&uuml;damerika ernsthaft getroffen werden. Es wird unvermeidlich zu neuen Umw&auml;lzungen und K&auml;mpfen kommen, die wahrscheinlich in einem Stadium die Bourgeoisie dazu dr&auml;ngen werden, zu unbarmherzigeren Herrschaftsformen zu greifen, wenn sie eine zuverl&auml;ssige Staatsmaschine schaffen kann, auf die sie sich st&uuml;tzen kann. Wie weit sich solch ein Prozess entwickeln wird, h&auml;ngt von der Geschwindigkeit ab, mit der sich die Bewegung in Nicaragua vom letzen Jahrzehnt an K&auml;mpfen erholt und vom Tempo der sich in ganz Lateinamerika entfaltenden Revolution. <br \/> Wenn die Lehren aus der Erfahrung der nicaraguanischen Revolution gelernt werden, k&ouml;nnen sie einen k&uuml;nftigen Sieg der Massen in ganz Zentral- und Lateinamerika und die Errichtung einer Sozialistischen F&ouml;deration der Lateinamerikanischen Staaten ermutigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl?sslich des 25. 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